Roth, Lothar - 2077
Schumacher, Klaus - 1983

SC Leinzell I – SG Gmünd II
Landesliga 0405, Runde 5, Brett 1, 16.01.2005

 

Dieses interessante Endspiel erreichte ich gegen Lothar Roth am ersten Brett beim Spiel SC Leinzell 1 – SG Gmünd 2 in der Landesliga Ostalb 2004/2005. Nach fast exakt vier Stunden Spielzeit hatten wir die Zeitkontrolle geschafft und fragten zunächst nach dem Zwischenstand. Die Antwort lautete 3½-3½. Unsere Partie war also die letzte und musste die Entscheidung bringen.

Die Stellungseinschätzung ist (zunächst) einfach: Weiß wird sich zum geeigneten Zeitpunkt die Minusqualität zurückholen und dann im Turmendspiel mit dem Hebel c4-c5 einen Gewinnversuch unternehmen.

41.b3 T8d7 42.Ke3 Td8 43.Kd3 T8d7 44.Kc3 Td8 45.Tb5! Ke8!

Nur mit diesem Zug kann Schwarz ums Überleben kämpfen. Die Alternativen verlieren mehr oder weniger chancenlos:
45...Tb8? 46.Lxd6+ Kxd6 47.c5+ Kc6 48.Kc4 Tb7 49.cxb6 Td7 50.b7 Txb7 51.Txb7 Kxb7 52.Kb5 +-
45...Kd7? 46.Lxd6 Kxd6 47.Txb6+ Kc7 48.Ta6 +-
45...Kf7? 46.Lxd6 Txd6 47.c5 bxc5 [47...Tc6 48.Kc4 +-] 48.Txa5 Tc6 49.Kc4 +-
Den richtigen Zug hatte ich also gefunden, aber auf der Uhr war bereits eine halbe Stunde abgelaufen, was gar kein gutes Zeichen war.

46.Lxd6 Txd6 47.c5! Tc6?

Dieser Fehlzug beruht auf einer falschen Einschätzung beim möglichen Übergang ins Bauernendspiel. Nach dem korrekten 47...Td5! führt 48.Txb6 [Schwarz hat auch nach 48.cxb6 Txb5 49.axb5 Kd7 50.Kc4 Kc8 51.Kd5 Kb7 52.Kc5 Kc8 =, 48.Kc4 Td4+ 49.Kc3 Td5 = bzw. 48.b4 axb4+ 49.Kxb4 bxc5+ 50.Txc5 Txc5 51.Kxc5 Kd7 = keine Probleme.] 48...Txc5+ mit Zugumstellung zur Partie.

48.Txb6?

Zum Sieg von Weiß führt 48.Kc4! Txc5+ [48...bxc5 hilft auch nicht: 49.Txc5 Ta6 50.Tc8+ Kd7 51.Tg8 e4 52.Txg7+ Kd6 und nun gewinnt am schönsten 53.g5!! +-] 49.Txc5 bxc5 50.Kxc5 Kd7 51.Kb5 Kd6 52.Kxa5 Kc5 wir waren beide davon ausgegangen, dass dies eine Remisstellung sei, da Schwarz nach 53.b4+ Kc4 54.b5 e4 55.b6 e3 56.b7 e2 57.b8=D e1=D+ mit Schach umwandelt. Es folgt jedoch 58.Ka6 und nun wird klar, dass es für den Nachziehenden keine vernünftige Fortsetzung gibt, z.B. 58...De4 59.Db5+ Kc3 60.Kb6 +-
Paradoxerweise strebte ich das verlorene Bauernendspiel auch im weiteren Partieverlauf immer wieder an, aber Lothar verhinderte es mit aller Macht!

48...Txc5+ 49.Kd3 Kd7!

Weniger genau ist 49...Td5+ denn nach 50.Kc4! kann Weiß seinen König aktivieren. Schwarz wandelt danach auf sehr dünnem Eis: 50...Td4+ 51.Kb5 [auch nach der Alternative 51.Kc5 erreicht Schwarz nach 51...Txg4 52.Tb8+ Ke7 53.Tb7+ Ke8 54.Kd5 e4 55.Kd4 e3+ 56.Kxe3 Tg5 ausreichendes Gegenspiel.] 51...Td5+! [nach dem verführerischen 51...Txg4? erweisen sich die weißen Freibauern überlegen: 52.Kxa5 Tf4 53.b4! Txf5 54.b5! Kd7 55.Tb7+ Kd6! 56.Tb8! Txh5 57.b6 e4+ 58.Ka6 Th1 59.b7 Tb1 60.Td8+ Kc5 61.b8=D Txb8 62.Txb8 und auch der a-Bauer läuft zur Dame.] 52.Kc6 Td4! 53.Ta6 Tb4! 54.Txa5 Txb3 55.Ta8+ Kf7 56.Ta7+ Kf8! und Schwarz sollte sich halten können.

