Logo "blaue" Seiten

 
 
 
 
- Anzeige -
Für den Erwerb von Schachartikeln empfiehlt Ihnen der SC Leinzell den
 Schachversand Dreier 
 
 
Testen Sie Ihr Schach!
 
Diagramm 22-2006
 
Diagramm 22 – 2006
In dieser Stellung stellte Weiß seine Dame nach e5 und erwartete von Schwarz die Aufgabe. Dieser spielte aber weiter und zog …
 zur Lösung 
 
 
 
 
zur Startseite
 News | Sitekalender | Sitemap | Team | Kontakt 
Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Der Weltmeister - Shredder 4
besprochen von Peter Schreiner - Dezember 1999 - Teil 2
 
 
Die Kunst der Analyse
Bei der Beurteilung eines Schachprogramms werden oft die unterschiedlichsten Wertungskriterien angelegt. In manchen Magazinen werden als Grundlage für eine Bewertung selbstkonstruierte Wertungsprofile benutzt, die u.a. die Qualität eines Schachprogramms danach beurteilen, wie viel Anfängerstufen ein Programm von Haus aus mitbringt ...
 
In dieser Hinsicht könnte das amtierende Weltmeisterprogramm gegenüber anderen Programmen vielleicht etwas abfallen, dafür bietet Shredder 4.0 aber neben absoluter Spitzenspielstärke einige ausgeklügelte, extrem hilfreiche Analysefunktionen. Die einfachste Möglichkeit - bereits von Shredder 3 bekannt - ist der "Trainer", der während einer laufenden Partie auf Fehler hinweist und eine Option zum Zurücknehmen von Zügen anbietet.
 
Interessanter ist da schon die Möglichkeit, komplette Partie- oder Positionsdatenbanken mit einer vorgegebenen Bedenkzeit vollautomatisch zu analysieren. Der Anwender kann die Analyse steuern, indem er festlegt, ob Shredder 4.0 nur die weißen, die schwarzen oder die Züge beider Seiten analysieren soll. Während der Onlineanalyse, sprich Analysemodus, kann man beim Nachspielen einer Partie relevante Suchinformationen direkt in die Notation übernehmen. Während einer Partie trägt Shredder 4.0 auf Wunsch ebenfalls alle Informationen zum Rechenvorgang in die Notation ein.
 
Man kann also jederzeit nachträglich feststellen, wo die Partie gekippt ist. Fernschächer sind naturgemäß daran interessiert, die Analyse auf bestimmte Züge zu beschränken oder bestimmte Züge von der Suche auszuschließen. Diese Zielgruppe kann das Programm anweisen, nur eine bestimmte Anzahl der besten Züge zu berechnen, bestimmte Züge von der Analyse ein- oder auszuschließen.
 
Eine wichtige Neuerung: Shredder 4.0 unterstützt in der neuen Version neben den bekannten Endspiel-Datenbanken von Ken Thompson noch die neueren Endspieldatenbanken von Eugene Nalimov. Im Unterschied zu anderen Programmen kann Shredder 4.0 für eine Position sowohl die Bewertung der Nalimov- als auch der Thompson-Datenbanken gleichzeitig anzeigen. Gerade für Endspielexperten dürfte diese Option besonders interessant sein.
 
Bereits von Shredder 3 bekannt ist die sogenannte "Jokeranalyse", bei der das Programm für eine Figur (den Joker) alle möglichen Positionen berechnet und den Wert der Stellung für jedes beliebige Feld auf dem Brett anzeigt. Falls genügend Festplattenspeicher vorhanden sein sollte, kann man übrigens auch die Thompson Datenbanken genau wie die Nalimov Datenbanken direkt von der Festplatte aus betreiben. Hinsichtlich der Analyseunterstützung hat Shredder 4.0 also viel zu bieten und birgt einiges an Suchtpotential.
 
