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Diagramm 23-2006
 
Diagramm 23 – 2006
Schwarz hat zwei Bauern geopfert und steht nun vor der Frage, ob er sich auf e5 wieder einen zurück holen soll. Was meinen Sie?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Computerschach mit dem Apple MacIntosh
besprochen von Peter Schreiner - Mai 1998
 
Berücksichtigt man die Basis der in privaten Haushalten installierten Computersysteme, dürfte der Anteil von MacIntosh-Rechnern mit dem bekannten Apfel-Logo sehr gering sein. Im professionellen Bereich behauptet sich der Apple vor allem bei Grafikern und Designern, die auf ein stabiles Zusammenwirken von Hard- und Software dringend angewiesen sind. Natürlich orientiert sich gerade in einem relativ kleinen Marktsegment wie dem Computerschach ein Hersteller von Schachsoftware an dem weit verbreiteten Gespann Windows/Intel, um die Kosten für die aufwendige Entwicklung wieder zu erwirtschaften und dabei noch einen Gewinn einzufahren. Insofern war das Angebot an wirklich spielstarker Schachsoftware für die kleine, aber eingeschworene Fangemeinde des Macintosh kaum erwähnenswert. Vor ca. einem Jahr erhielten wir folgende Zuschrift unseres Lesers Andreas Csillag aus Reutlingen:
»Könnten Sie bitte nicht ihre Spezialisten auffordern, einmal zusammenfassend über Schach am Mac zu schreiben? Die kleine, jedoch sehr selbstbewusste Gruppe der Mac Anwender wird nämlich weder von Apple noch von den Programmierern verwöhnt. Die meisten und besten Programme oder Datenbanken laufen mit den Betriebssystemen DOS oder Windows. Scheinbar ist diese Gruppe (ca. 5% Marktanteil) nicht einmal für den Händler interessant.«
 
Die Firma MacInChess aus Nürnberg hat sich auf das Angebot von Schachsoftware für den Mac spezialisiert und stellte mir generös für einige Zeit einen PowerMac G3 mit 300 MHz, 144 MB RAM und aktueller Software zur Verfügung. Gerade der G3 mit PowerPC 750 Prozessor ist aufgrund seiner im Vergleich zum Intel-Pendant überlegenen Architektur und Rechenpower für das Computerschach ideal geeignet und dürfte auch aus älterer Software einiges an Leistung herauskitzeln.
 
 
Schachsoftware für den Mac
Wie schon aus dem oben zitierten Leserbrief ersichtlich, war das Angebot an Schachprogrammen und Datenbanken für den Mac bisher eher als bescheiden oder unzureichend anzusehen. Es gab wohl einige Schachprogramme, die aber weder bei der Spielstärke noch Ausstattung nur annähernd mit dem fast schon unübersichtlichen Angebot für das Gespann Dos/Windows mithalten konnten. Wer hätte noch vor kurzem gedacht, dass sich in dieser Hinsicht Besserung einstellen würde?
 
Das Schachprogramm Hiarcs 6.0 des Engländers Mark Uniacke konnte über einen längeren Zeitraum den ersten Platz in der Eloliste der SSDF einnehmen. In Zusammenarbeit mit Clive Thompson hat Mark Uniacke sein Programm für den Mac portiert und bietet damit erstmals auch dem Mac-User ein echtes Spitzenprogramm für seinen Computer an.
 
Bei den Schachdatenbanken gibt es sogar mehrere Alternativen. ChessBase bietet eine Version der Datenbank für den Mac an, die im wesentlichen dem Funktionsumfang der WindowsVersion 1.11 entspricht. Das Programm stand mir für einen Test leider nicht zur Verfügung, wird aber wohl auch zukünftig nicht mehr von ChessBase unterstützt.
 
Eine hochinteressantes Datenbanksystem ist das von dem Australier Rolf Exner entwickelte ExaChess, das vom dem Autor kontinuierlich weiterentwickelt wird und einige beachtliche Features bietet. Die Kombination Hiarcs 6.0 und ExaChess deckt einwandfrei die Ansprüche eines anspruchsvollen Computerschachfreundes ab, der also dem Schach zuliebe seinem Mac nicht untreu werden muss ...
 
