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Diagramm 21-2006
 
Diagramm 21 – 2006
Weiß fand hier einen eleganten Weg, das Problem mit seiner angegriffenen Dame zu lösen. Sie können es ihm sicher gleichtun?!
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Der Weltmeister - Shredder 4
besprochen von Peter Schreiner - Dezember 1999 - Teil 3
 
 
Noch mehr Features
Shredder 4.0 ist vollgespickt mit Neuerungen. Eine auffällige Änderung gegenüber dem Vorgänger ist die Sprachkommentierung, die übrigens auch in ähnlicher Form bei dem zum Lieferumfang gehörenden Genius 6.5 implementiert wurde. Unter dem Menüpunkt Einstellungen gibt es den Eintrag Ton/Sprache, wo man diese Funktion aktivieren kann:
  1. Die Funktion Züge ansagen dürfte vor allem in Verbindung mit einem externen PC-Schachbrett sehr nützlich sein.
  2. Züge kommentieren schaltet das neue Kommentierungsmodul hinzu. In diesem Modus gibt Shredder 4.0 situationsbezogene Kommentare zur Partie ab. Die Routine orientiert sich an der Stellungsbewertung; daher passen die Kommentare zur jeweils aktuellen Spielsituation.
Die Sprachkommentare stammen übrigens nicht nur vom langjährigen Weltmeister Anatoly Karpov, auch Shredder-Distributor und Millennium-Geschäftsführer Ossi Weiner ist mit etlichen Kommentaren für die Sprachausgabe auf der CD vertreten. Diese Option dürfte vor eher Einsteiger ansprechen, natürlich kann man das Kommentierungsmodul auch einfach abschalten und in Ruhe Schachspielen. In diesem Zusammenhang noch ein Hinweis: in der Grundeinstellung des Programms ist das Kommentierungsmodul aktiviert und kostet einiges an Rechenzeit. Für die optimale Performance von Shredder - z.B. bei Autoplayer-Matches - sollte, bzw. muss die Sprachausgabe unbedingt abgestellt werden, da Shredder sonst nur mit eingeschränkter Performance läuft.
 
Als erfahrener Profi kennt Stefan Meyer-Kahlen die Bedürfnisse der Computerschachfreaks natürlich ganz genau. Viele Freaks basteln gerne an den Bewertungsparametern eines Schachprogramms herum. Mit Shredder 4.0 wird diese Zielgruppe auf das Beste bedient: man kann im Grunde genommen alle relevanten Parameter der Shredder-Engine verändern und diese Einstellungen in sogenannten Spielstilen abspeichern. Insgesamt 18 Bewertungsparameter können modifiziert und geändert werden, z.B. Königssicherheit, Selektivität, Zentrumskontrolle, sämtliche Figurenwerte, Freibauern, usw.
 
Hat man einen eigenen Spielstil kreiert, kann man diese Einstellung abspeichern und bei Bedarf wieder laden. Stellt sich nun die Frage, wie man feststellen kann, ob die vorgenommenen Änderungen etwas taugen oder wie sich Änderungen an einzelnen Parametern auswirken? Ganz einfach: innerhalb von Shredder 4 kann man automatische Matches zwischen den einzelnen Benutzerstilen austragen und anhand der Resultate eine Erfolgskontrolle vornehmen. Innerhalb dieser Spielstil-Matches bekommt man die Elo-Differenz und die Fehlerabweichungen sofort angezeigt. Alternativ kann man auch via Autoplayer mit diesen Einstellungen Matches gegen Programme auf einem zweiten PC austragen.
 
Die Shredder 4-Engine in der ausgelieferten Einstellung zwar sehr ausbalanciert, es ist aber nicht auszuschließen, dass sich noch bessere Einstellungen finden lassen. Wir sind auf die Ergebnisse der Anwender schon sehr gespannt. Bisher bot lediglich der Chessmaster dem User diese tiefgreifenden Eingriffe in die Bewertungsfunktion des Schachprogramms. Im Internet wird schon seit Jahren mit fast religiösem Sendungsbewusstsein über die optimalen Settings für dieses Programm diskutiert. Es bleibt abzuwarten, wie die Resultate und Erfahrungen für Shredder 4.0 ausfallen.
 
 
Die Schachengine
Das eigentliche Schachprogramm stimmt im wesentlichen mit der Version überein, die in Paderborn den Weltmeistertitel erringen konnte. Es gab für Stefan Meyer-Kahlen auch eigentlich keinen Grund, dieses ausbalancierte Programm zu verändern. Noch einmal zur Erinnerung: während des WM-Turniers in Paderborn war fast die komplette Weltelite anwesend und Shredder 4.0 konnte dieses extrem stark besetzte Turnier ohne Niederlage gewinnen. Diese Leistung nötigt um so mehr Respekt ab, da Shredder 4.0 im Unterschied zur Konkurrenz auf einem handelsüblichen Pentium III 550 MHz- Rechner spielte, während etliche andere kommerziell bekannten Vertreter, z.B. Fritz oder Junior, auf superteuren Parallelrechnern von Siemens agierten.
 
