Katalanisch - Eo8

Sand, Rolf (2066)
Barth, Karl (1880)

SV Aalen I - SC Leinzell I
4er-Pokal 9394, Finale, Brett 2, 12.02.1994

 

Karl BarthIm Finale des 4er-Pokals auf Bezirksebene in der Saison 1993/94 traf der SC Leinzell auf den damals zwei Spielklassen höher angesiedelten SV Aalen. Für die Entscheidung sorgte Karl Barth, der seinen fast 200 DWZ-Punkte besser bestückten Gegner mit einer "Galavorstellung" regelrecht demontierte.

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sf3 Sf6 4.g3 Sbd7 5.Lg2 c6 6.Dc2 Ld6 7.0-0 0-0 8.b3

In der geschlossenen Variante der Katalanischen Eröffnung spielt Weiß hier meist 8.Sbd2, um (in Verbindung mit Tf1-e1) den Vorstoß e2-e4 anzustreben. Ein Beispiel aus der Großmeisterpraxis: 8...b6!? 9.e4 dxe4 10.Sxe4 Sxe4 11.Dxe4 Lb7 12.Dc2 h6 13.Le3 c5? 14.Sg5! mit weißem Vorteil in Rausis-Gunnarsson, Reykjavik 1998

8...De7 9.Sc3 dxc4 10.bxc4 e5! 11.d5?!

Weiß kann der Versuchung nicht widerstehen, sich auf d5 einen Freibauern zu verschaffen. Besser war 11.e3, um die Kontrolle im Zentrum aufrechtzuerhalten, z.B. 11...Te8 12.a4 a6 13.Lb2 c5 14.d5 Sf8 15.e4 Lg4 16.Se1 Dc7 17.a5 mit etwas Vorteil für Weiß in D. Gurevich-Hernando Rodrigo, Internet ICC 2000

11...cxd5!

Sehr konsequent gespielt. Auf der offenen c-Linie bekommen die schwarzen Türme eine hervorragende Operationsbasis.

12.cxd5

Auch nach 12.Sxd5 Sxd5 13.cxd5 f5!? liegt die Initiative eindeutig bei Schwarz.

12...Sb6 13.e4 Ld7

Schwarz kann mit dem Eröffnungsverlauf sehr zufrieden sein. Der weiße Freibauer ist zuverlässig blockiert und seine Figuren stehen prächtig. Während Weiss von aktiven Operationen höchstens träumen kann, verfügt Schwarz über ein klares Konzept: Verdoppelung der Türme auf der c-Linie und dann eine Invasion der schwarzen Figuren auf dem geschwächten Damenflügel von Weiß.

14.Se1 Tfc8 15.Db3 Tc4!

Dieser starke Zug räumt nicht nur das Feld c8 für den anderen Turm, sondern kontrolliert auch die Felder b4 und a4, welche nun den schwarzen Figuren zugänglich sind. Desweiteren greift er mit dem e4-Bauern die Basis der weißen Bauernkette an.

16.Sd3 Tac8 17.Lb2 Sa4! 18.Tac1

Weiß muss das Läuferpaar abgeben, da Züge wie 18.Dxb7?? Sxb2 19.Dxb2 Txc3 mit Figurenverlust, oder 18.Sxa4?? Lxa4 mit Damenverlust nicht spielbar sind.

18...Sxb2 19.Sxb2 Tb4!

Dieser starke Turmzug zwingt die weiße Dame zurück in die Fesselung.

20.Dc2 Td4!

Der Turm räumt die Diagonale f8-a3 für den Läufer. Es droht vor allem 21...La3 nebst 22...Db4. Stark war auch 20...Dd8!, um die Dame auf den Damenflügel zu überführen. Nach 21.a3 Tb6 ist der weiße a-Bauer schrecklich schwach.

21.De2 Lb4 22.Sb1 Tc5!

Wieder ein starker Turmzug. Nun sieht sich Schwarz mit der sehr unangenehmen Drohung 23...Lb5 konfrontiert.

23.Tfd1 Lb5 24.De3 Dc7

Schwarz will (nach Turmtausch auf d1) über das Feld c2 in die weiße Stellung eindringen. Noch stärker war das sofortige 24...Sg4!, nach 25.Df3 Txd1+ [interessant ist auch 25...Dg5!?] 26.Txd1 Tc2! 27.Dxg4 Dc5! muss Weiß die Mehrfigur zurückgeben und kann sich kaum noch rühren.

25.a3 Sg4!

Schwach ist 25...Txd1+? 26.Txd1 La5, denn nun kann Weiß seinen Freibauern in Bewegung setzen. Nach 27.d6! Dc6 28.Sd3 Lxd3 29.Dxd3 Tc4 ist die Stellung unklar.

26.Txc5?

Hier und in der weiteren Folge häufen sich bei beiden Spielern die Fehler und Ungenauigkeiten. Dies erklärt sich daraus, dass sie sich bereits in Zeitnot befanden. Weiß verpasst die Chance, mit 26.Dg5! das Kombinationskönnen von Schwarz auf die Probe zu stellen. Nach 26...Txd1+ 27.Txd1 Tc2 28.axb4 [oder 28.Dxg4 Txb2 29.axb4 Le2 -+] bleibt Schwarz nur mit 28...Db6!! auf dem Gewinnweg. [Nach 28...Sxf2? 29.De3! Txb2 gewinnt Schwarz zwar einen Bauern, aber nach 30.Tc1 Dd8 31.Sa3! ist Weiß wieder im Spiel, da die schwarzen Figuren ihre Koordination verloren haben.] Eine mögliche Fortsetzung ist 29.Df5 Ld7! 30.Df3 Txf2 31.Sc4 Dxb4 32.Dc3 Dc5! 33.Kh1 Txg2! und Schwarz gewinnt.

26...Lxc5 27.Db3 Le2

Hier hätte Karl mit 27...Sxf2! die Partie sofort beenden können.

28.Tc1 b6?

Dieser unnötige Sicherheitszug gibt Schwarz wieder eine Überlebenschance. 28...Sxf2! wäre wieder entscheidend gewesen.

29.Dc2?

Mit 29.Tc2! La6 30.h3 Sf6 31.Sd2 hätte Weiß die schwarzen Figuren zurückdrängen können.

29...La6 30.Lf3?

In der beiderseitigen Zeitnot wäre 30.Kh1! ein interessanter Zug gewesen, um den Gegner zu verwirren.

30...Sxf2! 31.Kg2

oder 31.Dxf2 Tc4 32.Sxc4 Lxf2+ -+

31...Sd3 32.Sxd3 Lxd3 33.Dc3 Lxe4 34.Lxe4 Txe4 0-1

Durch das Fallen des weißen Blättchens hatte Karl die Partie gewonnen und der SC Leinzell war zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte Pokalsieger.

Kommentar: Klaus Schumacher