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Diagramm 21-2006
 
Diagramm 21 – 2006
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Das PC-Schachbrett - DGT-Board
besprochen von Peter Schreiner - September 1998
 
Seit einigen Jahren gab es von verschiedenen Firmen (Mephisto, Tasc) immer wieder Versuche, ein Sensor-Schachbrett, das einfach an den PC angeschlossen werden kann und das mit den gängigsten Schachprogrammen funktioniert, auf dem Markt zu etablieren. Die bisherigen Erfahrungen waren eigentlich nicht sonderlich ermutigend, da sich die verschiedenen Bretter letztendlich aufgrund fehlender Unterstützung neuerer Programmversionen für den Käufer als wenig zukunftssicher erwiesen haben.
 
Dabei bietet ein PC-Schachbrett dem Anwender gegenüber den üblichen 2D-Darstellungen auf dem Computerbildschirm den riesigen Vorteil, dass man kann auf einem echten Schachbrett die Züge ausführen kann und in komplexen Spielsituationen einen wesentlich besseren Überblick behält. Im Verlauf meiner Beschäftigung mit dem neuen DGT-Brett konnte ich noch einen weiteren positiven Nebeneffekt feststellen: man bekommt wieder viel mehr Lust daran, sich selbst gegen den Computer schachlich zu betätigen (so viele Blitzpartien in Serie habe ich schon lange nicht mehr gegen ein Computerprogramm gespielt).
 
Trotz der bisher wenig ermutigenden Erfahrungen entschloss sich die holländische Firma DGT, die sich u.a. auch mit den gleichnamigen elektronischen Schachuhren einen guten Namen gemacht hat, ein PC-Schachbrett aus Edelholz auf den Markt zu bringen. Ursprünglich war das Brett in erster Linie für die Demonstration von Schachpartien bei wichtigen Turnieren gedacht; mit Hilfe der Sensorbretter wurden die Spielzüge von Großmeisterpartien direkt auf Großleinwände oder Fernseher übertragen. Im Laufe der Zeit kamen die Verantwortlichen bei DGT auf die Idee, das turniergroße Brett auch dem interessierten Privatanwender zugänglich zu machen. Natürlich wird dieser sich nur dann ein PC-Schachbrett zulegen, wenn er es mit den gängigen Schachprogrammen benutzen kann.
 
Aus diesem Grund kontaktierte man die Firma ChessBase und konnte die Verantwortlichen dort dazu bewegen, eine Schnittstelle zwischen dem weit verbreiteten Schachprogramm Fritz 5 und dem neuen Brett zu entwickeln. Das DGT-Board sollte eigentlich bereits im letzten Jahr kommerziell verfügbar sein und wurde natürlich in den gängigen Inseraten beworben. Nun ist die Produktion eines PC-Schachbrettes mit (sehr) hohem Qualitätsanspruch alles andere als trivial und kurz vor der geplanten Markteinführung musste auch noch ein neuer Produzent für die Holzschachbretter gefunden werden. Mittlerweile läuft die Produktion wohl einwandfrei und ich konnte mich über einen längeren Zeitraum recht ausgiebig von den Qualitäten des neuen PC-Schachbrettes überzeugen.
 
 
Erstklassige Verarbeitung
Über Geschmack lässt sich bekanntlich vortrefflich streiten; subjektiv hinterließ das DGT-Brett einen ausgezeichneten Eindruck. Das Edelholzbrett kommt in Turniergröße mit 50x50 cm, einer Feldgröße von 55 mm und harmoniert ausgezeichnet mit dem formschön gestalteten Figurensatz (Königshöhe=95 mm). Die Farbgebung der Felder und des Brettrandes gefielen mir außerordentlich gut; das sehr flache Brett ist erstklassig verarbeitet, wirkt auf Anhieb sehr elegant und ist vor allem bis auf die kleine Anschlussbuchse an der Brettseite gar nicht direkt als elektronisches PC-Zubehör zu erkennen.
 
Das DGT-Brett verfügt wie z.B. das Smartboard von Tasc über eine vollautomatische Figurenerkennung und verhält sich damit gegenüber den Benutzereingaben einigermaßen intelligent. Abgerundet wird die Ausstattung mit einem schönen Holzkasten, in dem die Figuren, Anschlusskabel und Netzteil untergebracht werden können.
 
 
Einfache Anbindung an den PC
Zur Anbindung an den PC wird das DGT-Brett über die serielle Schnittstelle angeschlossen. Darüber werden sich vor allem jene leidgeprüften Power-User freuen, die bereits diverses Zubehör an der parallelen Schnittstelle nutzen (z.B. Zipp-Laufwerk, Scanner und natürlich den Drucker). Ein weiterer Vorteil der seriellen Schnittstelle ist die größere Stabilität und Betriebssicherheit bei der Übertragung von Daten; in diesem konkreten Fall den Spielzügen.
 