50.Tb7+

Dies zwingt den schwarzen Turm in eine passive Position. Die andere Möglichkeit war 50.Ta6 wonach der schwarze König zum Königsflügel zurückkehren muss. Dafür bleibt der schwarze Turm aktiv, was ausreicht, um das Gleichgewicht zu halten: 50...Ke7 51.Ta7+ Kf8 52.Ke4!? der weiße König will über das Feld d5 eindringen. [Nichts erreicht Weiß mit 52.Ta8+ Ke7 53.Tg8 Td5+! 54.Kc4 Td4+ 55.Kb5 Txg4 56.Kxa5 e4! =. Eine weitere Möglichkeit ist 52.Tb7 Td5+! nun führt der Gewinnversuch 53.Kc4!? nach 53...Td4+ 54.Kc5 Txg4 55.Tb5 Tf4 56.Txa5 Txf5 zu einer zweischneidigen Stellung.] 52...Tc3!? [52...Kg8 ist auch möglich.] 53.Txa5 Txb3 54.Ta8+ Kf7 55.a5 [oder 55.Kd5 Tb4 56.Kc5 Txg4 57.a5 Ta4 58.Kb5 Ta2 59.a6 e4 60.Ta7+ Kf8 61.Tc7 e3 62.Tc3 e2 63.Te3 Tb2+ =] 55...Tb5 56.Ta7+ Kf8 57.Kd3 Tb4 58.a6 Ta4 59.Kc3 e4! 60.Kd2 Ta3 61.Ke2 e3 62.Ta8+ Kf7 63.Kf3 Ke7 64.a7 e2+ 65.Kxe2 Kf7 =

50...Tc7 51.Tb5 Ta7 52.Kc4 Tc7+?!

Wieder eine ernsthafte Ungenauigkeit. Schwarz lässt ohne Not die Aktivierung des weißen Königs zu. Dass ich hier nicht 52...Kc6 gespielt habe, verstehe ich immer noch nicht. Weiß hat danach überhaupt keine Siegchance: 53.Tc5+ [oder 53.b4 axb4 54.Kxb4 Tb7 =] 53...Kb6 54.Tc8 Td7 =

53.Kd5 Ta7 54.Tb6

Kein Problem hat Schwarz nach 54.Kc5 Kc7 55.Tb6 Kc8 56.Kb5 Ta8 57.Tc6+ [oder 57.b4 axb4 58.Kxb4 Tb8 =] 57...Kd7 58.Kc5 Tb8 59.Ta6 Txb3 60.Txa5 Tc3+ 61.Kb4 Tc1 62.Ta7+ Tc7 =
Der beste Versuch ist 54.Tb8! diese Stellung bekommen wir in der Partie noch zu sehen.

54...Kc7 55.Tc6+ Kd7 56.Tc5?!

Eine aussichtsreiche Fortsetzung war hier 56.g5! diesen Durchbruch hatte ich nicht auf der Rechnung – ich glaube, Lothar auch nicht. 56...fxg5! 57.f6 gxf6 58.Txf6 Tb7 59.Txh6 Txb3 60.Kxe5 Ta3 ich denke, dass Schwarz hier die Balance halten kann. Ganz sicher bin ich mir aber nicht.

56...Ta6 57.Tb5 Ta7?!

A tempo gespielt – auf der Uhr waren nur noch etwas mehr als fünf Minuten – lässt dieser Zug wieder eine große Chance aus. Mit 57...Kc7! hätte ich die weißen Gewinnaussichten vernichten können: 58.Kc4 [58.Kc5 bringt gar nichts: 58...Tc6+ 59.Kd5 Ta6] 58...Tc6+ 59.Kd3 [59.Tc5 Kd6! =] 59...Ta6 und Weiß kann keine Fortschritte machen.
Wieso lässt man sich so eine günstige Gelegenheit entgehen? Nun, mit dem Partiezug entsteht zum zweiten Mal dieselbe Stellung – dem Gegner ist bisher noch nichts eingefallen – einmal noch und ich hätte das Remis.

