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Diagramm 23-2006
 
Diagramm 23 – 2006
Schwarz hat zwei Bauern geopfert und steht nun vor der Frage, ob er sich auf e5 wieder einen zurück holen soll. Was meinen Sie?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Der Weltmeister - Shredder 4
besprochen von Peter Schreiner - Dezember 1999 - Teil 1
 
Stefan meyer-kahlenZum Lieferumfang des WM-Paketes von der Firma Millennium 2000 gehört die aktuelle Version von Shredder. Nachdem Stefan Meyer-Kahlen (siehe Bild) im Juni diesen Jahres mit seinem Programm die Offene Computerweltmeisterschaft in Paderborn gewann, stieg die Nachfrage von Seiten der Computerschachfans nach dem WM-Programm natürlich rapide an. Rein kaufmännischen gesehen, wäre es vielleicht durchaus sinnvoll gewesen, es direkt nach der WM zu vermarkten.
 
 
Allgemeines
Wer jedoch den ehrgeizigen Dortmunder Programmierer kennt, der weiß, dass es ihm nicht nur um den schnöden Mammon geht. Natürlich war die eigentliche Engine sehr ausbalanciert und konnte - wie der Turnierausgang ja nachhaltig bewiesen hatte - mit jedem aktuellen Top-Programm mithalten. Andererseits kristallisierte sich während des WM-Turniers in Paderborn eine gravierende Schwachstelle des Programms heraus: die Eröffnungsbibliothek. Shredder kam während der Veranstaltung in mehreren Partien aufgrund seines extrem rudimentären, wenig ausbalancierten Eröffnungsbuches mit sehr ungünstigen, zweifelhaften Stellungen in das Mittelspiel.
 
Dass Shredder trotz der schlechten Bibliothek dieses extrem stark besetzte Turnier gewinnen konnte, dokumentiert u.a. nachhaltig die extrem hohe schachliche Qualität des Programms. In dieser Hinsicht war also dringend Handlungsbedarf angesagt. Nun ist die Entwicklung eines auf die Spielweise eines Programms angepasste Bibliothek keine triviale und vor allem auch eine sehr zeitaufwendige Aufgabe. Außerdem musste ein qualifizierter Experte für die Feinabstimmung zwischen Bibliothek und Schachprogramm gefunden werden.
 
Da für die Entwicklung einer dem Niveau des aktuellen WM-Programm entsprechenden Bibliothek sowieso einige Monate zu veranschlagen waren, blieb noch genug Zeit, auch noch hinsichtlich der Features und der Ausstattung einiges zu unternehmen. Schauen wir uns einmal an, in welchen Punkten sich Shredder 4.0 von seinem ohnehin bereits üppig ausgestattetem Vorgänger unterscheidet.
 
 
Interface
Die Benutzeroberfläche von Shredder 4.0 zeichnet sich nach wie vor durch eine übersichtliche Grafik und logisch durchstrukturierte Menüs aus. Im Unterschied zum Vorgänger wurde zwecks besserer Übersichtlichkeit die Anzahl der maximal verfügbaren Fenster von sieben auf fünf Fenster reduziert. Wie gehabt kann der Anwender jedes Bildschirmelement, also Schachbrett, Analysefenster, Schachuhr, die Farben für sämtliche Bildschirmelemente usw. frei konfigurieren und beliebig auf dem Bildschirm platzieren. Im Unterschied zum Vorgänger gibt es wiederum etliche optische Neuerungen und Verbesserungen, trotzdem wirkt die mit Features und Funktionen reichhaltig ausgestattete Software handlich.
 
Nicht jeder PC (insbesondere ältere Maschinen) ist mit einer Soundkarte ausgestattet; daher gibt es optional zur Ausgabe über die Soundkarte noch einen Piepser aus dem internen PC-Lautsprecher, um den User auf einen Zug aufmerksam zu machen. Neu ist z.B. die Anzeige der Materialbilanz im Zügefenster, wo man auf Anhieb eine konkrete Vorstellung davon bekommt, wie es um die Materialverteilung in der aktuellen Stellung aussieht.
 
Wunderschön finde ich die wahlweise zuschaltbaren digitalen Schachuhren, die nicht nur deutlich hübscher als die ebenfalls noch vorhandene zeilenorientierte Darstellung der Uhr anzuschauen ist, sondern gleichzeitig durch eine farbige Markierung auf Anhieb erkennen lässt, wer momentan gerade am Zug ist. Die 3D-Grafik von Shredder war schon immer ganz ausgezeichnet und gefiel mir von allen bekannten Schachprogrammen schon immer am besten. Wie gehabt - man kann das 3D-Brett direkt mit der Maus drehen, kippen oder in der Größe und Perspektive verändern.
 
