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Diagramm 20-2006
 
Diagramm 20 – 2006
Die Stellung sieht auf den ersten Blick harmlos aus. Aber Schwarz am Zuge fand eine hübsche Kombination und stellte die Weichen auf Sieg.
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Der Schweinehund - ein bissiges Schachprogramm!
besprochen von Peter Schreiner - November 2000 - Teil 2
 
 
Spielstärke
Die Algorithmen des Schachmotors basieren offensichtlich auf der von ChessBase vor knapp einem Jahr veröffentlichten Version Nimzo 7.32, die zur Zeit von der SSDF mit einem Wert von 2549 Punkten in Kombination mit einem K6-2 450 MHz auf Rang 5 geführt wird. Zum Vergleich habe ich sowohl Nimzo 7.32 und dem Schweinehund mehrere Stellungen vorgesetzt, u.a. die folgende:
 
Mit einem doppelten Springeropfer entscheidet Weiß die Stellung sofort zu seinem Gunsten. 1.Sf6+!! gxf6 2.Sxh7 fxe5 3.Sf6+ Dxf6 4.Dxf6 1-0.
 
Nimzo7.32 benötigt auf einem relativ langsamen Celeron-Notebook mit 366MHz und 63 MB HashTables 4:38 Minuten und bewertet 1.Sf6! mit +2:83. Der Schweinehund steht dem in nichts nach und benötigt auf dem gleichen Rechner 4:44 Minuten mit einer Bewertung von +2:93. Weitere Überprüfungen mit den beiden Versionen ergaben ein weitgehend identisches Lösungsverhalten, so dass man davon ausgehen kann, dass die Schachengine des Schweinehundes "ungedrosselt" ihre Dienste unter der verspielten Oberfläche verrichtet.
 
Untypisch für ein Mass-Market-Programm ist der Einsatz der TableBases, also den Endspieldatenbanken von Eugene Nalimov. Vereinfacht kann man sich die TableBases als ein gigantisches Nachschlagewerk vorstellen, in dem bestimmte Schachstellungen (Endspiele) gespeichert sind. Die zur Zeit geläufigen Tablebases enthalten für fast alle wichtigen Vier- und Fünfsteiner alle möglichen Stellungskonstellationen , die nach einem vorgegebenen Schema systematisiert sind. Für jede mögliche Position innerhalb einer bestimmten Figurenkonstellation ist eine Information über Gewinn, Remis oder Verlust gespeichert.
 
Falls die Stellung konkret gewonnen oder verloren ist, wird zusätzlich noch die maximale Anzahl von Zügen bis zum Matt angegeben. Ein Schachprogramm mit einer Schnittstelle zu den TableBases kann also eine absolute präzise Angabe über die meisten Drei-, Vier- und Fünfsteiner machen und wird die Werte aus der Endspieldatenbank in der Suche berücksichtigen. Im Lieferumfang des Schweinehundes sind alle Drei- und Viersteiner dabei, die von der Installationsroutine in das Unterverzeichnis Tablebase kopiert werden.
 
Damit aber noch nicht genug. Chrilly Donninger gilt nicht ohne Grund als einer der innovativsten Programmierer in der Szene. So sind im Lieferumfang des Schweinehunds noch weitere Endspieltabellen, diesmal im NCD-Format (= Nimzo-Compressed-Data), das seinerzeit erstmals bei Nimzo 7.32 zum Einsatz kam. Der Effekt ist im Prinzip der gleiche wie bei den TableBases, das Programm schaut in diesen Endspieltabellen nach, ob eine Bewertung zur konkreten Position vorhanden ist. Der Unterschied zu den TableBases besteht darin, dass die NCD-Datenbanken (alle Drei- und Viersteiner) in einem speziellen, komprimierten Format vorliegen und komplett in den Arbeitsspeicher geladen werden können.
 
Im Unterschied zu den TableBases muss das Programm hier nicht auf die Festplatte zugreifen, wo die dauernden Plattenzugriffe die Suche eines Schachprogramms naturgemäß ausbremsen. Der Zugriff auf die im RAM gepufferten Informationen der NCD-Datenbanken ist ungleich schneller und effizienter. Auch die Lernfunktion der Schachengine und die frei konfigurierbaren HashTables sind nicht unbedingt typisch für ein MassMarket-Programm. Insgesamt kann man festhalten, dass die Spielstärke des Schweinehunds auch anspruchsvolle Spieler in vollem Umfang zufrieden stellen dürfte.
 
Was ist aber mit der angestrebten Zielgruppe der Hobby- und Freizeitspieler, die der Schweinehund "gedopt" mit Top-Engine, TableBases usw. gnadenlos niederstrecken dürfte und damit eher verschreckt? Es gibt zum Glück zahlreiche Optionen, die Spielstärke nachhaltig zu drosseln, um den Frust in Grenzen zu halten. So ist es z.B. möglich, das Programm mit einem Handicap (unterschiedliche Materialverteilung oder stark reduzierte Rechentiefe) spielen zu lassen.
 