58.Tb8!

Diesmal lässt sich Lothar die Chance nicht entgehen, mich vor Probleme zu stellen.

58...Kc7 59.Te8

Im Gewinnsinne chancenlos ist 59.Tb5 denn mit 59...Kd7 hätte ich auf Remis durch dreimalige Stellungwiederholung reklamieren können.
Nach 59.Tg8 Kb6 60.g5!? was sonst? Schwarz kommt aber nicht in Gefahr: 60...hxg5 61.h6 gxh6 62.Tg6 Td7+ 63.Ke6 Kc6 64.Kxf6 e4 65.Ke5+ Kc5 66.Kxe4 Te7+ 67.Kf3 Te5 =
Am ausichtsreichsten ist 59.Tf8!, aber auch hier scheint sich Schwarz retten zu können: 59...Tb7! 60.Kc5 Txb3 61.Tf7+ Kd8 62.Kd5! da der weiße Turm nun im zur Unterschied zur Partie nun nicht angegriffen ist, muss Weiß nicht auf g7 nehmen, sondern kann mit seinem König Druck machen. [62.Txg7 ergibt dieselbe Stellung wie in der Partie 62...e4! = und 62.Kd6! Tb6+ 63.Kd5 e4! 64.Kxe4 Tb4+ ist eine Zugumstellung zu 62.Kd5] 62...e4! [nicht 62...Tb4 63.Txg7 Txa4 64.Ke6 e4 65.Tg8+ Kc7 66.Kxf6 +-] 63.Kxe4 Tb4+ 64.Kf3 [oder 64.Kd5 Txg4 65.Ta7 Txa4 66.Txg7 Tb4 67.Ta7 Ke8 68.Txa5 Tb7 =] 64...Txa4 65.Txg7 Ta1 66.Tg6 a4 67.Txh6 a3 68.Th8+ [oder 68.Txf6 a2 69.Ta6 Tf1+ =] 68...Ke7 69.Ta8 Kf7 und Weiß kann seine Stellung nicht mehr verstärken: 70.Ta7+ Kg8 71.Kg2 Ta2+ 72.Kg3 Ta1 73.g5 fxg5 74.h6 Th1 =

59...Tb7!

Dieser Zug kostete mich meine letzten Zeitreserven, so dass ich ab hier im Blitztempo weiterspielen musste.

60.Kc5

Das Bauernendspiel nach 60.Te7+ Kb8 61.Txb7+ (was sonst?) 61...Kxb7 62.Kc5 Ka6 kann Schwarz nicht verlieren.

60...Txb3 61.Te7+ Kd8 62.Txg7 Tb4?

Zwar nicht der letzte, aber der entscheidende Fehlzug dieser Partie. Mit 62...e4! hätte ich doch noch die Punkteteilung erreichen können. Nach 63.g5! [nach 63.Kd4?! e3 oder 63.Kc4? e3 hat Schwarz die besseren Karten. Ebenfalls zum Remis führt 63.Tf7 e3 64.Txf6 Tb7! 65.Te6 Te7 66.Td6+ Td7 =] hätte ich aber auch noch 63...fxg5! finden müssen: 64.Tg6 e3 65.Txh6 Tb7! 66.Td6+ Ke8! [nach 66...Td7? 67.h6! entsteht ein Damenendspiel mit guten weißen Siegchancen.] 67.h6 Te7 68.Te6 Txe6 69.fxe6 e2 70.h7 e1=D 71.h8=D+ Ke7 und am Remis gibt es nichts mehr zu rütteln.

63.Kd6 Tb6+?!

Besser war 63...Ke8 aber am Partieausgang hätte dies nichts mehr geändert, z.B. 64.Ke6 Tb6+ 65.Kd5 Kf8 66.Ta7 e4 67.Kxe4 Tb4+ 68.Kd5 Txa4 69.Ke6 Tb4 70.Kxf6 Tb6+ 71.Ke5 Tb5+ 72.Kd6 Tb6+ 73.Kc5 Tb4 74.g5! und Weiß holt sich eine Dame.

64.Kd5 Tb4 65.Ke6 Tb6+ 66.Kf7 Tb7+?

Auch nach 66...Kd7 gewinnt Weiß leicht: 67.Kg6+ Kd6 68.Kxh6 e4 69.g5 fxg5 70.Tg6+ Kc5 71.f6! +-

67.Kxf6 Txg7 68.Kxg7 e4 69.f6 1-0

Kommentar: Klaus Schumacher