Neu ist bei Shredder 4.0 jetzt die Möglichkeit, auch in der 2D-Darstellung zwischen unterschiedlichen Darstellungen des Schachbretts, z.B. Holz, Marmor, etc. auszuwählen. Idealerweise sollte man Shredder auf einem großen Monitor einsetzen, um alle Bildschirmelemente auf einen Blick übersichtlich verfügbar zu haben. Falls Sie noch einen kleineren 15Zoll-Monitor einsetzen, können Sie optional die Titelzeilen der Fenster ausblenden und so etwas mehr Platz für die Fenster gewinnen.
 
Wie bereits aus den vorigen Ausführungen ersichtlich, kann man den Bildschirm vollkommen an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Nun wird es in der Praxis häufig vorkommen, dass man je nach Einsatzzweck unterschiedliche Einstellungen bevorzugt. Bei der Analyse wird man zwecks besserer Übersicht eher das Analysefenster vergrößern und das eigentliche Schachbrett verkleinern wollen. Gleiches gilt auch für das Eröffnungstraining: hier empfiehlt es sich natürlich, den vielfältigen Anzeigen des Buchfensters mehr Platz auf dem Bildschirm zur Verfügung zu stellen.
 
Auch daran hat Stefan Meyer-Kahlen gedacht: man kann beliebig viele Benutzerlayouts speichern und diese je nach Einsatzzweck zu einem späteren Zeitpunkt wieder laden. Es fällt selbst bei sehr kritischer Betrachtungsweise sehr schwer, an dem ausgezeichnet gestalteten, übersichtlichen Interface noch etwas auszusetzen. Einen Ansatz für eine mögliche Verbesserung sehe ich noch darin, dass man die Größe der Schriftfonts in den einzelnen Fenstern nicht benutzerdefiniert auswählen und in der Größe verändern kann. Ansonsten gilt: Shredder bietet eine ausgezeichnete Grafik. Alles ist übersichtlich auf dem Bildschirm platziert und man kann sich auf das wesentliche konzentrieren: nämlich analysieren und Schachspielen.
 
 
Ergonomie
Hinsichtlich des Bedienungskomforts und Ergonomie bietet Shredder ebenfalls ein außerordentlich hohes Niveau. Häufig genutzte Funktionen kann man über eine Funktionsleiste abrufen; wenn man mit dem Mauszeiger etwas länger auf einem Symbol verharrt, wird in einem kleinen Fenster die Bedeutung des Buttons im Klartext angezeigt. Überhaupt stellt man nach kurzer Zeit fest, wie konsequent bei der Entwicklung der Software das Thema Ergonomie beachtet wurde.
 
Per Rechtsklick auf eines der Fenster ruft man kontextbezogenen direkt die wichtigen Funktionen auf, ohne sich umständlich durch verschachtelte Menüstrukturen durchhangeln zu müssen. Klicken Sie z.B. mit der rechten Maustaste auf das Schachbrett von Shredder, können Sie dort direkt das Brett drehen, Stellungen eingeben, die aktuelle Stellung speichern, usw. Ein Rechtsklick auf die Schachuhr genügt, um eine Spielstufe auszuwählen. Dieses benutzerfreundliche Konzept wurde so vorbildlich und konsequent umgesetzt, dass man Shredder 4.0 bei der Benutzerfreundlichkeit der Konkurrenz nur nachhaltig als Vorbild andienen kann.
 
Die Informationsvielfalt des Programms war schon immer eine der Schokoladenseiten des Programms. Über die üblichen Anzeigen zum Suchvorgang, wie z.B. Suchtiefe, Zahl der untersuchten Züge, Zeit, Bewertung, Hauptvariante, Analysen des Permanent Brain, Anzahl der bewerteten Positionen usw. brauchen wir nicht weiter einzugehen, das ist Standard. Wichtiger und vor allem für Einsteiger sehr nützlich ist die namentliche Anzeige von Eröffnungsvarianten mit dem ECO-Code.
 
