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Diagramm 22-2006
 
Diagramm 22 – 2006
In dieser Stellung stellte Weiß seine Dame nach e5 und erwartete von Schwarz die Aufgabe. Dieser spielte aber weiter und zog …
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Fritz 5 und die SSDF   Teil 1
von Peter Schreiner - April 1998
 
Von allen veröffentlichten Wertungslisten für Schachcomputer und Programme genießt die von der schwedischen SSDF regelmäßig publizierte Ratingliste in der Computerschachszene die größte Reputation. Die wesentlichen Gründe für die große Wertschätzung dieser Liste sind:
  1. die Mitglieder der SSDF sind herstellerunabhängig, und
  2. kommerzielle Programme werden nach Möglichkeit in der Form getestet, wie sie im Handel sind und damit dem Anwender zur Verfügung stehen.
Am 22.2.98 wurde die neueste Ratingliste mit einem neuen Spitzenreiter Fritz 5 und dessen beeindruckender Wertungszahl von 2589 Elopunkten auf Pentium 200 MMX publiziert. Unmittelbar nach Veröffentlichung dieses Resultates kam in den gängigen Foren zum Thema Computerschach eine heftige Diskussion über die Platzierung im Fall von Fritz 5 in Gang, wie ich sie bisher noch nie bei einem neuen Spitzenreiter in der Liste erlebt habe.
 
Unter anderem wurde der SSDF vorgeworfen, dass bei der Testreihe mit Fritz 5 dem Programm Sonderkonditionen eingeräumt wurden, die gegenüber den bisher angewandten Testverfahren völlig unüblich waren. Verschärft wurde die Auseinandersetzung durch einen offenen Brief der Top-Ten Programmierer Richard Lang (Chess Genius), Chrilly Donninger (Nimzo 98) und Stefan Meyer-Kahlen (Shredder 2.0) an die SSDF, die nicht nur gegen die ihrer Ansicht nach vorherrschende Bevorzugung von Fritz 5 protestierten, sondern auch die Eliminierung der bisher von Fritz 5 erzielten Resultate verlangten!
 
Ein bisher einmaliger Vorgang; betrachten wir daher zunächst einmal zum besseren Verständnis die wichtigsten Punkte in dem erwähnten offenen Brief.
 
 
Open Letter
In dem offenen Brief der vorgenannten Autoren und von diversen Postern im Internet wurde den Schweden vorgeworfen, dass Fritz 5 in der Testreihe im Vergleich zur Konkurrenz nicht nur erheblich bevorzugt, sondern auch in einer Form abgetestet wurde, die nicht dem Stand der kommerziellen Fassung entsprach. Gerade weil die SSDF großen Wert darauf legt, die käuflichen Programme in der kommerziell ausgelieferten Fassung zu testen, wird die Liste vom Anwender ja so geschätzt. Nach Ansicht der Autoren des offenen Briefes und anderer Kritiker liegt in den nachfolgenden Punkten ein gravierender Verstoß gegen dieses bisher allgemein gültige Grundprinzip vor:
  1. Powerbook - in etlichen Partien der Testreihe mit Fritz 5 wurde das sogenannte Powerbook eingesetzt. Diese Bibliothek befindet sich nicht im normalen Lieferumfang von Fritz 5.
  2. Paris-Engine - die in der SSDF eingesetzte Engine sei nicht identisch mit der kommerziellen Version.
  3. Spezial-Autoplayer - in der SSDF wurde Fritz 5 nicht mit dem mittlerweile zum Standard gewordenen Autoplayer 232, sondern mit einer von ChessBase entwickelten hausinternen Lösung betrieben. Dieser von ChessBase erstellte Autoplayer funktioniert ausschließlich nur dann, wenn Fritz5 auf einem Rechner mit mindestens 64 MB RAM läuft. Gerade diese Anforderung an das Rechnersystem war bisher völlig unüblich. Die Tatsache, dass der F5 - Autoplayer nicht auf dem bisherigen Standard 232 basiert und eine Unterstützung des Standards Auto 232 in der Verkaufsversion nicht vorgesehen ist, verstoße ebenfalls gegen die Grundprinzipien der SSDF.
In dem offenen Brief wurde abschließend von den Autoren gefordert, Fritz 5 genau in der Fassung zu testen, wie sie auch der Kunde zu Hause im Einsatz hat, also:
  1. ohne Spezialbuch
  2. mit der auf CD-Rom ausgelieferten Engine
  3. ohne einen speziellen Autoplayer, dessen Einstellungen wegen der mangelnden Verfügbarkeit nicht überprüfbar sind und der daher Spielraum für mögliche Manipulationen offen halte. 
 