 
Dateiformate
Shredder 4.0 demonstriert mit dem Support für die Formate CBF, PGN und EPD eine gute Dateiverwaltung. Besonders die Unterstützung des im Internet verbreiteten EPD-Formates ist bei Shredder 4.0 im Vergleich zur Konkurrenz vorbildlich gelöst. Bereits beim Vorgänger gab es quasi eine Vorausschau auf die zu ladende Position, weshalb Shredder von uns seinerzeit das Prädikat EPD-Shredder bekommen hatte. Wenn Sie eine EPD-Datei (enthalten nur Schachpositionen im Ascii-Format) auswählen, gelangen Sie in einen übersichtlichen Auswahldialog, wo alle in der EPD-Datei enthaltenen Stellungen aufgelistet sind.
 
Innerhalb der Liste kann man "blättern" und bekommt die entsprechende Position auf einem kleinen Schachbrett angezeigt. Das finde ich in Anbetracht der Bedeutung, die das EPD-Format vor allem im Internet hat, ganz ausgezeichnet. Wie gehabt beherrscht Shredder die Option, dass bei der vollautomatischen Analyse von EPD-Dateien angegeben wird, ob der richtige Lösungszug (falls vorhanden) gefunden wurde.
 
Dieses Feature ist für Computerschachfans, die vollautomatisch die bekannten Testbatterien für Schachprogramme analysieren wollen, unverzichtbar. Die Unterstützung des PGN- und CBF-Formates ist ebenfalls wichtig und für ein Schachprogramm sehr gut gelöst. Innerhalb des PGN-Formates unterstützt das Programm optional die ECO-Klassifikation und auch Elozahlen; ebenfalls innerhalb der Notation von PGN-Files kann Shredder 4 Infos zur Rechentiefe, Bedenkzeit oder Stellungsbewertung abspeichern. Vorteil: man muss diese Infos nicht mühsam aus irgendwelchen Logfiles heraussuchen, sondern hat die gewünschte Info direkt am Screen verfügbar.
 
Wie bereits der Vorgänger versteht das Programm natürlich auch das CBF-Format, das mittlerweile von fast jedem besseren Programm mehr oder weniger gut unterstützt wird. Das ursprünglich von ChessBase entwickelte Datenformat bietet folgende Vorzüge:
  1. Speicherung sowohl von Partien als auch von Positionen in einer einzigen Datei möglich.
  2. Gute Kommentierungsmöglichkeiten, da innerhalb der Notationen sowohl Text, Varianten, Untervarianten (= Variantenbäume) und vor allem die sehr beliebten Schachsonderzeichen eingefügt werden können. Tipp: besonders rasch kommt man mit einem Doppelklick in das Notationsfenster zum Ziel. Das Programm blendet umgehend die Eingabemaske zur Editierung von Kommentaren und Sonderzeichen ein. Damit kann man Schachpartien schon sehr gut kommentieren.
  3. Insbesondere die Implementierung des CBF-Formates ist für den User transparent. Man kann Partien im CBF-Format laden, speichern, löschen oder innerhalb der Datenbank ersetzen.
CBF-Datenbanken können Tausende von Partien oder Positionen enthalten, z.B. wird auf der Shredder-CD eine CBF-Datenbank mit über 350.000 Partien mitgeliefert. Es muss also eine Möglichkeit geben, gezielt nach Partien zu suchen. Die Partieverwaltung von Shredder beherrscht elementare Suchabfragen z.B. nach Spielern, Elo, ECO, Ort, Ergebnis oder Datum. Damit kann man schon vernünftig arbeiten, lediglich eine Funktion zur gezielten Suche nach bestimmten Manövern, Materialkonstellationen oder der aktuellen Brettstellung habe ich vermisst.
 
Shredder 4.0 erhebt nicht den Anspruch, mit den bekannten Datenbanksystemen konkurrieren zu wollen, stellt dem User aber eine ausreichende Partieverwaltung zur Verfügung. Insbesondere die zahlreichen Optionen zur Partiekommentierung und die Möglichkeit, Analysen direkt in die Notation übernehmen zu können, sind für ambitionierte Schachspieler unverzichtbar.
 
