Eine Welt aus schwarz-weißen Kästchen

Leonie Müssig in der Gmünder Tagespost vom 25. August 2005

Ein Brett, eine Uhr und ein paar schwarze und weiße Spielfiguren, mehr braucht es, nicht zum Schachspielen. Seit über 50 Jahren treten beim Schachclub Leinzell Könige, Damen, Türme, Springer, Läufer und Bauern gegeneinander an.

Die Partie begann 1954, als vier Schachinteressierte den Schachclub 1954 Leinzell e.V. ins Leben riefen. Zu den Gründungsmitgliedern Franz Brückner, Max Dreher, Walter Scheffler und Albert Bauer gesellten sich bald weitere Schachbegeisterte. »Es waren ausschließlich Männer zwischen 40 und 50 Jahren«, erzählt Hartmut Brückner, Sohn eines der Gründungsmitglieder und seit vier Monaten erster Vorsitzender des Schachclubs. Mit der Zeit gewann der Club an Bekanntheit und zog immer mehr Jüngere ans Schachbrett. Die erste Frau, die mitspielte war Brückners Schwester Barbara.

Zwei Jahre nach der Gründung hatte sich die Mitgliederzahl schon verdoppelt. Im selben Jahr wurde die Bezirksjugendmeisterschaft nach Leinzell geholt. »Aus diesen Jugendmeisterschaften ist auch die Jugendarbeit in Leinzell gewachsen«, sagt Brückner. »Richtig los mit der Jugendarbeit ging es dann in den 70er Jahren.« Brückner war ebenfalls schon sehr früh dabei. 1956 kam er zum schwarz-weiß karierten Brett. Die Jugend ist laut Bruckner ein großes Aushängeschild beim Schachclub. Mit einer Leinzeller Schule gibt es seit einigen Jahren eine Kooperation.

Der Schachclub Leinzell zählt heute um die 60 Mitglieder, die Hälfte davon sind Jugendliche. »Wir machen viele Anfängerkurse«; sagt Brückner. Damit die Jugendlichen nicht nur vor den Schachbrettern grübeln, organisiert Jugendleiter Hans Wendel Grillfeste, Radtouren, Kegelabende oder Minigolfausflüge.

Rauchen und Handy verboten

Jeden Freitag treffen sich die Spieler im Vereinsraum der Gemeindehalle Leinzell zum Übungsabend. »Wir machen einpaar Blitzspiele und manchmal auch ein bisschen Theorie«, sagt Bruckner. Wirklich ernst wird es bei den Turnieren: »Im Jahr haben wir etwa fünf Turniere.« Gleich im September, wenn die neue Schachrunde losgeht, gibt es »Thematurniere«. »Vier oder fünf Züge werden vorgegeben, danach muss jeder individuell weiterspielen«, erklärt Bruckner. Spiele unter Wettkampfbedingungen gibt es bei der Vereinsmeisterschaft. Gegen Ende des Jahres findet das »Weihnachtsblitztumier« statt, gefolgt, vom vereinsinternen »Franz-Brückner-Pokal«. An fünf Freitagen gibt's das »Sommer Blitzturnier«, bevor es Ende Mai in die Spielpause geht.

»Natürlich nehmen wir auch an anderen Turnieren, wie den Staufen-Open teil«, sagt Hartmut Bruckner. Der Schachclub Leinzell hat sogar einen Schiedsrichter. Klaus Schumacher sorgt dafür, dass die vom Weltverband der Schachspieler (FIDE) vorgegebenen Regeln eingehalten werden. Hauptsächlich sind das Verhaltensregeln. Rauchen und seit einigen Jahren auch Handys sind während des Turniers verboten. »Früher wurde so gepafft, dass man das Brett nicht mehr gesehen hat«, erinnert sich Brückner.

Der Schachclub kann auf einige Erfolge zurückblicken. »Unsere erste Mannschaft hat sich mittlerweile in der Landesliga etabliert«, sagt Brückner stolz, »und die zweite wurde vergangenes Jahr Meister der Kreisliga.« Zwei Leinzeller Spieler waren auch schon bei internationalen Turnieren vertreten. Saskia Zikeli fuhr zur Jugendeuropameisterschaft nach Griechenland und Albert Geilfuß nahm sogar an der Weltmeisterschaft in. Spanien teil. Alle zwei Jahre wird es für alle Schachspieler international, wenn der Besuch des Schachvereins der Leinzeller Partnerstadt Danjoutin aus Frankreich ansteht.

Schach ist Denksport und soll Spaß machen. »Wir spielen zwar Schach als Hobby«, sagt Brückner, »versuchen aber auch Leistung zu bringen.« Dass eine Partie manchmal auch bis zu sechs Stunden dauern könne, schrecke jedoch oft Leute ab, die einfach so Schach spielen wollen. Brückner sieht das Schachspielen als eine gute Möglichkeit Verlieren zu lernen. »Bei der Spielanalyse sieht man, wo der Fehler gemacht wurde und kann diesen beim nächsten Spiel vermeiden.« Wer mehr über Eröffnungsstrategien und Spielzüge wissen möchte, kann Theorie in der kleinen Bibliothek büffeln, die der verstorbene langjährige Vorstand Karl Barth dem Schachclub vermacht hat. Hartmut Brückner ist nach fast 50 Jahren immer noch begeisterter Schachspieler: »Das ist wie Skat, man kann es die ganze Nacht durch spielen.«

Info

Wer auch mal über die schwarz-weißen Kästchen hüpfen möchte kann sich telefonisch bei Hartmut Brückner unter (07175) 4557 melden oder einfach Freitags ab 20:30 Uhr zum Trainingsabend in die Gemeindehalle Leinzell kommen.