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Diagramm 16-2006
 
Diagramm 16 – 2006
Schwarz am Zuge benötige hier nur noch zwei Züge, um den Anziehenden zur Aufgabe zu bewegen. Wie setzte er fort?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Neu in der Fritz-Familie - Shredder 5.32
besprochen von Peter Schreiner - Juni 2001
 
Stefan meyer-kahlenDas mit Abstand erfolgreichste Programm der wichtigsten Computerschachturnieren in den letzten Jahre ist das amtierende WM-Programm Shredder von Stefan Meyer-Kahlen. Die Erfolgsbilanz bei den offiziellen WM-Turnieren der ICCA (International Computer Chess Association) spricht für die Klasse des WM-Programms. Besonders beeindruckend ist dabei die Tatsache, dass es seit zwei Jahren keinem der starken Konkurrenten bei einem offiziellen Turnier gelungen ist, dem Programmkind von Stefan Meyer-Kahlen eine Niederlage beizubringen. In der Szene wird vor offiziellen Computerschachturnieren oft scherzhaft darüber diskutiert, wer bei dem nächsten Turnier den zweiten Platz hinter Shredder belegen wird ...
Jakarta 1996 (Mikro-WM)
Platz 1 unter 24 Teilnehmern = Weltmeister Mikro-Computer
Paris 1997 (Mikro-WM)
Platz 3 unter 36 Teilnehmern
Paderborn 1999 (Mikro-WM + Offene WM)
Platz 1 unter 32 Teilnehmern = Weltmeister Mikro-Computer + Weltmeister aller Klassen!
London 2000 (Mikro-WM)
Platz 1 unter 14 Teilnehmern = Weltmeister Mikro-Computer
Paderborn 2001 (IPCCC-Turnier) Platz 1 unter 18 Teilnehmern
 
Genau wie ein normaler Schachspieler hat auch der Programmautor aus Düsseldorf schachliche Vorbilder, deren spieltypische Eigenschaften nach Möglichkeit auch in das eigene Programm mit einfließen sollen. Zu den schachlichen Heroen von Stefan gehören begnadete Positionsspieler wie Capablanca oder Karpow. Also lag es nahe, das der Autor seit Beginn der Entwicklung von Shredder immer wieder versucht hat, ein solide agierendes Programm mit möglichst viel positionellem Wissen zu entwickeln.
 
Diesen Anspruch erfüllt das Programm ohne Zweifel, hinzu kommt noch eine geradezu unglaubliche Zähigkeit und ein extrem starkes Konterspiel bei der Verteidigung von schlechteren Stellungen. Die spieltechnischen Qualitäten des Programms werden von vielen Anwendern, die Shredder intensiv als Trainings- und Analysepartner einsetzen, durchweg positiv und von Fernschachspielern geradezu euphorisch gewürdigt. Ein Top-Programm, keine Frage, aber aus meiner persönlichen Sicht gibt es noch einen weiteren Aspekt, der viel zu wenig gewürdigt wird. Zum ersten Mal seit dem WM-Verlust von Lasker gegen Capablanca im Jahr 1921 hat Deutschland in einer immer bedeutsameren Teildisziplin des Schachspiels wieder einen offiziellen Weltmeister!
 
 
Shredder als Fritz-Engine
Viele User werden überrascht sein, dass die neueste Version von Shredder jetzt unter der von Fritz 6 bekannten ChessBase-GUI läuft. Stefan Meyer-Kahlen gehört zu den wenigen Autoren, die sich neben der Weiterentwicklung ihrer Schachalgorithmen intensiv mit der Programmierung einer eigenen Benutzeroberfläche beschäftigt haben. Das unter der Ägide der Millennium 2000 GmbH veröffentlichte Shredder 5.0 bot eine ausgereiftes Interface inkl. einem kompletten Multi-Engine-System plus einer neu entwickelten Schnittstelle zur Einbindung von externen Schachengines, dem UCI-Protokoll. Warum jetzt noch ein Shredder unter dem Fritz-Interface?
 
Viele Anwender möchten sich bei der Arbeit oder dem Training vor allem auf das wesentliche konzentrieren, nämlich Schach pur verbunden mit analysieren und spielen. Die Akzeptanz gegenüber einer neuen Benutzeroberfläche mit dem entsprechenden Arbeitsaufwand für die Einarbeitung ist aus diesem Grund außerhalb der typischen Computerschachszene sehr gering. Die Oberfläche von Fritz ist im Lieferumfang aller aktuellen Top-Programme von ChessBase enthalten und wird dementsprechend häufig eingesetzt. Nach meinen Erfahrungen aus vielen Gesprächen und im eigenen Schachklub dürfte die Fritz-GUI die am häufigste eingesetzte Benutzeroberfläche für Schachprogramme sein.
 
