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Diagramm 20-2006
 
Diagramm 20 – 2006
Die Stellung sieht auf den ersten Blick harmlos aus. Aber Schwarz am Zuge fand eine hübsche Kombination und stellte die Weichen auf Sieg.
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Rebel Tiger 2.0
besprochen von Peter Schreiner - Februar 2001
 
Christophe TheronSchachsoftware der holländischen Firma Schröder B.V. ist seit vielen Jahren ein Garant für hohe Produktqualität. Seit Ende November ist nun die neueste Version des Rebel-Programms von Ed Schröder mit der Versionsnummer 11 im Handel. Im Unterschied zu früheren Versionen wurde der Lieferumfang auf der CD bedeutend erweitert. Neben dem bewährten, anerkannt starken DOS-Programm Rebel Century von Ed Schröder bekommt der Kunde nun quasi als "Dreingabe" das sehr spielstarke Windows-Programm Chess Tiger 13.0 von Christophe Theron (siehe Bild) dazu. Neben der Hauptengine gibt es noch als Zugabe eine zweite Engine von Christophe Theron mit der Bezeichnung Gambit Tiger 1.0, die aufgrund eines spektakulären Spielstils vor allem in den gängigen Computerschachforen für Aufsehen sorgte und aufgrund ihres eigenständigen, originellen Spielverhaltens als echte Bereicherung des Paketes angesehen werden kann. Den weiteren Lieferumfang der CD entnehmen Sie bitte der Besprechung des Rebel Century.
 
Unter dem Label Rebel Tiger 2.0 wird das Windows-Programm von Christophe Theron vertrieben. Das Interface orientiert sich an den gängigen Standards, d.h. jedes Element des Screens, wie z.B. Schachbrett, Schachuhr, Notation oder die Analyseresultate wird in einem eigenen Fenster angezeigt. Der Datenaustausch über die Zwischenablage wird ebenfalls unterstützt. Negativ fällt aber auf, dass es wie beim Vorgänger keine deutschsprachigen Menüeinträge oder Hilfefunktion gibt. Mit normalem Schulenglisch wird man im Umgang mit der Software keine großen Probleme haben, trotzdem ist es mir einigermaßen unverständlich, dass der Hersteller dieses für den deutschen Markt nicht ganz unwichtige Detail im Laufe eines Jahres nicht beheben konnte.
 
Das Interface selbst lässt hinsichtlich Flexibilität kaum noch Wünsche offen. Im Prinzip kann man fast alles nach eigenem Gusto frei einstellen, z.B. die Darstellung der Notation (Schriftfonts), Farben usw. Eine Besonderheit des Programms besteht darin, dass der Anwender die Menüstruktur und die Funktionsleiste benutzerdefiniert mit denjenigen Funktionen belegen kann, die ihm selbst besonders wichtig und nützlich erscheinen. Wem die mit der Produkt-CD ausgelieferten Figurensätze nicht zusagen, kann sich von der Website der Schröder B.V. unter www.rebel.nl eine Kollektion neuer 2D-Figurensätze downloaden.
 
Prinzipiell lässt sich über Geschmack immer vortrefflich streiten. Fakt ist, dass das Interface weitgehend flexibel vom Anwender auf seine Bedürfnisse angepasst werden kann und eine sehr übersichtliche Bildschirmgrafik bietet, mit der man hervorragend arbeiten kann. Sehr gelungen finde ich das schon von diversen Programmen bekannte Histogramm, also das Bewertungsprofil einer Partie. Verharrt man mit der Maus an einer bestimmten Stelle, wird prompt die entsprechende Zugnummer inkl. Stellungsbewertung angezeigt.
 
 
Datenbankschnittstelle
Das Programm verfügt über eine ausreichende Partieverwaltung. Immerhin kann das Modul neben einem eigenen Dateiformat mit allen relevanten Dateiformaten (CBF, PGN + EPD) im Computerschach umgehen. Innerhalb der Notationen kann man verschachtelten Varianten und auch Textkommentare eingeben, die während dem Nachspielen oder Analysieren einer Partie in dem Notationsfenster angezeigt werden. Allerdings weist die Datenbankschnittstelle auch einige konzeptionelle Schwachstellen auf. Die nur rudimentären Suchfunktionen beschränken sich lediglich auf Spielername, Turnier, Eröffnung und Datum und fallen gegenüber den ausgefeilten Suchfunktionen des Rebel-Programms deutlich ab.
 
