Regelfall 6 – Lösung

von Klaus Schumacher, September 2000

I.Rogers – S.Agdestein, Biel izt 1993

Regelfall 6

Die Diagrammstellung entstand nach 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 d6 6.Lg5 e6 nun stellte Rogers überraschend fest, dass bei Schwarz König und Dame auf vertauschten Plätzen standen!

Gemäß Artikel 7.1(a) der FIDE-Regeln muss die Partie abgebrochen und neu begonnen werden, was auch geschah. Dies hinderte GM Rogers aber keineswegs daran, mit 3.Lb5 eine ganz andere Eröffnung zu spielen, was jedoch durchaus erlaubt ist.

FIDE-Regeln 2005 – Artikel 7.1 a

Wenn während einer Partie festgestellt wird, dass die Anfangsstellung der Figuren falsch war, wird die Partie annulliert und eine neue gespielt.

Bei einer Schnell- bzw. Blitzpartie wäre die Partie laut Anhang B4 der FIDE-Regeln in der obigen Diagrammstellung fortgesetzt worden, da jeder der Spieler in der regelwidrigen Stellung zumindest drei Züge gemacht hat.

FIDE-Regeln 2005 – Anhang B4

Sobald jeder Spieler drei Züge vollständig abgeschlossen hat, kann eine falsche Figurenaufstellung, Brettausrichtung oder Uhrzeigerstellung nicht mehr beanstandet werden.
Falls König und Dame vertauscht worden sind und danach dort belassen worden sind, darf mit diesem König nicht mehr rochiert werden.

Der Anhang B4 gilt für Schnell- und Blitzschach. Es bleibt anzumerken, dass der Schiedsrichter nach Möglichkeit die Bretter und Uhren vor dem »Startschuss« kontrollieren sollte. Die eigentliche Verantwortung für diese Dinge liegt jedoch bei den Spielern.

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