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Diagramm 20-2006
 
Diagramm 20 – 2006
Die Stellung sieht auf den ersten Blick harmlos aus. Aber Schwarz am Zuge fand eine hübsche Kombination und stellte die Weichen auf Sieg.
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Die Mikro-WM 2001 in Maastricht - Teil 2
Turnierbericht von Peter Schreiner - Oktober 2001
 
 
Turnierbeginn
Da das Turnier mit neun Runden Schweizer System gespielt wurde, mussten bis auf den Dienstag an einem einzigen Tag je zwei Partien gespielt werden. Die Bedenkzeit betrug 2 Stunden für die ersten 40 Züge plus eine halbe Stunde für den Rest der Partie. Die Runden 1 und 2 wurden unter Berücksichtigung einer Setzliste ausgelost. Dabei sollten die "schwachen" gegen die "starken" Programme antreten, um eventuelle spätere Interessenskonflikte zu vermeiden. Dass die vermeintlich "Schwachen" nicht gewillt waren, den Favoriten kampflos die Punkte zu überlassen, musste Titelverteidiger Shredder gleich zu Beginn des Turniers erfahren. Das Programm von Stefan Meyer-Kahlen kam in einer relativ selten gespielten Nebenvariante der Najdorf-Verteidigung schlecht aus der Eröffnung und landete in dem nachstehend abgebildeten, verlorenen Endspiel.
 
Shredder - Diep 19.08.2001
 
Mit der zentralisierten Position des Königs, dem aktiven Läufer und der vorgeschobenen Bauernmajorität im Zentrum beherrscht Schwarz die Lage nach Belieben. 30.Sb2 Ld5 31.Kd2 e4 32.c4 Lb7 33.Ke1 g5 34.a5 f4 35.b5 f3 36.a6 Lc8 37.Kf2 Kc5 Bis zu dieser Stellung hat Schwarz das Endspiel ausgezeichnet geführt. Statt dem Partiezug gewinnt 37...g4 sofort. 38.Ke1 (38.Kg1 Kc5 39.Kf1 e3) 38...Kc5 39.Sa4+ Kxc4 40.Sb6+ Kc3 41.a7 Lb7 42.a8D Lxa8 43.Sxa8 d3 und die Freibauern entscheiden die Partie. 38.g4! Shredder greift zur einzigen Gegenchance. 38...Kb4 39.Kg3 h6 39...d3 40.Kf2 Kb3 41.Sd1 Kxc4 42.Ke3 Kxb5 43.Kxe4 Lxa6 44.Kxd3 Lb7 45.Ke3 Kc5 46.Sb2 Kd5 sieht nach Remis aus. 40.h3 d3 41.Kf2 Kc3 42.Sd1+ Kxc4 43.Ke3 Kxb5 44.Kxe4 Lxa6 45.Kxd3 Kb4+ 46.Ke3 Lb7 47.Sb2 Kc5 48.Sd3+ Kd5 49.Se1 Lc6 ½-½
 
Nachdem Shredder seit über zwei Jahren in offiziellen Turnieren keine einzige Partie verloren hatte, wurde der Partieverlauf als günstiges Zeichen interpretiert. Der Autor war trotzdem wenig erfreut, schließlich ist es bei nur 9 Runden Schweizer System gegen nominell schwächere Gegner extrem wichtig, die Punkte sicher einzufahren. Der einzigste Anwesende, der während der Partie am Sieg von Diep zweifelte, war sein Schöpfer. Vincent van Diepeveen, selbst ein ausgezeichneter Schachspieler mit über 2200 Elopunkten, meinte: "Shredder ist im Endspiel unglaublich stark und nimmt selbst minimale Chancen auf einen Gewinn oder ein Remis wahr. Ich kenne die Endspielfähigkeiten meines Programms nur zu gut und bin sicher, dass es noch einen Fehler machen wird." Natürlich war der Holländer trotzdem nicht froh, als seine Prophezeiung dann letztendlich eintrat.
 
