Computerschach-WM 2003 in Graz Die Gehirnstrommessung

von Peter Schreiner - Februar 2004

Beim Betreten des Turniersaals gab es in der sechsten Runde wieder eine Überraschung. Direkt neben dem Eingang saßen »verdrahtete« Spieler. Bei den elektronischen Teilnehmern im Turniersaal ist Kabelsalat obligatorisch, aber bei Menschen? Das Rätsel wurde schnell gelöst. Die Universität Graz testete und untersuchte die Funktionsweise des Gehirns menschlicher Spieler gegen einen besonders starken Gegner: Weltmeister Junior auf einem schnellen PC.

Die Funktionsweise der elektronischen Schachspieler birgt keine Geheimnisse. Wie sieht es aber mit menschlichen Spielern aus, bzw. was läuft konkret im menschlichen Hirn während einer Schachpartie ab? In der Intelligenzforschung hat man herausgefunden, dass das Gehirn von intelligenten Personen effizienter arbeitet als das von weniger intelligenten Personen. Bei der Vorgabe von unterschiedlichen Denkaufgaben wurden Messungen der Gehirnaktivität vorgenommen. Dabei stellte sich heraus, dass Personen mit hoher Intelligenz bedeutend weniger Energieaufwand und Gehirnaktivierung auskommen.

GehirnstrommessungGehirnstrommessung

Eine effiziente Nutzung des Gehirns ist aber nicht alleine eine Frage der Intelligenz. Diese Effizienz kann man trainieren und das Gehirn arbeitet mit zunehmendem Training schneller und effizienter. Hier an der Universität Graz wird ausgiebig Forschungsarbeit zu diesem Thema betrieben. Eine erste Studie wurde mit Grazer Taxifahrern durchgeführt, die über mehrjährige Berufserfahrung verfügten. Es blieb seinerzeit die Frage offen, inwieweit sich die erhaltenen Ergebnisse auch auf andere, stärker kognitiv orientierte Expertenbereiche übertragen lassen. Aus diesem Grund werden ab Frühjahr 2004 Turnierschachspieler unterschiedlicher Spielstärke zu einer EEG-Untersuchung eingeladen.

Neben der Frage, welche Bereiche des Gehirns beim Schachspielen aktiviert werden, soll dabei geklärt werden, ob bessere Schachspieler tatsächlich in der Lage sind, ihr Gehirn effizienter zu nutzen und von welchen Faktoren dies abhängt. Spielt hier Intelligenz noch eine Rolle oder ist es die Erfahrung, die zu einer effizienten Gehirnaktivierung führt ? Inwieweit finden sich Zusammenhänge mit bestimmten Intelligenzkomponenten der Persönlichkeit oder der emotionalen Intelligenz? Spielt die Denkaufgabe eine wesentliche Rolle oder findet man effiziente Gehirnnutzung bei allen Denkleistungen? Mit diesen Fragen wird sich die Studie ausführlich beschäftigen.

GM Alterman nahm sich die Zeit und unterzog sich einer Hirnmessung am Stand der Universität Graz. Die Hirnstrommessung fand während einer Blitzpartie (5 Minuten) gegen Junior statt. Die Partie wurde von Junior nach Zeitüberschreitung gewonnen. Die Messung ergab, dass GM Alterman über eine außergewöhnliche Fähigkeit zur kortikalen Entspannung (Reduktion der Gehirnaktivierung) verfügt. Des Weiteren fand man immerhin noch heraus, dass die rechte Hirnhälfte während des Spiels leicht stärker aktiv war als die linke Hirnhälfte.

Rochade-EuropaPeter Schreiner