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Diagramm 21-2006
 
Diagramm 21 – 2006
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Chess Tiger
besprochen von Peter Schreiner - Dezember 1999
 
Die Spitze im Computerschach wird immer enger. Die etablierten Vertretern der Programmiererzunft müssen sich mit einer Reihe von Newcomern auseinandersetzen, deren Softwarekompilate sich bei der Spielstärke keineswegs hinter den bekannten Top-Programmen verstecken müssen. Mir liegt seit einiger Zeit eine Beta-Version des französischen Programms Chess Tiger vor, das sowohl bei mir als auch bei anderen Testern herausragende Ergebnisse gegen die etablierte Konkurrenten erreicht und im Dezember erstmals kommerziell verfügbar sein soll.
 
Christophe TheronAutor des Programms ist der Franzose Christophe Theron, der auf der Karibikinsel Guadeloupe lebt und dort als Softwareentwickler arbeitet. Seit nun fast zwei Jahren arbeitet der Franzose intensiv mit Ed Schröder zusammen. Offensichtlich hat insbesondere das Programm von Christophe Theron von dieser Kooperation und dem damit verbundenen Ideenaustausch beträchtlich profitiert.
 
Um uns einen ersten Eindruck von den spielerischen Fähigkeiten des Programms zu verschaffen, haben wir mit dem Autoplayer232 mehrere Testmatches gegen anerkannt starke Computergegner ausgespielt. Jedes Programm spielte auf einem AMD K6/333 MHz mit 128 MB RAM; die Bedenkzeiten für jede Seite betrug jeweils 15 Minuten. Das Programm machte dabei seinem Namen alle Ehre und zeigte sich keineswegs als zahnloser Tiger:
Chess Tiger Beta : Fritz 6.0        22,0:18,0 Pkt.
Chess Tiger Beta : Junior 5.0       26,0:14,0 Pkt.
Chess Tiger Beta : Hiarcs 7.32      17,0:23,0 Pkt.
Chess Tiger Beta : Shredder 4.0     18,5:21,5 Pkt.
Auch andere Betatester berichten von ähnlich beeindruckenden Resultaten, was unserem Eindruck bestätigt, dass Chess Tiger zwischenzeitlich zur absoluten Spitzenklasse des Computerschachs aufgeschlossen hat. Das Programm ist sehr schnell in der Programmausführung, verfügt aber offensichtlich über einiges Schachwissen.
 
Vor allem eine ausbalancierten Bewertungsfunktion scheint neben seiner enormen Schnelligkeit die Hauptstärke von Chess Tiger zu sein. Ähnlich wie der Chess Genius legt sich das Programm recht frühzeitig auf einen bestimmten Schlüsselzug fest, der im Verlauf der weiteren Suche meistens konstant beibehalten wird. Andere Programme, z.B. MChess oder Hiarcs, konfrontieren den Anwender immer wieder mit recht häufig schwankenden Stellungsbewertungen.
 
Als Operator von MChess Pro habe ich dies oft bei den zahlreichen WM-Turnieren erleben können: eben noch deutlich im Plus und auf einmal geht die Bewertung rapide nach unten oder umgekehrt. Dieses schwankende Verhalten konnte ich bei Chess Tiger nicht entdecken: gerade die optimale Selektion eines sinnvollen Zuges zum Beginn der Suche ermöglicht Chess Tiger hohe Suchtiefen. Chess Tiger, bzw. Rebel Tiger ist ein echtes 32Bit-Programm, das mit den üblichen Vorteilen (z.B. lange Dateinamen, usw.) unter den gängigen Betriebssystemen Win95/98 + NT läuft.
 
Unserer Ansicht nach handelt es sich bei ChessTiger um eine der interessantesten Neuerscheinungen der letzten Zeit. Gute Spielstärke ist natürlich für viele Anwender das wichtigste Kriterium für eine Kaufentscheidung, eine ausgewogene, komfortable Windows-GUI mit den entsprechenden Features ist für einen kommerziellen Erfolg mindestens genauso wichtig.
 
In dieser Hinsicht hat sich der Vertreiber des Programms, die Schröder B.V. zu einer Kooperation mit dem Hersteller der Software ChessPartner 4.2, entschlossen. Deren Interface orientiert sich mit dem Support der Zwischenablage oder den Fenstern für die Bildschirmelemente an den gängigen Windows-Standards; mehrere 2D- und 3D-Darstellungen stehen zur Auswahl. Das Interface stellt übrigens eine gute Alternative für den Einsatz der beliebten, als Freeware vertriebenen Winboard-Programme dar, die man unter dem System einklinken kann.
 
Man kann mit dem Programm figurine Notationen mit Analysen und eigenen Diagramme ausdrucken. Ansonsten bietet das Interface auch in schachlicher Hinsicht eine durchweg professionelle Ausstattung. ChessTiger enthält ein Datenbankmodul mit den bekannten Suchkriterien und neben der Unterstützung eines eigenen Datenbankformates wird auch PGN + CBF supportet.
 
Die Eröffnungsbibliothek stammt von einem der führenden Experten in der Feinabstimmung von Bibliotheken auf die Spielweise von Schachprogrammen, Jeroen Noomen. Alternativ kann der Anwender mit Hilfe des Bucheditors eigene Bücher erstellen oder bestehende Books ergänzen, z.B. durch den Import von Datenbanken; im Buchfenster werden die entsprechenden Präferenzen aufgelistet.
 
Hinsichtlich der Analysefunktionen lässt das Programm an Professionalität nichts zu wünschen übrig. Chess Tiger kann Stellungen, Partien, Datenbanken vollautomatisch analysieren und trägt die Resultate entweder in die Zugnotation ein oder schreibt die Ergebnisse in ein Logfile. Spaßig fand ich die blechern klingende Ansage der Zugnotation über die Soundkarte; kann man natürlich abstellen.
 
 
Was gibt es noch?
Dem Zeitgeist entsprechend bietet das Programm eine Schnittstelle zum Spielen auf den gängigen Schachservern im Internet. In den USA, wo der Surfer nicht von hohen Kosten für die konsequente Nutzung des Netzes abgeschreckt wird, ist das Onlinespielen schon längst eine Selbstverständlichkeit.
 
Das Programm bietet ein ausgezeichnetes Interface, um alle Möglichkeiten dieser Schachvariante optimal nutzen zu können. Die vorliegende Beta hinterließ einen solch guten Eindruck, dass man das Programm nur uneingeschränkt empfehlen kann. Chess Tiger oder Rebel Tiger wird wohl im Dezember kommerziell verfügbar sein und nach Angaben von Ed Schröder 98.- DM kosten. Vertiefende Informationen zu dem neuen Programm erhalten Sie überall im qualifizierten Fachhandel.
 
Peter Schreiner
 
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