Englisch - A16

Brumm, Rainer (1691)
Wartlick, Ole (1908)

SG Gmünd II - SC Leinzell I
Landesliga 9900, Runde 8, Brett 7, 20.02.2000

 

Rainer BrummDer Reiz dieser Partie leigt vor allem darin, dass Rainer erst seit 1985 "Leinzeller" ist und davor nicht nur jahrelanger Vereinskamarad, sondern in vielen Spielzeiten auch der Mannschaftskamarad von Ole Wartlick war. Die Partie ist (zumindest in der ersten Hälfte) sehr kompliziert und alles andere als fehlerfrei, aber auch wirklich sehenswert.

1.c4 Sf6 2.Sc3 g6 3.g3 Lg7 4.Lg2 0-0 5.Sf3 d6 6.b4?!

Dieser extravagante Zug ist wohl gerade noch spielbar, aber auf einen Eröffnungsvorteil kann Weiß wegen der Schwächung der Diagonalen a1-h8 natürlich nicht mehr hoffen.

6...c6

In Frage kam natürlich auch 6...d5, nach 7.cxd5 Sxd5 8.Db3 führt die unterhaltsame Variante 8...Le6!? 9.Sg5 Se3 10.Sxe6 Sxg2+ 11.Kf1 Se3+ 12.dxe3 fxe6 13.Dxe6+ Kh8 14.Db3 Dd7 zu einer unklaren Stellung.

7.0-0 Le6

Wieder war 7...d5 ein ernsthafter Kandidat. Nach 8.Db3 d4 9.Sb1 Te8 10.d3 e5 entsteht eine für die Reti-Eröffnung typische Stellung.

8.c5?

Dieser Tempoverlust ist jedoch ein ernsthafter Fehler. Notwendig war 8.d3, darauf war 8...Sd5? nicht zu fürchten. [Auch 8...d5 9.Db3 dxc4 10.dxc4 Se4 11.Lb2 =; und 8...a5 9.Tb1 axb4 10.Txb4 = führen nicht zum Nachteil.] Weiß spielt stark 9.cxd5! und nach 9...Lxc3 10.dxe6 Lxa1 11.d4! ist der Läufer auf a1 eingeschlossen.

8...Sd5

Noch besser gefällt mir 8...a5! nach 9.b5 [oder 9.bxa5 dxc5 10.Tb1 Ta7! 11.d3 Dxa5 bzw. 9.Tb1 axb4 10.Txb4 Sa6 11.Txb7 Sxc5] 9...cxb5 10.Sd4 [10.Sxb5 dxc5] 10...b4 11.Sxe6 fxe6 12.Sa4 Sfd7 13.Tb1 Sc6 hat Schwarz einen soliden Vorteil.

9.Sg5 Sxc3 10.dxc3 Lxc3?!

Ole ist zu gierig und gibt mit dem voreiligen Bauernraub den Stellungsvorteil wieder aus der Hand. Viel besser gefällt mir 10...Lc4 und nach 11.Dc2 d5 hat Schwarz alle Optionen im Zentrum und außerdem mit b7-b6 bzw. a7-a5 prima Hebelzüge am Damenflügel.

11.Sxe6 fxe6 12.Tb1 Sa6?!

Der Doppelangriff auf b4 erweist sich als Illusion. Auch nach 12...Lg7 13.Db3 d5 14.Lh3 Sa6 [schlecht ist 14...Dd7? 15.e4! Sa6 16.exd5 cxd5 17.Te1 Sc7 18.Lf4 und Weiß gewinnt den Bauern mit klarem Vorteil zurück.] 15.Lxe6+ Kh8 16.e4!? gefällt mir die weiße Stellung besser.

Nach 12...d5 13.Lh3 Dd7 hat Weiß einen sehenswerten Turmlift: 14.Tb3! Lg7 15.Te3 mit etwas Vorteil für Weiß nach der Zurückeroberung des Bauern.

