Colle-Aufbau - Do5

Der Colle-Aufbau   -   Übersicht 1

Schachclub Leinzell, März 2003

 
  Edgar Colle  

Edgar Colle

1.d4 d5 2.Sf3 Sf6 3.e3

Weiß öffnet die Diagonale f1-a6 und macht seinem weißfeldrigen Läufer den Weg frei zum Feld d3.

3...e6 4.Ld3

Die Diagonale b1-h7 ist die "Heimat" des weißfeldrigen Läufers im Colle. Auf d3 ist er bestens platziert, um den schwarzen Königsflügel anzugreifen und um den Vorstoß e3-e4 zu unterstützen.

4...c5

Damit übt Schwarz Druck gegen den weißen d-Bauern aus.

5.c3

Dieser Zug wird fast automatisch gespielt, wenn sich Schwarz mit ...d5 und ...c5 aufgebaut hat. Nun hat der Läufer nach einem eventuellen ...c4 das Rückzugsfeld c2 und kann sich somit auf der wichtigen Diagonalen b1-h7 behaupten. Wir haben nun die klassische Startposition des Colle-Aufbaus erreicht. Wenn Sie die Beispielpartien nachspielen, werden Sie feststellen, dass es zu dieser Stellung eine Vielzahl von Zugumstellungen gibt. Der Anziehende spielt die Halbslawische Verteidigung (1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6 5.e3 Sbd7) mit einem Mehrtempo. Weiß stehen hier zwei Standardpläne zur Verfügung.

Plan A: Er spielt Sb1-d2, 0-0 und dann e3-e4. Vor dem Vorstoß e3-e4 werden (abhängig vom schwarzen Aufbau) die Züge d4xc5, Dd1-e2 oder Tf1-e1 gespielt.

Plan B: Er spielt nach Sb1-d2 und 0-0 mit Sf3-e5 auf das Feld e5. Hier folgen meist die Züge f2-f4, Dd1-f3 und dann g2-g4.

Anzumerken ist noch, dass es an dieser Stelle mit 5.b3 (statt 5.c3) noch eine wichtige Alternative gibt. Weiß will seinen schwarzfeldrigen Läufer auf b2 postieren, von wo er die Diagonale a1-h8 kontrolliert. Gleichzeitig verhindert er den schwarzen Vorstoß c5-c4 und sichert so seinem weißfeldrigen Läufer das Feld d3. Außerdem hält Weiß sich damit die Möglichkeit offen, seinen c-Bauern nach c4 vorzustoßen. Die Stellung nach 5.b3 wird als Colle-Zukertort-Aufbau bezeichnet und bietet sich eventuell für ein kommendes Thematurnier an.

5...Sc6

Nach c7-c5 ist dies das natürlichste Feld für den schwarzen Damenspringer. Von hier drückt er gegen d4 und unterstützt den Vorstoß e6-e5. Die Hauptalternative 5...Sbd7 wird in der Übersicht 3 behandelt. Die Züge 5...Le7 und 5...Ld6 sind lediglich Zugumstellungen.

Der Aufbau mit 5...b6 ist ebenfalls wichtig. Schwarz kann nun auf d4xc5 immer mit dem Bauern zurückschlagen. Außerdem erschwert ein Läufer auf b7 den Vorstoß e3-e4. Aus diesen Gründen ist der Zug b7-b6 für Weiß meist das Signal, zum "Plan B" überzugehen. Einen Überblick erhalten Sie in der Partie 1 Conquest-Motwani. Ein weiteres Beispiel ist die Partie 2 Flear-Sadler.

Häufig wird auch 5...cxd4 gespielt. Dieser Zug wird immer mit 6.exd4 beantwortet, um dem schwarzfeldrigen Läufer die Diagonale c1-h6 zu öffnen. Im weiteren Verlauf strebt Weiß danach, mit Sf3-e5 das Feld e5 zu besetzen. Einen Überblick erhalten Sie in der Partie 3 Colle-Soultanbeleff.

6.Sbd2 Le7

Hier steht der Läufer weniger aktiv als auf d6, von wo er ebenfalls den Vorstoß e6-e5 unterstützen würde. Die Hauptalternative 6...Ld6 wird in der Übersicht 2 behandelt. Der große Vorteil des Colle-Aufbaus ist, dass Weiß unübliche Züge von Schwarz immer mit dem "Plan A" beantworten kann: 0-0, Dd1-e2, d4xc5 und schließlich e3-e4. Einige Beispiele:

6...a6!? 7.0-0 Dc7 8.De2 Le7 9.dxc5 Lxc5 10.e4 dxe4 11.Sxe4 Le7 12.Te1 und Weiß hatte einen kleinen Vorteil in Przepiorka-Gilfer, Hamburg 1930.

6...Db6!? 7.0-0 Ld6 8.De2 0-0 9.dxc5 Lxc5 10.e4 Td8 11.e5 Sd7 12.Sb3 Se7 13.Sbd4 mit weißem Vorteil in Rice-Muylle, Hastings 1995.

6...Dc7 7.0-0 e5?! dieser Zug kommt zu früh, nach 8.Sxe5 [8.e4!? kommt auch in Betracht.] 8...Sxe5 9.dxe5 Dxe5 10.e4 kann Weiß die Stellung vorteilhaft öffnen.

7.0-0 c4?!

Dies ist ein häufig vorkommender Fehler. Schwarz vertreibt den Läufer von seinem Traumfeld und will einen Bauernsturm am Damenflügel starten. In der Realität hat sich nun aber die Lage im Zentrum verändert. Da Schwarz nun keinen Druck mehr gegen den d4-Bauer ausübt, kann Weiß das Spiel mit e3-e4 vorteilhaft öffnen. Weitere Züge von Schwarz sind:

7...0-0 ist natürlich der meistgespielte Zug. Nach 8.dxc5 Lxc5 9.e4 geht das Spiel meist in die Variante mit ...Ld6 über.

7...Dc7 8.dxc5 Lxc5 9.e4 führt wieder zur Variante mit ...Ld6.

7...Ld7 dies verstellt die d-Linie. Da nicht mehr der vereinfachende Damentausch droht, kann Weiß den Zug Dd1-e2 einsparen: 8.dxc5 Lxc5 9.e4 dxe4 10.Sxe4 Sxe4 11.Lxe4 Le7 12.Dc2 h6 13.Lf4 0-0 14.Tad1 De8 15.Dd2 f5 16.Lc2 Lc8 17.Tfe1 mit klarem Vorteil für Weiß in Colle-Piccardt, Amsterdam 1931.

8.Lc2 b5 9.e4!

Der Vorstoß des e-Bauern führt zu Linienöffnungen für die weißen Figuren. Ab hier geht es weiter in der Partie 4 Colle-Crepeaux.

Anmerkungen: Klaus Schumacher