 
Das Variantenbrett
Als ein echtes Highlight bei den Informationsanzeigen von Shredder 4.0 sehe ich das Variantenbrett an, das es schon beim Vorgänger gab. Die hervorragende Umsetzung dieses Features hatte wohl auch bei der Konkurrenz einiges Interesse geweckt, denn mittlerweile findet man dieses ungemein nützliche Feature bei einer Vielzahl von aktuellen Programmen. Sie sollten von diesem Feature unbedingt reichlich Gebrauch machen.
 
Worum geht es? In der Regel teilt ein Schachprogramm dem User die Informationen über den Rechenvorgang, z.B. Stellungsbewertung, Hauptvariante, usw. in einem Analysefenster mit (das macht Shredder 4 natürlich auch!). Das ist alles ungemein informativ, nur: kaum ein Anwender kann sich nach einigen Halbzügen überhaupt noch eine plastische Vorstellung davon machen, wie die jeweilige Stellung überhaupt aussieht. Deshalb kann man - wenn Shredder rechnet - das Variantenbrett zuschalten. Es gibt dann mehrere Möglichkeiten:
  1. Innerhalb der vom Variantenbrett angezeigten Hauptvariante kann man direkt zu einem beliebigen Halbzug oder zur Anfangs- bzw. Endstellung springen.
  2. Alternativ kann man sich die Hauptvariante automatisch vorführen lassen. Der Anwender kann also jederzeit die Rechenvorgänge des Programms plastisch nachvollziehen, was eine große Erleichterung für das Verständnis der Anzeigen darstellt.
Wie schon erwähnt, wurde der Wert dieses Features recht bald nach Erscheinen Shredder 3 von der Konkurrenz erkannt und Fritz bzw. Genius bieten jetzt auch dieses Feature. Im zweigeteilten Analysefenster werden im unteren Bereich quasi alle Aktivitäten von Shredder protokolliert. Via Rechtsklick in das Analysefenster kann man z.B. die Informationen löschen oder direkt in das Clipboard zu kopieren.
 
Apropo Clipboard: natürlich kann man auch eine Partienotation direkt in die Zwischenablage übernehmen und mit anderen Windows-Anwendungen weiterbearbeiten. Darüber hinaus wird die Hauptvariante mit Zugnummer angezeigt, man kann geladene Partien automatisch vorspielen und Sie sollten öfters einmal mit der linken Maustaste einen Doppelklick in das Zuglistenfenster wagen: prompt wird eine Dialogmaske zur Eingabe von Textkommentaren, Schachsonderzeichen, Zug- und Stellungsbewertung eingeblendet, über die Sie direkt eine umfassende Kommentierung der laufenden Partie vornehmen können.
 
Eines der schönsten PC-Schachbretter mit automatischer Figurenerkennung und LEDs kam von der holländischen Firma TASC, das Smartboard. Leider wird dieses PC-Brett aufgrund patentrechtlicher Streitigkeiten nicht mehr vertrieben. Meiner Ansicht nach war es das beste PC-Brett, das jemals hergestellt wurde. Es gibt aber noch zahlreiche Besitzer des Smartboards, die von den meisten Herstellern aktueller PC-Software und auch TASC selbst ziemlich schmählich im Stich gelassen wurden. Für die zahlreichen User des Smartboards gibt es eine sehr erfreuliche Nachricht, denn Sie können das wunderschöne Brett in Kombination mit dem aktuellen Weltmeisterprogramm benutzen!
 
Insgesamt betrachtet hinterlässt die Benutzerschnittstelle von Shredder 4.0 einen ausgezeichneten Eindruck. Alles ist einfach zu bedienen und trotz des gewaltigen Funktionsumfangs wirkt das Programm sehr handlich und ist watscheneinfach zu bedienen. Nach einiger Zeit hat man sich so an die konsequente Nutzung der rechten Maustaste gewöhnt, das man nur noch in seltenen Fällen den Umweg über die Pull-down-Menüs gehen wird. Berücksichtigt man die Tatsache, dass Stefan Meyer-Kahlen im Unterschied zu seinen Konkurrenten nicht auf Dienste von Spezialisten bei der Entwicklung von Benutzeroberflächen zurückgreifen konnte und die ganze Programmierarbeit - sowohl Interface und Engine - alleine bewerkstelligt hat, dokumentiert dies nachhaltig die Fähigkeiten des Düsseldorfer Programmierers.
 
Erstes Fazit:
Das Interface bietet dem amtierenden Weltmeisterprogramm eine entsprechende Arbeitsumgebung, mit der man hervorragend analysieren und trainieren kann.
 
 
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