Logo "blaue" Seiten

 
 
 
 
- Anzeige -
Für den Erwerb von Schachartikeln empfiehlt Ihnen der SC Leinzell den
 Schachversand Dreier 
 
 
Testen Sie Ihr Schach!
 
Diagramm 20-2006
 
Diagramm 20 – 2006
Die Stellung sieht auf den ersten Blick harmlos aus. Aber Schwarz am Zuge fand eine hübsche Kombination und stellte die Weichen auf Sieg.
 zur Lösung 
 
 
 
zur Startseite
 News | Sitekalender | Sitemap | Team | Kontakt 
Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Shredder 5.0 - das Weltmeister-Programm!
besprochen von Peter Schreiner - Dezember 2000 - Teil 1
 
Die Entwicklung der beiden letzten Jahre beweist deutlich, das Computerschach nicht nur bei den Freaks, sondern mittlerweile auch in der normalen "Szene" zu einem festen Bestandteil geworden ist. In diesem Jahr gab es gleich mehrere renommierte Turniere - z.B. die holländische Meisterschaft oder das Dortmunder GM-Turnier - bei denen erstmals ein Rechner teilnehmen durfte. Vor kurzem noch völlig undenkbar! Es dürfte auch kaum noch einen ambitionierten Schachspieler geben, der nicht zu Hause mit einem PC und den bekanntesten Vertretern der aktuellen Softwaregeneration analysiert und trainiert.
 
 
Die Erfolgsserie
Stefan meyer-kahlenBesonders sehnsüchtig wird von vielen Schachfreunden die neue Version des aktuellen WM-Programms Shredder 5.0 erwartet, das beim Erscheinen dieses Artikels bereits im Handel erhältlich sein wird. Der Autor Stefan Meyer-Kahlen, kann auf eine außerordentlich beeindruckende Erfolgsserie bei den in den letzten Jahren von dem Computerschachverband ICCA (International Computer Chess Association) ausgerichteten Computerschach-WMs zurückblicken:
Jakarta 1996 (Mikro-WM)
Platz 1 unter 24 Teilnehmern = Weltmeister Mikro-Computer
Paris 1997 (Mikro-WM)
Platz 3 unter 36 Teilnehmern
Paderborn 1999 (Mikro-WM + Offene WM)
Platz 1 unter 32 Teilnehmern = Weltmeister Mikro-Computer + Weltmeister aller Klassen!
London 2000 (Mikro-WM)
Platz 1 unter 14 Teilnehmern = Weltmeister Mikro-Computer
 
Auch bei anderen wichtigen Turnieren in der Computerschachszene, wie z.B. dem IPCC-Turnier in Paderborn 2000, konnte sich Shredder durchsetzen und belegte ebenfalls den ersten Rang. Wie immer im Leben rufen außergewöhnliche Leistungen die zahlreich vorhandenen Neider und Zweifler auf den Plan. Da wird von einigen Seiten mit den abenteuerlichsten Begründungen versucht, diese Erfolgsserie zu nivellieren oder zu schmälern: "...nur Glück, ...Zufall" usw.
 
Wir orientieren uns aber ausschließlich an den Fakten, sprich den Resultaten, und sind der Meinung, dass diese Erfolgsresultate gegen stärkste Konkurrenz wohl vor allem das Ergebnis harter Arbeit und einer erstklassigen Vorbereitung ist. Meiner Ansicht nach gibt es auch einen Aspekt, der bisher von kaum einer anderen Publikation entsprechend gewürdigt wurde. Zum ersten Mal seit dem Verlust des Weltmeister-Titels von Lasker gegen Capablanca im Jahr 1921 hat Deutschland zumindest in einer (wichtigen!) Teildisziplin des Schachspiels wieder einen offiziellen Weltmeister!
 
In der Geschichte des Computerschachs gab es bisher erst einen Programmierer, der eine ähnliche Erfolgsserie vorweisen kann: lediglich der Engländer Richard Lang kann bis zu seiner letztmaligen Teilnahme bei einer WM im Jahr 1995 eine ähnlich beeindruckende Bilanz vorweisen. Im Unterschied zu den Glanzzeiten von Richard Lang ist es für einen Autoren heutzutage wesentlich schwerer, sich in Anbetracht der zahlreichen und ebenfalls enorm spielstarken Konkurrenz bei diesen Turnieren kontinuierlich durchzusetzen.
 
 
Richard Langs Erbe
Stefan Meyer-Kahlen hat übrigens nicht nur das Erbe Richard Langs bei den ICCA-Turnieren angetreten, sondern tritt mit der neuen Version von Shredder auch in anderer Hinsicht in die Fußstapfen des legendären Engländers. Genau wie bei Richard Lang werden die Programme des amtierenden Computerschachweltmeisters aller Klassen von der Münchener Millennium2000 GmbH vertrieben. Das Zugpferd in der Produktpalette PC-Schach der Münchner Firma war und ist das Millennium Chess System.
 