 
Hiarcs 6.0 Mac
Nach den Angaben des Herstellers von Hiarcs 6.0 Mac, Applied Computer Concepts Ltd., benötigt das Programm mindestens einen 68020-Prozessor, System 7.1 + ein CD-Rom Laufwerk (in erster Linie für die Installation) und 3 MB RAM. Ein Kopierschutz ist nicht vorgesehen und auf der CD-Rom wird neben den Versionen für den Mac im 68K und PPC-Code noch die bekannte Dos-Version mit ausgeliefert. Die Grafik und die Ausstattung zielt eindeutig auf den ambitionierten Schachspieler ab, der auf Tutorials, 3D-Grafiken usw. getrost verzichten kann und in erster Linie mit seinem Programm ernsthaft trainieren und arbeiten möchte.
 
Laut Aussage des Herstellers basiert das Programm im wesentlichen auf den Algorithmen der erfolgreichen DOS-Version. Ein Vergleich zwischen der Dos + Mac-Version zeigt aber, dass die Portierung nicht zu 100% umgesetzt wurde. Im Großen und Ganzen stimmen die Bewertungsanzeigen und das Spielverhalten überein, es gibt allerdings dann und wann auch Abweichungen. So kann z.B. die DOS-Version die erste Stellung des BS2830-Tests lösen, während die Mac-Version in dieser Stellung keinen Durchblick zeigt.
 
Die Mac-Version kann im Unterschied zur Dos-Version nur 1 MB  des RAM für HashTables nutzen, was sich aber bei dem Programm keineswegs nachteilig auswirkt. Eine Rückfrage bei Mark Uniacke war wenig ergiebig: nach Auskunft des Autoren war diese Beschränkung bei Größe der Hashtabellen aufgrund der Speicherverwaltung des Betriebssystems notwendig. Einige Features wurden im Unterschied zur Dos-Version nicht mit übernommen:
1. direktes Lesen des CBF-Formates incl. der Filtermaske
2. der Bucheditor
3. figurine Notation
4. Unterstützung der gängigen PC-Schachbretter
 
Ansonsten bietet die Mac-Version neben absoluter Spitzenspielstärke eine ganze Reihe von nützlichen Optionen. In Verbindung mit dem Support für EPD und PGN kann Hiarcs Stellungen und Partien analysieren und schreibt die Ergebnisse übersichtlich in eine Log-Datei. Für die automatische Analyse gibt es die Option, ausschließlich die Züge einer Seite zu analysieren.
 
Umständlich finde ich, dass es nicht möglich ist, diese Ergebnisse direkt aus dem Programm heraus einzusehen. Professionelle Analyseunterstützung wie der Monitor-Modus, Anzeige von zweit- oder drittbestem Zug oder NEXT BEST runden den guten Eindruck ab. Während der Eröffnung zeigt das Programm den Eröffnungsnamen mit dem dazu gehörenden ECO-Code an.
 
Die Spielstärke dürfte in Verbindung mit entsprechender Hardware trotz der kleinen HashTables gegenüber der DOS-Version etwas besser sein. Ich erinnere mich noch gut an ein Telefonat mit Mark Uniacke unmittelbar vor der WM in Paris. Zu dieser Zeit war noch nicht ganz klar, ob der Engländer an der Veranstaltung teilnehmen würde. Zu diesem Zeitpunkt war Mark fest entschlossen - mit der Mac-Version, anstatt der erfolgreichen Dos-Version - an dem Turnier teilzunehmen.
 
Also ein klares Indiz dafür, welchen Stellenwert der Autor selbst dieser Version zuordnet. Ich habe zuerst einmal das Programm mit dem eher taktisch ausgelegten BS2830-Test überprüft. Dabei erreichte das Mac-Programm in Verbindung mit der eingesetzten Hardware einen Wert von 2524 BS-Elo. Da Hiarcs aber eher ein sehr positionell ausgerichtetes Programm ist, sollte man dieses Ergebnis nicht überbewerten.
 
Richtig beeindruckt hat mich das Programm bei den unzähligen Testpartien, wo die ohnehin bekannten Stärken der Software (solides, aber aktives Positionsspiel mit guten taktischen Fähigkeiten und einem für Computer erstklassigen Endspiel) voll zum Tragen kamen. Im Vergleich zu einem nicht gerade langsamen AMD K6/233 MHz und üppigen 60 MB für HashTables rechnete das Programm auf gleicher Stufe im Schnitt 1, manchmal sogar 2 Halbzüge tiefer.
 
