Schottisch – C45

Miller, Martin - 1828
Reinders, Christian - 1584

SC Leinzell II – SG Gmünd III
Bezirksliga 0405, Runde 8, Brett 5, 06.03.2005

 

FotoMit seinem Sieg über die fast 250 DWZ-Punkte besser bewertete Gmünder Schachlegende Martin Miller steuerte der Leinzeller Nachwuchsspieler Christian Reinders einen wichtigen Punkt zum sensationellen 4-4 Endergebnis bei.

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.d4 exd4 4.Sxd4 Lc5 5.Le3 Lb6

Dieser Läuferrückzug wird selten gespielt. Wesentlich populärer ist 5...Df6 6.c3 Sge7 und nun z.B. 7.Lc4 Se5 8.Le2 Dg6 9.0-0 d6

6.Lc4

Interessant ist 6.Sf5 nun führt 6...Lxe3 7.Sxe3 Sf6 8.Sc3 zu einer typischen += Stellung. Ein Modellbeispiel für das Spiel von Weiß ist die Partie Smagin-Unzicker, Dortmund 1992: 8...0-0 9.Dd2 Te8 10.f3 d6 11.Le2 Se5 12.0-0-0 Ld7 13.Thg1 Lc6 14.Sf5 a6 15.g4 Kh8 16.g5 Sfd7 17.h4 Sc5 18.h5 Se6 19.f4 Sd7 20.Lc4 Sdc5 21.Ld5 Dd7 22.h6 g6 23.Sh4 De7 24.f5 Sf8 25.Dd4+ De5 26.Lxf7 1-0

6...Df6 7.c3 d6 8.f4

Ein ambitionierter Versuch. Weiß nimmt dem schwarzen Springer das Feld e5 und deutet an, dass er lang rochieren will. Der Hauptnachteil des Zuges ist nach meiner Meinung, dass nun der Läufer auf e3 ohne Deckung verbleibt.

8...Dg6

Die »elektronischen Helfer« bevorzugen 8...Sh6!?, um mit dem Springerzug nach g4 die Punkte f4 und d4 unter Druck zu setzen. Weiß sollte darauf mit 9.Sb5! gegenhalten. [Schwächer sind 9.h3 Dh4+ 10.Lf2 Dxf4 =+ und 9.Le2 0-0 10.0-0 Te8 =+] Nach 9...Lxe3 10.Sxc7+ Kd8 [nach 10...Kf8?! 11.Sd5 Lg4 12.Sxf6 Lxd1 13.Sd5 hat Weiß die besseren Aussichten.] 11.Sd5 [11.Sxa8? Lg4 12.Le2 Dxf4 ist günstig für Schwarz.] 11...Dg6 12.Sxe3 Dxe4 13.Dxd6+ Ld7 14.Dd3 Te8 15.Dxe4 Txe4 16.Kd2 Sg4! holt sich Schwarz den Bauern bei gleichem Spiel zurück.

9.Dc2?!

Dieser Zug gefällt mir nicht. Durch das Vis-a-vis der Damen auf der Diagonalen b1-h7 kann der weiße e-Bauer nicht mehr vorrücken und wird zur Zielscheibe für die schwarzen Figuren. Stellungsgerechter war wohl 9.0-0 Sf6 [auf 9...Dxe4?! folgt 10.Te1 Sge7 11.Ld3 Dd5 12.Lf2 mit besserem Spiel für Weiß.] 10.Te1 0-0 [10...Sxe4? ist schlecht wegen 11.Ld5 ±] 11.Sd2 mit beiderseitigen Chancen.

9...Sf6! 10.Sd2

Auf den ersten Blick sieht 10.Sb5? vielversprechend aus. Weiß will auf b6 tauschen und dann auf c7 oder d6 einen Bauern »einsacken«. Der Haken an der Sache ist 10...Lxe3! und nach 11.Sxc7+ Kd8 12.Sxa8 [der Einschub von 12.f5 Dg4 und nun 13.Sxa8 Te8! macht die Stellung für Schwarz nur noch attraktiver.] folgt 12...Te8! und Schwarz hat einen gewaltigen Angriff.

