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Diagramm 21-2006
 
Diagramm 21 – 2006
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
W-Chess 2000
besprochen von Peter Schreiner - Februar 1999
 
Die Firma Millennium 2000 aus München präsentierte kurz vor Weihnachten die endgültige Fassung ihres Millennium Chess Systems, unter dessen Interface man ebenfalls mehrere Programme (= Engines) einbinden kann. Mit der Reaktivierung der beiden altgedienten Veteranen des Computerschachs, Dave Kittinger (WChess2000) und John Stanback (Zarkov 5.0) landete man hinsichtlich Attraktivität der Engines einen echten Coup.
 
Eines kann man bei WChess auf Grund der ersten Testresultate vorweg festhalten: das neue 32Bit-Programm von Dave Kittinger ist eine echte Bereicherung auf dem mittlerweile durch die Vielfalt der angebotenen Engines deutlich "übersättigten" PC-Sektor. Höchst erfreulich: der "Neuling" spielt nicht nur ein taktisch starkes Schach, sondern überzeugt vor allem durch seine aktive Partieführung und die recht komfortabel zu bedienende Anwendungsumgebung des MCS-Systems. Das Zusammenspiel mit dem neuen MCS-Interface ist aber teilweise etwas hakelig und nicht alle Funktionen der Benutzerschnittstelle harmonieren mit WChess.
 
So steigt z.B. die Engine beim Spiel gegen andere Engines schon einmal aus (rechnet nicht weiter) und die automatische Analyse kompletter CBF/EPD-Datenbanken (Testsets) funktioniert auch nicht auf allen Rechnersystemen einwandfrei. Es handelt sich dabei wohl um die üblichen, kleineren Startschwierigkeiten bei der Einführung eines völlig neu konzipierten Systems, die lt. Herstellerangabe mit einem in Kürze verfügbaren Patch ausgeräumt sein sollten. Im normalen Spiel- und Analysemodus lief das Programm auf meinen Rechnern einwandfrei.
 
Der Lieferumfang des auf einer Diskette ausgelieferten Kittinger-Programms ist bescheiden: neben der eigentlichen Engine findet man lediglich noch ein Installationsprogramm, das die Engine unter dem MCS-System einbindet; ein auf den Spielstil von WChess angepasstes Buch ist z.B. nicht dabei. Eigentlich schade, denn nach meiner Erfahrung kommt das Programm mit der mitgelieferten Bibliothek des Genius nicht immer gut zurecht. Andererseits kann man dank des im MCS-Systems neu implementierten, modifizierbarem Positionsbaums die Bibliothek jederzeit nach eigenem Gusto verändern und anpassen. Mit Sicherheit kann man bei WChess mit entsprechendem "Booktuning" noch einiges an Performance herauskitzeln. Wenn man es also positiv sieht, ist in diesem Bereich die Kreativität des Benutzers gefordert ...
 
Wie sieht es nun mit der Spielstärke und dem Spielstil von WChess aus? Zur ersten Orientierung habe ich den Neuling den BS2830-Test absolvieren lassen. Das Resultat auf meinem K6/333 MHz mit 32 HashTables war 2476 BS-Elo, womit sich WChess in unmittelbarer Nähe zu renommierten Vertretern wie MChess oder Hiarcs 7 bewegt und ein erstes Indiz dafür, dass WChess eine willkommene Bereicherung in der Szene sein wird. Wenn man sich an der Anzeige der Knotengeschwindigkeit orientiert und dieser Glauben schenkt, handelt es sich bei dem neuen Kittinger-Programm offensichtlich um einen sehr schnelles Programm. Die Suchtiefe des Programms ist auf maximal 40 Halbzüge begrenzt, was zumindest theoretisch für ein Matt in 20 Zügen ausreicht.
 
Erste Testpartien gegen die Elite des PC-Schachs verstärken den positiven Eindruck. In speziell für diesen Review durchgeführten Testmatches (30 Minuten pro Partie) ergaben sich auf zwei baugleichen K6/333 MHz folgende Ergebnisse:
WChess 2000 - MChess Pro 8.0        6 : 4
WChess 2000 - Rebel 10.0            5 : 5
WChess 2000 - Hiarcs 7.0 Beta      3½ : 6½
WChess 2000 - Fritz 5.32           5½ : 4½
WChess 2000 - Junior 5.0            3 : 7
Wie die Ergebnisse und Partien zeigen, spielt WChess 2000 beeindruckend stark und fällt vor allem durch sein wunderschön anzuschauendes aktives Spiel auf. Insbesondere in Stellungen, wo das Programm die Möglichkeit hat, auch unter materiellen Nachteilen ein aktives Spiel aufzuziehen, glänzt das Kittinger-Programm. Andererseits konnte ich in Stellungen, in denen es "nichts Konkretes" gibt, das für Computerprogramme so typische, planlose Hin- und herziehen - z.B. mit dem König - beobachten.
 
In früheren Zeiten wurden die Kittinger-Programme für die sehr gute Programmierung elementarer Endspiele gelobt; so beherrschten damals die kleinen Maschinen die Gewinnführung im Endspiel K+L+S gegen K einwandfrei. In dieser Hinsicht hat Dave Kittinger wohl beim Programm abgespeckt.
 
Ich habe testweise WChess 2000 versuchen lassen, die technische Gewinnführung gegen die Endspieldatenbank Ken Thompson umzusetzen - Ergebnis: Fehlanzeige! Ansonsten demonstriert WChess recht gute Kenntnisse in elementaren Endspieltypen und kennt sich vor allem in elementaren Gewinnführungen im Bauern- oder Turmendspiel (z.B. Lucena) recht gut aus.
 
Vorläufiges Fazit: wenn das Motto: was lange währt (...) wirklich zutreffend sein sollte, dann genau im Fall von WChess. Für die lange Wartezeit wird der Freak mit einem Kittinger-Programm entschädigt, das meiner Ansicht nach zu den attraktivsten Engines gehört, die zur Zeit auf dem Markt sind. Dabei überzeugt WChess vor allem mit einem druckvollen Spielstil, der garantiert fast immer zu spannenden Partien führt.
 
Peter Schreiner
 
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