Dafür gibt es einen guten Grund: neben den zahlreichen Lern- und Trainingsfunktionen, die im Unterschied zur Original Shredder-GUI auch den Einsteiger und Gelegenheitsspieler ansprechen, bietet das Fritz-Interface z.B. eine erstklassige Datenbankschnittstelle und außerordentlich vielseitige Analysefunktionen, die vor allem von ambitionierten Schachspielern intensiv genutzt werden. Nachdem Stefan Meyer-Kahlen von vielen Schachfreunden immer wieder auf eine Portierung seines WM-Programms für diese Plattform angesprochen wurde, ist es jetzt endlich soweit.
 
Ab Mitte Juni wird Shredder 5.32 erhältlich sein, das zusammen mit der Fritz-Oberfläche als eigenständiges Schachprogramm angeboten wird. Selbstredend kann das Programm auch unter der Datenbank ChessBase als Analysemodul eingesetzt werden. Mir wurde relativ kurz vor Redaktionsschluss von Stefan Meyer-Kahlen die neue Engine Shredder 5.32 zur Verfügung gestellt, die im wesentlichen mit der Finalversion identisch sein wird und im Vergleich zur WM -Version einige Erweiterungen und Verbesserungen bietet.
 
 
Native Engine
Viele Anwender, die in erster Linie ihre eigenen Partien analysieren oder dagegen spielen wollen, interessieren sich vor allem für die reinen Spiel- und Analysefähigkeiten ihres Programms. Diese Zielgruppe dürfte mit dem vorliegenden Programm sehr viel Freude haben. Gerade bei der Analyse von positionell geprägten Stellungsbildern und im Übergang vom Mittel- zum Endspiel überzeugt das Programm mit gehaltvollen Analysen. Für Fernschachspieler, die häufig Langzeitanalysen durchführen, dürfte das Programm aufgrund seiner spezifischen Spieleigenschaften unverzichtbar sein.
 
Bevor wir anhand einiger Stellungsbilder einige Charakteristika von Shredder 5.32 beleuchten, zuerst noch einige Anmerkungen zu der technischen Umsetzung des neuesten Vertreters im ChessBase Team. Die Stärke und der Erfolg des Fritz-Konzeptes beruht neben der exzellenten Ausstattung darauf, dass die Oberfläche und die Schachengine zwei voneinander unabhängige Anwendungen sind, die über ein vordefiniertes Protokoll miteinander kommunizieren. Dies ist z.B. der Fall, wenn eine neue Spielstufe eingestellt wird oder der Anwender einen Zug auf dem grafischen Schachbrett eingibt.
 
Eine Engine, die optimal an das Protokoll angepasst wurde, kann alle Features der Fritz-Oberfläche uneingeschränkt nutzen. In der ChessBase-Terminologie werden diese optimal angepassten Engines als "native" Engines bezeichnet, quasi ein Qualitätsstandard, der in vollem Umfang auch auf die neueste Kreation von Stefan Meyer-Kahlen zutrifft. Shredder 5.32 ist also eine "native" Engine. Die Portierung ist ebenfalls außerordentlich gut gelungen, denn ich konnte bei der mir vorliegenden Beta keinerlei Performanceeinbußen im Vergleich zum Original feststellen.
 
Eines der Highlights der Fritz-Oberfläche besteht darin, dass es hervorragende Funktionen für aussagekräftige Vergleiche von unterschiedlichen Schachengines bietet. Um mir einen ersten Eindruck von dem neuesten Mitglied im ChessBase-Team zu verschaffen, habe ich Shredder 5.32 gegen zwei hausinterne Konkurrenten in Matches mit 30 Minuten Bedenkzeit pro Partie antreten lassen. Gegen Deep Fritz, das zur Zeit in der SSDF-Liste führt, gab es ein ausgeglichenes 5:5, während der neue Shooting Star Chess Tiger 14.0 in einem zäh umkämpften Match mit 11,5:8,5 bezwungen wurde.
 
Natürlich herrschen bei Schachpartien von Computerprogrammen untereinander andere Gesetze als im Spiel gegen Menschen, aber zumindest bestätigen sowohl Ergebnisse und vor allem die Partien, dass Shredder für jedes aktuelle Spitzenprogramm einen extrem schwierig zu bezwingenden Gegner darstellt. Etwas anderes war aufgrund der in der Einleitung beschriebenen, beeindruckenden Erfolgsbilanz in den wichtigsten Computerschachturnieren der letzten Jahre vom amtierenden Computerschachweltmeister auch nicht zu erwarten.
 
Ein weiteres Schmankerl entpuppt sich, wenn man den Enginedialog von Shredder 5.32 aufruft. In der Dialogmaske findet man den Eintrag Threads, der in der Grundeinstellung auf den Wert 1 eingestellt ist. Shredder 5.32 unterstützt Parallelsysteme und man kann über diesen Schalter die Anzahl der verfügbaren Prozessoren einstellen. Damit hat ChessBase ein weiteres, multi-prozessorfähiges Programm der Spitzenklasse im Angebot, das selbstverständlich auch auf Single-Systemen mit einem Prozessor hervorragend läuft!
 
