Artikel 10.2 – Teil 2

Im Schach Magazin 64 Ausgabe 22/97 gab GM Lothar Schmid, der bei der Team-WM 1997 in Luzern Turnierdirektor war Dagobert Kohlmeyer ein Interview, bei dem es auch um die Remisentscheidung von Horst Metzing in der Partie V. Akopjan – M. Tschiburdanidse ging, welche auch beim Regelfall 3 diskutiert wurde. Dabei gab er folgende Antworten:

War diese Entscheidung Horst Metzings korrekt?

Ja, er hat in dieser schwierigen Frage richtig reagiert. Es war nicht ganz einfach. Wir hatten hier in der ersten Kapitänssitzung gerade diesen Fall – Paragraph 10.2 der neuen FIDE-Regeln – durchgesprochen, die in Jerewan 1996 beschlossen wurden. Sie traten am 1. Juli dieses Jahres in Kraft.

Was besagt die Regel 10.2?

Ein Spieler kann in Zeitnot zwei Minuten bevor sein Blättchen fällt, Remis beantragen, wenn die Stellung theoretisch unentschieden ist.

»Theoretisch remis« ist natürlich ein weiter Begriff …

Ja, offen gestanden, so gut gefällt mir die Regel auch nicht, weil hier die Verantwortung dem Schiedsrichter aufgebürdet wird. Deshalb bin ich sogar dagegen.

Erläutern Sie bitte, warum?

Es gibt ja verschiedene Möglichkeiten. Der Schiedsrichter ist schachlich nicht so stark und kann deshalb keine so gute Entscheidung treffen. Oder aber, er ist zu gut und redet damit in die Partie hinein. Somit ist also dem einen oder anderen Spieler geholfen. Ich würde diese Regelung lieber anders sehen. Wir sollten das vielleicht in der zuständigen FIDE-Kommission erneut besprechen. In Jerewan war ich nicht anwesend. Der Vorsitzende der Regelkommission, Geurt Gijssen, scheint offensichtlich auch nicht ganz froh darüber zu sein. Vor einigen Tagen, ehe dieser Fall eintrat, wollte ich ihn schon anrufen, aber habe ihn leider nicht erreicht.

Ist es unsportlich, in solchen Situationen wie der geschilderten noch weiter zu spielen?

Man sollte den sportlichen Geist walten lassen. Auf der anderen Seite darf derjenige, der die Zeit gespart hat, nicht benachteiligt werden. Wenn Maja Tschiburdanidse, die ja als besserstehende betroffen war, die Stellung nicht so schnell vereinfacht hätte – das war möglich – dann hätte sie sicher nach Zeit gewonnen. Leider hat sie zu schnell getauscht. Mit ein paar Figuren mehr hätte sie das Endspiel für sich entscheiden können.

Rochade-Europa