In der 2. Runde war der Höhepunkt die Begegnung Chess Tiger - Quest. Unter der Bezeichnung Quest spielte eine Experimentalversion von Deep Fritz von Frans Morsch. Nachdem Chess Tiger vor einigen Wochen mit einem beeindruckenden Ergebnis (Eloperformance von 2788 Elopunkten!) ein GM-Turnier in Argentinien gewinnen konnte, zählte das Programm mit zu den Turnierfavoriten. In der Partie eroberte Quest ziemlich rasch einen Bauern und dominierte eindeutig das Geschehen. Schließlich kam eine komplexe Stellung auf das Brett, in der Weiß mit seinem Läuferpaar zähen Widerstand leisten konnte.
 
Chess Tiger - Quest 19.08.2001
 
Dies ist eine typische Stellung, in der ein Schachprogramm die langfristigen Konsequenzen von bestimmten Stellungsfaktoren nicht richtig beurteilen kann. Weiß hat den aktiv im Zentrum postierten König und kann den Bauern auf a7 leicht erobern. Damit ist der Durchmarsch für den Freibauern auf a-Linie gewährleistet, dem Schwarz nichts entgegensetzen kann. 51.a4 Sg1 52.Lc5 a5 53.Lb6 Sxh3 54.Lxa5 Sf2 55.Ld8+ Kg7 56.Lxg5 hxg5 57.a5 d3 58.La4 e4 1-0
 
 
Entscheidungsfaktor Buch?
Ein extrem wichtiger Faktor für alle Schachprogramme in diesen Turnieren ist das Eröffnungsbuch. Es dürfte wohl keinen Zweifel über das Hauptziel der Eröffnung geben: eine möglichst vorteilhafte Stellung herbeizuführen. Die Auswahl der Eröffnungssysteme, die ein Schachspieler aktiv spielt, sind ein wesentliches Merkmal seiner Spielweise. Mit unterschiedlichen Eröffnungen werden nun einmal verschiedene Stellungstypen herbeigeführt, welche die individuellen Fähigkeiten eines Schachspielers fordern. Die große Kunst der Eröffnungsvorbereitung besteht meiner Meinung nach vor allem darin, Systeme auszuwählen, welche die eigenen Stärken betonen und optimal zum Spielstil passen.
 
Dieser elementare Grundsatz wird von den Buchautoren offensichtlich unterschiedlich interpretiert. Ein bestimmtes System kann z.B. für Menschen gut spielbar sein, muss aber noch längst nicht für das begrenzte positionelle Verständnis eines Rechners geeignet sein. Sehr schön konnte man dies in der Schlüsselpartie der dritten Runde sehen, als Titelverteidiger Shredder gegen seinen Hauptkonkurrenten Quest alias Deep Fritz antreten musste:
 
Shredder - Quest 20.08.2001
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Lg5 e6 7.f4 Le7 8.Df3 Dc7 9.0-0-0 Sbd7 10.Le2 b5 11.Lxf6 Sxf6 12.e5 Lb7 13.Dg3 dxe5 14.fxe5 Sd7 15.Lxb5?
 
Statistisch gesehen hat dieses Läuferopfer eine hohe Erfolgsquote im Spiel unter Menschen. Ganz anders sieht die Angelegenheit aus, wenn diese Varianten von Computern gespielt werden, denen das Verständnis für die Behandlung von materiell unterschiedlichen Konstellationen völlig fehlt.
15...axb5 16.Sdxb5 Dc5 17.Dxg7 Dxe5
Die Partie Hase-Rubinetti verlief so: 17...Tf8 18.The1 0-0-0 19.Sd6+ Lxd6 20.Txd6 Df2 21.Ted1 Df4+ 22.Kb1 Dxe5 23.Dxh7 Sc5 24.Dh6 Dh8 25.Df4 Dh5 26.h4 Df5 27.Dd4 Txd6 28.Dxd6 Th8 29.Sb5 1-0
18.Dxe5 Sxe5 19.Sc7+ Kf8 20.Sxa8 Lxa8 21.The1 Sg4
Der letzte Buchzug von Quest.
22.Td4 Tg8 23.Tc4 Sxh2 24.a4
Der erste selbst errechnete Zug von Shredder, bei dem sich das Programm bereits mit einer Bauerneinheit im Nachteil sah. Ein typisches Beispiel für eine verfehlte Eröffnungswahl.
24...h5 25.b4 h4 26.Se4 Sg4 27.Te2 f5 28.Sf2 Sxf2 29.Tc8+ Kf7 30.Txg8 Kxg8 31.Txf2 Lxb4
Fazit: die Partie ist bereits entschieden, ohne dass es ansatzweise überhaupt zu einem echten Kampf kam.
32.c3 Lxc3 33.Tc2 f4 34.a5 Ld4 35.Tc8+ Kf7 36.Txa8 f3 37.gxf3 h3 38.Td8 h2 39.Td7+ Kg6 40.Txd4 h1D+ 41.Kc2 e5 42.Tg4+ Kh7 43.Ta4 Dg2+ 44.Kc3 Dxf3+ 0-1
 
