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Diagramm 19-2006
 
Diagramm 19 – 2006
Die schwarzen Figuren stehen äußerst aktiv. Nun gilt es loszuschlagen. Haben Sie eine Idee, wie Schwarz seinen Gegner zur Aufgabe zwang?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Ein Dual-System in der Praxis - Teil 2
besprochen von Peter Schreiner - März 2001
 
Jeder PC-Nutzer kennt das Problem: kaum hat man sich einen neuen Computer gekauft, ist die Maschine nach einigen Monaten schon wieder hoffnungslos veraltet. In der PC-Branche wird man mit sehr dynamischen Innovationszyklen konfrontiert, welche so manchen potentiellen Interessenten verunsichern. Setzt man den heimischen Rechner bevorzugt für geschwindigkeitsrelevante Anwendungen wie z.B. Schachprogramme ein, stößt man schnell auf das Problem, dass der Rechenknecht für die Analyse kniffliger Stellungsanalysen komplett belegt ist.
 
Prinzipiell ist es mit Single-Prozessor-Systemen natürlich möglich, einen Brief zu schreiben, während der PC parallel mit dem aktuellen Stellungsproblem beschäftigt ist. In der Praxis führt dies aber auch auf sehr schnellen Rechnern zu erheblichen Performanceproblemen, die den Wert der Analyse nicht unerheblich entwerten. Viele Anwender, die ihre Rechner sehr intensiv für die Analyse und das Schachtraining einsetzen, haben sich daher einfach eine zweite Maschine angeschafft, um den Analyserechner freizuhalten und ungehindert mit anderen Programmen weiterarbeiten zu können. Diese Arbeitssituation ist uns nur zu gut vertraut.
 
Das ansonsten gemütliche, heimische Arbeitszimmer wird durch den wenig dekorativen Anblick von diversen Rechnern etwas getrübt, die allesamt für verschiedene Aufgabengebiete eingesetzt werden. Auf zwei Rechnern bekämpfen sich aktuelle Top-Programme über den Autoplayer 232, ein Rechner steht für die Bewältigung der aktuellen Aufgabengebiete bereit, eine andere Maschine berechnet konstant irgendwelche Schachpositionen und das Notebook hat auch noch ein Plätzchen in der Ecke gefunden.
 
 
Vorzüge
Im Rahmen der Frankfurter Chess Classics im Sommer des letzten Jahres bot sich mir die Gelegenheit, mich näher mit den Möglichkeiten von Mehr-Prozessorsystemen vertraut zu machen. Seinerzeit spielte eine Parallel-Version des bekannten Schachprogramms Fritz der Firma ChessBase auf einem Primergy-Server von Fujitsu-Siemens und ich konnte mir vor Ort in Gesprächen mit den Entwicklern einen Eindruck davon verschaffen, welche Vorzüge optimierte Schachsoftware für Mehr-Prozessorsysteme für den Einsatz am heimischen PC bieten kann. Dazu später noch mehr. Gegen Ende des Jahres stand wieder eine der periodisch wiederkehrenden Hardwareaufrüstungen an.
 
Jetzt galt es, sich zu entscheiden. Sollte es ein superschnelles Single-Prozessorsystem mit z.B. einem Athlon-Prozessor von AMD oder eben ein Dualprozessorsystem sein? Nach gründlicher Prüfung wurde die Entscheidung zugunsten eines Dual-Systems getroffen. Dafür gab es im wesentlichen folgende Gründe:
 
I.) Mittlerweile gibt es im kommerziellen Bereich hervorragend auf Mehr-Prozessorsysteme abgestimmte Schachsoftware. Den Anfang machte die Firma ChessBase mit einer speziellen Version des Schachprogramms Junior vom Mikro-WM 1997, Amir Ban. Deep Junior kann auf Parallelsystemen mit maximal 8 Prozessoren eingesetzt werden.
 
Nachdem jetzt vor einigen Monaten mit Deep Fritz ein weiteres Spitzenprogramm in einer Parallelversion vorliegt und in Kürze auch das aktuelle WM-Programm von Stefan Meyer-Kahlen unter der Bezeichnung Deep Shredder in einer für Parallelsysteme optimierten Fassung auf den Markt kommt, wird die Anschaffung eines solchen Systems auch für den Normalanwender immer interessanter.
 
II.) Eine der Stärken eines Dual-Systems besteht vor allem darin, dass mehrere Aufgabengebiete parallel ohne gravierende Performanceverluste durchgeführt werden können. Nehmen wir ein typisches Szenario aus der Praxis, das sicher vielen Lesern vertraut sein dürfte. Ihr Schachprogramm analysiert eine komplexe Mittelspielstellung, während Sie gleichzeitig einen Brief schreiben oder im Internet surfen wollen. Prinzipiell ist dies auch auf einem Single-Prozessor-System möglich.
 
