Regelfall 4 – Lösung

von Klaus Schumacher, Januar 2000

W.Gerstner – W.Uhlmann, Baden Baden op 1993

Regelfall 4

Die Diagrammstellung entstand nach 1.d4 Sf6 2.Lg5 Se4 3.Lf4 c5 4.f3 Da5+ 5.c3 Sf6 6.Sd2 cxd4 7.Sb3 Df5 8.Lxb8 Txb8 9.Dxd4 Ta8 10.e4 Df4 11.Sh3 Dc7 12.e5 Sg8 13.0-0-0 e6 14.f4 Se7 15.Kb1 b6 16.Sg5 Lb7 17.Se4 Sf5 18.Dd3 Dc6 19.Sf2 nun zog Uhlmann 19...0-0-0 (???).

Nach dem Einwand von Gerstner, dass die große Rochade nicht mehr möglich sei, da der a8-Turm im 8. Zug bereits gezogen wurde, entschuldigte er sich und zog stattdessen 19...Td8. Die Partie wurde fortgesetzt und Weiß gewann nach 49 Zügen.

Dies war nicht regelkonform! Laut Artikel 4.3 muss mit der zuerst berührten Figur gezogen werden. Da laut Artikel 3.8 bei der Rochade zuerst der König berührt werden muss, hätte Uhlmann also 19...Ke7 oder 19...Kd8 ziehen müssen.

FIDE-Regeln 2005 – Artikel 4.3

Berührt der Spieler, der am Zuge ist, den Fall von Artikel 4.2 ausgenommen, absichtlich auf dem Schachbrett
a) eine oder mehrere eigene Figuren, muss er die zuerst berührte Figur ziehen, die gezogen werden kann …

FIDE-Regeln 2005 – Artikel 3.8 i

(…) Die »Rochade« ist ein Zug des Königs und eines gleichfarbigen Turmes auf der gleichen Reihe. Sie gilt als ein Zug und wird folgendermaßen ausgeführt: Der König wird von seinem Ursprungsfeld um zwei Felder in Richtung des Turmes hin versetzt, dann wird dieser Turm auf das Feld gesetzt, das der König soeben überquert hat …

Rochade-Europa