Damit war die bisher noch nie einzigartige Siegesserie von Stefan Meyer-Kahlen beendet und er musste erstmals nach über zwei Jahren wieder eine Niederlage bei einem offiziellen Turnier hinnehmen. Für den sympathischen Düsseldorfer war dies um so ärgerlicher, weil es aufgrund der schlechten Eröffnungsvariante zu gar keinem echten Kampf gekommen war. Ich persönlich halte es für einen gravierenden Fehler, wenn Buchautoren scharfe Abspiele mit langen forcierten Varianten in die Bibliotheken integrieren. Je tiefer und länger die Theorievariante ausfällt, um so größer ist die Gefahr, dass man in einer ungünstigen Nebenvariante landet. Es fällt nicht schwer, für diese Einschätzung weitere Belege anzuführen.
 
Rebel - Quest 22.08.2001
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Le2 e6 7.0-0 Le7 8.f4 0-0 9.Le3 Sc6 10.Kh1 Dc7 11.De1 Sxd4 12.Lxd4 b5 13.a3 Lb7 14.Dg3 Lc6 15.Tae1 Db7 16.Ld3 b4 17.axb4 Dxb4 18.Se2 Db7 19.e5 Sh5 20.Dh3 g6 21.Sg3 dxe5 22.Lxe5 Sg7 23.f5 exf5 24.Lxg7 Kxg7 25.Sxf5+ gxf5 26.Dxf5 Lxg2+ 27.Kg1 Lc5+ 28.Dxc5 Lxf1 29.Dg5+ Kh8 30.Df6+ Kg8 31.Txf1
Dies war der letzte Zug aus dem Buch von Rebel, welches von dem meiner Ansicht nach führenden Buchexperten Jeroen Noomen erstellt wurde. Dieser freute sich ganz offensichtlich, als die Position auf das Brett kam und er bestätigte den Zuschauern, dass er die Diagrammstellung am Abend zuvor bei der Vorbereitung bereits auf dem Brett hatte! Laut Noomen konnte er in Testpartien bereits mehrfach mit Chess Tiger gegen Fritz gewinnen. Für Rebel reichte es zwar nicht zum Sieg, kostete Quest aber einen halben Punkt, da es aufgrund der Eröffnung wieder einmal nicht mehr zu einem echten Kampf kam.
31...Tab8 32.Lxh7+ Kxh7 33.Dh4+ Kg7 34.Dg5+ Kh7 35.Tf6 Db6+ 36.Txb6 Txb6 37.Df5+ Kg7 38.De5+ Kg8 39.h4 Tc8 40.h5 Tb5 41.Dg3+ Kh8 42.Df4 Tg8+ 43.Kf2 Tgg5 44.Df6+ Kg8 45.Dxa6 Txb2 46.Dc8+ Kh7 47.Dc7 Kh6 48.Dc3 Txc2+ ½-½
 
 
Der Angriffskünstler in Aktion
Eine der interessantesten Engines ist zur Zeit ohne Zweifel Junior 7 von Amir Ban, das wir bereits ausführlich vorgestellt haben. Die Spielweise von Deep Junior wurde von Kommentator IM Hans Böhm als "Kaffeehausschach auf hohem Niveau" verulkt. Meiner Meinung nach zu Unrecht, da sich das Programm vor allem durch scharfe, für eine Schachprogramm doch bemerkenswert energisch vorgetragene Königsangriffe auszeichnet. Dies bekam z.B. in der vierten Runde der Mitfavorit Chess Tiger zu spüren, das dem energischen Vorgehen des israelischen Programms in der 4. Runde nichts entgegenzusetzen hatte.
 