Betrachten wir uns nun einige Stellungen, welche die typischen Spielqualitäten des WM-Programms unterstreichen, wie z.B. das energische Vorgehen gegen den gegnerischen König:
 
Rohde - ShipmanRohde - Shipman, New York 1989
 
Der schwarze König ist hier ohne Deckung und bereits nach 1 Sekunde (Athlon 1 GHz) entschließt sich Shredder 5.32 zu dem energischen Turmopfer 1.Txg5!, während etliche Top-Programme hier lange Zeit an dem wenig ergiebigen Tausch 1.Sxb7 herumrechnen. 1...hxg5 2.Dh5 Dc7 3.Dh6+ Ke7 4.Dxg5+ Kd7 5.Lxe6+ Kxe6 6.Df5+ Kd5 7.Td3+ Kc5 8.e6+ Kb4 9.Td4 matt!
 
Kharlov,A - Beshukov,SKharlov,A - Beshukov,S
Ekaterinburg 1997
 
Schwarz zog 15...a4? und ahnte nichts Böses. Er musste aber unbedingt mit 15...Kh7! seinen h-Bauern decken. Shredder 5.32 erkennt das Motiv sehr schnell spielt 16.Lxh6!! auf meinem AMD Athlon 1 GHZ mit 128 MB HashTables bereits nach 15 Sekunden aus. Etwas schneller (nach 12 Sekunden) findet Shredder 5.32 auf meinem Dualrechner mit 2x PIII/700 MHZ den Schlüsselzug. Nach 16...gxh6 17.Dxh6 ist Schwarz nicht mehr in der Lage, Figuren zur Verteidigung seines Königs heranzubringen und Weiß führt den Angriff praktisch mit einer Dame mehr - und das ist einfach zuviel: 17...f6 18.d5 exd5 19.exd5 Se5 20.Sxe5 fxe5 21.Lg4 Tf7 22.Le6 Df8 23.Lxf7+ Kxf7 24.De6+ Kg7 25.d6 Sc6 26.d7 Sd8 27.Dg4+ Kh8 28.Dh5+ Kg8 29.Dg6+ Dg7 30.De8+ Kh7 31.Td6 Dg5 32.h4 Df5 33.Txa6 1-0
 
Wie die beiden Beispiele zeigen, packt Shredder 5.32 sehr energisch zu, wenn sich entsprechende Angriffsmotive ergeben. Weitaus beeindruckender finde ich aber das positionelle Verständnis des Schachprogramms, wodurch es sich ausgezeichnet für gründliche Stellungsanalysen eignet.
 
Fine,R - Aljechin,AFine,R - Aljechin,A - AVRO 1938
 
Schwarz hat seine Entwicklung nicht abgeschlossen. Weiß muss daher energisch handeln und versuchen, dem unrochierten König energisch zu Leibe zu rücken. 1.f4! ist daher die logische Fortsetzung. Viele Programme offenbaren in diesen von langfristigen Strategien geprägten Situationen Schwächen, während Shredder 5.32 den Schlüsselzug umgehend anzeigt.
 
Spielmann,R - ValySpielmann,R - Valy 1929
 
Mit 12.Txe7! startete Angriffskünstler Rudolf Spielmann eine für ihn typische Kombination, die auf der Fesselung des Sf6, der keinen Bauernschutz genießt basiert. Nach 12...Dxe7 13.Df3 Kg7 14.Sce4! dxe4 15.Sxe4 ist der Springer ist dreimal bedroht und die Deckungsressourcen sind erschöpft. 15...De6 16.Lxf6+ Kg8 17.Df4 Schwarz gab auf. Er kann nicht verhindern, dass die weiße Dame das Feld h6 erreicht 1-0. Auf meinem Dualrechner benötigt Shredder 3:16 Minuten, um den Schlüsselzug auszuspielen.
 
Nachdem Stefan Meyer-Kahlen jetzt festes Mitglied im ChessBase Team ist, können sich die Schachfreunde neben Shredder 5.32 auf ein weiteres innovatives Projekt freuen. Noch in diesem Jahr wird es eine modifizierte Version des Weltmeister-Programms für die immer beliebteren, mobilen Handheld-PCs geben. Das neue Programm feiert seinen Einstand bei den Chess Classics in Mainz und kann sich dort bei seinem Einstand gleich mit zwei Spielern aus den Top Ten, den GMs Peter Leko und Michael Adams, messen.
 
 
Fazit
Der neue Shredder 5.32 stellt eindeutig eine Bereicherung für die Computerschachszene dar. Nach den mir vorliegenden Resultaten schließt sich der Neuling in der Fritz-Familie nahtlos an die bewährten Qualitäten des Vorgängers an und dürfte aufgrund der Verbesserungen noch etwas besser als der Vorgänger Deep Shredder spielen. Die Anbindung des amtierenden WM-Programms an die mit Features opulent ausgestattete Fritz-Oberfläche ist perfekt gelungen, so dass Shredder 5.32 ohne Einschränkungen von allen Optionen des Programms bestens profitiert. Der Verkaufpreis wird 99.90,- DM betragen, weitere Informationen erhalten Sie überall im Fachhandel oder im Internet unter www.chessbase.com
 
Peter Schreiner
 
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