Regelfall 11 – Lösung

von Klaus Schumacher, Dezember 2001

N.N – N.N

Regelfall 11

In dieser Stellung spielte Schwarz am Zuge in beiderseitiger großer Zeitnot 58...Dxh5+, betätigte die Uhr und weil gleichzeitig das Fallblättchen von Weiß fiel, reklamierte er den Gewinn durch Zeitüberschreitung. Der Schiedsrichter bestätigte diesen Sachverhalt.

Diese Entscheidung war falsch! Da der schwarze Damenzug regelwidrig ist – der schwarze König steht im Schach – hat das Fallen des »Fallblättchens« keine Bedeutung.

FIDE-Regeln 2005 – Artikel 3.9

Ein König »steht im Schach«, wenn er von einer oder mehreren gegnerischen Figuren angegriffen wird, auch wenn diese selbst nicht ziehen können, weil sie anderenfalls den eigenen König im Angriff stehen lassen oder diesen einem Angriff aussetzen würden. Keine Figur darf einen Zug machen, welcher entweder den eigenen König einem Schachgebot aussetzt oder diesen in einem Schachgebot stehen lässt.

FIDE-Regeln 2005 – Artikel 6.9

Das Fallblättchen gilt als gefallen, wenn der Schiedsrichter dies beobachtet oder einer der Spieler zu Recht darauf hingewiesen hat.

Richtig gewesen wäre folgendes: Zunächst werden die Uhren neutralisiert. Dann muss der regelwidrige Zug zurückgenommen werden. Nun bekommt Weiß zwei Minuten Zeitgutschrift. Schließlich wird die Partie mit 58...Kh7 (dies ist der einzige regelkonforme Zug) fortgesetzt.

FIDE-Regeln 2005 – Artikel 6.13 a

Wenn die Partie unterbrochen werden muss, werden die Uhren vom Schiedsrichter angehalten.

FIDE-Regeln 2005 – Artikel 7.4

  1. Wenn während einer Partie festgestellt wird, dass ein regelwidriger Zug, unter Einschluss einer Bauernumwandlung oder dem Schlagen des gegnerischen Königs, vollständig abgeschlossen wurde, wird die Stellung unmittelbar vor dem Regelverstoß wiederhergestellt. Falls die Stellung unmittelbar vor dem Regelverstoß nicht bestimmt werden kann, wird die Partie aus der letzten bekannten Stellung vor dem Regelverstoß heraus weitergespielt. Die Uhren werden gemäß Artikel 6.14 gestellt. Artikel 4.3 wird angewandt auf den Zug, der den regelwidrigen ersetzt. Daraufhin wird die Partie aus der so erreichten Stellung heraus weitergespielt.
  2. Nachdem die Erfordernisse des Artikels 7.4(a) erfüllt worden sind, fügt der Schiedsrichter für die ersten beiden regelwidrigen Züge eines Spielers je zwei zusätzliche Minuten zur Bedenkzeit des Gegners hinzu; nach dem dritten regelwidrigen Zug desselben Spielers erklärt der Schiedsrichter die Partie für diesen für verloren.

Mit den zwei Zusatzminuten wird es Weiß wohl schaffen die Partie mit 59.Dg8 matt ohne Zeitüberschreitung zu beenden.

Rochade-Europa