Kleiner Nachteil: in der Regel verfügen die meisten PCs über zwei serielle Schnittstellen, die von der Maus und dem Modem belegt werden. Günstiger ist es, wenn die Möglichkeit besteht, die Maus an einem PS2-Anschluß zu betreiben. In diesem Fall stehen beide seriellen Schnittstellen zur freien Verfügung und man muss nicht lfd. umstöpseln.
 
Beim Betrieb des Brettes mit einem Notebook sollte man darauf achten, dass diese Geräte in der Regel nur über einen 9-poligen seriellen Anschluss verfügen; manche PC's werden übrigens auch nur mit zwei 9-poligen Schnittstellen ausgeliefert. In diesem Fall kann man sich sehr leicht mit einem passenden Adapter behelfen, den es in jedem vernünftig sortierten Computershop zu kaufen gibt.
 
Das mitgelieferte Kabel ist bereits 6 m lang und daher muss das Brett nicht unbedingt direkt neben dem PC aufgebaut werden. Falls der Kunde ein noch längeres Kabel benötigen sollte, gibt es auf Nachfrage auch ein Verbindungskabel mit einer Länge von 25 Metern. Neben der Verbindung zum PC-Brett bietet das Kabel noch eine Anschlussmöglichkeit für die DGT Topmatch Schachuhr und den zur Stromversorgung notwendigen Trafo. Das mitgelieferte Handbuch ermöglicht auch einem technisch unversierten Anwender eine einwandfreie Anbindung des Brettes an seinen Computer.
 
 
Verbindung zu Fritz 5
Zur Zeit funktioniert das DGT-Brett ausschließlich mit Fritz 5 von der Firma ChessBase. Auf der Programm-CD von Fritz 5 befindet sich bereits ein Treiber für das DGT-Brett, der aber auf jeden Fall mit der mitgelieferten, neuesten Treiber-Version ersetzt werden sollte. Die Kommunikation zwischen Fritz 5 und dem DGT-Brett muss zuerst einmal hergestellt werden. Unter dem Menüpunkt OPTIONEN/DEVICE LADEN wird der DGT-Treiber geladen und Fritz 5 reagiert sofort auf die entsprechenden Eingaben über das Schachbrett, nachdem man den entsprechenden Com-Port eingestellt hat.
 
 
Bedienungskonzept
Im Unterschied zu allen bisher bekannten PC-Schachbrettern oder Brettcomputern verfügt das DGT-Brett über keinerlei Dioden, die dem Anwender die Züge des Schachprogramms anzeigen. Das sieht zwar auf der einen Seite sehr gut aus, da die Konzentration des Spielers nicht durch die ansonsten aus der Brettoberfläche hervorstehenden Lämpchen beeinträchtigt wird.
 
Die Züge des Schachprogramms erfährt man ausschließlich mit Hilfe der Soundkarte, über die Fritz 5 als "sprechendes Programm" die Züge laut und deutlich ansagt. Diese Lösung hinterließ bei mir einen etwas zwiespältigen Eindruck, da diese Form der Zugansage auf Dauer etwas nervig werden kann und für hörgeschädigte Spieler ebenfalls nicht praktikabel ist. Ein potentieller Interessent am DGT-Board sollte sich daher bewusst sein, dass das Brett zumindest im Moment nur auf den "sprechenden" Fritz 5 ausgelegt ist.
 
Dieses Problem ist natürlich auch dem Hersteller bewusst und es gibt mittlerweile Verhandlungen mit anderen Topautoren zwecks einer Anbindung anderer Spitzenprogramme an das DGT-Brett; eine mögliche Lösung könnte z.B. ein zwischengeschaltetes Punktmatrixdisplay zur Anzeige von Spielzügen sein. Auf der anderen Seite laufen unter der bewährten Fritz 5-Oberfläche neben diversen Fritz-Versionen von Frans Morsch bereits mehrere verschiedene Programme, z.B. Junior 4.6, Hiarcs 6.0 oder Doctor 2.0.
 
Das DGT-Board kommt mit einer ausgereiften und komplexen Elektronik, u.a. einer automatischen Figurenerkennung, die das Handling mit dem Brett zu einem echten Vergnügen macht. So ist es beispielsweise möglich, mit den Figuren natürliche Schleifbewegungen auszuführen, ohne dass die Figurenerkennung durcheinandergebracht wird. Gerade dieser Aspekt ist für die Tauglichkeit des Systems beim Einsatz in Schachturnieren unverzichtbar und dementsprechend ausgereift. Wenn Sie eine neue Partie spielen möchten, stellen Sie einfach die Figuren in der Grundstellung auf und schon weiß Fritz 5 genau, dass eine neue Partie gespielt werden soll; Zugrücknahmen basieren auf dem gleichen Prinzip.
 
Besonders angenehm kann man das DGT-Brett zum Aufbau von Stellungen oder Schachproblemen nutzen. Stellen Sie einfach die Figuren auf dem Brett auf und schon ist die Stellung erfasst. Die Figurenerkennung basiert auf einer Kombination von im Sensorbrett und in den Figuren eingearbeiteter Elektronik. Innerhalb des DGT-Brettes befindet sich eine Folie, die konstant alle Felder des Schachbrettes abfragt. Die Figuren kommen mit einem elektronischen Baustein, der jeder Figur einen bestimmten Wert zuordnet und diese Information direkt an das Brett weitergibt. Auf diese Art wird die Stellung erfasst und direkt an den PC, in diesem Fall Fritz 5, weitergeleitet.
 
