Regelfall 8 – Lösung

von Klaus Schumacher, März 2001

H.Metz – C.Rhodin, Bern 1993

Regelfall 8

In hochgradiger Zeitnot hatte Rhodin im 39. Zug seine Dame von g6 nach b1 gespielt. Das Schach parierte der weiße König durch 40.Kh2. Der Nachziehende verlor nun keine Zeit, schob seinen Bauern von e2 nach e1, brüllte »Dame« und schlug auf die Uhr – ohne allerdings Anstalten zu machen, den Bauern durch eine Dame zu ersetzen.

Nach kurzem Nachdenken dachte ich, dass das wohl nicht ganz regelkonform sein kann, drosch ebenfalls auf die Uhr und forderte meinen Gegenüber auf, den Bauern durch eine Dame zu ersetzen. Gleichzeitig fiel das Blättchen von Schwarz. Was jetzt? Wer war im Recht?

Hatte Schwarz die Zeit überschritten, oder musste Weiß weiterspielen?

Da beide Seiten nun den 40. Zug ausgeführt hatten, konnte ich geduldig auf einen Schiedsrichter warten. Der zweite Hauptschiedsrichter kam und ließ sich bereits auf dem Weg durch einige Zuschauer beschwatzen. »Das reicht, wenn er Dame sagt«, argumentierten diese und der noch junge Referee schloss sich nach kurzem Überlegen an.

Immerhin hatte ich noch Glück im Unglück: Die weiße Dame kann ein Dauerschach geben: 41.De7+ Kg6 42.Df6+ Kh5 43.Df3+ ½-½. Soweit die Ausführungen von Hartmut Metz in der Ausgabe 3/93 der Zeitschrift Rochade-Europa.

Nach meiner Meinung traf der Schiedsrichter damit eine Fehlentscheidung. Ich hätte auf Zeitüberschreitung von Schwarz entschieden und den Punkt Hartmut Metz zugesprochen.

FIDE-Regeln 2005 – Artikel 3.7 e

Sobald ein Bauer diejenige Reihe erreicht hat, die am weitesten von seinem Ursprungsfeld entfernt ist, muss er als Teil desselben Zuges gegen eine Dame, einen Turm, einen Läufer oder einen Springer derselben Farbe ausgetauscht werden. Die Auswahl des Spielers ist nicht auf bereits geschlagene Figuren beschränkt. Dieser Austausch eines Bauern für eine andere Figur wird »Umwandlung« genannt, und die Wirkung der neuen Figur tritt sofort ein.

FIDE-Regeln 2005 – Artikel 4.6

Sobald in einem regelgemäßen Zug oder Teil eines regelgemäßen Zuges eine Figur auf einem Feld losgelassen worden ist, kann sie nicht mehr auf ein anderes Feld gezogen werden. Der Zug gilt als ausgeführt, sobald alle notwendigen Anforderungen von Artikel 3 erfüllt worden sind; (…) im Fall der Bauernumwandlung, sobald der Bauer vom Schachbrett entfernt wurde und der Spieler die neue Figur auf dem Umwandlungsfeld losgelassen hat. Wenn der Spieler den Bauern, der das Umwandlungsfeld erreicht, loslässt, ist der Zug noch nicht ausgeführt, aber der Spieler darf den Bauern nicht mehr auf ein anderes Feld ziehen.

FIDE-Regeln 2005 – Artikel 6.8 a

Während der Partie hält jeder Spieler, nachdem er seinen Zug auf dem Schachbrett ausgeführt hat, seine eigene Uhr an und setzt die seines Gegners in Gang. Einem Spieler muss es immer ermöglicht werden, seine Uhr anzuhalten. Sein Zug gilt nicht als vollständig abgeschlossen, solange er das nicht getan hat, es sei denn, der ausgeführte Zug habe die Partie beendet (siehe Artikel 5.1 und 5.2).

FIDE-Regeln 2005 – Artikel 6.10

Außer in den Fällen, die durch den Artikel 5.1 oder einen der Artikel 5.2(a), (b) oder (c) erfasst werden, gilt, dass ein Spieler seine Partie verloren hat, wenn er die vorgeschriebene Anzahl von Zügen in der zugewiesenen Zeit nicht vollständig abgeschlossen hat …

Bei der Durchsicht der 1993 gültigen Regeln konnte ich bei diesem Fall keinen Unterschied zu den aktuellen Regeln feststellen.

Rochade-Europa