Regelfall 1 – Lösung

von Klaus Schumacher, April 1999

R.Grants – M.Drozdov, Riga PCA Open 1995

Regelfall 1

Weiß war am Zug und überschritt die Zeit. Da jeder weiße Zug bis auf 1.Tg1+ unweigerlich patt setzt, entbrach ein heftiger Disput darüber, ob die Partie Remis oder 0-1 zu werten sei.
Der Schiri entschied auf Antrag des Nachziehenden richtig auf 0-1.

Wie ist in der gegebenen Stellung mit Weiß am Zug bei schwarzer Zeitüberschreitung zu entscheiden?

Die Antwort ist Remis, siehe FIDE-Regeln Artikel 6.10

FIDE-Regeln 2005 – Artikel 6.10

Außer in den Fällen, die durch den Artikel 5.1 oder einen der Artikel 5.2(a), (b) oder (c) erfasst werden, gilt, dass ein Spieler seine Partie verloren hat, wenn er die vorgeschriebene Anzahl von Zügen in der zugewiesenen Zeit nicht vollständig abgeschlossen hat. Die Partie ist jedoch remis, wenn eine Stellung entstanden ist, aus der heraus es dem Gegner nicht möglich ist, den König des Spielers durch irgendeine Folge von regelgemäßen Zügen, selbst bei ungeschicktestem Gegenspiel, matt zu setzen.

Alle Züge außer 1.Tg1+ führen zu einer Pattstellung und nach besagtem 1.Tg1+ hat Schwarz nur einen regelgemäßen Zug, nämlich 1...hxg1 (nebst Umwandlung in Springer, Läufer, Turm oder Dame), wonach Weiß mit dem »nackten« König verbleibt, mit welchem man bekanntlich nicht mattsetzen kann.

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