Interview mit Matthias Wüllenweber
Wir haben uns daraufhin mit Matthias Wüllenweber von der Firma ChessBase in Verbindung gesetzt, um im Rahmen eines Interviews eine Stellungnahme des Herstellers von Fritz 5 auf sämtliche vorgebrachten Kritikpunkte zu bekommen:
 
RE: Herr Wüllenweber, zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zu dem hervorragenden Abschneiden von Fritz 5 in der neuesten Ausgabe der SSDF-Liste! Die Spitzenposition in dieser weltweit am meisten beachteten Rangliste hat ja innerhalb der Computerschach-Szene einen ganz besonderen Stellenwert. Im Vergleich zu den Vorgänger-Versionen hat Fritz 5 beträchtlich zugelegt. Worauf führen Sie diese Leistungssteigerung zurück?
 
MW: Frans Morsch hat zur Entwicklung der Fritz 5-Engine zunächst eine Geschwindigkeitssteigerung von ca. 40% vorgenommen. Das ging bis hin zur Optimierung auf bestimmte Prozessorbefehle. Diese Beschleunigung wurde dann in zusätzliches Schachwissen im Mittel- und Endspiel reinvestiert. Das Resultat ist ein ausgewogeneres positionelles Spiel bei etwa gleichgebliebenem taktischem Biss. Im Spiel gegen Menschen wurde eine Verstärkung durch das große Eröffnungsbuch aus Meisterpartien erzielt. Fritz 5 hat schon in der Standardversion etwa zwanzigmal umfangreichere Theoriekenntnisse als seine Vorgänger.
 
RE: Die Performance von Fritz 5 ist im Unterschied zu anderen Schachprogrammen sehr stark von der Größe der Hashtabellen abhängig. Könnten Sie uns kurz die grundlegende Technik erläutern, mit der Fritz 5 in so starkem Ausmaß von diesen großen HashTabellen profitiert?
 
MW: Fritz ist ein recht schnelles Programm. Die Engine berechnet auf einem P300 in der Sekunde etwa 270.000 Stellungen. Damit füllt sie die Hashtabellen auf diesem Rechner mit einer Rate von 1 MB pro Sekunde. Bei Turnierpartien machen 32 MB Hashtabellen mehr oder weniger gewiss 30-50 Elopunkte aus. Das ist natürlich nicht beliebig steigerbar. Das Maximum liegt bei rund 100MB. Es hilft uns, dass Speicherbausteine spottbillig geworden sind und der Anwender freut sich, dass viel RAM auch den Nichtschach-Programmen unter Windows zugute kommt.
 
RE: Seit Jahren genießt die von der SSDF erstellte Ratingliste für Schachprogramme weltweite Beachtung. In der letzten Zeit geriet die Testarbeit der Schweden verstärkt in die Kritik. Insbesondere der Einsatz von Killerbibliotheken und die nicht unerhebliche Anzahl von Dubletten wurde von den Kritikern der SSDF-Liste als bedenklich angesehen. Wie beurteilen Sie die Testarbeit der SSDF?
 