 
Der Positionsbaum
Die Eröffnungsbibliothek von Shredder 4.0 liegt jetzt im Unterschied zum Vorgänger ebenfalls in Form eines Eröffnungsbaums vor. Damit stellt Shredder 4.0 ein ungemein nützliches Werkzeug für das gezielte Eröffnungstraining zur Verfügung. Im Zeitalter des Internets verläuft die Entwicklung der Schachtheorie sehr dynamisch: eine Neuerung von heute ist bereits am nächsten Tag Allgemeingut und man muss mit Widerlegungen rechnen. Die Implementierung einer Bibliothek in Form eines Positionsbaums bietet dem Anwender diverse Vorteile:
 
Man kann die theoretischen Kenntnisse dank der vorhandenen Importmöglichkeit jederzeit auf dem aktuellsten Stand halten. Innerhalb des Positionsbaums von Shredder 4.0 kann man Partien sowohl im PGN- als auch im CBF-Format importieren. Gerade im Internet findet man eine Vielzahl von Sites, die in regelmäßigen Abständen brandaktuelles Partienmaterial in besagten Formaten zum Download bereitstellen. Beim Import der Daten verhält sich das System intelligent und berücksichtigt die Erfolgsquoten einzelner Züge beim Setzen der Ausspielpräferenzen. Es ist also überhaupt gar kein Problem, sich mit Shredder 4.0 gezielt auf bestimmte Gegner vorzubereiten oder themenbezogene Spezialbibliotheken anzulegen.
 
Ambitionierte Schachspieler möchten selbst Hand anlegen und das Repertoire auf eigene Vorgaben anpassen. Innerhalb von Shredder 4.0 ist dies einfach und komfortabel zu bewerkstelligen: ein Rechtsklick mit der Maus auf einen Eröffnungszug ruft eine Dialogmaske auf, wo man mit der Maus die gewünschte Ausspielpräferenz für den Zug festlegen kann. Interessanterweise kann man zusätzlich noch festlegen, ob der Zug bevorzugt im Spiel gegen andere Rechner oder Menschen ausgespielt werden soll.
 
Noch interessanter sind die zahlreichen Optionen, die man via Rechtsklick in das Buchfenster abrufen kann. In der Dialogmaske Buchoptionen kann man mit einer Vielzahl von Parametern das Eröffnungsverhalten des Programms steuern. Beispiele:
  • Ausspielbedingungen: das Programm spielt nur dann aktiv einen bestimmten Zug aus dem Buch, wenn damit mindestens eine bestimmte Anzahl von Partien gespielt wurde. Dabei wird auch berücksichtigt, dass ein bestimmte Anzahl von Gewinnpartien mit diesem Zug gespielt wurden. Diese Vorgaben kann der Benutzer übrigens - wie fast alle Parameter - modifizieren. Über die Weiß- bzw. Schwarzquote legt man zusätzlich die entsprechende Erfolgsquote fest.
  • Interessant scheint mir auch die Option, in die Bibliothek Partien und Varianten ohne Statistiken übernehmen zu können. Normalerweise würden diese nie aktiv gespielt werden können, da ja 0 Partien gespielt und demnach auch 0 Partien gewonnen wurden. Über die Option Varianten spielen kann man festlegen, dass auch Züge gespielt werden, die nie in einer Partie vorgekommen sind; also Varianten.
  • Widerlegungen beachten: bewirkt folgende Vorgehensweise: nehmen wir an, ein bestimmter Zug wurde 2000 mal mit einer Erfolgsquote von 60% ausgespielt. Leider gingen jedoch die letzten Partien mit diesem Zug allesamt verloren, was bedeutet, dass höchst wahrscheinlich eine Widerlegung für den Zug gefunden wurde. Shredder 4.0 wird dies erkennen und versuchen, die Quote nach unter zu korrigieren. Im Prinzip handelt Shredder 4.0 dabei wie ein Mensch und korrigiert bei den entsprechenden Resultaten sein Eröffnungsverhalten automatisch.
  • Sicheres Benutzerbuch: bewirkt, dass Züge nur dann aus dem optionalen Benutzerbuch aktiv gespielt werden, wenn sie auch im Hauptbuch mit hoher Ausspielwahrscheinlichkeit versehen sind.
  • Bei der Einstellung Turnierbuch spielt Shredder 4.0 nie Züge aus, die mit den Attributen "!?" bzw. "?!" versehen sind; "!!" und "!" Züge werden dabei nicht ganz so hoch gewichtet. Letztendlich kann man über diverse Schiebschalter den Einfluss der einzelnen Faktoren auf das Eröffnungsverhalten von Shredder beeinflussen.
  • Man kann bei den Ausspielpräferenzen auch vorgeben, ob das Programm bevorzugt klassische oder moderne Varianten berücksichtigen soll. Shredder speichert für alle Züge, zu welchem Zeitpunkt sie gespielt worden sind.
Neben diesen bereits von anderen Programmen bekannten Infoanzeigen liefert der neue Positionsbaums einige innovative Features, die man in dieser Form bisher noch nicht gekannt hat; z.B. wird es für jeden Zug ein Attribut geben, z.B. ein "c" oder "h"-Attribut. Das "c" steht für Computer, das "h" für human. Shredder 4.0 unterscheidet also innerhalb seiner Bibliothek, ob er gegen ein anderes Computerprogramm oder gegen einen Menschen spielt.
 