Dabei ist aber zu beachten, dass im Unterschied zu einem Parallelsystem die Ressourcen einer einzigen CPU mit den entsprechenden Performanceverlusten in Anspruch genommen werden. Ein Dualsystem bietet in dieser Hinsicht bessere Voraussetzungen. Während das Schachprogramm mit voller Power auf dem einen Prozessor rechnet, übernimmt die zweite CPU die Verwaltung des anderen Aufgaben. Damit ist die Anschaffung eines zweiten Rechners überflüssig.
 
Sie können das Programm mit fast "voller Kraft" analysieren lassen und gleichzeitig andere Aufgaben am PC durchführen. Fernschachspieler profitieren ebenfalls von den Möglichkeiten eines Dualrechners. In der Praxis wird es immer wieder einmal vorkommen, dass man eine Stellung mit zwei unterschiedlichen Programmen analysieren will. Jedes Programm rechnet mit fast voller Kraft auf einem eigenen Prozessor.
 
Im Unterschied zu einem Single-Prozessor-System ist die parallele Analyse mit einem zweiten Programm also ohne gravierende Einschränkungen machbar, was natürlich enorm viel Zeit spart und eine große Arbeitserleichterung für diesen Anwenderkreis darstellt.
 
III.) Nehmen wir z.B. die aktuellen Schachprogramme aus dem Hause ChessBase oder das WM-Programm Shredder 5.0. Beide Programme sind als Multi-Engine-Systeme konzipiert worden. Dies bedeutet, man kann unter den Oberflächen zwei unterschiedliche Schachprogramme (= Engines) laden und diese gegeneinander spielen lassen. Auch diese Option ist prinzipiell unter einem Single-System möglich, besser funktioniert das Testen der Engines mit einem Dual-System.
 
Schon optisch erkennt man anhand der Knotenanzeigen, dass jeder Engine ein "eigener" Prozessor zur Verfügung steht. Sowohl die aktuellen ChessBase-Programme als auch Shredder 5.0 unterstützen in Kombination mit dem entsprechenden Betriebssystem (WIN NT oder Windows 2000) die beiden Prozessoren und jede Engine kann die Ressourcen jedes Prozessors zu fast 100% inkl. Permanent Brain ausnutzen!
 
Dies bedeutet, dass beide Programme dem Anwender eine Art "Betriebssystem" für Enginematches und damit aussagekräftige Enginevergleiche zur Verfügung stellen. Die Aufteilung der Ressourcen funktionierte unter beiden Engine-Interfaces einwandfrei. Mit Hilfe des Taskmanagers von Windows 2000 lässt sich sehr schön die Auslastung und die Ressourcenzuteilung der Engines überprüfen.
 
Beide Engines bekommen exakt die gleichen Ressourcen (= CPU, RAM, etc.) zugeteilt, damit steht aussagekräftigen Tests auf einem einzigen Rechner absolut nichts mehr im Weg. Viele Computerschachfans haben sich inzwischen zwei Rechner zugelegt, um ihre Programme via Autoplayer gegeneinander auszutesten. Falls Sie sowohl Shredder 5.0 und auch die aktuellen ChessBase-Programme besitzen, steht auf einem Dualrechner ein echtes "Killerfeature" zur Verfügung: man kann beide Programme über den neuen Netzwerkautoplayer auf einem Rechner ohne relevante Performanceverluste gegeneinander spielen lassen!
 
 
Basics
Erschwinglich und interessant sind zur Zeit vor allem Systeme mit zwei Prozessoren, also Dual-Rechner. Die Mehrkosten für ein spezielles Motherboard und den zweiten Prozessor halten sich im Vergleich zu einem Zweit-PC in Grenzen und sind in Anbetracht der konzeptionellen Vorzüge aus meiner Sicht völlig akzeptabel. Bei der Anschaffung gilt es zu überlegen, ob es unbedingt notwendig und sinnvoll ist, die schnellsten und damit teuersten Prozessortypen einzusetzen.
 
Ich selbst habe mich bei der Anschaffung gegen Ende des letzten Jahres für zwei PIII-700 MHz-Prozessoren entschieden, die zum Zeitpunkt der Anschaffung zusammen in etwa dem Preis eines PIII-933 MHz entsprochen haben. Zur Zeit weisen die PIII/800 MHz-Prozessoren von Intel ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis auf, womit man bei der Anschaffung eines Dual-Rechners zumindest theoretisch auf 1600 MHz Rechenpower kommt.
 
Auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es zu gewissen Geschwindigkeitseinbussen aufgrund des gemeinsamen Zugriffs auf Komponenten wie RAM, Harddisk, bzw. der Verwaltung der einzelnen Tasks kommt, ist der Schwund doch erstaunlich gering. Ein Single-Prozessor-System mit einer vergleichbaren Schachleistung und vor allem zu einem vergleichbaren Preis dürfte bei allem Respekt vor den Leistungen der Hardware-Ingenieure noch auf sich warten lassen.
 