MW: Es ist schwer, ein Urteil zu fällen, da in der Vergangenheit nur ein kleiner Teil der Partien ohne weitere Angaben veröffentlicht wurde. Wir konnten aus den für Fritz 4 und Fritz 3 bekannten Partien ersehen, dass das Programm in der Tat von Konkurrenten immer mit denselben Varianten hereingelegt wurde. Ich glaube, eine mit 1.e4 e5 2.Lc4 beginnende Partie ist identisch etwa acht Mal von Fritz 3 mit Schwarz bei verschiedenen Testern vergeigt worden. Das drückt natürlich massiv auf die Bewertung. Wir sind energisch dafür, grundsätzlich alle Partien mit allen Parametern zu veröffentlichen, damit sich jedermann selbst ein Bild über die Testarbeit verschaffen kann. Um den Einfluss von Killerbibliotheken, Buchlernen und Dubletten zu vermeiden, muss man Verfahren wie den in der Rochade 3/98 und CSS 1/98 vorgestellten Nunn-Test oder SEE-Test anwenden. Hier werden zehn grundverschiedene Bauernstrukturen mit Weiß und Schwarz je einmal gespielt. Ein solcher Test schaltet alle durch das Eröffnungsbuch bedingten Faktoren aus und bewertet fair die nackte Spielstärke der Engine.
 
RE: Kurz nachdem die neueste SSDF-Liste vom 22.2.1998 mit Fritz 5 als neuem Spitzenreiter veröffentlicht wurde, gab es insbesondere via Internet recht heftige Diskussionen und Spekulationen über das von Fritz 5 erzielte Ergebnis. Den Testern der SSDF wurde von der Konkurrenz, aber auch von unabhängigen Personen vorgeworfen, dass innerhalb der Testreihe Fritz 5 Sonderkonditionen eingeräumt wurden, die gegen die bisher über Jahre angewandte Praxis dort verstoßen. Wir sind Ihnen besonders dankbar, dass Sie uns hier im Rahmen eines Interviews zur Klärung dieser Punkte antworten wollen. Beginnen wir mit dem ersten Punkt. Den Schweden wird vorgehalten, dass in der Testreihe mit Fritz 5 ein spezielles Powerbook zum Einsatz kommt, das nicht identisch mit der Bibliothek sein soll, die sich im Lieferumfang von Fritz 5 befindet.
 
MW: "Konkurrenz" und "unabhängige Personen" steht nach meinem Kenntnisstand überwiegend für einen bayrischen Händler und seine Mitarbeiter. Angesichts der befriedigenden Turnier- und Testergebnisse von Fritz, ist ein Erklärungsnotstand entstanden, so dass etwas Nebel geworfen werden muss. Verwendet werden in Schweden die beiden für Fritz 5 kommerziell erhältlichen Bücher, leider überwiegend nur das Standardbook von der Haupt-CD.
 
RE: Bisher war es in der SSDF üblich, Programme in genau der Form auszutesten, wie sie auch der Kunde geliefert bekommt. Es wurde der Vorwurf geäußert, dass sich dieses Powerbook nicht im Lieferumfang von Fritz 5 befindet.
 
MW: Wie gesagt, wird leider gegen unseren ausdrücklichen Wunsch überwiegend das Standardbuch verwendet, obwohl Fritz mit dem breiteren und tieferen Powerbook stärker spielt. Die Kombination Fritz 5 + Powerbook ist sozusagen die Profiversion für die Schachszene. Für den Aufpreis von DM 98,- erhält man in insgesamt etwa 7.5 Millionen Stellungen ein Abbild der gesamten aktuellen Schachtheorie. Dabei ist die Spielstärkesteigerung gegen Computer für den Vereinsspieler relativ uninteressant, ihn interessieren die besseren Nachschlage- und Trainingsmöglichkeiten fürs eigene Repertoire. Modernes Eröffnungstraining beinhaltet ja immer auch das Spielen von Testpartien gegen den Rechner. Und das macht nur Spaß, wenn das Buch alle jemals gespielten relevanten Partien enthält.
 
