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Diagramm 21-2006
 
Diagramm 21 – 2006
Weiß fand hier einen eleganten Weg, das Problem mit seiner angegriffenen Dame zu lösen. Sie können es ihm sicher gleichtun?!
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Shredder 6.0 - das vielseitige Schachprogramm!
besprochen von Peter Schreiner - Dezember 2001 - Teil 3
 
 
Die Engine
Die Schachengine basiert zwar auf dem WM-Programm von Maastricht, zwischenzeitlich hat Stefan Meyer-Kahlen natürlich die Zeit genutzt und diverse Änderungen und Verbesserungen am Suchalgorithmus vorgenommen. Die neue Shredder-Engine verfügt über noch mehr Wissen in Stellungen mit Freibauern oder dem Thema Königssicherheit, im taktischen Bereich verhält er sich "bissiger."
 
Eine intensive Überarbeitung wurde auch an der Lernfunktion des Programms vorgenommen. Shredder 6 versteht es jetzt viel besser, negative Konstellationen in Verlustpartien auszuwerten und diese "Erfahrung" in ähnlich gelagerten Stellungsbildern entsprechend konstruktiv anzuwenden. Diese Fähigkeit dürfte sich in erster Linie bei lang andauernden Wettkampfserien bemerkbar machen, z.B. in den Testserien bei der SSDF.
 
Shredder gehört eindeutig zu den "intelligenten" Programmen. Damit ist gemeint, dass in den Programmcode sehr viele Algorithmen eingeflossen sind, die gezielt auf konkretes Schachwissen und weniger auf pure Rechenkraft setzen. Zwischenzeitlich hat sich unter den Programmierern die Erkenntnis durchgesetzt, dass es sehr schwierig sein dürfte, die letzten Bastionen der Menschheit in Form von Top-Großmeistern nur mit schierer Rechenpower zu bezwingen.
 
Ohne entsprechendes Schachwissen ist es ab einem bestimmten Niveau unmöglich, sich dauerhaft zu behaupten. Die neueste Version des vielfachen WM-Programms kommt mit einer wunderbar ausbalancierten Schachengine daher. Ich habe das Programme sowohl unter seiner eigenen Gui als auch unter der Fritz-Oberfläche per Autoplayer etliche Partien gegen die besten aktuellen Konkurrenzprogramme spielen lassen. Dabei gab es bei 1 Stunde Bedenkzeit pro Partie auf zwei baugleichen Maschinen folgende Ergebnisse:
Shredder 6.0 - Junior 7.0         57,0 : 47,0 Pkt.
Shredder 6.0 - Fritz 7.0          31,5 : 28,5 Pkt.
Shredder 6.0 - Chess-Tiger 14.0   27,0 : 23,0 Pkt.
Die Ergebnisse lassen natürlich keine eindeutige Interpretation zu, andererseits zeigen sie und die Analyse der Partien ganz klar, dass die Engine keines der besten Konkurrenzprogramme zu fürchten braucht und zum besten gehört, was zur Zeit im Computerschach erhältlich ist. Neben der hervorragenden praktischen Spielstärke leistet das Programm aufgrund seiner starken positionellen Fähigkeiten ausgezeichnete Dienste bei der Analyse.
 
 
Beispieldiagramme
1.Sf5! - kein forciertes Opfer mit konkretem Ergebnis, sondern auf "Position" gespielt. Diesen Zug spielt Shredder 6 auf meinem Athlon 1 GHz bereits nach 31 Sekunden aus und behält ihn konstant als besten Zug in der Anzeige. Dieses Motiv kommt z.B. relativ häufig im Spanier vor. Der Zug dient der Öffnung der g-Linie mit Angriffschancen, z.B. 1...gxf5 2.gxf5 Sc7 3.Tg1 Se8
 
Diese Stellung ist für einen Computer nicht einfach zu bewerten, da es keine konkreten taktischen Motive gibt. Stark ist 1.b4!, das von Shredder 6 bereits nach 1 Sekunde ausgespielt und konstant in der Anzeige gehalten wird. Damit soll der Stützpunkt d4 unterminiert und gleichzeitig die gegnerische Rochade behindert werden, z.B. mit 12...Sxf3+ 13.Lxf3 cxb4 14.Db3 a5.
 
Shredder geht der Ruf voraus, ein besonders hartnäckiger Verteidiger in kritischen Stellungen zu sein. Zähe, findige Verteidigung war und ist ein charakteristisches Merkmal für hohe Spielstärke. Shredder klammert nicht am Material und ist computeruntypisch stets bereit, Material zu geben, um sich aus gefährdeten Stellungen befreien zu können. Ein Beispiel:
 
Weiß scheint aufgrund der mangelnden Entwicklung in großen Schwierigkeiten zu sein. 1.Ld2! Das klassische Verteidigungsmotiv besteht darin, Material zurückgeben und die Entwicklung abschließen. Durch ein Schlagen auf b2 büßt Schwarz seinen Entwicklungsvorsprung ein und die b-Linie kann zum Angriff auf den schwarzen König genutzt werden. [1.Db3? Dxb3 2.axb3 Sb4! 3.Txa7 Kb8 4.Ta5 b6 und der Turm hat keinen geeigneten Rückzug] Shredder 6 hat mit der Lösung des konkreten Stellungsproblems keine Probleme und schätzt die Lage von Beginn an korrekt ein.
 