Leider konnte ich aufgrund der mangelnden Autoplayerunterstützung nur relativ wenige Partien ausspielen. Insgesamt erreichte die Kombination Hiarcs 6.0/G3 PowerMac bei mir folgende Resultate:
Hiarcs 6.0 MAC - Rebel 9.0    3½ - 1½ Pkt.
Hiarcs 6.0 MAC - MChess 7.1   2½ - 2½ Pkt.
Hiarcs 6.0 MAC - Nimzo 98     3½ - 6½ Pkt.
Hiarcs 6.0 MAC - Junior 4.6   8½ - 6½ Pkt.
Hiarcs 6.0 MAC - Shredder 2.0  4 - 6  Pkt.
Natürlich haben diese Resultate aufgrund der geringen Partienzahl kaum Aussagekraft. Es kann lediglich konstatiert werden, dass mit Hiarcs 6.0 Mac auch Computerschachfreunde, die ihrem Apple die Treue halten möchten, endlich ein Spitzenprogramm auf ihrem geliebten Rechner für das ernsthafte Training und die Analyse zur Verfügung haben. Das Programm ist nicht ganz preiswert (die für Spitzenprogramme üblichen 198.-DM), dürfte aber für einen Mac-User als echtes Analysetool unverzichtbar sein.
 
 
Schachdatenbank ExaChess
Ein interessantes, sehr professionelles Datenbanksystem ist die Datenbank ExaChess des Australiers Rolf Exner. Das Programm kommt mit einer sehr ansprechenden grafischen Oberfläche und einem ausgereiften, schlüssigen Bedienungskonzept. ExaChess kann in Funktions- und Leistungsumfang mit den bekannteren Vertretern jederzeit mithalten. Die grundlegenden Funktionen wie das Speichern von Partien mit Kommentaren, Varianten und Untervarianten sind genauso gut umgesetzt, wie die vielfältigen Suchoptionen in der Suchmaske.
 
Innerhalb großer Datenbanken können Partien nach den üblichen Kriterien wie Name, Ort, ECO-Code oder Eröffnungen gesucht und selektiert werden. Komplexe Suchabfragen nach bestimmten Positions- oder Materialkonstellationen und Verknüpfungen der Suchbedingungen sind dabei ebenfalls möglich.
 
In Punkto Datenformat zeigt sich ExaChess neben seinem eigenen Format mit dem Support des ChessBase (CBF), NicBase und PGN-Formats vorbildlich flexibel. Partiensammlungen, die in diesem Formaten vorliegen, können direkt - d.h. ohne Konvertierung - angesprochen werden. Dies bedeutet, dass bei einer Anschaffung von ExaChess auf einen gigantischen Fundus von Partien zurückgegriffen werden kann. Ähnlich wie ChessBase 6.0 kommt ExaChess sogar mit Notationen zurecht, die im simplen, unformatierten Ascii-Format gespeichert sind.
 
Abgerundet wird die Ausstattung mit der Anzeige einer ganzen Reihe von Statistiken zu Spielern, Eröffnungen oder Turnieren und den integrierten Tools, z.B. zum zuverlässigen Aufspüren und Entfernen von Dubletten. Eine gute Datenbank muss auch vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten für den Ausdruck von Partien (z.B. für Bulletins, Vereinszeitschriften usw.) ermöglichen. Mit Hilfe spezieller Fonts ist die Gestaltung von Ausdrucken incl. im Text eingefügter Diagramme und figuriner Notation kein Problem.
 
Besonders wichtig ist meiner Ansicht nach die Unterstützung innerhalb der Arbeit mit der Datenbank durch ein gutes Schachprogramm. Im Vergleich zur Mac-Version von ChessBase hat ExaChess hier die Nase vorn. ExaChess unterstützt nicht nur die Analyse mit dem mitgelieferten Schachprogramm ZZZZ, sondern dient gleichzeitig als Spieloberfläche für eine ganze Reihe interessanter, starker Schachprogramme (Crafty, Gnu). In dieser Hinsicht scheint mir z.B. das für verschiedene Plattformen verfügbare, sehr starke Programm Crafty für den Mac von Robert Hyatt besonders gut geeignet.
 
Im Spielmodus kann das Schachprogramm die momentan aktive Datenbank als Eröffnungsbuch benutzen. Ein weiteres Schmankerl ist die direkte Unterstützung der bekannten Endspiel-CD's von Ken Thompson, mit deren Hilfe alle wichtigen Fünfsteiner fehlerlos analysiert werden können. ExaChess ergänzt sich über die Schnittstelle PGN einwandfrei mit Hiarcs 6.0 Mac und dürfte in Kombination mit diesem Spitzenschachprogramm alle Wünsche eines ambitionierten Schachspielers und Mac-Users abdecken.
 