RE: Kommen wir zum nächsten Punkt. Konkurrenten werfen Ihnen vor, dass sich die in der SSDF getestete "Paris-Engine" nicht im ursprünglichen Lieferumfang von Fritz 5 befindet. Viele Anwender, die das Programm im September oder Oktober gekauft haben, sind nicht im Besitz dieser später erstellten Engine. Die einzigste Möglichkeit für diese Anwender, an die sehr erfolgreiche SSDF-Version zu kommen, besteht in dem Erwerb der seit Anfang Januar im Handel veröffentlichten Junior-CD. Ein Grundprinzip der SSDF besteht aber darin, kommerzielle Schachprogramme lediglich in der ausgelieferten Fassung zu testen?
 
MW: In Schweden spielt in der Tat die Paris-Engine, die seit Anfang November ausgeliefert wird, d.h. derzeit bei vielen tausend Kunden im Einsatz ist. Sie unterscheidet sich von der ersten Version durch eine etwas misstrauischere Bewertung gegnerischer Freibauern. Mitte April wird auf der ChessBase Magazin CD 63, d.h. zum Preis von DM 39,- ein Fritz 5-Update erscheinen. Dazu noch eine Ergänzung: In der holländischen Zeitschrift "Computerschaak Report" schreibt der Herausgeber Cock der Gorter:
»Fritz5 hat einen bemerkenswerten Spielstärkesprung gemacht. Leider begreift ChessBase einfach nicht, dass zu einem starken Programm auch ein gut angepasstes Buch gehört. Die mitgelieferten Bücher mögen fürs menschliche Training gut geeignet sein, entlassen Fritz jedoch viel zu oft in für ihn ungünstige Stellungen.«
 
Um Worten Taten folgen zu lassen, hat Cock de Gorter uns daraufhin sein großes, in mehrjähriger Arbeit gewachsenes Eröffnungsbuch zur Verfügung gestellt. Es wird ebenfalls auf Magazin 63 veröffentlicht. Mit einer frühen, nicht veröffentlichten Version dieses Buches ist Fritz 3 übrigens in Hongkong Weltmeister geworden.
 
RE: Der in der SSDF getestete Fritz 5 verfügt im Unterschied zu der im Handel ausgelieferten Fassung über eine Schnittstelle zu dem Autoplayer. Nach den Angaben einiger Tester basiert die in Schweden eingesetzte Fassung des Autoplayers nicht auf dem von C.Donninger entwickelten allgemeinen Standard und setzt zum einwandfreien Betrieb bestimmte Anforderungen an die Hardware, die bisher nicht üblich waren. Diese Tatsache wird von der Konkurrenz besonders misstrauisch beäugt und auch wir haben dazu einige Fragen. Wie zu erfahren war, funktioniert diese spezielle Schnittstelle nur dann, wenn der Rechner über mindestens 64 MB RAM verfügt. Trifft das zu und wenn ja, warum?
 
MW: Das ist richtig. Wir fanden es immer schlecht, dass Fritz 4 in Schweden überwiegend mit 0,5 MB Hashtables spielte, die Endspiel-Datenbanken von CD nicht verwendet wurden, die Engine gar zuweilen im zwei bis drei Ply weniger tief rechnenden Mehrvariantenmodus lief und das Permanent Brain abgeschaltet war. Dadurch spielte das Programm mit einem dicken Handicap und für den Laien sah es so aus, als ob Fritz 4 schwächer als Fritz 3 sei. Alle Fritz-Engines von Frans Morsch brauchen zur vollen Spielstärke große Hashtabellen. Auf einem Rechner mit 64MB Speicher sind etwa 44-48 MB möglich. Deswegen verlangt das Programm für Turnierpartien gegen Computer 44 MB. Dem normalen Anwender kann das völlig egal sein. Er spielt ja sowieso meist Schnellpartien, wo das Programm auch bei kleinen Hashtabellen schon die Grenzspielstärke erreicht. Uns wäre es lieber, wenn das Programm mit noch wesentlich größeren Speicher antreten könnte, doch haben die Schweden das abgelehnt. Fritz 5 spielt dort also immer noch mit einem Handicap.
 