1.Ld2 wird auf meinem Athlon 1 GHz bereits nach 11 Sekunden angezeigt und konstant in der Anzeige beibehalten. Shredder 6 zeigt ein gutes Verständnis für Königssicherheit. Neben Junior 7 dürfte es kaum ein anderes Programm geben, das die unsichere Position des gegnerischen Königs so konsequent ausnutzt.
 
Kofman,R - Kogan,E
Kiew 1944
 
Schwarz hatte im Laufe der Eröffnung viel Zeit mit Manövern im Zentrum und am Damenflügel verplempert. Der König steht in der Mitte und wird scharf mit dem Durchbruch 16.f5! angegangen 16...gxf5 17.exf5 Sxf5 18.g4 Lxc3 19.bxc3 Lc6 20.Lxc6+ Dxc6 21.Lg5 Kd7 22.Dxf5!! Dies ermöglicht das Eindringen des Turms auf der 7. Reihe und schafft das schöne Motiv des kombinatorischen Abzugsschachs. 22...exf5 23.Te7+ Kd8 24.Txf7+ Ke8 25.Te7+ Kd8 26.Txb7+ Ke8 27.Te1+ Kf8 28.Lh6+ Kg8 29.Tg7+ Kf8 30.Tc7+ Kg8 31.Txc6 Txc6 32.Te7 Tc8 33.Txa7 d5 34.gxf5 d4 35.c4 Te8 36.Kf2 Td8 37.f6 Td6 38.Lg7 Td8 39.Te7 Ta8 40.Lxh8 Kxh8 41.f7 Ta2 42.Te8+ Kg7 43.f8D+ 1-0
 
Für den Durchbruch f5 benötigt Shredder 6 auf meinem Athlon 1 GHz gerade einmal 4 Sekunden. In den Vorgänger-Versionen hatte Shredder in seltenen Fällen Probleme mit der Bewertung von entfernten Freibauern. Die neue Engine schätzt dieses wichtige positionelle Motiv viel besser ein.
 
16.e5!! Ein starkes Ablenkungsopfer, das Shredder 6 auf meinem Athlon 1 GHz bereits nach 23 Sekunden als den bestmöglichen Zug bewertet. Weiß schafft sich eine Bauernmehrheit am Damenflügel und in der Partiefolge des entscheidenden Freibauern. 16...dxe5 17.b5 Le8 18.c5 Sd7 19.Sd5 e6 20.Se7+ Kg7 21.c6 bxc6 22.bxc6 Sb6 23.c7 Ld7 24.Tfd1 La4 25.Td6 Kf6 26.Txb6 Kxe7 27.Tb7 Kf6 28.Tcb1 Lc6 29.Tb8 Tc8 30.Tc1 Taxb8 31.cxb8D Txb8 32.Txc6 Tb2 33.Lc4 h5 34.h4 g5 35.hxg5+ Kxg5 36.Kh2 Tb4 37.Lb3 a5 38.Ta6 Tb5 39.Ta7 Kf6 40.La4 1-0
 
Damit nicht der Eindruck entsteht, dass Shredder ausschließlich ein einseitiger Positionskünstler ist, noch ein Partiemoment aus einer klassischen Partie mit einem wunderschönen taktischen Einschlag:
 
Awerbach - Kotow
Zürich 1953
 
Kotow packte an dieser Stelle die Keule aus und verblüffte den konsternierten Gegner mit dem wunderschönen Damenopfer 30...Dxh3+!! Das finden die Top-Programme schnell, auch Shredder 6 braucht gerade einmal 1 Sekunde für den Schlüsselzug. Trotzdem ist der Zug ein wunderschönes Opfer, auch wenn er von der aktuellen Programmgeneration zum lapidaren Rechenexempel "degradiert" wird. 31.Kxh3 Th6+ 32.Kg4 Sf6+ 33.Kf5 Sd7 34.Tg5 Tf8+ 35.Kg4 Sf6+ 36.Kf5 Sg8+ 37.Kg4 Sf6+ 38.Kf5 Sxd5+ 39.Kg4 Sf6+ 40.Kf5 Sg8+ 41.Kg4 Sf6+ 42.Kf5 Sg8+ 43.Kg4 Lxg5 44.Kxg5 Tf7 45.Lh4 Tg6+ 46.Kh5 Tfg7 47.Lg5 Txg5+ 48.Kh4 Sf6 49.Sg3 Txg3 50.Dxd6 T3g6 51.Db8+ Tg8 0-1
 
Die neue Engine von Stefan Meyer-Kahlen beeindruckt vor allem durch das Lösungsverhalten in positionell geprägten Stellungen, mir persönlich gefällt in erster Linie der grundsolide, dabei druckvolle Spielstil des Programms. Die Stärke liegt eindeutig in der ausgeglichenen Behandlung aller Partiephasen, es fällt bei diesem Programm schwer, gravierende Schachstellen auszumachen.
 
