Damenbauernspiel - Doo

Kessler, Jakob (1481)
Merklinger, Otto (1727)

7. Crailsheimer Open, Runde 7, 04.06.2001

 

Jakob KesslerFehler sind beim Schach das "Salz in der Suppe". In dieser Kampfpartie gibt es davon genügend, nach wechselhaftem Verlauf endet sie mit einem spektakulären Finale!

1.d4 d5 2.e3 g6 3.c4 e6 4.Sf3 Se7 5.Sc3 Lg7 6.Le2 0-0 7.0-0 a6 8.b3 c5 9.Lb2 cxd4 10.exd4 b6 11.La3 dxc4 12.Lxe7?!

Die freiwillige Aufgabe des Läuferpaares kann natürlich nicht gut sein.

12...Dxe7 13.Lxc4

Auch hier war 13.bxc4 sicher stärker.

13...b5 14.Ld3 Lb7

In Anbetracht der starken Läufer auf den langen Diagonalen und des weißen Schwächlings auf d4 steht Schwarz bereits deutlich besser.

15.Se4 Sc6 16.Sc5 Sxd4 17.Sxb7 Sxf3+?!

Nach 17...Dxb7 gewinnt Schwarz einfach einen Bauern. Wahrscheinlich dachte Schwarz, dass er nach 18.Sxd4 Lxd4 wegen der ungleichfarbigen Läufer nur geringe Gewinnchancen hätte.

18.Dxf3 Lxa1 19.Txa1 Tac8

Die entstandene Stellung ist ziemlich unklar. In der Folge verliert Weiß nach und nach den Faden.

20.g3

Jakob hätte mit 20.Lf1! seinen Läufer aus der Gefahrenzone entfernen sollen und gleichzeitig den Vorstoß a2-a4 vorbereiten sollen. Nach z.B. 20...Tc7 21.Sa5 Da3 22.Sc6 Tfc8 23.Se5 ist dann die Stellung weiter unklar.

20...Dc7

20...Tc7 21.Sa5 Db4 22.Sb7 Tb8 kam auch in Betracht.

21.b4?!

Jakob schwächt freiwillig seine Stellung. Besser war es mit 21.Td1 den Turm ins Gefecht zu führen.

21...Dc3 22.Tb1 Tc7 23.Sc5 Td8 24.Le2 Dc2 25.Tf1?!

Nach 25.Td1 Txd1+ 26.Lxd1 Dd2 [26...Dxa2 27.Da8+ Kg7 28.Dd8 ist für Schwarz zu gefährlich.] 27.Se4 hätte Weiß die Stellung unter Kontrolle.

25...Dxa2 26.Ld1

26.Df6 war eine beachtliche Alternative, z.B. 26...Td2 27.Lf3 Db2 28.Dg5 mit der Drohung Se4-f6+.

26...Dd2 27.Lb3 Te8?

Schwarz stellt seinen Turm damit freiwillig in eine Springergabel. Besser war 27...Dxb4! 28. Sxe6! [nach 28.Sxa6 tauscht Schwarz mit 28...Dc3 die Damen und steht klar besser.] 28...fxe6 29.Df6 Td6 30.Lxe6+ Txe6 31.Dxe6+ Tf7 32.Dxa6 Db2 sollte Schwarz wegen des Freibauers auf dem Damenflügel die besseren Chancen haben.

28.Td1?

Mit 28.Se4! hätte Jakob den Fehler von Schwarz bestrafen können, z.B. 28...Dxb4 29.Sf6+ Kf8 30.Sxe8 Tc3 31.Da8 Txb3 32.Sd6+ Kg7 33.Dxa6 mit klarem Vorteil für Weiß.

28...Dxb4 29.Td7?

Warum nicht einfach 29.Sxa6

29...Txd7 30.Sxd7 Tc8 31.Kg2 Kg7?!

Nach 31...Dc3 mit Damentausch hat Weiß nichts mehr zu lachen.

32.Lxe6!?

Weiß ist objektiv gesehen verloren. Mit dem Mut der Verzweiflung ergreift Jakob mit diesem phantasievollen Opfer seine letzte Chance!

32...De7

Ein guter Rechner hätte das Opfer wohl angenommen: 32...fxe6 33.Df6+ Kh6 34.Se5 Tc7 35.f4 De7 36.Sg4+ Kh5 37.Dxe7 Txe7 38.Sf6+ Kh6 39.Sg8+ Kg7 40.Sxe7 b4 und der Bauer läuft durch.

33.Db7 Td8 34.Sc5 Dxc5

Natürlich sollte das locker reichen, sicherer war jedoch 34...Dxb7+ 35.Sxb7 Tb8 und die Mattgefahr ist endgültig gebannt.

35.Dxf7+ Kh6 36.Df4+ Dg5 37.Df7 De5 38.h4 Dd6??

Am einfachsten war 38...Dg7 39.Df4+ g5! und Weiß gewinnt. Schwarz möchte nun wohl 39...Tf8 ziehen, aber ...

39.g4!!

Nun ist Schwarz ist plötzlich verloren! Gegen 40.g5+ nebst 41.Df3 oder 41.Dxh7 ist kein Kraut gewachsen.

39...Th8

39...Dc6+ 40.f3 Td2+ 41.Kh3 ändert nichts.

40.g5+ Kh5 41.Df3+  1-0

Jakob steckte nie auf und wurde für sein mutiges Spiel belohnt.

Kommentar: Jürgen Denk + Klaus Schumacher