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Diagramm 22-2006
 
Diagramm 22 – 2006
In dieser Stellung stellte Weiß seine Dame nach e5 und erwartete von Schwarz die Aufgabe. Dieser spielte aber weiter und zog …
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Young Talents
besprochen von Peter Schreiner - Mai 2000 - Teil 2
 
 
AnMon von Christian Barreteau
Anmon ist ein französisches Programm, das von dem Autor Christian Barreau seit über 10 Jahren entwickelt und betreut wird. Nach Angaben des Autoren investiert er für die Entwicklung etwa 1-2 Stunden pro Woche. Die Namensgebung der Engine ist eine Kombination aus ANgel und deMON. Das Programm verwendet ein noch recht neues Verfahren bei der Suche: MTD (Memory-enhanced Test Driver). Noch nie gehört?
 
Vereinfacht erklärt handelt es sich um eine Beschleunigung der Suche, wenn HashTabellen verwandt werden. Daraus resultiert die Bezeichnung Memory-enhanced (um Speicher erweitert). Dieses Verfahren hat nach Angaben des Herstellers einen kleinen technischen Nachteil, über den man sich bei Anwendung der Engine bewusst sein sollte: die Erzeugung und damit die Anzeige der Hauptvariante gestaltet sich einigermaßen schwierig. Der erste Zug ist immer korrekt, der zweite Zug kann aber bereits sehr schlecht sein. Dies wirkt sich allerdings nicht auf die Spielstärke des Programms aus, sondern ist systembedingt. Wie immer muss ein Autor von Schachprogrammen vorsichtig abwägen, welche Vor- und Nachteile eine bestimmten Technik beim praktischen Einsatz hat.
 
 
Goliath Light von Michael Borgstädt
Diese Engine von Michael Borgstädt demonstriert vorzügliche taktische Fähigkeiten und ist ganz offensichtlich auf Höchstleistung in diesem Bereich abgestimmt. In reinen Taktiktests schneidet diese Engine teilweise besser als so manches kommerziell verfügbare Spitzenprogramm ab. Auch die Anzeige der bewerteten Knoten pro Sekunde ist beeindruckend. Mit einem System der aktuellen Hardwaregeneration kann in taktisch geprägten Stellungen durchaus schon einmal die Millionengrenze erreicht werden. Diese Engine ist mit Abstand die schnellste der auf der CD enthaltenen Engines. Man sollte sich aber darüber bewusst sein, dass die etwas einseitige Ausrichtung auf die taktischen Fähigkeiten mit einigen Defiziten im Positions- und Endspiel in der Praxis einhergeht.
 
 
Gromit von Frank Schneider und Kai Skibbe
Diese Engine ist eine gemeinschaftliche Entwicklung der beiden deutschen Autoren Frank Schneider und Kai Skibbe. Beide Autoren legen mehr Wert auf gute positionelle Bewertungen als auf Schnelligkeit. Daraus resultiert zwar eine relativ geringe Knotenzahl, die vorhandenen positionellen Kriterien machen diesen Nachteil aber wieder wett. Dieses Programm pflegt ein ansprechendes Positionsspiel, das mit guten taktischen Fähigkeiten kombiniert ist.
 
 
Phalanx von Dusan Dobes
Phalanx ist eine bekannte Winboard-Engine, die zu den besten Vertretern dieses Genres gehören dürfte. Die native Engine zeichnet sich im Vergleich zu den anderen Vertretern auf der CD durch recht extreme Bewertungen aus. Bevorzugt werden solide Stellungen. Speziell mit dem Thema Königssicherheit scheint sich der Autor intensiv beschäftigt zu haben. Schon recht geringe Schwächungen in der Königsstellung führen zu sehr hohen Bewertungen. In der Summe führt Phalanx daher recht häufig konsequente Königsangriffe aus, zur Not auch unter Materialopfern. In Taktiktests, die irgendwelche Opfer im Zusammenhang mit Königsangriffen enthalten, schneidet Phalanx ausgezeichnet ab. Eine vom Spielstil her sehr attraktive Engine.
 
 
SOS von Rudolf Huber
Die Engine SOS ist ein bewährtes, turniererprobtes Programm, das u.a. an den Weltmeisterschaften 1997 in Paris und 1999 in Paderborn teilnahm. Eine allgemein zugängliche Winboard-Version ist seit einigen Monaten verfügbar. Die native Engine auf dieser CD hinterließ bei Testspielen und den gängigen Testerfahren einen ausgezeichneten Eindruck. Insgesamt kann man dem Programm ein ausgewogenes Verhalten im Verhältnis von Geschwindigkeit und positionellem Spiel bescheinigen.
 