Das Millennium Chess System alias ChessGenius 6.5 wurde bisher von Richard Lang und dem Co-Autoren Adrian Millet betreut. Nachdem sich Richard Lang vorerst einmal aus der PC-Schach-Entwicklung zurückgezogen hat, wurde Stefan Meyer-Kahlen mit der Übernahme des Millennium Chess Systems beauftragt. Dabei galt es zuerst einmal eine wichtige Frage zu klären: sollte man auf der bereits existenten Software des Teams Lang/Millet aufsetzen oder aber das MCS-System völlig neu konzipieren? Letztendlich ist die Entscheidung dann für eine Neukonzeption des Millennium Chess Systems gefallen. Dafür gab es im wesentlichen zwei Gründe:
  1. Bereits mit Shredder 4.0 hatte Stefan Meyer-Kahlen ein Interface zur Verfügung, das durchweg positiv angenommen wurde.
  2. Im Unterschied zu vielen anderen Autoren, die sich in erster Linie mit der Weiterentwicklung ihrer Schachalgorithmen beschäftigen und bei der Wahl der Benutzeroberfläche auf die Dienste externer Autoren zurückgreifen, findet Stefan die Programmierung einer eigenen Benutzerschnittstelle mindestens genauso interessant wie die Weiterentwicklung des Schachmotors von Shredder.
Es war natürlich klar, das die Entwicklung eines neuen Systems keineswegs eine triviale Angelegenheit ist, wovon sich das RE-Team, das die komplette Entwicklungsphase des neuen Millennium Chess Systems von Anfang an mitverfolgt hat, nachhaltig überzeugen konnte. Schwerpunkt bei der Konzeption und der Entwicklung war die Mutation des Singleprogramms Shredder zum Multi-Engine-System, die z.B. eine strikte Trennung von Interface und Engine erforderte und programmiertechnisch alles andere als trivial umzusetzen war.
 
Darüber hinaus bietet Shredder 5.0 alias Millennium Chess System im Vergleich zum Vorgänger viele Neuerungen und Verbesserungen, über die wir unsere interessierten Leser im folgenden Text ohne Anspruch auf Vollständigkeit informieren wollen. An dieser Stelle noch eine Anmerkung in eigener Sache: als Basis für diesen Review diente eine Beta, die nach Angaben von Stefan Meyer-Kahlen im wesentlichen mit dem Finalprodukt übereinstimmen sollte. Trotzdem kann es u.U. bei einigen Detaillösungen noch zu minimalen Abweichungen kommen.
 
 
Lieferumfang
Shredder 5.0 ist ein echtes 32Bit-Programm und läuft unter allen Windows-Versionen ab Win95 B oder höher. Die Onlinehilfe liegt im relativ neuen *.CHM-Format vor. Damit die auf HTML basierende Hilfedatei eingesehen werden kann, ist eine relativ aktuelle Version eines Internetbrowsers zwingend notwendig. Die Onlinehilfe, die unter Shredder jederzeit mit der Taste F1 gestartet werden kann, bietet einigen Komfort. So ist neben den üblichen Zugriffskriterien wie Inhaltsverzeichnis und Index noch eine leistungsfähige Suchfunktion integriert, die eine Suche nach beliebigen Begriffen ermöglicht und die Suchergebnisse übersichtlich auflistet.
 
Gleichzeitig dient die Onlinehilfe als vollwertiger Ersatz für ein Handbuch, daher ist es sehr zu begrüßen, dass eine Druckfunktion innerhalb des Hilfesystems implementiert wurde. Ansonsten ist der Lieferumfang auf den sechs CD-Roms (wie bereits beim Vorgänger) mehr als üppig. Auf der CD 1 findet man die aktuelle Version von Shredder 5.0 inkl. einem riesigen, brandneuen Eröffnungsbuch von dem bekannten Eröffnungsspezialisten Sandro Necci, der als Autor des Eröffnungsbuches von MChess Pro auf ein sehr erfolgreiches Wirken zurückblicken kann.
 
Das Produkt wird von Millennium2000 unter der Bezeichnung WM Paket 2001 vertrieben. Dieser Bezeichnung wird das Produkt nicht nur mit der Auslieferung des amtierenden Weltmeisters aller Klassen (Shredder 5.0) gerecht, zusätzlich hat die Firma einen Vertrag mit einem der begabtesten Newcomer in der Szene abgeschlossen und liefert auf der CD 1 zusätzlich das Programm SOS des Münchener Informatikers Rudolf Huber mit aus, das in London den Titel des Amateurweltmeisters erringen konnte. SOS läuft als Engine ohne Einschränkungen unter der neuen Oberfläche des Systems.
 