Deep Junior - Chess Tiger 20.08.2001
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 b5 6.Lb3 Lb7 7.c3 Sxe4 8.d4 Sa5 9.Lc2 exd4 10.Lxe4 Lxe4 11.Te1 d5 12.Sxd4 c5 13.Sf5 g6 14.Se3 Le7 15.f3 d4 16.cxd4 cxd4 17.Sg4 f5?
Ein Fehler. Jetzt kommt Weiß zu starkem Angriff. Besser war 17...h5! 18.Sh6 Lc6 19.Lg5 Ta7 20.De2 Dd6 mit einer unklaren Stellung.
18.Sh6 Lxb1
Nach 18...Lc6 19.Lg5 Ta7 20.Sa3 b4 21.Sc2 d3 22.Sxb4 steht Weiß klar besser.
19.Txb1 d3 20.Lg5 Dd4+ 21.Kh1 Sc6 22.Tc1 Se5 23.Le3 Dd5 24.Lf4 Sc6
Nachdem Schwarz nicht zur Rochade gekommen ist, geht Deep Junior das Stellungsproblem energisch mit einem Qualitätsopfer an.
 
25.Txc6! Dxc6 26.Dxd3 Td8 27.De3 Td7 28.Lg5 Dc7 29.De6 Tf8 30.Sg8 Dc4 31.Sf6+ Txf6 32.Dxf6 Df1+ 33.Txf1 Lxf6 34.Lxf6 Kf7
Die Mehrfigur wird von dem Programm problemlos verwertet.
35.Lg5 Td4 36.Tc1 Ke6 37.b3 a5 38.h3 a4 39.Tc7 Td1+ 40.Kh2 Ta1 41.bxa4 bxa4 42.Txh7 Txa2 43.Tg7 f4 44.h4 Kf5 45.Tf7+ Ke5 1-0
 
 
Die Vorentscheidung um den Turniersieg
In der sechsten Runde wurde es dann richtig spannend. Junior hatte zu diesem Zeitpunkt gegen alle Top-Programme gespielt und nur gegen Quest ein Remis abgegeben. Auf der anderen Seite hatte sich Shredder nach seinen Auftaktschwierigkeiten inzwischen wieder an die Spitze herangekämpft. Wenn Shredder gegen Junior gewinnen sollte, war der Turnierausgang wieder offen. Es kam zur folgenden dramatischen Partie:
 