Beim Endspiel hat der Autor einen pragmatischen Ansatz gewählt. Laut Angaben des Herstellers verfügt diese Engine über kein Endspielwissen, sondern setzt konsequent auf den Einsatz der TableBases (=Endspieldatenbanken). Beim Einsatz dieser Engine sollte man also nach Möglichkeit die TableBases einsetzen, obwohl SOS auch ohne die Endspieldatenbanken gut spielt. Aufgrund der vorliegenden Resultate scheint SOS eine der stärksten nativen Engines auf der CD-Rom zu sein. Auch SOS benutzt wie Amon MTD (Memory-enhanced Test Driver) mit den bereits beschriebenen Vor- und Nachteilen.
 
 
Ikarus von Munjong und Muntsin Kolß
Ikarus ist ein relativ junges Programm, dass mit der Publikation auf dieser CD erstmals einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Fast alle Schachprogrammierer benutzen bei der Entwicklung ihrer Kreationen auf die Programmiersprachen C/C++ oder entwickeln zeitkritische Komponenten im reinen Assembler. Ikarus unterscheidet sich von den anderen Programmen durch die benutzte Programmiersprache; es wurde komplett mit Delphi geschrieben. Das Programm scheint über ein hohes Potential zu verfügen, denn in unseren Testmatches machte es diese Engine sogar den etablierten Profis sehr schwer. Charakteristisch für das Programm ist ein relativ ausgewogenes Spielverhalten in allen Phasen der Partie mit ausgezeichneten taktischen Fähigkeiten. Ein sehr interessantes Programm!
 
 
Patzer von Roland Pfister
Das Programm Patzer von Roland Pfister ist in der Szene durch zahlreiche Turnierteilnahmen sehr gut bekannt. Es gibt zwar bereits seit längerem eine Winboard-Version, die aber nur ausgewählten Testern zugänglich war. Das Programm enthält relativ komplexe Bewertungskriterien, z.B. über Freibauern und Königssicherheit, welche die Engine bei kurzen Bedenkzeiten im Vergleich mit der elektronischen Konkurrenz etwas ausbremsen. Die als native Engine vorliegende Version kann ihre Stärken eher bei längeren Bedenkzeiten zur Geltung bringen. Natürlich ist auch diese Einschätzung zu relativieren. Im Blitz gegen Menschen dürfte die Sache schon ganz anders aussehen und Patzer ist ein nicht zu unterschätzender Gegner.
 
 
Testturnier
Um in etwa eine Vorstellung davon zu bekommen, wo die Engines einzustufen sind, habe ich unter dem CB-Interface ausgiebig Gebrauch von der Turnierfunktion gemacht. Die Engines mussten in mehreren Turnieren unter Beteiligung der aktuellen Nr.1 der SSDF, Fritz 6.a, zeigen, was sie in der Praxis draufhaben. Zusätzlich habe ich in das Turnier noch eine aktuelle Native-Version von Crafty mit aufgenommen, das schon lange als Winboard-Version zur Verfügung steht und seit längerer Zeit immer wieder in aktuellen Versionen als native Engine auf der Website von Chessbase unter www.chessbase.com zum Download bereit steht.
 
Das Programm von Robert Hyatt wurde übrigens in der CB-Fassung von den Testern der SSDF-Liste einer gründlichen Überprüfung unterzogen. Das Ergebnis spricht für sich: mit einer Elozahl von 2624 Punkten (K6/2 mit 450 MHz + 128 MB Ram) belegt die Crafty-Version 17.07 den achten Rang und befindet sich dort in bester Gesellschaft mit etablierten Vertretern wie Hiarcs 7.32 (2626 Punkte), Nimzo 7.32 (2653 Punkte) usw. Ein schönes Beispiel dafür, dass Amateure durchaus auch in der Lage sind, eine Top-Engine zu entwickeln! Betrachten wir uns die Tabelle des ersten doppelrundigen Schnellschachturniers:
Testturnier Young Talents 2000
                     1  2  3  4  5  6  7  8  9 10
 1 Fritz 6.a        ** ½1 0½ 01 1½ 10 ½½ 11 11 11  12.5
 2 Crafty 17.10     ½0 ** 1½ 10 1½ ½1 ½1 ½1 10 ½1  11.5
 3 Gromit 3.1       1½ 0½ ** 10 10 11 ½1 01 ½½ 11  11.5
 4 Ikarus V0.18     10 01 01 ** 0½ ½½ 10 11 11 11  11.5
 5 SOS Mar 5 2000   0½ 0½ 01 1½ ** 1½ 01 ½0 11 11  10.5
 6 AnMon 5.07       01 ½0 00 ½½ 0½ ** 1½ ½½ ½0 11   8.0
 7 Goliath Light    ½½ ½0 ½0 01 10 0½ ** 1½ ½1 00   7.5
 8 Phalanx XXII     00 ½0 10 00 ½1 ½½ 0½ ** 01 10   6.5
 9 Doctor? 3.0      00 01 ½½ 00 00 ½1 ½0 10 ** 01   6.0
10 Patzer 3.11      00 ½0 00 00 00 00 11 01 10 **   4.5
Die aktuelle Nr.1 der SSDF-Liste, Fritz 6a gewann zwar das Turnier, konnte aber bei weitem nicht so dominieren, wie man das vielleicht vermutet hätte. Sowohl Gromit, Ikarus und SOS hinterließen durchaus einen den Eindruck, Paroli bieten zu können. Einen ähnlichen Verlauf nahmen sämtliche restlichen Testturniere. Fritz 6 und Crafty 17.10 gewannen mit recht knappem Vorsprung, insbesondere die Newcomer Ikarus und SOS konnten in nicht erwarteter Weise mit beachtlichen Scores mithalten.
 
