Colle-Aufbau - Do5

Colle, Edgar
Soultanbeieff, Victor

Lüttich 1930

 

1.d4 d5 2.Sf3 Sf6 3.e3 e6 4.Ld3 c5 5.c3 Sc6

Ein Beispiel für den passiveren Springerzug nach d7 ist: 5...Sbd7 6.Sbd2 cxd4 7.exd4 Ld6 8.0-0 0-0 9.Te1 Dc7 10.De2 Te8 11.Se5 Sf8 12.Sdf3 S6d7 13.Sg5! f6? [Weiß hat auch nach 13...Sxe5 14.dxe5 Lxe5 15.Dxe5 Dxe5 16.Txe5 f6 17.Te2 fxg5 18.Lxg5 klaren Vorteil.] 14.Dh5! der Doppelangriff gegen den Turm auf e8 und den h7-Bauern ist bereits partieentscheidend: 14...g6 15.Sxg6! fxg5 [oder 15...hxg6 16.Lxg6 Lxh2+ 17.Kh1! fxg5 18.Lf7+! Kg7 19.Lxe8 +-] 16.Sxf8 Sf6 17.Dxg5+ Dg7 18.Sxh7! 1-0 Colle-Schubert, Scarborough 1928

6.Sbd2 cxd4

Dieser Abtausch hilft - wie fast immer - nur dem Anziehenden, das Feld e5 zu kontrollieren. Außerdem hat der schwarzfeldrige Läufer jetzt "Auslauf" auf der Diagonalen c1-h6.

7.exd4 Ld6

Mit dem schwächeren 7...Le7 kann Schwarz nicht um das Feld e5 kämpfen. Ein Beispiel: 8.0-0 Dc7 9.Te1 Ld7 10.Se5 Sxe5? 11.dxe5 Sg8 12.Sb3 f6 13.Dh5+ Kd8? 14.Df7 fxe5 15.Dxg7 Lf6 16.Lg5! Lxg5 17.Dxh8 1-0 Colle-Lenglez, Belgien 1924

8.0-0 Dc7 9.De2 0-0 10.Te1 Te8

In der Partie Colle-Rosselli del Turco, Meran 1926 folgte 10...h6?! 11.Se5 Lxe5 12.dxe5 Sd7 13.Sf3 [gut auch 13.f4] 13...f6 14.exf6 Sxf6 15.b3 Sh5? und nun verpasste Colle den starken Zug 16.Sg5! welcher ihm nach 16...Sf4 17.Lxf4 Dxf4 18.Sxe6 Lxe6 19.Dxe6+ einen gesunden Mehrbauern eingebracht hätte.

Wenn Schwarz mit 10...Sd7!? den Springerzug nach e5 verhindert, kann Weiß mit 11.c4!? mit der Absicht b2-b3 und Lc1-b2 weiter auf das Feld e5 zu spielen.

11.Se5

Mit diesem Zug hat Weiß ein wichtiges strategisches Ziel erreicht: die Besetzung des Feldes e5.

11...Te7!?

Schwarz überdeckt das Feld f7, um den Springer von f6 abziehen zu können. Auf das sofortige 11...Sd7? entscheidet nämlich 12.Lxh7+! Kxh7 13.Dh5+ Kg8 14.Dxf7+ Kh7 15.Te3 nebst matt.

12.Sdf3

Die weiße Stellung sieht nun zwar imponierend aus, aber mit einem reinen Figurenspiel ist dem schwarzen Aufbau nur schwer beizukommen. Besser ist 12.f4!, mit totaler Kontrolle über e5. Eine mögliche Fortsetzung ist 12...a6 13.Df2 b5 14.Dh4 mit der Absicht g2-g4-g5 wie im "Plan B".

12...Sd7

Nun steht Schwarz bereit, um den weißen Springer mit f7-f6 zurückzuwerfen.

13.Sg5

Da die Zentralstellung seines Springers nicht aufrecht gehalten werden kann, sucht Colle seine Chance in taktischen Scharmützeln.

13...Sf8

Nach 13...Sdxe5!? 14.dxe5 Sxe5 15.Lxh7+ Kf8 entsteht eine unklare Stellung.

14.Sxh7?

Nach dem Motto "Do or Die" bricht Colle alle Brücken hinter sich ab. Besser war z.B. 14.Lf4 f6 15.Sxc6 bxc6 16.Lxd6 Dxd6 17.Sf3 mit beiderseitigen Chancen.

14...Sxh7 15.Lxh7+ Kxh7 16.Dh5+ Kg8 17.Te3 Te8?

Dieser Zug verliert! Mit 17...f6! hätte Schwarz das weiße Opferspiel widerlegen können. Entscheidend ist, dass dem schwarzen König nun das Fluchtfeld f7 zugänglich ist. Mögliche Varianten sind: 18.Sg6 [oder 18.Sxc6 Dxc6 19.Th3 Te8 bzw. 18.Th3 Lxe5!] 18...Te8 19.Tf3 e5 20.Tg3 exd4 21.Dh8+ Kf7 22.Se5+ Ke7 23.Dxg7+ Kd8 24.Dxf6+ De7 25.Lg5 Kc7 und der schwarze König ist endgültig in Sicherheit.

18.Th3 Kf8 19.Lg5! f6 20.Lxf6! 1-0

20.Lxf6 gxf6 21.Sg6+ Kg8 22.Dh8+ Kf7 23.Dh7 matt

Anmerkungen: Klaus Schumacher