Als störend erweist sich auch der Umstand, dass sich Partien nicht ersetzen lassen, sondern lapidar ans Ende einer Datenbank angefügt werden. Auch die Exportoption weist einige Schwachstellen auf. So wird z.B. bei einer geöffneten Datenbankliste die sinnvolle Option angeboten, die Datenbank quasi "in einem Rutsch" in ein anderes Dateiformat zu exportieren. Dies funktionierte z.B. beim Export von Stellungsdatenbanken, wie z.B. von CBF nach EPD, nicht. Prinzipiell kann man festhalten, dass die Partieverwaltung ausreichend ist, für fortgeschrittene Anwendungen aber bei weitem nicht ausreicht und in dieser Disziplin den Standard des mitgelieferten DOS-Programms Rebel 11.0 bei weitem nicht erreicht.
 
 
Schachengines
Unter der Windows-Gui stehen nach der Installation direkt vier verschiedene Engines zur Verfügung. Neben der "Hauptengine" Chess Tiger 13.0 gibt es noch das brandneue Gambit Tiger 1.0 und das Schachprogramm LChess vom GUI-Hersteller Lokasoft, die alle unter dem Windows-Programm sowohl im normalen Spielbetrieb als auch zur Analyse eingesetzt werden können. Dazu es noch Century 2.0 von Ed Schröder, das aber merkwürdigerweise nur als Analyse- und nicht als Spielprogramm unter dem Windows-Interface einsetzbar ist.
 
Wenig einleuchtend und störend fand ich den Umstand, dass es nicht möglich sein soll, die Vorgänger-Engine Chess Tiger 12.0 unter der neuen Version einzusetzen. Dem Zeitgeist entsprechend besteht die Option, die in der Regel kostenlosen Winboard-Engines mit Hilfe eines Adapters unter der Oberfläche des Programms einzubinden. Es empfiehlt sich bei Interesse übrigens, die mittlerweile vorhandenen Updates für die Oberfläche und den Adapter einzusetzen. Unter www.lokasoft.nl/uk/downloads finden Sie die Updates für den Winboard-Adapter und für das Interface mit der neuen Option für Enginematches. Im Lieferumfang integriert ist auch eine perfekt funktionierende Schnittstelle zum Autoplayer 232, um die jeweilige Engine gegen andere Top-Programme auf einem externen PC auszutesten.
 
 
Chess Tiger 13.0
Die Hauptengine, Chess Tiger 13.0 von Christophe Theron, zeigt die gleichen Qualitäten wie bereits die Vorgänger-Version, die sich im letzten Jahr auf Anhieb auf Platz 1 in der SSDF-Liste festsetzte. Das Programm zeichnet sich durch einen extrem sicheren, soliden Spielstil aus, der von etlichen Fachleuten mit der Spielmanier der früheren Erfolgsprogramme von Richard Lang verglichen wird. In diversen Autoplayer-Matches konnte diese Engine sich nachhaltig gegen sämtliche Top-Programme behaupten und zeigte keine gravierenden Schwachstellen. Das Endspielverhalten des Programms ist ebenfalls sehr gut, fällt aber aufgrund der nicht vorhandenen Anbindung an die Endspieldatenbanken gegenüber der Konkurrenz etwas ab.
 
Ein Beispiel: Diese Position ist in den Endspieldatenbanken von Eugene Nalimov gespeichert und Schwarz gewinnt forciert nach dem Zug 1...Ka3! Da Chess Tiger keine TableBases unterstützt, findet es den Schlüsselzug nicht und bevorzugt auch nach längerer Analyse das schlechtere 1...Tb2. Hier wäre eine Schnittstelle zu den TableBases eine Möglichkeit, die beeindruckende Spielstärke von Chess Tiger 13.0 im Endspiel noch zu steigern.
 
