Ungeschriebene Gesetze

Leko – Kramnik, Budapest 2001

Schachpresse 6

In seinem Bericht vom Schnellschachmatch Kramnik-Leko, Budapest 2001 nimmt Raj Tischbierek in der Zeitschrift "Schach" Ausgabe 2/2001 Stellung zu den Vorfällen der 10. Partie, er schrieb:

Ungeschriebene Gesetze besagen im Schach z.B., dass der Schwarze seinen Gegner in der obigen Remisstellung vielleicht noch ein bisschen quälen, keinesfalls aber über die Zeit »heben« darf, sondern zuvor die Punkteteilung anbieten muss.

Wladimir Kramnik hielt sich in der 10. Partie seines Matches (Schnellschach – 25 min/Partie und Spieler) gegen Peter Leko nicht an die einem Spieler seiner Klasse anstehende Vorbildfunktion für das Schachvolk, gewann die Partie knapp 50 Züge später auf Zeit und sorgte damit für eine nicht unerhebliche Missstimmung. Er zog in dem auf zwölf Partien angesetzten Wettkampf mit 6-4 in Front und gewann am Ende mit 7-5.

Leko wusste wohl, dass er zwischenzeitlich das Remis hätte reklamieren können, sagte aber im Gespräch mit Schach, dass ihm selbiges bei heimischem Publikum und Schiedsrichter peinlich gewesen wäre, denn dieser »hätte ja für mich entscheiden müssen. Spielst du noch ein bisschen, dann wird er schon remis anbieten«, dachte er sich. Kramnik tat es nicht und entschuldigte sich am nächsten Tag mit dem »erhöhtem Druck«, unter dem er nach seinem Sieg gegen Kasparow (als Weltmeister, wenn man will) stehe. Dem Ungar freilich nutzte diese Entschuldigung wenig, statt 4½-5½ stand es 4-6 und das Match war verloren.

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