Während des Turniers kristallisierte sich dann eine weitere Schwachstelle des Programms heraus, die Eröffnungsbibliothek. Gleich mehrfach kam das Programm aufgrund der nur mäßig optimierten Bibliothek in kritische Situationen. Dass Shredder 4.0 trotz des schlechten Buches den Titel ohne Niederlage erringen konnte, spricht um so mehr für die Güte des eigentlichen Schachprogramms; hier war also großer Handlungsbedarf angesagt.
 
Was tun? Man muss sich vor Augen halten, dass Stefan Meyer-Kahlen bis zum Titelgewinn quasi als Einzelkämpfer aktiv war. Während die Bibliotheken anderer Autoren seit langen Jahren von Experten entwickelt und betreut werden, musste Stefan neben der Entwicklung des Schachprogramms, der Gui, der neuen Features alles alleine machen, u.a. eben auch das Eröffnungsbuch.
 
Dem Distributor des Programms, Ossi Weiner, der selbst über lange Jahre äußerst erfolgreich die Bibliotheken des 10fachen Weltmeisters Chess Genius betreute, bereitete das Niveau der Bibliothek ebenfalls große Sorgen. Es musste also ein Experte her, der das Buch in relativ kurzem Zeitraum auf ein angemessenes Niveau bringen konnte Nachdem sich diese Erkenntnis durchgesetzt hatte, blieb noch das Problem zu lösen, einen geeigneten Experten für diese anspruchsvolle Aufgabe zu finden.
 
Der Routinier Ossi Weiner konnte diese komplexe Aufgabe aufgrund seiner vielfältigen beruflichen Verpflichtungen nicht alleine leisten, soviel war klar. Aufgrund der spezifischen Eigenarten des Computerschachs muss ein Buchexperte mehrere Voraussetzungen mitbringen:
  1. es sollte ein erfahrener, starker Schachspieler mit ausgezeichneten Theoriekenntnissen sein und
  2. man muss die spezifischer Stärken und Schwächen des betreuten Programms kennen und möglichst Varianten für die Bibliothek selektieren, die der Spielweise des Programms entgegenkommen.
Nach einigem Suchen fand sich dann ein geeigneter Spezialist: nämlich Detlef Pordzik alias Elvis, der einerseits ein starker Fernschachspieler mit über 2300 Elopunkten und auf der anderen Seite ein hervorragender Kenner des Computerschachs ist. Bereits in den Achtzigern konnte sich der theoriegewaltige Elvis mit den Bibliotheken für die Kittinger-Programme aus dem Hause Novag die entsprechende Reputation in der Szene erwerben.
 
Genug der langen Vorrede: Shredder 4.0 kommt also mit einem sorgfältig, von Hand editierten Eröffnungsbuch daher, das sich auch in der Turniereinstellung durch eine breite Ausspielpräferenz auszeichnet. Der Schwerpunkt bei der Entwicklung des Books lag eindeutig in der Harmonisierung der ausgespielten Varianten auf die Spielweise von Shredder.
 
Nach den bisher vorliegenden Resultaten hat Elvis hervorragende Arbeit geleistet und das Book von Shredder 4.0 ist im Vergleich zu den Vorgängern von einer ganz anderen Qualität. Dies beweisen u.a. die zahlreichen Autoplayer-Matches, die ich mit der S4-Engine und dem neuen Book gegen sämtliche Top-Programme ausgetragen habe. Das neue Buch zeichnet sich weniger durch enorme Variantentiefe, sondern vor allem durch eine gut gelungene Feinabstimmung auf den Spielstil von Shredder aus.
 
Es zeigt sich wieder einmal nachhaltig, dass zumindest bei der Editierung der Ausspielpräferenzen einer Bibliothek der Mensch dem Computer noch nachhaltig überlegen ist. In Kombination mit dem sehr effizienten Booklearning von Shredder 4.0 demonstriert das Programm im Vergleich zu den Vorgängern eine ganz neue Qualität in der Eröffnungsbehandlung, die mit Sicherheit auch für den Anwender im Unterschied zu den automatisch generierten Books ein Gewinn ist.
 