Das sehr empfehlenswerte Programm kommt in der Grundausstattung mit 75 000 Partien und kostet nur 148.- DM. Falls Sie sich für ExaChess interessieren, können Sie entweder direkt bei der Firma MacInChess, Frauengasse 21, 90402 Nürnberg, Tel:0911/2448884 eine Demo-Version von ExaChess anfordern oder es im Internet unter ftp://ftp.pitt.edu//group/chess/UTIL/exachess.sit versuchen.
 
 
ChessMaster4000 Mac
Bei der Spielstärke scheint mir noch die für den Mac portierte Fassung des ChessMaster 4000 von Johan de Koning interessant zu sein. Im wesentlichen verhält sich auch diese Fassung des ChessMaster wie seine "Verwandten" für Windows. Ein aktives, taktisch enorm starkes Schachprogramm mit reichlich Getöse und recht viel Firlefanz. Auf dem schnellen Testgerät erreichte der CM4000 unglaubliche Rechentiefen und glänzte in einigen Testpartien mit sehr schönen Leistungen. Wie die bekannte Version für Windows legt das Programm den Schwerpunkt auf 3D-Figurensätze, Schachkurse und Präsentation.
 
Im Unterschied zum CM5000 für Windows95 fehlt leider die Unterstützung des PGN-Formates, was den Datenaustausch sehr umständlich gestaltet. Generell sollte kein Mac-User in Anbetracht des spärlichen Angebotes für seinen Rechner auf die Anschaffung dieses starken Programms verzichten; leider fällt der CM4000 gegenüber Hiarcs 6.0 aufgrund der Vernachlässigung praxisrelevanter Features (kein Support der Standard-Dateiformate, relativ unkomfortable Analysefunktionen) in seinem praktischen Nutzwert deutlich ab. Beim Vergleich beider Programme in dieser Hinsicht wird sehr schnell klar, dass sich die Ausstattung des Programms am Standard des Jahres 1993 orientiert. Wie zu erfahren war, arbeitet de Koning nicht mehr für Tasc, so das mit einer wünschenswerten Portierung des CM5000 für den Mac wohl nicht mehr zu rechnen ist.
 
 
MacChess
Ein optisch bildschönes und komfortabel zu bedienendes Programm ist das für den PowerPC geschriebene MacChess des Holländers Wim van Beusekom. Das Programm ist Freeware und wurde durch einige Teilnahmen beim Aegon-Turnier bekannt. Das Programm ist nicht sonderlich spielstark, aber auch nicht zu unterschätzen. MacChess steht z.B. auf dem Server der Firma GambitSoft zum Download bereit.
 
 
PsionChess
Interessant war auch die Beschäftigung mit dem ältesten Schachprogramm für den Mac; PsionChess von Richard Lang aus dem Jahr 1985. Natürlich wäre es vermessen, bei diesem Klassiker die Meßlatte insbesondere bei der Ausstattung zu hoch anzusetzen. Der Oldie zeigt im Prinzip ein ähnliches Verhalten wie seine Ur-Ur-Enkel auf den heutigen PC's. Das Programm agiert sehr positionell und nützt Fehler ziemlich präzise aus. Auf dem Testrechner stürzte Psion allerdings relativ häufig ab.
 
 
Sargon V
Von Beginn der Achtziger bis Anfang der Neunziger prägte das amerikanische Ehepaar Kathe und Dan Spracklen ganz wesentlich die Entwicklung des Computerschachs mit. Die Stärken der Spracklen Programme lagen eindeutig auf dem taktischen Sektor und dem Endspielbereich. Bei der Ausstattung gilt das gleiche wie z.B. für den CM4000; die Zeit ist zwischenzeitlich nicht stehen geblieben.
 
 
Fazit
Das Angebot an professioneller Schachsoftware für den Macintosh ist zwar nach wie vor nicht mit der Vielfalt für das Gespann Windows/Intel vergleichbar. Immerhin gibt es jetzt für den Mac-Fan mit Hiarcs 6.0 Mac und der Datenbank ExaChess echte Alternativen für die ernsthafte Beschäftigung mit dem Computerschach. Einen besonders guten Eindruck hinterließ die von Rolf Exner entwickelte Datenbank ExaChess, die zu dem günstigen Preis von nur 148.- DM eine vollwertige Alternative zu den bekannten Schachdatenbanken darstellt. Sehr kompetente Hilfe und Beratung zu den vorgestellten Programmen bietet meines Erachtens die Firma MacInChess aus Nürnberg (Telefon: 09 11 / 2 44 88 84; Fax: 09 11 / 2 44 88 91) die sich ganz auf den Vertrieb von Schachsoftware für den Mac spezialisiert hat.
 
Peter Schreiner
 
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