Zusätzlich findet man auf der Programm-CD von Shredder 5.0 die zwei Winboard-Engines WBNimzo2000 A+B von Chrilly Donninger, die ebenfalls einwandfrei unter dem neuen System laufen. Auf der CD 2 befinden sich zwei Komponenten, die bereits Bestandteil des letzten WM-Paketes waren: Shredder 4.0 und die Standalone- Version von Nimzo2000. Vor allem für Neueinsteiger, welche diese Versionen noch nicht haben, dürfte dieses Angebot interessant sein.
 
 
Endspieldatenbanken
Liebhaber des Endspiels kamen bereits mit der ersten kommerziellen Version von Shredder immer auf ihre Kosten. Bisher wurden auf mehreren CDs immer die bekannten Endspieldatenbanken von Ken Thompson vertrieben, deren Inhalte von Shredder direkt aus der Oberfläche von Shredder heraus eingelesen werden konnten. Mit Shredder 4.0 gab es erstmals eine direkte Schnittstelle zu den Endspieldatenbanken von Eugene Nalimov, die konzeptionell den Datenbanken von Ken Thompson überlegen sind.
 
Genau wie bei denen von Ken Thompson enthalten die Datenbanken von Nalimov (= TableBases) Informationen über Endspielstellungen. Praxisrelevant sind bei den heutigen Festplattengrößen Endspiele mit maximal 5 Steinen. Jedes Endspiel ist einzeln verfügbar, was den unschätzbaren Vorteil hat, das man selber festlegen kann, welches Endspiel man auf der Platte installieren will. In jeder einzelnen Datenbank ist zu jeder Stellung ein Wert darüber gespeichert, in wie viel Zügen ein Matt forciert erzwungen werden kann.
 
Die Idee mit der Anbindung von Endspieldatenbanken an ein Schachprogramm ist grundsätzlich nicht neu. So unterstützte von den bekannten kommerziellen Vertretern seinerzeit MChess Pro 6.0 den Zugriff auf die TableBases von Steven Edwards. Zu dieser Zeit war dieses prinzipiell sehr innovative Verfahren aber nicht ganz unkritisch. Hauptproblem: durch die zahlreichen Zugriffe auf die Festplatte wird ein Schachprogramm in der Performance nicht unerheblich ausgebremst.
 
Die Anbindung an die TableBases erfuhr deswegen erst nach der Veröffentlichung der Endspieldatenbanken von Eugene Nalimov einen ungeahnten Aufschwung in der Szene. Das neue Datenformat von Eugene Nalimov bot mit einer sehr guten Kompressionsrate und den schnellen Zugriffszeiten einen idealen Kompromiss. Mittlerweile hat es sich gezeigt, dass die Vorteile bei weitem die Nachteile überwiegen und die Programme deutlich - bei effizienter Implementierung der Schnittstelle - im Endspielverhalten von der Schnittstelle profitieren. Die moderne Programmgeneration wie Junior, Fritz und natürlich auch Shredder 4/5 können die Informationen aus den TableBases sogar in der Suche, also bereits bei der Vorausberechnung nutzen.
 
Der Zugriff erfolgt im Unterschied zu den Thompson-Datenbanken dynamisch. Vereinfacht erklärt: Shredder kann auf die Informationen der TableBases zugreifen, obwohl das entsprechende Endspiel noch gar nicht auf dem Brett ist. Diese Datenbanken sind natürlich nicht nur im praktischen Spiel sehr nützlich, sondern leisten unter Shredder 5.0 auch vortreffliche Dienste bei der Analyse. Nehmen wir z.B. die Jokeranalyse, die jetzt unter Shredder 5.0 durch die Unterstützung der Nalimov-Endspieldatenbanken zusätzlich aufgewertet wird. Diese Funktion ist schon sehr lange in Shredder implementiert, wurde aber bisher nie so richtig gewürdigt.
 
JokeranalyseWas bedeutet denn nun eigentlich Jokeranalyse? Stellen wir uns einfach einmal die folgende Endspielfrage: Wo muss der weiße König stehen, damit das Endspiel K + D gegen K + sBf2 noch zu gewinnen ist. Dafür bauen wir einfach eine Stellung dieses Typs in Shredder auf, wählen Jokeranalyse, und klicken auf den weißen König. Innerhalb von weniger als einer Sekunde zeigt Shredder nun auf jedem Feld des Schachbrettes, auf dem der König legal stehen darf, an, ob die Stellung mit dem König an auf diesem Feld remis oder gewonnen ist. Ist sie gewonnen, so steht auf jedem Feld sogar die Zugzahl bis zum Matt. Einfach aber genial. Dieses "Endspielorakel" kann man für jedes beliebiges Endspiel mit höchstens fünf Figuren befragen, dabei kann man jede Figur auf dem Brett, also nicht nur den König, als Joker verwenden.
 