RE: Die Tatsache, dass der Autoplayer auf einer hausinternen Lösung basiert, gab von Seiten der Konkurrenz Anlass zu den wildesten Spekulationen. Unter anderem wurde gemutmaßt, dass unter Umständen spezielle gezielte Abfragen durch diesen Autoplayer gemacht werden könnten, um z.B. bestimmte Killervarianten aus der Bibliothek abzurufen oder sonstige Manipulationen vorzunehmen ...
 
MW: Das Fritz5-Eröffnungsbuch ist aus veröffentlichten Meisterpartien aufgebaut. Es enthält keinen Zug, der nicht einer zwischen Menschen gespielten Partie entstammt. Der Vorteil für den Anwender ist, dass Fritz alle gängigen Eröffnungen kennt und seine Variantenwahl in natürlicher Form an der Popularität von Eröffnungssystemen ausrichtet. Das Buch ist nicht auf andere Schachprogramme zugeschnitten. Weder die Powerbooks, noch das Standardbuch enthalten Lernwerte aus vorab gespielten Matches gegen andere Programme, obwohl dies technisch eine Leichtigkeit wäre. Die veröffentlichten Partien besitzen erstmals in der Geschichte der SSDF eingetragene Bedenkzeiten, Rechentiefe und Bewertungen, so dass jeder die Partien mit dem eigenen Fritz reproduzieren kann. Weiterhin ist Fritz 5 das erste Programm in der Geschichte der SSDF für das genau die verwendete Testkonfiguration bekannt ist (weil der Auto232-Treiber nur in dieser Konfiguration läuft).
 
RE: Das klingt sehr einleuchtend. Ein Grundprinzip der SSDF war es aber bisher, Programme nur in der Form zu testen, wie sie auch der Kunde beim Kauf erhält. Jeder Anwender kann z.B. mit einem zweiten PC und dem Autoplayer Rebel, Nimzo 89, MChess usw. testen. Warum liefern Sie keine Schnittstelle zum Autoplayer mit?
 
MW: Viele Programme richten ihr Eröffnungsbuch an den starken SSDF-Konkurrenten aus. Dies geschieht durch die Auswertung Hunderter bis Tausender von Autoplayer-Partien. Dabei werden die Bücher in Form von Killervarianten oder voradaptierten Lernwerten genau auf eine kleine Zahl von Wettbewerbern abgestimmt. Angeblich enthalten Eröffnungsbücher neuerer Programme inzwischen fast vollständig vorgefertigte Autoplayer-Partien. Wir lehnen diese Art der Vorbereitung für uns persönlich ab, ohne ein Werturteil zu fällen. Eröffnungsvorbereitung auf Gegner ist ja ein legitimer Teil schachlicher Arbeit. Um jedoch auf diesem Gebiet ohne spezielle Vorbereitung mithalten zu können, sind zwei Maßnahmen notwendig:
1. Das Buch muss lernfähig sein, um Killervorbereitungen nach einmaligem Reinfall selbst reparieren zu können.
2.Der Treiber für den Autoplayer darf auf keinen Fall in die Hände von Wettbewerbern gelangen. Er wird deshalb nur an renommierte unabhängige Testinstitutionen und Zeitschriften wie die SSDF-Liste oder das amerikanische Webzine "Computer Chess Reports" weitergegeben.
 