10...0-0

Den Bauernraub 10...Dxg2 11.0-0-0 Sg4 traut sich nicht jeder, gemäß Fritz 8 ist er aber vorteilhaft für Schwarz.

11.0-0-0 Te8 12.Ld3 Sxd4?!

Stärker war 12...Sg4! 13.Lg1 Lxd4 14.cxd4 Sb4 15.f5 Dh5 16.Db3 Sxd3+ 17.Dxd3 d5! mit besserem Spiel für Schwarz.

13.cxd4 Sg4

Interessant war 13...Dh6!? mit den Optionen Sf6-g4 und Sf6-d5-b4.

14.Lg1 Sh6!?

Auf diesen extravaganten Zug wäre ich nicht gekommen. Schlecht ist er aber nicht, der g2-Bauer hängt und mit d6-d5 kann man das Feld f5 »freischaufeln«.

15.Sf3 Dh5?!

Nun übertreibt er es. Normal war 15...d5 16.e5 Lf5 mit gleichen Aussichten.

16.Te1?!

Was sprach gegen 16.h3 Ld7 [16...c6?! 17.Lf2 ±] 17.d5 mit weißem Vorteil?

16...Lg4 17.Tf1 Tac8!? 18.Kb1 d5 19.e5 Sf5?

Christian stellt – zumindest scheinbar – die Drohung Sf5-g3 auf. Besser war jedoch 19...Lf5 20.h3 Lxd3 21.Dxd3 Df5 22.Dxf5 Sxf5 mit Ausgleich nach 23.Lf2

20.Lf2??

Dies ist der »Knackpunkt« der Partie – Martin Miller glaubt an die schwarze Drohung und gibt einen wichtigen Bauern ab. In der Folge bekommt Weiß keinen Fuß mehr auf den Boden.

Nach dem »Nullzug« 20.Ka1 sehen wir, dass 20...Sg3? nicht wirklich drohte. Es folgt 21.hxg3 Dxh1 22.Lh2 und die schwarze Dame ist gefangen.

Damit nicht genug, mit 20.Sg5! hätte sich Weiß sogar deutlichen Vorteil sichern können: 20...g6 [die Alternativen 20...Sg3 21.hxg3 Dxh1 22.Lxh7+ Kf8 23.Lf5 Dh5 24.Lxc8 ± oder 20...Sxd4 21.Lxd4 Lxd4 22.Lxh7+ Kf8 23.Lf5 ± führen ebenfalls zu klarem Vorteil von Weiß.] 21.h3 Sg3 22.Th2 Sxf1 [oder 22...Le2 23.Te1! Lxd3 24.Dxd3 ±] 23.hxg4 Dxh2 24.Lxh2 Sxh2 und nun gewinnt Weiß mit 25.Df2 Sxg4 [oder 25...h6 26.Sxf7 Kxf7 27.Dh4 +-] 26.Df3 Sh6 27.f5! +-

20...Lxf3 21.gxf3 Sxd4 22.Lxd4? Lxd4 23.Lf5 Tcd8 24.Lg4 Dh6 25.Dxc7?! Dxf4 -+

Nun verbleibt Schwarz mit zwei klaren Mehrbauern, welche ihm den Sieg garantieren.

26.Td1 Dxe5 27.Dc2 Te7 28.Dd2 Le3 29.Dd3 g6 30.The1 d4 31.Te2 Td6!

Die Turmverdopplung auf der offenen c-Linie ist natürlich ein sehr guter Plan.

32.Tf1 Tc7 33.a3 Tdc6 34.f4 Tc1+ 35.Txc1 Txc1+ 36.Ka2 Dd5+ 37.b3 Tc3 38.Db1 d3! 39.Txe3? Tc2+ 0-1

Kommentar: Klaus Schumacher