Slawisch-Abtauschvariante – D13

Bürger, Helmut - 1649
Neubauer, Martin - 1667

SC Leinzell II – SF Waldstetten I
Bezirksliga 0203, Runde 5, Brett 4, 19.01.2003

 

FotoHelmut Bürger ist das älteste aktive Mitglied beim Schachclub Leinzell. In der folgenden Partie zeigt er, dass man auch mit fast 80 Jahren noch ansprechendes Schach spielen kann. Nachdem sein Gegner strategisch verfehlt die Stellung öffnet, erhält er die totale Kontrolle. Danach baut er seinen Vorteil geduldig aus und fährt den Punkt sicher nach Hause.

1.d4 c6 2.c4 d5 3.cxd5 cxd5 4.Sc3 Sf6 5.Sf3 e6 6.Lg5 Ld6 7.e3 0-0 8.Ld3 h6 9.Lh4 Sbd7?!

Hier steht der Springer »grottenschlecht«. Was sprach gegen die Entwicklung auf das natürliche Feld c6?

10.0-0 a6 11.Tc1 Da5 12.Lb1 Te8 13.Dc2 e5?

Ein schwerer strategischer Fehler – Schwarz schätzt die Stellung vollkommen falsch ein, denn die Öffnung des Spiels kommt nur Weiß entgegen.

14.dxe5 Lxe5

Nach 14...Sxe5 15.Lxf6 Sxf3+ 16.gxf3 gxf6 17.Dh7+ steht Schwarz miserabel.

15.Tfd1

Sehr gut war auch 15.Sxe5! nach 15...Txe5 [ganz schlecht ist 15...Sxe5? 16.Lxf6 gxf6 17.Dh7+ und Weiß gewinnt.] 16.Tfd1 hätte Schwarz seinen d-Bauern wohl nicht mehr lange halten können.

15...Lxc3 16.Dxc3 Dxc3 17.Txc3

Wenn wir hier Bilanz ziehen, müssen wir feststellen, dass alle Vorteile bei Weiß liegen:

  1. bessere Entwicklung – der schwarze Läufer auf c8 macht einen grässlichen Eindruck.
  2. bessere Bauernstellung – Schwarz hat einen schlechten Isolani auf d5.
  3. das Läuferpaar – es ist nicht zu sehen, wie die schwarzen Springer Paroli bieten können.
  4. die aktiven Türme beherrschen die c- und die d-Linie – Schwarz kann das Eindringen auf c7 praktisch nicht verhindern.

17...b6?!

Schwarz hat den Ernst der Lage nicht begriffen. Er hätte sich unter allen Umständen etwas Luft verschaffen müssen. Nach 17...Se4 18.Tc7 g5 19.Lg3 Sxg3 20.hxg3 Sf6 steht Weiß zwar klar besser, aber ein »Selbstläufer« ist die Partie (noch) nicht.

18.Tc7 g5 19.Lg3 Tb8?! 20.Lf5

Ich hätte wohl 20.Sd4! bevorzugt, um mit dem Springer auf f5 einzusteigen.

20...Tb7 21.Tdc1

Da die schwarzen Figuren sehr unharmonisch stehen, kam auch 21.Tc6! stark in Betracht.

21...Txc7 22.Txc7 Td8?! 23.Se5?!

Hier hätte Helmut bereits zum KO-Schlag ansetzen können: 23.Sd4! Se8 [oder 23...Te8 24.Sc6 Kg7 25.Sa7 +-] 24.Ta7 Sg7 25.Sc6 +-

23...Se8?! 24.Tc6?!

Helmut will alles unter Kontrolle behalten, aber eine solche Einstellung kann auch schiefgehen. Besser war natürlich 24.Txd7 Lxd7 25.Sxd7 und die zwei Läufer sind dem schwarzen Turm haushoch überlegen.

24...Sef6?

Das Endspiel nach 24...Sxe5 25.Txc8 Txc8 26.Lxc8 ist zwar alles andere als schön für Schwarz, aber nur hier kann er noch auf einen halben Punkt hoffen. Nach 26...Sd6 27.Lxa6 f6 sollte Weiß zwar gewinnen, aber der Weg zum Sieg ist noch weit.

25.Lxd7

Wieder lässt Helmut einen KO aus. Nach 25.Sxd7 Sxd7 26.Td6! geht für Schwarz nichts mehr, z.B. 26...Kf8 27.Txd5 Ke7 28.Ld6+ Ke8 29.Lc7 +-

25...Sxd7 26.Txh6 Lb7 27.Sc6?!

Ein Plusbauer ist schön, aber zwei Mehrbauern sind besser: 27.Th8+! Kxh8 28.Sxf7+ Kg7 29.Sxd8 +-

27...Te8 28.h4 f6?

Hier und im nächsten Zug träumt Schwarz vom Turmfang, aber dieser erweist sich als Illusion.

29.Sd4! Kg7? 30.Sf5+ Kg8 31.hxg5 fxg5 32.Tg6+ Kh8 33.Txg5

Mit dem zweiten Bauerngewinn ist die Sache endgültig entschieden. In der Folge lässt Helmut nichts mehr anbrennen.

33...Sc5 34.Sd6 Te7 35.Th5+ Kg8 36.Le5 Th7 37.Tg5+ Kf8 38.Tf5+ Ke7 39.Sxb7 Sxb7 40.Ld4 Th6 41.Txd5 1-0

Kommentar: Klaus Schumacher