Englisch - A35

Mück, Heinz (1871)
Brückner, Hartmut (1738)

SC Leinzell II - SC Plüderhausen I
KK9900, Runde 7, Brett 1, 27.02.2000

 

Hartmut BrücknerDiese Partie zeigt, dass auch in der Gmünder Kreisklasse sehr interessantes Schach geboten wird. Mit den schwarzen Steinen vertritt Hartmut Brückner die "Leinzeller Farben". Hartmut ist nicht nur seit über 20 Jahren unser Vizepräsident, sondern hat mit fast 450 Einsätzen (Stand November 2002) mit Abstand die meisten Partien für den SC Leinzell absolviert.

1.Sf3 c5 2.d3 Sc6 3.c4 e5 4.Sc3 Sf6 5.Lg5 Le7 6.h3 d6 7.Dd2 a6 8.g4!? h5!? 9.Lxf6 gxf6?!

Dieser Zug gefällt mir nicht. Schwarz gibt ohne Not die kurze Rochade auf und verschlechtert völlig unnötig seine Bauernstruktur. Außerdem bekommt Weiß auf der h-Linie einen Freibauern, welcher in einem Endspiel partieentscheidend sein könnte. Besser war 9...Lxf6, nach 10.g5 Le7 11.Lg2 Le6 kann es sich Schwarz aussuchen, wo er im weiteren Verlauf die Stellung öffnet.

10.gxh5 Txh5 11.Lg2 Tb8 12.a4?!

Vermutlich ist dieser Zug eine Reflexreaktion, um den Vorstoß b7-b5 aus der Stellung zu nehmen. Dieser war aber nicht zu fürchten, nach 12.e3 b5?! [auch nach 12...Le6 13.0-0-0 hat Weiß die besseren Aussichten.] spielt Weiß 13.Sg1!. Nun hängt c6 und der weiße Springer strebt über e2 und g3 nach f5, z.B. 13...Ld7 14.Sge2 Th4 15.Sg3 Da5 16.Tg1!? mit der Drohung 17.Lxc6.

12...Le6 13.e3 Lf8?!

Ich hätte hier 13...f5 gespielt, um die Aktivität der schwarzen Figuren zu erhöhen. Nach 14.De2 Th6 ist es für Weiß nicht leicht einen guten Plan zu finden, z.B. 15.0-0-0?! b5! mit schwarzer Initiative.

14.De2 Th7 15.Sg1?!

Hier gefällt mir diese "Zurückentwicklung" gar nicht. Da das Feld e2 von der Dame besetzt ist, hat der Springer auf g1 keine Perspektiven. Mit 15.Sd2 hätte Weiß einen wesentlich sinnvolleren Springerzug zur Verfügung gehabt. Interessant war auch 15.d4!?, um das Gegenüber von weißer Dame und schwarzem König auszubeuten. Nach z.B. 15...cxd4 16.exd4 exd4 17.Sd5 sieht die weiße Stellung vielversprechend aus.

15...Sb4 16.Sd5 f5

Da Schwarz nun mit seinem c-Bauern auf b4 zurückschlagen muss, verliert er im Zentrum an Einfluss. Ich hätte 16...Sxd5 bevorzugt, nach 17.cxd5 Da5+ 18.Dd2 Dxd2+ 19.Kxd2 Ld7 sollte die Stellung für Schwarz in Ordnung sein.

17.Sxb4 cxb4 18.d4

Mit 18.Sf3! hätte Weiß seinen 15. Zug korrigieren können, z.B. 18...e4?! 19.Sd4 d5 20.a5 mit weißem Vorteil.

18...e4 19.b3

Besser gefällt mir 19.d5 Ld7 20.Dd2 um den Springer über e2 wieder ins Spiel bringen zu können.

19...Da5

Nun will Hartmut mit b7-b5 die Stellung am Damenflügel öffnen. Besser gefällt mir allerdings der Damenschwenk zum Königsflügel mit 19...Dg5!. Nach 20.Lf1 [oder 20.f4 Dg7 21.Ta2 b5!] 20...d5 21.Dc2 Tc8 22.c5 f4 hat Schwarz eindeutig das Kommando übernommen.

20.d5

Hier hätte 20.Dc2!? b5!? 21.d5! Lc8! [schwächer ist 21...Ld7?!, denn nach 22.Lxe4 Lg7 23.Lxf5 droht Weiß den Läufer auf d7 mit Schach zu schlagen.] 22.Lxe4 Lg7! zu einer unklaren Stellung führen können.

20...Ld7 21.Ta2 Dd8!? 22.f4?

Heinz will den Damenschwenk nach g5 unbedingt verhindern und nimmt dafür eine weitere Schwächung seines Königsflügels hin. Dagegen hätte er kühlen Kopf behalten sollen. Nach 22.Dd2 attackiert die weiße Dame den b4-Bauern und räumt das Feld e2 für den Springer. Nach 22...Dg5 23.Lf1 a5 24.Se2 ist die Stellung völlig unklar.

Ab hier spielt Hartmut ein bärenstarkes Finish. Mit jedem Zug verstärkt er seine Stellung und lässt seinem Gegner kaum noch Luft zum atmen.

22...Lg7! 23.Df2 Lf6! 24.Kd1 b5! 25.axb5 axb5 26.Lf1 bxc4 27.Lxc4 Ta8! 28.Th2?!

Heinz hätte 28.Txa8 Dxa8 29.Se2 versuchen sollen. Schwarz steht zwar offensichtlich besser, aber ein schnelles Partieende ist nicht in Sicht.

28...Ta3! 29.Txa3 bxa3 30.Tg2 Tg7 31.Txg7 Lxg7 32.Da2 Lb2 33.b4?

Heinz war wohl in hochgradiger Zeitnot, ansonsten hätte er dem d7-Läufer kaum freiwillig das Traumfeld auf a4 preisgegeben.

33...La4+ 34.Lb3

34.Ke2 Dh4! 35.Db1 Dg3 mit der Hauptdrohung 36...Dg2+ hilft natürlich auch nicht mehr.

34...Da8 35.Ke2 Lxb3 36.Dxb3 a2 37.b5 a1=D  0-1

Kommentar: Klaus Schumacher