Colle-Aufbau - Do5

Vollmer, Burkhard - 1546
Neutzner, Joscha - 1547

SC Leinzell II - SK Sontheim II
Bezirksliga 0203, Runde 7, Brett 8, 16.03.2003

 

Burkhard VollmerDiese Partie ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich das Schachtraining beim Vereinsabend als sehr nützlich erweisen kann. Zwei Tage nach der Vorstellung des Colle-Aufbaus zum Thematurnier 2003 gelingt Burkhard in seiner ersten Partie mit diesem Eröffnungssystem eine eindrucksvolle Angriffspartie.

1.d4 e6 2.Sf3 Sf6 3.e3 d5 4.Ld3 c5 5.c3 Dc7 6.0-0 Sc6 7.Sbd2 Ld7!?

Sehr interessant. Schwarz will lang rochieren und strebt damit einen kompromisslosen Kampf an. Meist wird hier 7...Ld6 gespielt, wonach 8.dxc5 Lxc5 9.De2 0-0 10.e4 zur Hauptvariante im Colle-Aufbau führt.

8.Te1

Burkhard will den Vorstoß seines e-Bauern mit dem Turm unterstützen. Natürlich gibt es auch noch weitere thematische Colle-Züge:

Nach 8.dxc5 Lxc5 9.De2 0-0 10.e4 hätte Schwarz im Vergleich zur Hauptvariante das Tempo Lc8-d7 gewonnen.

Der sofortige Vorstoß des e-Bauern bereitet Schwarz überhaupt keine Probleme, nach 8.e4?! cxd4 9.cxd4 Sb4! [oder 9...dxe4 10.Sxe4 Sb4!] 10.Lb1 Lb5 11.Te1 Tc8 [interessant war auch 11...Sd3!?] 12.a3 Sc2 13.Lxc2 Dxc2 14.Dxc2 Txc2 15.e5 Sd7 16.Sb1 Tc6 stand Schwarz in der Partie Marshall-Aljechin, Karlsbad 1911 etwas besser.

Bleibt noch 8.De2, nach 8...0-0-0 9.e4 dxe4 10.Sxe4 ist die Stellung schwer einzuschätzen. Eine Möglichkeit ist 10...Sxe4 11.Lxe4 Ld6 12.dxc5 Lxc5 13.Le3 mit etwas besserem Spiel für Weiß.

8...0-0-0 9.e4

Burkhard spielt den thematischen Vorstoß im Colle-Aufbau. Mit der richtigen Antwort sollte Schwarz damit aber keine großen Probleme haben. Ein besserer Versuch, den schwarzen Aufbau in Frage zu stellen, ist das Bauernopfer 9.b4!? cxb4 [oder 9...c4 10.Lc2 Ld6 11.a4 bzw. 9...cxd4 10.b5 Sa5 11.cxd4] 10.c4! e5 11.Lb2 exd4 [schlecht ist 11...e4?, nach 12.cxd5! exd3 13.e4! steht Weiß klar besser. Auch nach 11...dxc4 12.Lxc4 exd4 13.exd4 Lg4 14.Tc1 gefällt mir die weiße Stellung besser.] 12.exd4 mit sehr guter Kompensation für den Bauern.

9...dxe4?!

Besser ist 9...cxd4! 10.cxd4 Sb4 11.Lb1 dxe4 12.Sxe4 Lc6 mit beiderseitigen Chancen.

10.Sxe4 Sxe4 11.Txe4?!

Meine Wahl wäre hier 11.Lxe4 gewesen, z.B. 11...cxd4 12.cxd4 Kb8 13.Ld2 Ld6 14.Tc1 mit den etwas besseren Aussichten für Weiß.

11...Ld6?!

Ein sicherer Weg für Schwarz war 11...cxd4 12.cxd4 Kb8 13.Lf4 Ld6

12.dxc5 Lxc5 13.b4! Ld6 14.De2 a6?

Dies ist ein schwerer strategischer Fehler. Schwarz gibt dem Weißen freiwillig eine Angriffsmarke für seine Attacke. Bessere Möglichkeiten für Schwarz waren 14...Kb8 oder 14...f5!?

15.a4 Kb8?

Nach diesem passiven Zug wird Schwarz ohne jegliches Gegenspiel abgeschlachtet. Um Weiß vor Probleme zu stellen, hätte er unbedingt 15...f5! versuchen müssen. Die folgende Variante ergibt zwar ebenfalls weißen Vorteil, aber Burkhard hatte während der Partie keinen Fritz, und es wäre die Frage gewesen, ob er die entsprechenden Züge gefunden hätte: 16.Tc4! e5 17.b5! e4 18.bxc6 Lxc6 [auf 18...bxc6 empfiehlt Fritz 19.Tb1!] 19.Lxe4 fxe4 20.Sd4 Lxh2+ 21.Kh1 Le5 22.Sxc6 bxc6 23.Txe4 Ld6 24.Dxa6+ mit klarem Vorteil für Weiß.

16.b5 axb5?!

Besser war 16...Sa5, aber auch hier steht der weiße Vorteil nach 17.bxa6 Sb3 18.Tb1 Sxc1 19.Txc1 außer Frage.

17.axb5 Sa5 18.Tea4 b6 19.c4!

Stark gespielt. Burkhard überdeckt vorsorglich den b-Bauern und macht so seinen weißfeldrigen Läufer beweglich.

19...Lc8 20.Le3 Lc5

Auf Züge wie z.B. 20...Lb7 gewinnt Weiß mit 21.Lxb6 Dxb6 22.Txa5 einen Bauern bei anhaltendem Angriff.

21.Lxc5 Dxc5 22.Se5!

Bereits die Entscheidung. Neben der Gabel auf f7 droht der Springer auf c6 einzusteigen. Damit wird der schwarze Springer eliminiert, wonach die weißen Türme auf der a-Linie ihre ganze Kraft entfalten können. Der Rest der Partie benötigt keinen weiteren Kommentar.

22...Tdf8 23.Sc6+ Sxc6 24.Ta8+ Kc7 25.bxc6 Kxc6 26.Le4+ Kd6 27.Dd2+ Ke7 28.T1a7+ 1-0

Kommentar: Klaus Schumacher