Deep Junior - Shredder [B84] 22.08.2001
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Le3 e6 7.Le2 Dc7 8.f4 b5 9.a3 Lb7 10.Lf3 Sbd7 11.Sde2 Tc8 12.0-0 Le7 13.Kh1 0-0 14.b4?
Bisher verlief alles in den gewohnten sizilianischen Stellungsbildern. Der Partiezug ist antipositionell und entspricht nicht den Anforderungen der Stellung. Weiß muss versuchen, sein Raumgewicht am Königsflügel für einen Angriff auf den König auszunutzen. Der Partiezug schwächt den Damenflügel und ermöglicht Schwarz enormen Druck auf der c-Linie.
14...Sb6 15.Dd3 Tfd8 16.f5 Sc4 17.fxe6 fxe6 18.Ld4 Td7 19.Lxf6 Lxf6 20.Lg4 Te7 21.Dh3 Tce8 22.a4 bxa4 23.Lh5 Tf8 24.Lg4 Lc8 25.Txa4 Tee8 26.Taa1 g6 27.Dg3 Db6 28.Lh3 Dxb4
Der Materialgewinn ist das logische Resultat der Schwächung am Damenflügel.
29.Dd3 Lg7 30.Tfb1 Dc5 31.Sa4 Dc7 32.c3 Tf6 33.Sd4 Tef8 34.Sf3 Tf4 35.Sd4 Te8 36.Tf1 Txf1+ 37.Txf1 Ld7 38.Ta1 Kh8 39.Df1 g5 40.Dd1 Se5 41.g3 g4 42.Lg2 a5 43.Dc2 Tb8 44.Dc1 Sc4 45.De1 Lh6 46.h3 Se3 47.hxg4 e5 48.Sf5 Lxf5 49.exf5 Sc2 50.Dd1 Sxa1 51.Dxa1 e4
Nach dem Gewinn der Qualität setzt Schwarz jetzt konsequent seinen Freibauern in Bewegung und sollte eigentlich keine Probleme mehr damit haben, den vollen Punkt einzufahren. Das war auch die einhellige Meinung aller Anwesenden.
52.Dd1 e3!?
Dieser Zug wurde von einigen Kommentatoren kritisiert, ist aber meiner Meinung nach immer noch sehr gut spielbar. Stattdessen wurde 52...d5 angegeben, was in der Tat zuverlässig gewinnt. 53.Dd4+ (53.Dxd5 Dxg3 54.Dd4+ Lg7 55.Dxe4 Le5 56.Kg1 Tg8 -+) 53...Lg7 54.f6 Lf8 55.Kh2 Ld6 56.Df2 -+
53.Lf3 Lg7 54.Kg2 Te8 55.Kh3 Dc4 56.Le2 Dc6 57.g5 Le5 58.Sb2 d5
Zuverlässig gewinnt auch 58...Tg8 59.Sc4 Txg5 60.Sxe5 dxe5 61.g4 h5
59.Sd3 Lxc3 60.Sf4 d4
Das vorgeschobene Freibauernduo im Zentrum sieht sehr beeindruckend aus. Allerdings wird jetzt der Lc3 von der Verteidigung des Königsflügels abgeschnitten. Während der Partie sah sich Shredder in dieser Stellung mit fast sechs Bauerneinheiten im Vorteil. Junior bewertete diese Stellung allerdings bei weitem nicht so negativ und sah sich nach dem letzten schwarzen Zug nur mit ca. 1,5 Bauerneinheiten im Minus.
61.Kh4 a4?!
Der Zug mit dem entfernten Freibauern sieht logisch aus, berücksichtigt aber nicht genügend die aktiven Möglichkeiten, die sich für Weiß aus der vorgeschobenen Position der Bauern am Königsflügel ergeben. Nach diesem Zug stieg die Bewertung von Junior weiter an und zeigte "nur" noch - 1.29 Bauerneinheiten.
62.f6!
Die einzigste Möglichkeit, Schwarz unter Druck zu setzen.
62...Tb8 63.Lf3 Db5 64.g6! Td8??
Der entscheidende Fehler von Shredder. Nach Junior sollte hier 64...Tg8 mit Remis gespielt werden. Shredder bewertete offensichtlich die Freibauern zu hoch und erkennt nicht, dass es jetzt in einen tödlichen Angriff hineinläuft. Ebenfalls möglich ist 64...d3 65.g7+ Kg8 66.Ld5+ Dxd5 67.Sxd5 e2 68.Db1! Txb1 69.Se7+ Kf7 70.g8D+ Kxf6 71.Sd5+ Ke5 mit remislichem Ausgang.
65.g7+ Kg8 66.Dc2 Td6 67.Da2+ Db3 68.Ld5+ Txd5 69.Sxd5 Kf7 70.Dg2 d3 71.Df3 Db8 72.Dh5+ Ke6 73.Sxc3 e2 74.Dg4+ Kf7 75.Kg5 h6+ 76.Kxh6 e1D 77.Dg6+ Ke6 78.f7+ Kd7 79.Dxd3+ Kc7 80.Dc4+ Kb6 1-0
 
Damit war für das Turnier bereits eine Vorentscheidung gefallen. Deep Junior hatte gegen alle Topfavoriten gespielt und lediglich einen halben Punkt abgegeben. Der Gesamtsieg war ihm kaum noch zu nehmen, falls nicht noch in den letzten drei Runden etwas schief laufen sollte. Die spannende Frage war, wer den begehrten WM-Titel in der Kategorie Single-Titel erobern würde. Insbesondere Stefan Meyer-Kahlen stand jetzt mächtig unter Druck, weil er bis zu diesem Zeitpunkt bereits 2½ Punkte abgeben musste.
 
 
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