Wie erwähnt, konnte sich das Profi-Programm in allen Turnieren mehr oder weniger klar gegen die Newcomer durchsetzen. Wer also ausschließlich auf das Kriterium Spielstärke fixiert sein sollte, für den dürfte die vorliegende CD weniger interessant sein. Andererseits erhält man mit den nativen Engines eine Vielzahl von neuen Gegnern mit beachtlichen Fähigkeiten und unterschiedlichen Spielstilen, gegen die man im praktischen Spiel eher eine Chance als gegen ein Profi-Programm hat.
 
Für Computerschachfans dürfte die CD einiges an Suchtpotential haben. Man kann die nativen Engines ganz hervorragend austesten, z.B. mit automatischen Turnieren, Testmatches usw. Im Unterschied zu der Schnittstelle über den Winboard-Adapter ist die Einbindung auch für unerfahrene Anwender, die sich in erster Linie mit Schach und nicht mit dem Editieren von Konfigurationseinstellungen beschäftigen wollen, der ideale Zugang zum hochinteressanten Thema Amateurschach.
 
Der besondere Reiz dieser CD besteht für mich noch darin, dass die intensive Beschäftigung des Anwenders mit diesen relativ neuen Programmen auch in schachlicher Hinsicht neue Horizonte eröffnen kann. Viele der Autoren haben u.a. das Problem, dass sie bei der Weiterentwicklung ihrer Programme dringend auf kompetente Unerstützung und Hinweise speziell zu schachlichen Inhalten angewiesen sind.
 
Während die Profis oft den Luxus der Unterstützung und Beratung durch starke Schachspielern genießen, sind die Amateure naturgemäß sehr an Verbesserungsvorschlägen, Hinweisen und Tipps von Seiten der Anwender interessiert. Dies dürfte auch ein Grund dafür sein, dass einige Autoren einem Vertrieb auf der CD zugestimmt haben. Für den Anwender dürfte unter diesem Blickwinkel heraus die Beschäftigung mit diesen Engines ebenfalls besonders reizvoll sein, von dem Benefit für die eigene praktische Spielstärke einmal abgesehen.
 
 
Fazit
Die vorliegende CD-Rom sehe ich als mutigen Versuch von ChessBase an, das Computerschach in der Breite zu fördern. Die Einbindung der nativen Engines unter die Fritz6-Gui ist perfekt gelungen, zumindest konnte ich bei meinen Tests keine Aussetzer feststellen. Es soll an dieser Stelle allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass nach wie vor die Möglichkeit besteht, zahlreiche Winboard-Engines mit Hilfe des Winboard-Adapters, den man von der Website von ChessBase downloaden kann, unter der Fritz-Gui einzubinden.
 
Diese Methode setzt allerdings vom Anwender die entsprechende Bereitschaft voraus, sich mit der nicht ganz trivialen Einbindung der WB-Engines unter Fritz auseinander zusetzen. Die vorliegende Sammlung löst dieses Problem, denn es besteht für jedermann die Möglichkeit, ohne großen Aufwand die neuen Engines mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften unter dem vertrauten Interface einzusetzen. Dabei soll noch einmal klar herausgestellt werden, dass die vorliegenden Programme auch in schachlicher Hinsicht einiges zu bieten haben.
 
Auch die Autoren der Engines dürften von dem entsprechendem Feedback der Anwender bei der Weiterentwicklung ihrer Programme profitieren. Wer sich als Besitzer von Fritz für weitere native Engines interessiert, sollte sich einmal auf der Website von ChessBase umschauen. Dort kann man weitere native Engines, wie z.B. Crafty, Comet oder ExChess downloaden. ChessBase hat bei der Anpassung der vorliegenden Engines einen hohen Aufwand betrieben; insofern ist der anvisierte Preis von 129,- DM berechtigt. Vertiefende Informationen zu dem Produkt erhalten Sie direkt bei ChessBase oder im autorisierten Fachhandel.
 
Peter Schreiner
 
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