Im Unterschied zu Shredder 3.0 stellt der Support der TableBases ebenfalls eine gewaltige Verbesserung hinsichtlich des ohnehin sehr guten Endspielverhaltens dar. Wir möchten noch darauf hinweisen, dass Shredder 4.0 die TableBases ebenfalls in der Suche nutzt. Natürlich weist die Engine neben herausragender Spielstärke noch einige Feinheiten auf, die eher subtil im Hintergrund verborgen sind und nicht auf Anhieb zu erkennen sind: die neue S4-Engine ist jetzt beispielsweise wesentlich besser auf die beliebten K6-Prozessoren von AMD optimiert.
 
Neben einem effizienten Booklearning verfügt Shredder 4 wie bereits beim Vorgänger über eine sehr effektive Lernfunktion. Shredder war meines Wissens nach das erste kommerzielle Schachprogramm, das die HashTables nicht löscht und die Lernwerte konstant abspeichert. Wie soll man nun den wichtigsten Bestandteil von Shredder, nämlich den eigentlichen Schachalgorithmus charakterisieren?
 
Shredder 4.0 gehört eindeutig zu den "intelligenten" Programmen. Bereits seit vielen Jahren wird in der Szene immer wieder heftig darüber diskutiert, mit welchem Ansatz man das Maximum an Spielstärke aus einem Schachprogramm herauskitzeln kann. Auf der einen Seite gibt es die "Schnellrechner", die eher auf kompakten Programmcode und relativ wenig Schachwissen setzen, um eine möglichst hohe Ausführungsgeschwindigkeit zu erzielen. Die bekanntesten Vertreter dieser Richtung sind z.B. Fritz oder Nimzo. Auf der anderen Seite gibt es die Programme mit relativ viel Schachwissen. Die wissensbasierten Programme versuchen auf der Basis umfangreicher Bewertungskriterien, die aktuelle Stellung und die Konsequenzen eines selektierten Zuges exakt zu beurteilen.
 
Zu dieser Kategorie gehört eindeutig Shredder 4.0. Nachdem es einige Zeit so aussah, als würden die Schnellrechner das Rennen machen, scheint sich das Blatt wieder zu wenden. Bisher war es für mich sehr faszinierend, dass sowohl die eine als auch die andere Methode in den gängigen Wertungslisten zu ungefähr gleichen Bewertungen der Spielstärke führte. Mittlerweile sieht es aber so aus, dass nur durch Steigerung der Rechengeschwindigkeit kaum noch große Fortschritte im Bereich Spielstärke zu erzielen sind.
 
Nach Ansicht von Stefan Meyer-Kahlen dürfte es zukünftig sehr schwierig sein, deutliche Steigerungen der Suchtiefe mit der daraus resultierenden höheren Spielstärke zu erzielen. Alle heutigen Spitzenprogramme weisen trotz unterschiedlichen Konzeptionen kaum noch gravierende Schwachstellen im Bereich Taktik auf. Nach meinen bisherigen, reichhaltigen Erfahrungen in den Beobachtungen Mensch - Computer kann man oft die gleiche Gesetzmäßigkeit feststellen. Der Mensch hält in der strategisch geprägten Partiephase einwandfrei mit, verliert aber in der Regel durch einen taktischen Fehler. Dies gilt insbesondere für Blitz- oder Schnellschachpartien, wo die heutige Softwaregeneration selbst Topgroßmeistern bereits die Hacken zeigt.
 
Nur: der Trainingseffekt aus solchen Partien ist naturgemäß relativ gering. Es stellt aus unserer Sicht einen gravierenden Unterschied dar, ob man eine besser stehende Partie aufgrund eines taktischen Schnitzers verliert oder von einem strategisch agierenden Programm auch positionell überspielt wird. Auch beim Training oder der Analyse hat man von einem Schnellrechner in der Regel außer in taktisch geprägten Positionen wenig an konstruktiven Hinweisen zu erwarten. Großmeister legen bei der Analyse ihrer Partien eher Wert auf das rasche Aufspüren von taktischen Feinheiten.
 
Für den normalen Vereinspieler sieht das aber schon ganz anders aus, der im Idealfall von seinem Programm auch gerne strategisch etwas lernen möchte. Shredder 4.0 kommt unserer Ansicht nach mit einer wunderbar ausbalancierten Engine daher, die unserer Ansicht nach zur Zeit deutlich über die Konkurrenz dominiert. Die Behauptung wird durch unsere Testresultate untermauert, die wir in zahllosen Autoplayer-Matches gegen die Top-Konkurrenten gespielt haben.
 