Das Programm überzeugt immer wieder mit druckvollem Spiel und ähnlich wie seinerzeit der Chess Genius beherrscht das Programm die Kunst des positionellen Qualitätsopfers. Ein Beispiel dazu: Diese Stellung stammt aus der niederländischen Computermeisterschaft:
 
Die schwarze Königsstellung ist gelockert und der Sa5 steht deplaziert. Während die meisten Top-Programme in dieser Stellung das indifferente 43.Te2 mit Angriff auf den Bauern e5 bevorzugen, geht Chess Tiger 13.0 zur Sache und bringt mit 1.Tc6!! ein hochinteressantes Qualitätsopfer, um die schwarze Königsstellung endgültig zu ruinieren und sich aussichtsreichen Angriff zu verschaffen. Diese Bewertung des Programms war im übrigen völlig korrekt, wie der weitere Partieverlauf nach 43...Sxc6 44.bxc6 Tc7 45.a5 bxa5 46.De2 a4 47.Db5+ Ka8 48.Dxa4 Df6 49.Da5 De7 50.Te2 Tdc8 51.Txe5 Dg7 52.De1 a6 53.De2 Txc6 54.Te7 Dc3 55.Kh2 Db4 56.Ta7+ Kb8 57.De5+ T8c7 58.Dh8+ Tc8 59.Dxh4 Tc1 60.Lf2 T1c6 61.Dg5 T8c7 62.Dg8+ Tc8 63.Dg7 T8c7 64.Dh8+ Tc8 65.De5+ T8c7 66.h4 Tc2 67.Ld4 T2c4 68.De8+ Tc8 69.De4 T8c6 70.Td7 a5 71.Le5+ Ka8 72.Td8+ Ka7 73.Dh7+ Ka6 74.Tb8 Tb6 75.Ta8+ Kb5 76.Dd7+ Tcc6 77.Lc7 De1 78.Te8 Dxh4+ 79.Kg1 Df6 80.Te5+ Kc4 81.Lxb6 Dxe5 82.Dxc6+ Kb3 83.De4 Da1+ 84.Kf2 Db2+ 85.De2 beweist.
 
 
Gambit Tiger 1.0
Brandneu ist die Engine mit der Bezeichnung Gambit Tiger 1.0. Diese Engine unterscheidet sich von der Standardengine vor allem dadurch, dass Christophe Theron den Schwerpunkt bei der Entwicklung auf die Implementierung von Musterkennungen für Angriffsmotive, speziell Königsangriffe, implementiert hat. Daraus resultiert ein extrem aktiver, angriffslustiger Spielstil, der im übrigen in verschiedenen Autoplayer-Matches fast genauso erfolgreich abschneidet wie die Einstellungen des eher auf Solidität ausgelegten Chess Tiger 13.0. Die Unterschiede zeigen sich vor allem in Stellungstypen, wo es konkrete Angriffsmotive gibt. Ein Beispiel:
 
Diese Stellung stammt aus einer Partie des Angriffskünstlers Rudolf Spielmann. Die vorliegende Struktur resultiert aus der französischen Verteidigung und es fällt offensichtlich ins Auge, das Schwarz seine Figuren wirkungslos auf dem Damenflügel platziert hat, während die weißen Figuren bedrohlich auf den schwarzen König ausgerichtet sind. Naheliegend und eine typische Wendung in analogen Stellungen ist das klassische Läuferopfer 1.Lxh7+!!, das die Partie nach 1...Kxh7 2.Sg5+ Kg8 3.Dd3 Te8 4.Dh7+ Kf8 5.Dh8+ Ke7 6.Dxg7 Kd8 7.Dxf7 Sf8 8.h4 forciert gewann.
 
Anhand dieses typischen Angriffsmotivs lassen sich sehr schön die konzeptionellen Unterschiede der beiden Engines vergleichen. Während Chess Tiger 13.0 auf unserem Testrechner 3:09 Minuten benötigt, um den Schlüsselzug aufzuspüren, benötigt das angriffsorientierte Gambit-Tiger gerade einmal 1 Sekunde und zeigt das Läuferopfer konstant mit einer hohen Plusbewertung an. Ein ähnliches, besseres Lösungsverhalten für Gambit Tiger lässt sich generell in Stellungstypen nachweisen, in denen konkrete, typische Angriffswendungen vorhanden sind.
 
Als Fazit kann man festhalten, dass insbesondere die beiden Schachengines von Christophe Theron ein echtes Highlight sind. Obwohl sich die Engines vom Spielverhalten deutlich unterscheiden, scheint es dem Autoren gelungen zu sein, das beide Engines in etwa auf dem gleich hohen Level spielen. Nach meiner persönlichen Einschätzung gehören beide Programme von Christophe Theron in die Top-Liga des Computerschachs und sind eine echte Bereicherung für die Analyse und das häusliche Training gegen den Computer.
 