Ergänzend zu dem normalen Spielbetrieb kann man das DGT-Brett im Zusammenspiel mit Fritz 5 auch als eine Art Schiedsrichter einsetzen, wenn zwei andere Spieler auf dem Brett mit der Schachuhr eine "normale" Partie spielen. Das Programm läuft dann im Hintergrund mit und zeigt seine Einschätzung zu der aktuellen Brettposition an. Nützlich ist der interne Speicher des PC-Schachbrettes, der im Schnitt um die 15 Partien aufnehmen kann, die später zu Fritz 5 übertragen werden können.
 
 
Turniertauglich
Das DGT-Brett leistet nicht nur als PC-Schachbrett nützliche Dienste. Vereine oder Schachübungsleiter werden bestimmt von der Möglichkeit Gebrauch machen, die aktuelle Brettstellung mit der dazugehörigen Zugliste direkt via DGT-Brett auf einen Fernseher, Monitor oder Großleinwand zu übertragen. Turnierveranstalter müssen bei der Erstellung von Bulletins die gespielten Partien nicht mehr nachträglich mit erheblichem Aufwand manuell erfassen, da aus dem Programm heraus die Partien im PGN-Format angespeichert werden können. Alternativ kann man mit dem Programm HTML-Dateien erzeugen und damit jederzeit die aktuellsten Partien auf der eigenen Homepage oder sonst im Internet darstellen.
 
Im Vergleich zu den ansonsten extrem teuren Alternativsystemen haben jetzt auch kleinere Vereine die Möglichkeit, ihre Turniere, Mannschaftskämpfe usw. professionell und für Zuschauer attraktiv darzustellen. Überträgt man mit Hilfe des DGT-Brettes die Partien einfach in separate Räume, können die Spiele dort analysiert und kommentiert werden, ohne dass die Spieler in ihrer Konzentration beeinträchtigt werden. Das DGT-Brett dürfte auch über kurz oder lang dem altgedienten Demonstrationsbrett den Rang ablaufen. Der Dozent kann viel bequemer Stellungen eingeben oder Züge ausführen und die Zuschauer verfolgen die Ausführungen über den angeschlossenen Bildschirm, Fernseher oder eine Leinwand.
 
 
Fazit
Das neue PC-Schachbrett von DGT überzeugt vor allem mit einer erstklassigen Verarbeitung und der perfekten Anbindung an das weit verbreitete Schachprogramm Fritz 5. Turnierausrichter und Leiter von Schachlehrgängen werden die Dienste des Brettes bei der Präsentation von Schachpartien zu schätzen wissen. Mir persönlich gefiel vor allem das tolerante Verhalten des DGT-Boards bei der Figurenerkennung, was sich insbesondere beim Austragen von Blitzpartien sehr positiv bemerkbar macht.
 
Wer also hauptsächlich mit Fritz 5 und den entsprechenden Engines spielt, dem kann das wunderschöne Brett vorbehaltlos empfohlen werden. Als Nachteil sehe ich den Umstand an, dass das DGT-Brett momentan ausschließlich auf die Kooperation mit Fritz 5 ausgelegt ist. Um sich auf dem Markt zu etablieren, sollte das Brett zumindest die gängigsten Top-Programme unterstützen.
 
Im Grunde genommen ist das Schnittstellenprotokoll recht simpel gehalten und steht jedem interessierten Programmierer zwecks Anbindung seiner Software an das Brett zur Verfügung. Sollte dies tatsächlich gemacht werden, muss unbedingt noch eine Lösung erarbeitet werden, wie die Züge dem Anwender übermittelt werden. So verfügen z.B. alle gängigen Top-Programme im Unterschied zu Fritz 5 nicht über eine Sprachausgabe, um dem Anwender die Züge mitzuteilen. Laut DGT soll das Problem mit Hilfe eines Zusatzdisplays gelöst werden, das die relevanten Zuginformationen während der Partie anzeigt. Sollte dies verwirklicht werden, dürfte das DGT-Board die besten Chancen besitzen, sich nachhaltig auf dem Markt zu behaupten.
 
Das bisher erreichte hohe Niveau bei der Verarbeitung und Ausstattung dokumentiert deutlich das Interesse des Herstellers an seinem Produkt, so dass man davon auszugehen kann, dass weitere Anbindungen an Spitzenprogramme folgen werden. Wir werden die weitere Entwicklung dieses vielversprechenden PC-Brettes auch zukünftig aufmerksam verfolgen. Besonders kompetente Beratung zum DGT-Brett erhalten Sie vom Mitinhaber der Firma Chessgate Jürgen Daniel, unter Telefon: 0 21 53 / 91 27 94 oder via Email unter: Juergendaniel@compuserve.com
 
Peter Schreiner
 
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