Alternativ kann man mit einem Schieberegler auf einer Skala regeln, dass der Schweinehund häufig Fehler macht und wie ein Patzer spielt. Es dürfte nun deutlich geworden sein, dass es sich bei dem Schweinehund nicht nur um ein unterhaltsames, mit zahlreichen Gags versehenes Schachprogramm handelt. Das schachliche Potential des Schachmotors dürfte in "ungebremster" Einstellung und in Verbindung mit den frechen Kommentaren des Schweinehunds ohne Zweifel auch gestandene Meisterspieler nachdenklich werden lassen ... ;-)
 
 
Nützliches
Eine der maßgeblichen Vorgaben bei der Entwicklung des Programms war offensichtlich eine einfache und schlüssige Bedienung. Dies wurde konsequent umgesetzt und das Programm überzeugt in allen Bereichen durch die sinnvolle Zusammenstellung der Funktionen. So kann man z.B. mit dem Programm hervorragend analysieren. Am häufigsten wird wohl bei allen Schachprogrammen der Eingabe- bzw. Analysemodus benutzt, bei dem das Programm im Hintergrund rechnet und seine Bewertungen zur aktuellen Stellung einblendet.
 
In Kombination mit der ordentlichen Datenbankschnittstelle hat man alle Grundfunktionen zur Verfügung, um Partien zu analysieren oder übersichtlich zu verwalten. Die Datenbankschnittstelle ist für ein ChessBase-Programm etwas ungewohnt und ist offensichtlich eine Eigenentwicklung der Nimzowerkstatt. Das System beschränkt sich bei der Verwaltung von Partien und Stellungen ausschließlich auf das PGN-Format und stellt im Vergleich zu der sonst von ChessBase gewohnt üppigen Datenbankschnittstelle nur rudimentäre Funktionen zur Verfügung, die aber für die Anforderungen der anvisierten Zielgruppe völlig ausreichend sein dürften. Immerhin kann man die zahlreichen mitgelieferten PGN-Datenbanken gezielt nach den Kriterien Spieler, Ergebnis, Ort usw. durchsuchen.
 
Wie bereits erwähnt, verfügt das Programm über eine Lernfunktion. Falls der Schweinehund während einer Partie aufgrund einer schlechten Bewertung einen Fehler lokalisiert hat, speichert es die Stellung mit dem ermittelten Wert in einer Datei und wird einen anderen Zug ausspielen, falls die Position noch einmal vorkommen sollte. Mit der Funktion AUTOPLAY kann man sich beispielsweise in einer kritischen Stellung die beste Fortsetzung von Champ vorführen lassen; nützlich für die Analyse eigener Partien, aber leider ohne Protokollfunktion oder Druckoption.
 
Im Lieferumfang der CD gibt es fünf unterschiedliche, thematisch klassifizierte (Klassisch, Hypermodern usw.) Eröffnungsbücher zur Auswahl. Wahlweise kann in jedem Buch die Einstellung Zufall - das Programm wechselt häufiger die Varianten - oder ein spezielleres Repertoire ausgewählt werden. Über die Zuordnung einzelner Varianten bezüglich des Eröffnungsstils könnte man diskutieren, anderseits bleibt festzuhalten, dass das Programm in Kombination mit den übrigens ausgezeichnet abgestimmten Eröffnungsbüchern ein sehr variantenreiches Eröffnungsverhalten an den Tag legt.
 
 
Fazit
Der Schweinehund ist ein sehr originell aufgemachtes Multimedia - Schachprogramm, das ohne Zweifel auch schachlich einiges auf dem Kasten hat. Highlight des Programms ist unbestritten die erstklassig animierte Figur des Schweinehunds, den man nach einiger Zeit mit seinen frechen situationsbezogenen Kommentaren nicht mehr missen möchte. Aus eigener Erfahrung kann ich dem Schweinehund einen sehr hohen Unterhaltungswert bescheinigen, der vor allem sehr gut dazu geeignet sein dürfte, Kinder und Jugendliche verstärkt für das Schachspiel zu interessieren.
 
Unterhält man sich mit Laien über das geliebte Hobby, wird man immer wieder mit den Begriffen "langweilig", "zu trocken", usw. konfrontiert. Meiner Meinung nach ist das vorliegende Produkt ideal dazu geeignet, Skeptiker vom Gegenteil zu überzeugen und neue Interessenten für das Schachspiel zu gewinnen.
 
Natürlich wurde im Vergleich zu Chrilly Donningers Highend-Versionen vor allem beim Funktionsumfang einiges zurückgenommen. Dies sehe ich aber nicht unbedingt als einen Nachteil an, zumal die schachliche Grundsubstanz bei dem vorliegenden Programm absolut erstklassig ist und damit auch für starke Spieler eine sehr ernste Herausforderung darstellt. Absolut empfehlenswert! Der Schweinehund wird in Anbetracht der Zielgruppe auch in den Auslagen der Kaufhäuser, Buchhandlungen und natürlich im Fachhandel für 69,90.- DM erhältlich sein.
 
Peter Schreiner
 
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