Zu den AMD-Prozessoren muss man anmerken, dass diese momentan bei den Single-Prozessor-Systemen den Intel-Chips den Rang abgelaufen haben. Natürlich bieten diese Chips eine beeindruckende Performance, sind aber leider nicht multiprozessorfähig und kommen daher für einen Einsatz in einem Dualsystem nicht in Frage. Noch ein Wort zu dem Kriterium Performance. Es ist unstrittig, dass die aktuellen AMD-Chips bei vielen Anwendungen im direkten Vergleich zu gleichgetakteten Intel-CPUs schneller sind, bei Schachsoftware trifft das aber nicht für alle Programme zu.
 
Aus meiner Sicht gibt es gute Argumente für den PIII-Chip von Intel, der z.B. den Vorzug großer Betriebsstabilität aufweist. Als Beleg für diese These muss man sich nur einmal die Hardwareausstattung von Firmen anschauen, die möglichst störungsfrei und ohne Ausfälle arbeiten müssen. Bei dieser Zielgruppe kommen nicht ohne Grund nach wie vor die Intel-CPUs zum Einsatz. Es gibt noch einen weiteren Aspekt, der die Diskussion über die Vorzüge der jeweiligen Prozessoren relativiert.
 
Welchen Geschwindigkeitszuwachs benötigt man, damit ein beliebiges Schachprogramm ca. 50-70 Elo besser spielt? Nach den bisherigen Erfahrungen benötigt man dazu eine Verdopplung der Rechengeschwindigkeit, um diese relativ geringfügige Steigerung zu erzielen. Damit dürfte deutlich genug sein, dass die oft sehr fanatisch geführten Diskussionen von Hardwarefreaks über das Pro und Contra im Fall Intel-AMD zumindest im Computerschach keine solch gravierende Rolle spielen. Letztendlich geht es um 30-40 Elopunkte, eine Differenz, die ich in der Praxis nicht ausmachen kann und für vernachlässigbar halte. Man kann es auch drastischer darstellen.
 
Nehmen wir an, Sie haben einen Dualrechner mit zwei PIII/800 MHz-Prozessoren und analysieren mit einem Programm, das nur einen der beiden Prozessoren unterstützt. Im Vergleich zu einem Athlon-Chip mit 1 GHz würde der Performanceunterschied in der Praxis vielleicht schlappe 30 Elopunkte ausmachen. Dafür stehen Ihnen mit dem Dualsystem ungleich flexiblere Anwendungsmöglichkeiten zur Verfügung, die diesen "Leistungsunterschied" wohl irrelevant erscheinen lassen.
 
Zurück zum Thema Dualrechner. Zur Zeit ist eine einwandfreie Funktionalität eines Dualrechners also nur mit den PIII-Prozessoren von Intel garantiert, während unsere Tests mit dem kleinen Intel-Bruder Celeron zumindest bei den neueren Modellen durchweg negativ verlaufen sind. Viel wichtiger als superschnelle Prozessoren ist aus meiner Sicht eine großzügige Bestückung eines solchen Systems mit Arbeitsspeicher. Bei meinem System habe ich mich für 512 MB Arbeitsspeicher entschieden und kann in Enginematches damit jeder Engine problemlos 200 MB für die HashTables zuweisen.
 
Bei der Anschaffung muss noch die Auswahl des Betriebssystems bedacht werden. Von Microsoft gibt es momentan nur zwei Betriebssystemversionen, Windows NT und Windows 2000, die mehrere Prozessoren in einem Rechner unterstützen. Dem auf meinem Computer installierten Windows 2000 kann ich nach mehreren Wochen im intensiven Einsatz bescheinigen, dass es extrem stabil läuft und aufgrund der von Win 98/ME bekannten Benutzerschnittstelle für Neueinsteiger relativ problemlos zu handhaben ist. Die Treiberunterstützung für aktuelle Hardware und Peripherie, die beim Vorgänger NT oft mangelhaft war, ist bei Windows 2000 vorzüglich und ich hatte keinerlei Probleme, sämtliche Peripherie meines neuen Rechners einzubinden.
 
Auch mit meiner vorhandenen Softwareausstattung gab es keine Probleme, alles ließ sich installieren und läuft zur vollsten Zufriedenheit. Damit keine Missverständnisse entstehen. Von einem Dualrechner profitieren vor allem rechenintensive Programme, die multiprozessorfähig sind. Ihre Textverarbeitung wird von dem Einsatz auf einem Dualrechner nicht profitieren, ebenso wie die z.Z. aktuelle Anwendersoftware.
 
Interessanter wird es, wenn Sie z.B. ihre Textverarbeitung und parallel ein Schachprogramm zur Stellungsanalyse starten. Das Betriebssystem kümmert sich um die Verteilung der Ressourcen und im Unterschied zu einem Single-System wird das Schachprogramm trotz der zweiten Anwendung kaum ausgebremst. Alleine aus diesem Grund ist die Anschaffung eines Parallelrechners für den engagierten Anwender sehr interessant. Im Bereich der kommerziellen Schachsoftware gibt es mittlerweile ein attraktive Angebote, die speziell für den Einsatz auf Multi-Prozessor-Systemen optimiert wurden und auf dieser Hardware ihre Vorzüge ausspielen.
 
 
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