Mit wenigen Mausklicks kann man Fragen beantworten, für welche die Endspieltheoretiker oft Jahre brauchten, wie z.B. wo der Bauer im Endspiel KDB-KD am besten steht, damit die Siegchancen am größten sind und wo es nur Remis wird. Diese Bewertungen repräsentieren wohlgemerkt nicht die Meinung von Shredder, sondern den "realen Wert" der Stellung aus den Endspieldatenbanken. Wenn Shredder zum Beispiel anzeigt, dass die Stellung mit dem König auf e4 Remis ist, dann kann der Anwender sich darauf zu 100% verlassen.
 
Nachdem die Vorzüge der TableBases besprochen wurden, kommen wir zur Schattenseite der Endspieldatenbanken, die insbesondere bei den 5-Steinern deutlich zutage tritt: will man sämtliche verfügbaren TableBases auf dem Rechner installieren, benötigt man reichlich Festplattenspeicher: um die 8 GB sind für eine komplette Installation zu veranschlagen. Bei der Standardinstallation von Shredder 5.0 werden sämtliche Drei- und Viersteiner mit installiert. Da sich der Platzbedarf für diese Datenbanken in erträglichen Grenzen hält (ca.30 MB), sollte man diese Option unbedingt wahrnehmen, da dies bereits zu einem deutlich besseren Endspielverhalten führt, wie man anhand des vorigen Beispiels leicht nachvollziehen kann.
 
Im Lieferumfang von Shredder 5.0 findet man auf den CDs 3-6 eine Auswahl der wichtigsten, praxisrelevanten TableBases (ca. 2,4 GB). Shredder 5.0 bietet dabei im Vergleich zur Konkurrenz eine anwenderfreundliche Lösung im Handling mit den TableBases:
  1. Man kann die TableBases aus dem Programm heraus auf die Platte installieren. Unter OPTIONEN/ENDSPIELDATENBANKEN findet man den Eintrag Installiere TableBases. Bei Anwendung dieser Funktion bietet Shredder in einem Standarddialog die Möglichkeit, mit der Maus den Installationspfad für die TableBases auszuwählen. Das ist schon einmal sehr gut.
  2. Man muss die TableBases nicht ein vorgegebenes Verzeichnis kopieren, sondern kann sie je nach Systemausstattung flexibel auf mehrere Verzeichnisse oder Partitionen verteilen. Sie müssen dem Programm u.U. lediglich mit der Funktion Pfad zu TableBases den Pfad vorgeben.
Die unter Punkt 1 angesprochene Kopierfunktion ist allerdings nicht in der Lage, nur ausgewählte Endspiele zu kopieren. Es wird immer der komplette Inhalt einer der CDs kopiert, was je nach Auslastung der Platte vom Anwender nicht gewünscht wird. In diesem Fall bleibt nur die Möglichkeit, die bevorzugten Endspiele "von Hand" z.B. mit dem Explorer zu kopieren. Dazu ist es natürlich unerlässlich, dass der Anwender zumindest weiß, wie die Dateistruktur eines Endspiels ausschaut. Jeder Endspieltyp besteht immer aus zwei Dateien, in denen das Zugrecht für Weiß oder Schwarz festgelegt wird.
 
Nehmen wir z.B. das Endspiel König+Bauer+Bauer gegen König+Bauer. Die entsprechenden Dateien lauten dann KPPKP.NBB und KPPKP.NBW, gemeinsam ist beiden Dateien die Suffix *.EMD. Wenn man jetzt noch weiß, das die Figurenbezeichnungen aus dem Englischen stammen, wird die Struktur des Dateinamens schon verständlicher. Bleibt noch die Bedeutung der Erweiterungen des Dateinamens NBB und NBW zu klären. NBB bedeutet konkret N = Neu, B = Base, B = Schwarz (black) am Zug. NBW steht hingegen für N = Neu, B = Base, W = Weiß (white) am Zug. Diese Kenntnisse sind aber nur dann zwingend notwendig, wenn man aus Platzgründen nur ausgewählte Endspiele auf die Festplatte kopieren will.
 
Ansonsten braucht der Anwender sich nicht um die Anbindung der TableBases zu kümmern, da Shredder 5.0 nach Festlegung des Pfades automatisch auf die in der Datenbank gespeicherten Informationen zugreift. Zum Thema Kopierschutz gibt es ebenfalls eine erfreuliche Verbesserung: Shredder 5.0 fragt nur einmal - während der Installation den Kopierschutz ab. Die für den Anwender relativ lästige, periodische Abfrage des Vorgängers fällt weg und man wird die Original-CD nur noch dann benötigen, wenn am System gravierende Änderungen vorgenommen wurden.
 
 
zum Seitenanfang zurück | Teil 2