Regelfall 10 – Lösung

von Klaus Schumacher, Oktober 2001

G.Bogdanovic – J.Sprenger, Crailsheim op 1998

Regelfall 10

Die Partie befand sich bereits in der Endspurtphase. Der Nachziehende hatte weniger als fünf Minuten Restbedenkzeit, notierte die Züge aber noch mit. Es folgte: 55.Lf8 Ld8 56.Kc3 La5+ 57.Kd3 Ld8 58.Ld6 Lf6 59.Kc2 Ld4 60.Kd3 Lf6 61.Lf8

Nun zog Schwarz 61...Ld8, hielt die Uhren an und reklamierte beim Schiedsrichter ein Remis wegen dreimaliger Stellungswiederholung.

Wie entscheiden Sie?

Eine Remisreklamation nach Artikel 9.2 der FIDE-Regeln ist nur zulässig, wenn der reklamierende Spieler noch am Zug ist. Da dies hier nicht der Fall ist, wird der Antrag vom Schiedsrichter nicht überprüft und die Partie wird mit Weiß am Zug fortgesetzt.

FIDE-Regeln 2005 – Artikel 9.2

Die Partie ist remis aufgrund eines korrekten Antrages des Spielers, der am Zuge ist, wenn dieselbe Stellung mindestens zum dritten Mal (nicht notwendigerweise durch Zugwiederholung)

  1. sogleich entstehen wird, falls er als erstes seinen Zug auf sein Partieformular schreibt und dem Schiedsrichter seine Absicht erklärt, diesen Zug ausführen zu wollen, oder
  2. soeben entstanden ist und der Antragsteller am Zug ist.

Stellungen unter (a) und (b) gelten als gleich, wenn der gleiche Spieler am Zuge ist, Figuren der gleichen Art und Farbe die gleichen Felder besetzen und die Zugmöglichkeiten aller Figuren beider Spieler gleich sind.
Stellungen sind nicht gleich, wenn ein Bauer, der en passant geschlagen werden konnte, nicht mehr geschlagen werden kann, oder wenn sich das Recht zu rochieren vorübergehend oder endgültig geändert hat.

Für einen korrekten Antrag hätte Schwarz also den Zug 61.Ld8 nicht ausführen dürfen, sondern hätte ihn auf seinem Partieformular notieren müssen. Dann hätte er dem (herbeigerufenen) Schiedsrichter erklären müssen, dass er mit diesem Zug eine dreimalige Stellungswiederholung herbeiführen werde.

Rochade-Europa