Es ist übrigens nicht richtig, dass die SSDF Programme ausschließlich in der kommerziellen Form bewertet. Wussten Sie nicht, dass die Programme Genius 5 und Genius 4 in Schweden seit langem als DOS-Programme getestet werden? Beide Programme sind unter Windows spürbar langsamer und Genius 4 ist als DOS-Version gar nicht im Handel. Dies wird in der Liste nicht kenntlich gemacht. Weiterhin schicken alle Hersteller ihre Programme selbst zur SSDF, denn diese hat als Organisation schachbegeisterter Amateure kein Budget, pro Jahr Hunderte von Installationen für alle Tester zu erwerben. So ist derzeit nur für ein einziges Programm nachprüfbar, ob tatsächlich die Verkaufsversion eingereicht wurde. Dieses Programm ist Fritz 5, denn nur hier werden die Partien komplett mit Bedenkzeiten, Rechentiefen und Bewertungen veröffentlicht.
 
RE: Sie sprechen ein generelles Problem (Killervarianten) der Testarbeit innerhalb der SSDF an. Auf der anderen Seite kann man aber auch dagegen halten, dass die anderen Autoren ebenfalls mit diesem Problem leben und sich trotzdem dem Vergleich stellen. Viele Programmierer wurden ja gerade durch diese Problematik dazu angeregt, intelligente Features, wie z.B. ein effektives Booklearning zu implementieren.
 
MW: Diese Features haben keinen anderen Sinn, als in Computermatches Punkte zu machen. Fritz 5 wendet sich jedoch an aktive Vereins- und Fernschachspieler, und weniger an Leute, die zu Hause zwei PC's nebeneinander stellen, um zuzusehen, wie Programme gegeneinander spielen, obwohl ich selbst das durchaus schon mal spannend finde. Das Buchlernen von Fritz muss der normale Anwender für sich selbst aber abstellen, weil es für den Abwechslungsreichtum der gewählten Eröffnungen nachteilig ist.
 
RE: Sie sagen, dass Sie die Vorbereitung von Eröffnungsbüchern via Autoplayer generell ablehnen. In einer auch an uns adressierten Gruppenmail vom 7.03.98 beschreiben Sie unter anderem ihre Erfahrungen mit dem Autoplayer 232 anlässlich zu der für die WM in Paris vorgenommenen Eröffnungsvorbereitung. Dort erwähnen Sie, dass Sie z.B. im Laufe der Vorbereitung z.B. an die 400 Partien via Autoplayer gegen das Schachprogramm Genius gespielt haben.
 
MW: Hier ging es doch nicht um eine Verkaufsversion für aktive Schachspieler, sondern per Definition um ein reines Computerturnier. Wie man weiß, ging diese Vorbereitung dann verdient in die Hose, weil gezielte Vorbereitung auf Gegner X dumm ist, wenn Gegner X nicht am Turnier teilnimmt. Um es noch mal deutlich zu sagen: Die Firma ChessBase besteht überwiegend aus aktiven Vereins- und Fernschachspielern. Mathias Feist, Steffen Giehring, Wolfgang Haar, Gisbert Jacoby, Rainer Knaak, Lutz Nebe, Oliver Reeh, Rainer Woisin, ich selbst und übrigens auch Frans Morsch spielen regelmäßig mit Begeisterung Mannschaftsschach und engagieren sich in ihren Vereinen. So freuen wir uns zwar über eine gute SSDF-Platzierung und finden es ok, dass Fritz auch in der anderen Computerrangliste, der Selective-Search-Liste mit Elo 2603 deutlich den ersten Platz belegt. Dort wurde übrigens hauptsächlich ohne Autoplayer gespielt. Es ärgert uns nicht, dass Fritz die anderen Programme im Nunn-Match schlägt, amtierender Weltmeister im Computerschach ist oder die Junior-Engine amtierender Mikroweltmeister.
 
Diese Punkte haben jedoch als Zielsetzung zweite Priorität, solange unsere Kunden Menschen sind und keine Maschinen. Sie sagen auch nichts über die praktische Nutzbarkeit von Schachprogrammen aus. Richtig froh sind wir daher über das Ergebnis im Kölner Impuls Schnellschachturnier, wo Fritz5 mit einer 2700er-Eloperformance 32 Großmeister hinter sich ließ. Es macht uns stolz, dass der deutsche A-Kader inklusive Olympiamannschaft mit Fritz5 arbeitet und es das offiziell vom Deutschen Schachbund empfohlene Programm ist. Besonders spannend ist für uns das bevorstehende Match einer Experimentalversion beim Frankfurter Chess Classic gegen Anand, der noch nie eine Partie gegen ein Programm verloren hat.
 
