»Reden während der Partie«

Anlässlich seines Turnierberichts vom Interzonenturnier in Biel 1993 berichtet Raj Tischbierek in der Zeitschrift "Schach" Ausgabe 9/1993 von folgendem Vorfall in der Partie Seirawan-Schirow aus der 10. Runde, er schrieb:

Für Aufregung sorgt ein Protestfall in der Partie Seirawan – Schirow. Als die Stellung des Amerikaners nach Abbruch längst aufgabereif ist, kommt ihm zu Ohren, dass Schirow sich während der kritischen Phase der Partie mit einer nicht näher bezeichneten Person außerhalb des Turniersaales lange unterhalten habe und legt daraufhin Protest ein.

Angesprochen wird damit ein generelles Problem, denn natürlich verunsichert es jeden, wenn sich sein Gegner während der Partie, mit wem auch immer unterhält. Woher soll man wissen, ob es sich um den Nachtklubbesuch des Vorabends, oder tiefschürfende theoretische Analysen handelt? Eric Lobron ist diesbezüglich sogar schon soweit gegangen, ein generelles Redeverbot während der Partie zu fordern. Auch in oberen Schachkreisen gibt es einige Spezies, die eine solche Radikalkur ratsam erscheinen lassen.

Im konkreten Fall war die Sache allerdings harmlos. Schirows Gesprächpartner war ein Freund aus 1600-Elo-Regionen, Valentino Usein aus Solingen. Keineswegs jedenfalls, wie von Seirawan vermutet, Victor Bologan, Schirows Sekundant. Diese Vermutung allein bringt Schirow so auf die Palme, dass es am späten Abend vieler Anstrengungen bedarf, um ihn wieder zu beruhigen. Obwohl es mit einer harmlosen Verwarnung abgeht, glaube ich, dass diese Geschichte Alexejs weiteres Spiel negativ beeinflusst hat. Jedenfalls stürzte er in den folgenden Tagen, wann immer ich im Turniersaal auftauchte und seine Partie noch lief, an mir vorbei wie ein Gespenst, zuvor ansonsten immer ein fröhliches »Hallo« auf den Lippen.

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