Computerschach-WM 2003 in Graz Interview mit Fritz-Autor Frans Morsch

Foto von Frans MorschFrans Morsch

von Peter Schreiner - Februar 2004

Fritz sollte man eigentlich umtaufen. Im WM-Turnier würgte das Programm seine Gegner in einem positionellen Stil ab, der an die Partien von Exweltmeister Karpov erinnert. Ich habe den Fritz-Autoren den Namen »Boa Constrictor« vorgeschlagen. Das Programm überspielte seine Gegner in einem beeindruckenden positionellen Stil und lässt einfach keine Gegenchancen zu. Darüber habe ich mit Fritz-Autor Frans Morsch in Graz gesprochen.

Frage

Frans, du nimmst seit 1986 in Köln regelmäßig an Weltmeisterschaften teil und kannst Dir ein Urteil über die Organisation erlauben. Wie findest Du die Ausrichtung des Turniers in Graz?

Antwort

Ich habe noch nie ein solch gut durchorganisiertes Turnier erlebt. Es gibt keinen Grund, etwas zu bemängeln. Die Spielbedingungen sind so hervorragend, dass ich mich als Teil von der Weltkulturstadt Graz 2003 fühle.

Frage

Nach dieser Runde liegst Du zusammen mit Shredder in Führung und es sieht danach aus, dass der Titel zwischen Euch beiden ausgespielt wird. Wie beurteilst Du den Turnierverlauf für Fritz?

Antwort

In den vergangenen Jahren haben wir immer versucht, die Amateurprogramme mit taktischen Mitteln zu schlagen. Diese Strategie war uns für dieses Jahr zu gefährlich, weil man damit erhebliche Risiken eingeht. In den vergangenen Turnieren hat uns diese Methode einige Punkte gekostet. Die neue Version spielt jetzt hervorragendes positionelles Schach, wie z.B. der konsequent umgesetzte Sieg gegen Shredder bewiesen hat.

Frage

Resultieren die offensichtlich deutlich verbesserten strategischen Leistungen auch aus der Vorbereitung von dem Match gegen Kasparov?

Antwort

Ja, das ist richtig. Ich strebe jetzt konsequent danach, das Programm in strategischer Hinsicht auf das gleiche Niveau wie im taktischen Bereich zu bringen. Ich bin davon überzeugt, dass nur über Verbesserungen im positionellen Spiel weitere Leistungssteigerungen möglich sind. Mit den beim Turnier gezeigten Leistungen bin ich sehr zufrieden.

Frage

Welches Gefühl ist es für einen Schachprogrammierer, wenn das eigene Geisteskind gegen den stärksten Schachspieler der Welt, eben Kasparov, antritt?

Antwort

Was soll ich sagen? Gegen Kasparov zu spielen war einfach das Größte!

Rochade-EuropaPeter Schreiner