RE: Ein Vorwurf der Konkurrenz besteht darin, dass der Autoplayer für Fritz 5 bereits seit dem Sommer des letzten Jahres fertig war und bei ChessBase eingesetzt wurde. Die Schweden haben diesen Autoplayer für Fritz 5 im Dezember bekommen. Jetzt wird darüber spekuliert, warum dieser Autoplayer nicht schon früher an die SSDF geschickt wurde. Eine These lautet, dass die Fritz 5-Engine in dieser Zeit gezielt auf die anderen Top-Programme getunt worden sein könnte. Unter anderem wird diese Vermutung von anderen Programmierern (Richard Lang, Chrilly Donninger und Stefan Meyer-Kahlen) in einem uns vorliegenden offenen Brief an die SSDF angedeutet ...
 
MW: Diese magische Engine ist inzwischen längst bei Tausenden von Anwendern und hat wie gesagt im Kölner Impulsturnier gegen Menschen eine Eloleistung von 2700 erspielt. Die Schweden hatten den Autoplayer übrigens seit November, wollten jedoch offenbar erst einmal einige neue DOS-Programme testen, die sie für stärker hielten. Ich denke nicht, dass ein Schachprogrammierer selbst daran glaubt, man könnte ein Programm auf mehrere andere, im Spielcharakter drastisch unterschiedene Programme tunen. Das geht vielleicht gegen ein einzelnes Programm und man müsste dann die Engine immer je nach Gegner auswechseln. Ein Riesenaufwand. Und keine der veröffentlichten Testpartien wäre mehr mit der Verkaufsversion reproduzierbar.
 
RE: Zum guten Schluss möchten wir uns einmal angenehmeren Themen zuwenden. Es interessiert uns, welche Neuigkeiten es bei einem kommenden Fritz 6 und ChessBase 7.0 geben wird. Können Sie uns schon etwas dazu sagen?
 
MW: Wir arbeiten derzeit an ChessBase 7.0. Es ist nicht schwer zu erraten, dass ChessBase 7.0 über ein Baumkonzept á la Fritz 5 verfügen wird, das im Zusammenhang mit den Datenbankfunktionen schön an Kraft gewinnt. Darüber hinaus wird es einige Neuerungen zum Thema Eröffnungsvorbereitung geben. 32Bit-Programmierung macht Spaß, weil viele lästige 16Bit-Einschränkungen wegfallen. Das neue Programm wird ziemlich schnell sein und auch auf schwächerer Hardware gut laufen. Schade, dass die Windows 3.1-Anwender es nicht mehr nutzen können.
 
RE: Wir bedanken uns ganz herzlich bei Ihnen für die Beantwortung unserer Fragen und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg!
 
Soweit die Stellungnahme von Matthias Wüllenweber zu den einzelnen Punkten. Ergänzend bleibt noch anzumerken, dass das erwähnte Schachprogramme Genius 5.0 mit einer Anbindung zum Auto 232 ausgeliefert wird. Das in der Kritik stehende Genius 4.0 ist seit einiger Zeit ebenfalls in einer autoplayerfähigen Version verfügbar. Mir persönlich scheint der in der Diskussion des bei Fritz 5 implementierten speziellen Autoplayers und dessen Einsatz in der SSDF noch einige Anmerkungen in Hinsicht auf die zukünftige Entwicklung der SSDF wert zu sein. Zum besseren Verständnis möchten wir an dieser Stelle den sonst üblichen Autoplayer 232 und dessen Bedeutung innerhalb der SSDF und für das Computerschach allgemein vorstellen.
 
 
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