 
Sonstige Funktionen
Das Programm dient bei Bedarf als Konsole, um über das Internet auf den bekannten Schachservern direkt mit anderen Schachspielern Partien auszutragen. Noch wird diese Form des elektronischen Schachs aufgrund der immer noch viel zu teuren Onlinekosten relativ selten genutzt, dies wird sich zukünftig aufgrund des verschärften Wettbewerbs sicher ändern. Fakt ist, dass das Programm alle Funktionen bietet, um sich relativ unkompliziert an dem Spielbetrieb auf den unterschiedlichen Schachservern zu beteiligen.
 
Die mitgelieferten Eröffnungsbibliotheken stammen von Jeroen Noomen. Diese Bibliotheken lassen sich nicht editieren, das Setzen von Präferenzen ist ebenfalls nicht möglich. Immerhin besteht die Option, existente Rebel-Bibliotheken in das spezifische Tiger-Format zu konvertieren und unter dem Interface zu nutzen. Das Programm trennt dabei scharf zwischen der internen, vorgelieferten Bibliothek, und dem Anwenderbuch, das der Anwender editieren und modifizieren kann. Im Vergleich zu den Positionsbäumen von Fritz oder Shredder ist das System mehr als holprig und dürfte nur wenige User dazu motivieren, selbst an das Buch "Hand anzulegen."
 
Eine der Stärken des Programms liegt im Bereich der Analyse, was für die Mehrzahl der User neben der hohen Spielstärke das wichtigste Kriterium für eine Kaufentscheidung sein dürfte. Standard ist die Option, dass das Programm beim Nachspielen einer Partie jederzeit die Bewertung der aktuellen Stellung einblendet. Der User kann über die Zwischenablage jederzeit die Analysen des Programms als Kommentar einfügen. Bei der Analyse von Schachpositionen bietet das Programm die Option, bestimmte Züge von der Analyse ein- oder auszuschließen.
 
Besonders hilfreich fand ich die Option, komplette CBF- oder EPD-Datenbanken vollautomatisch analysieren zu lassen. Dabei spielt es keine Rolle, ob z.B. in einer CBF-Datenbank nur Stellungen oder komplette Partien gespeichert sind. Es empfiehlt sich, bei der Analyse mehrerer Partien oder Schachstellungen von dem Support des weit verbreiteten CBF-Formates Gebrauch zu machen. Das Programm schreibt alle relevanten Informationen wie Suchtiefe, Stellungsbewertung oder Hauptvariante in eine vor der Analyse anzulegende zweite Datenbank.
 
Sobald die Analyse beendet ist, kann der Anwender die Resultate direkt am Bildschirm einsehen (die Suchergebnisse werden als Kommentar gespeichert). Wünschenswert für viele Anwender wäre eventuell noch die Option, sich im Analysemodus den nach Ansicht der Engine zweit- oder drittbesten Zug anzeigen zu lassen. In gewissen Grenzen ist die simultane Analyse durch zwei Engines ebenfalls möglich. Sinnvoll wird dieses Feature vor allem in einer Kombination mit der mitgelieferten Analyseengine Century 2.0, wo man sich auf einen Blick die Bewertung einer Position durch zwei unterschiedlich ausgerichtete Top-Programme anzeigen lassen kann.
 
 
Fazit
Rebel Tiger alias Chess Tiger ist hinsichtlich der Spielstärke ohne Zweifel ein absolutes Spitzenprogramm mit Stärken in der Analyse und im praktischen Spiel. In Ausstattung und Funktionsumfang fällt das Windows-Programm gegenüber der etablierten Konkurrenz etwas ab. Verbesserungswürdig ist vor allem das Datenbankhandling und der fehlende Support der Nalimov-Endspieldatenbanken. Eine Eröffnungsbibliothek in Form eines Positionsbaums mit den damit verbundenen konzeptionellen Möglichkeiten für das Eröffnungstraining würde der erstklassigen Engine ebenfalls gut anstehen. Positiv beurteile ich das stabile Laufverhalten, die hohe Spielstärke und die gutklassigen Analysefunktionen der Software.
 
Peter Schreiner
 
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