13.Db3 Lf6

Wahrscheinlich hatte Schwarz bei seinem 12. Zug hier 13...Lxb4? geplant. Aber nach 14.cxd6 Lxd6 [auf 14...Dxd6 folgt stark 15.Lf4!; ganz schlecht ist 14...exd6? 15.a3 Lc5 16.Dxe6+ Tf7 17.Txb7 +-) 15.Le3 Dc8 16.Dxb7 Dxb7 17.Txb7 hat Weiß klaren Vorteil, die schwarze Bauernstruktur bietet einen traurigen Anblick.

14.Dxe6+ Kg7?

Dies gibt Weiß auf h6 eine willkommene Angriffsmarke. Der beste Versuch war wohl 14...Tf7 15.cxd6 exd6 16.Lf4 Sc7! 17.Dxd6 Dxd6 18.Lxd6 Sb5 19.Lc5 a5! und die Aktivität seiner Figuren gibt Schwarz Hoffnung auf ein Überleben.

15.cxd6 exd6 16.Td1

Auch mit 16.b5! cxb5 17.Dh3! [schlechter ist 17.Lxb7?! Sc5 18.Dd5 Tb8! 19.Lc6 Sa4] 17...Tf7 18.Txb5 Sc5 19.Lh6+ Kh8 20.Tfb1 hätte Weiß klaren Vorteil erreichen können.

16...d5 17.De3?

Danach findet Schwarz ins Spiel zurück. Viel besser war 17.Dh3! mit der Drohung Lc1-h6+. Nach 17...Te8 18.b5! Sc7 19.bxc6 bxc6 20.Le3 steht Weiß klar besser.

17...Sc7 18.a4 a6

Vermutlich eine Reflexreaktion. Besser war zunächst 18...Te8 19.Dd3 De7 20.Te1 und nun erst 20...a6

19.Dd3 De7?

Dies gibt dem schwarzfeldrigen Läufer von Weiß eine sehr schöne Zielscheibe. Stattdessen war 19...Se6 der richtige Zug. Nun arbeitet 20.b5?! axb5 21.axb5 De7 wegen der geöffneten a-Linie nur dem Schwarzen in die Hände.

20.La3! b6?!

Es fällt leicht, diesen Zug zu tadeln, aber die Alternativen sind auch nicht "das Gelbe vom Ei":
20...Tfe8? 21.b5! Dxe2 22.Dxe2 Txe2 23.bxc6 bxc6 24.Tb7 Ld8 25.Ld6
20...Tae8? 21.b5! Dxe2 22.Lxf8+ Kxf8 23.Da3+
Am besten war wohl das Paradoxe 20...b5, obwohl Weiß auch hier Vorteil haben muss, z.B. nach 21.Tbc1 De6 22.a5!? Tac8 23.Tc2 De8 24.Lb2 Lxb2 25.Txb2 Df7 26.e4!?

21.Tbc1! De6 22.Dc2 Lg5?

Verzweiflung oder Rechenfehler? Auch nach 22...Tf7 23.Dxc6 Dxe2 24.Dxb6 Te8 25.Lf1 steht der weiße Vorteil außer Frage.

23.Dxc6 Lxc1

23...Dxc6 24.Txc6 Ta7 25.Txb6 hätte natürlich auch nicht mehr geholfen.

24.Dxc7+ Tf7 25.Dxc1 Td8 26.Dd2 Df5 27.Dd4+ Tf6 28.Lb2 Tdd6 29.De3 Tde6 30.Lxf6+ Kxf6 31.Dd4+

Rainer muss sich in hochgradiger Zeitnot befunden haben, denn sonst hätte Ole hier sicher aufgegeben.

31...Ke7 32.Dxd5 Txe2 33.Dxf5 gxf5 34.Lb7 Ta2 35.Lxa6 Txa4 36.b5 f4 37.Td3 fxg3 38.hxg3 h5 39.Tc3 Kd7 40.Kg2 1-0

Da das weiße Fallblättchen immer noch oben war, gab sich Schwarz (endlich) geschlagen.

Kommentar: Klaus Schumacher