Wir hatten die Möglichkeit, die Engine über einen längeren Zeitraum intensiv zu testen. Ich habe das Programm durch eine Vielzahl von Testsets gejagt, etliche Großmeisterpartien damit analysiert und vor allem Autoplayer-Matches gegen andere Top-Programme gespielt. Bei den Autoplayer-Matches habe ich darauf geachtet, Spielstufen auszuwählen, die auch beim User in der Regel genutzt werden. Wer spielt schon gegen sein Programm Turnierpartien? Wohl kaum jemand, dafür dürften die Spitzenprogramme häufiger für Blitz- oder Schnellpartien eingesetzt werden.
 
Stefan Meyer-Kahlen vertritt die Ansicht, dass sein Programm seine Stärken eher bei längeren Bedenkzeiten ausspielen kann. Dieser Auffassung können wir uns aufgrund der vorliegenden Testresultate nicht anschließen. Für meine Autoplayer-Matches habe ich zwei identisch ausgestattete AMD K6/333 MHz - Rechner mit jeweils 128 MB RAM eingesetzt. Jedem Programm standen 15 Minuten Bedenkzeit für die ganze Partie zur Verfügung. Dabei gab es folgende Resultate:
Shredder 4.0 : Hiarcs 7.32        12,5:7,5 Pkt.
Shredder 4.0 : Fritz 6.0          13,0:7,0 Pkt.
Shredder 4.0 : Junior 5.0         11,5:8,5 Pkt.
Shredder 4.0 : Rebel 10.0         14,0:6,0 Pkt.
Shredder 4.0 : Nimzo 98           14,5:5,5 Pkt.
Gegen einen der interessantesten Newcomer des Jahres, Chess Tiger von Christophe Theron, konnte sich Shredder 4.0 knapp mit 21,5:18,5 Punkten durchsetzen. Also durchweg positive Resultate gegen stärkste Konkurrenz! Auch bei vorsichtiger Interpretierung der Resultate kann man Shredder bescheinigen, dass es sich offensichtlich auch in Schnellpartien einwandfrei gegen die Topkonkurrenz behaupten kann. Vom Kollegen Pordzik wurden mir folgende Ergebnisse von Shredder 4.0 übermittelt:
Shredder 4.0 : Fritz 5.32         46,0:44,0 Pkt.
Shredder 4.0 : Hiarcs 7.32        44,5:27,5 Pkt.
Shredder 4.0 : Junior 5.0         29,5:22,5 Pkt.
Shredder 4.0 : Nimzo 7.32         33,0:26,0 Pkt.
Shredder 4.0 : Rebel Century      53,0:39,0 Pkt.
Diese Matches wurden ebenfalls mit 15 Minuten pro Partie, allerdings auf zwei Pentium II-Rechnern mit jeweils 128 MB RAM, ausgetragen. Ich finde es besonders aufschlussreich, dass sich Shredder 4.0 relativ deutlich gegen die anderen wissensbasierten Vertreter Hiarcs und Rebel durchsetzt, während den Schnellrechnern einwandfrei auch bei kürzeren Bedenkzeiten Paroli geboten werden konnte.
 
 
Fazit
In der Summe seiner Eigenschaften stellt Shredder zur Zeit eine Sonderklasse dar. Mir persönlich gefällt der solide, aber druckvolle Spielstil des Programms außerordentlich gut. Die Stärke des Programms liegt vor allem in seiner Ausgeglichenheit in allen Partiephasen und seiner Zähigkeit bei der Verteidigung schlecht stehender Stellungen. Bereits seit Jahren haben wir immer wieder auf die Qualitäten des Programms hingewiesen.
 
Unser Review über Shredder 3.0 war seinerzeit plakativ mit dem Header "auf der Überholspur" versehen, wofür wir in Insiderkreisen einige Kritik einstecken mussten. Wie die Ereignisse dieses Jahres gezeigt haben, haben wir - übrigens genau wie mit der Einschätzung des CM6000 - offensichtlich so falsch nicht gelegen. Es bleibt unvergessen, wie gewisse unabhängige Fachmagazine in Deutschland immer wieder versucht haben, die Fortschritte und Erfolge des sympathischen Stefan Meyer-Kahlen zu relativieren oder mit konstruierten Wertungsprofilen abzuqualifizieren. Gott sei Dank hat sich Stefan Meyer-Kahlen nie entmutigen lassen und genau die richtige Antwort gegeben: nämlich in Form eines ausgereiften Spitzenprogramms, das bei der Spielstärke zur Zeit wohl eindeutig die Referenz darstellt.
 
Neben der Standalone-Version ist auf der CD-Rom noch eine für den Chess Genius 6.5 angepasste Shredder 4-Version enthalten. Alternativ kann man also Shredder 4 ohne Einschränkungen unter dem Interface des Chess Genius 6.5 einsetzen.
 
Peter Schreiner
 
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