Ein Positionsbaum mit den eingebetteten statistischen Informationen benötigt natürlich Festplattenspeicher. So benötigt die mitgelieferte Bibliothek ca. 140 MB und enthält fast 2 Millionen Eröffnungszüge; natürlich werden Zugumstellungen berücksichtigt und erkannt. Das Konzept des Positionsbaums ist nicht nur wegen der leichten Editierbarkeit, sondern auch wegen der transparenten Information zu jedem einzelnen Zug besonders wertvoll für das Eröffnungstraining.
 
Auch der bei Shredder 4.0 implementierte Positionsbaum gibt sich informationsfreudig und sämtliche Informationen werden tabellarisch aufgelistet, z.B. die im Buch enthaltenen Eröffnungszüge, Ausspielwahrscheinlichkeiten in Prozent, Gesamtzahl der Partien, Erfolgsquote eines Zuges, Elowerte, Anzahl der Siege, Remisen und Verlustpartien usw. Man kann die Einträge mit einem Mausklick in den Header der Tabelle jederzeit neu sortieren. Mit Hilfe des Positionsbaums kann man sich jederzeit einen Eindruck von der Qualität bestimmter Eröffnungszüge verschaffen.
 
Der in Shredder integrierte Positionsbaum ist ein ungemein nützliches Tool, um seine Eröffnungskenntnisse gezielt zu trainieren. Die Möglichkeiten für eine mögliche Anwendung sind vielseitig, da man den Baum mit eigenen Partiedaten erweitern, beliebige Präferenzen setzen und vor allem über eine Vielzahl von Parametern das Eröffnungsverhalten des Programms flexibel kontrollieren kann.
 
Die Implementierung des Positionsbaums innerhalb von Shredder 4.0 ist also außerordentlich gut gelungen. Vermisst habe ich lediglich eine direkte Verknüpfung der Informationen des Positionsbaums zu einer aktiven Partiensammlung. Wenn es z.B. möglich wäre, direkt aus einer Partiendatenbank entsprechende Partien herauszufiltern, wäre das System weitgehend perfekt. Ansonsten überzeugt der Positionsbaum mit einer Vielzahl neuartiger Funktionen, die dem Anwender weitgehend Kontrolle und vielseitige Trainingsmöglichkeiten für das wichtige Eröffnungstraining verschaffen.
 
 
zum Seitenanfang zurück | Teil 3