Kuriositäten 7

Meduna – Buhmann, EU-Tch Léon 2001

Kurioses 7

Zur Diagrammstellung berichtet Raj Tischbierek in der Zeitschrift Schach (Ausgabe 12/2001) bei der Mannschafts-Europameisterschaft in der Begegnung Deutschland gegen Tschechien von einer kuriosen Zeitüberschreitung:

Eine alles andere als aufregende und mehr oder weniger offensichtliche Remisstellung. Aber! Die schwarze Uhr zeigte 0:58 an, weniger als eine Stunde also, die nach der Ausführung von 40 Zügen bei den heute üblichen elektronischen Uhren automatisch addiert wird. Hatte Buhmann – bei der in León praktizierten Bedenkzeit von 2h/40 Züge plus 1h/Rest – bereits 2h und 2min verbraucht, obwohl die Regel besagt, dass er nach Ausführung seines 40. Zuges höchstens exakt 2h verbraucht haben darf, seine Uhr – unter Berücksichtigung der addierten Stunde – also mindestens 1:00 anzeigen müsste?

Ich selbst war nicht Augenzeuge der Ereignisse und berufe mich daher auf die Aussagen von Uwe Bönsch, der während der kritischen Phase in der Nähe des Brettes stand. In Kurzform schilderte der Bundestrainer die Geschehnisse so: In der hektischen Blitzphase schrieb Meduna bewusst einen Zug zuviel auf, so dass unser Spieler nach Ausführung seines 40. Zuges bei einem Blick auf dessen Formular davon ausgehen musste, dass bereits 41 Züge geschehen seien. Zu diesem Zeitpunkt habe Buhmann aber nicht die Zeit überschritten gehabt, was von entscheidender Bedeutung war, nachdem bei der Rekonstruktion der Züge festgestellt wurde, dass deren erst 40 ausgeführt waren. Vielmehr habe die Schiedsrichterin, als sie die Uhr anhalten wollte, um beide Spieler aufzufordern, die Züge nachzuschreiben, versehentlich Buhmanns Uhr gedrückt – erst danach habe dieser ohne eigenes Zutun die Zeit überschritten.

Meduna ist aus alten Zeiten bekannt für seine miesen Tricks, wenngleich sich Buhmann natürlich nicht eben clever angestellt hat, indem er das ganze Chaos mit heraufbeschwor. Nach langen Diskussionen, in die auch völlig Unbeteiligte herzhaft eingriffen und die dadurch an Farbe gewannen, dass Vokac eine Tasse Kaffee über das Nachbarbrett (wo seine Partie gegen Bischoff lief) ergoss, wurde schließlich vom Hauptschiedsrichter entschieden, dass keine Zeitüberschreitung vorliege und die Partie weitergespielt werden müsse. Medunas Uhr wurde wieder in Gang gesetzt, der Tscheche ging indes weiter (erfolglos) auf die Suche nach Verbündeten im weiten Rund und ließ eine dreiviertel Stunde verstreichen, bis er wieder am Brett Platz nahm. Dort folgte noch:
41.h4 Ke4 42.Td6 Td3 43.Te6+ Kf5 44.Te7 Txc3 45.Kxd5 Ta3 46.Txa7 c3 47.Tc7 Txa4 48.Txc3 Txh4   Remis

Auf sein Partieformular schieb Meduna unter dem 40. Zug 1-0, unter dem 48. Zug aber ½. Gleich darunter jedoch demonstrativ »Protest«

Wieder von Uwe erfuhr ich, wie Medunas Protestgelüste sich binnen Sekundenbruchteilen verflüchtigten: Als er sich mit seinem Ansinnen an Surab Asmaiparaschwili, den Vorsitzenden des Schiedsgerichts wandte, entgegnete dieser routiniert: »Okay, but cash immediately!« Natürlich! Für einen Protest muss eine bestimmte Summe gezahlt werden (100 Schweizer Franken?). Sofort wurde das Spielprotokoll ordnungsgemäß unterzeichnet!

Wie auch immer die Sache sich zugetragen hat – fest steht, dass ein Remis das sportlich faire Resultat der fraglichen Begegnung war.

Rochade-Europa