Ein weiterer Pluspunkt aus meiner Sicht: die Engine ist in allen relevanten Parametern voll konfigurierbar und die benutzerdefinierten Einstellungen können gespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt wieder geladen werden. Noch ein Wort zu der Shredder-Engine für die Fritz-Gui. Ich konnte in meinen Tests keine Unterschiede zwischen der UCI-Version von Shredder 6 unter dessen Original-Gui und der Engine für die mitgelieferte Fritz 7-Oberfläche ausmachen.
 
Der Anwender kann die Shredder 6-Engine ohne Performanceverluste und Leistungsunterschiede unter der Gui seiner Wahl einsetzen. Eine weitere Besonderheit: im Lieferumfang des Programms ist automatisch eine Version für Multi-Prozessor-Systeme enthalten. Wenn Sie das Programm z.B. auf einem Dualrechner einsetzen, erkennt die Engine automatisch die Anzahl der verfügbaren Prozessoren und stellt sich automatisch darauf ein. Auch dieses Merkmal wird sowohl unter der Fritz-Gui und der Shredder-Oberfläche unterstützt.
 
 
Fazit
Shredder 6 dürfte in der vorliegenden Fassung bei der Ausstattung, der Funktionalität und der Spielstärke kaum noch Wünsche offen lassen. Unter der Fritz 7-Gui steht dem Anwender die volle Funktionalität der neuen Fritz-Oberfläche inkl. Serveranbindung zur Verfügung. Alternativ kann der Anwender das Programm unter dem klassischen Shredder-Interface mit einem sorgfältig editierten Turnierbuch einsetzen.
 
ChessBase hat mit dieser Fassung des aktuellen WM-Programms ein sehr attraktives Weihnachtspaket geschnürt, das meiner Ansicht nach die Bedürfnisse der unterschiedlichsten Zielgruppen, egal ob Anfänger oder Profi, ideal abdeckt. Nach Angaben von ChessBase wird Shredder 6 nur 99.90 DM kosten, was in Anbetracht des gebotenen Leistungsumfangs ein konkurrenzlos günstiges Angebot darstellt. Weitere Informationen erhalten Sie überall im qualifizierten Fachhandel oder direkt bei ChessBase unter www.chessbase.com
 
 
Nachschlag - Januar 2002
Shredder 6 unterstützt prinzipiell das nicht mehr im Handel erhältliche externe PC-Brett Smartboard der Firma Tasc aus Holland. Dabei ist zu beachten, dass der seinerzeit von Tasc entwickelte Treiber für das Brett nicht mehr unter den Windows-Versionen Win 2000 und Win XP läuft. Reibungslos funktioniert die Anbindung nur unter den Windows-Versionen WIN 9x und Win ME.
 
Im Lieferumfang von Shredder 6 gibt es im Unterschied zum Vorgänger Shredder 5 nur eine neue UCI-Engine, nämlich die brandneue Shredder6-Engine. Falls Sie noch Shredder 5 besitzen und nun lieber das neue, komfortablere Interface von Shredder 6 einsetzen wollen, empfiehlt es sich, vor der Installation des "alten" Shredder 5 die UCI-Engines SOS, Nimzo 2000b und Shredder 5 in ein separates Verzeichnis auf der Festplatte zu kopieren. Ein Vorzug der UCI-Engines besteht darin, dass man sie aus einem beliebigen Verzeichnis heraus betreiben kann.
 
Dies bedeutet, das der Pfad zu einer UCI-Engine nicht starr vorgegeben ist und die Engine von einem beliebigen Verzeichnis aus einer frei wählbaren Partition betrieben werden kann. Es ist lediglich der Programmpfad anzugeben, was man unter Shredder 6 Extras Engines mit dem Befehl Engine installieren erledigen kann. Im Fall von Shredder 5 sollten die Dateien "engine.exe", "s5eng.pr1", "s5eng.pr2" und "shredder.plr" mitkopiert werden. Vorteil dieser Lösung: Sie können diese Engines dann weiterhin unter dem neuen Shredder 6 oder alternativ unter Chess Assistant 6.1, das ebenfalls über eine Schnittstelle zum UCI-Protokoll verfügt, einsetzen.
 
Peter Schreiner
 
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