Logo "blaue" Seiten

 
 
 
 
- Anzeige -
Für den Erwerb von Schachartikeln empfiehlt Ihnen der SC Leinzell den
 Schachversand Dreier 
 
 
Testen Sie Ihr Schach!
 
Diagramm 21-2006
 
Diagramm 21 – 2006
Weiß fand hier einen eleganten Weg, das Problem mit seiner angegriffenen Dame zu lösen. Sie können es ihm sicher gleichtun?!
 zur Lösung 
 
 
 
 
zur Startseite
 News | Sitekalender | Sitemap | Team | Kontakt 
Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Der Schweinehund - ein bissiges Schachprogramm!
besprochen von Peter Schreiner - November 2000 - Teil 1
 
Chrilly DonningerRückwirkend betrachtet gehören die verschiedenen Nimzoversionen des Österreichers Dr. Christian Donninger zu den besonders häufig besprochenen Schachprogrammen in der Rochade Europa. Dafür gibt es einen plausiblen Grund: die konzeptionelle Ausrichtung der vorgestellten unterschiedlichen Programmversionen ist erstaunlich vielfältig. Neben Nimzo2000, Nimzo99, Nimzo 7.32 oder dem aktuellen Nimzo 8.0, die sich bei der Spielstärke als auch im Funktionsumfang eher an Turnierspieler richten, hat der routinierte Profi Donninger mit der Mephisto-Schachschule oder diversen Multimedia-Programmen nie die Zielgruppe der Hobby- und Amateurspieler aus den Augen verloren.
 
Computerschachprofis stehen heutzutage unter einem unglaublichen Druck. Bleiben über einen kürzeren Zeitraum spektakuläre Erfolge aus, wirkt sich das in der Regel drastisch auf die Verkaufsumsätze des Programms und damit auf die eigene Lebensgrundlage aus. Zudem ist es für viele User aufgrund der hohen Leistungsdichte an der Spitze immer schwieriger auszumachen, welchem Programm er denn nun den Vorzug geben soll. Tatsache ist nun einmal, dass die heutigen Spitzenprogramme für die meisten Schachspieler viel zu stark sind und die Differenz von einigen Elopünktchen reicht als alleiniges Verkaufsargument schon lange nicht mehr aus. Aus diversen Zuschriften unserer Leser wissen wir, dass sich viele Anwender häufig mit dem komplexen Funktionsumfang der aktuellen Programmgeneration überfordert fühlen.
 
Dies trifft natürlich erst recht auf die Zielgruppe der Hobby- und Gelegenheitsspieler zu, die sicher kaum Wert auf Spezialfunktionen wie Enginematches, EPD-Analyse, usw. legt, sondern vor allem neben einfacher Bedienung an einer ansprechenden Oberfläche, Gimmicks, Multimedia, usw. interessiert ist. Die wenigen Profis in der Computerschachszene erstellen daher auch Programmversionen, die sich konzeptionell vor allem an den schachinteressierten Hobbyspieler wenden. Dazu gehört eindeutig die neueste Kreation aus der Nimzowerkstatt, der "Schweinehund".
 
Hinter dem spektakulären Namen steckt ein überaus gelungenes Multimedia-Programm mit teilweise sehr witzigen Animationen, das von Chrilly Donninger in Kooperation mit ChessBase entwickelt wurde. Natürlich werden sich viele Leser über die doch deftige Produktbezeichnung etwas wundern und wir sollten daher vorab schon einmal die Frage abklären, wie der originelle Produktname zustande gekommen ist.
 
 
Das Konzept
Während einer Partie wird der Anwender mit einem recht "vorlauten" Gegner konfrontiert, eben dem Schweinehund. Dies wird im Programm mit einer großen Anzahl von erstklassig realisierten Videoanimationen realisiert, die eine Art Bulldogge darstellen, die sich immer wieder mit situationsbezogenen Kommentaren in die laufende Partie einmischt. Der Vorrat an witzigen Kommentaren scheint geradezu unerschöpflich zu sein. Obwohl ich das Programm über einen längeren Zeitraum intensiv genutzt habe, konnte ich kaum Wiederholungen feststellen. Sieht man einmal von den wirklich witzigen und unterhaltsamen Effekten ab, muss man den Entwicklern hinsichtlich der technischen Realisierung ein Kompliment aussprechen, denn:
  1. Die Synchronisation zwischen der animierten Darstellung des kecken "Schweinehundes" und der Sprachausgabe war sicher alles andere als trivial und funktioniert perfekt!
  2. Die Einblendung solch animierten Sequenzen macht natürlich nur dann Sinn, wenn die Kommentare zum aktuellen Spielgeschehen passen. Auch dies wurde offensichtlich sehr effektiv gelöst, denn das Programm stellte im Betrieb mit durchweg passenden Kommentaren zur Partie eine gewisse Eigenintelligenz nachhaltig unter Beweis.
Dieser Effekt wurde offensichtlich durch eine Verknüpfung mit der Stellungsbewertung des Programms realisiert. Chrilly Donninger ist nicht nur ein überaus innovativer Softwareentwickler, sondern auch ein bemerkenswert humorvoller Zeitgenosse, wovon ich mich bei mehreren Zusammentreffen persönlich überzeugen konnte. Diese Eigenschaft seines geistigen Vaters hat sich offensichtlich auch auf den "Schweinhund" übertragen, den der Anwender als humorvollen, manchmal aber auch rüpelhaften Spielpartner erlebt und nach kurzer Zeit keinesfalls mehr missen möchte.
 
Für den "seriösen" Part ist der bekannte Großmeister Dr. Helmut Pfleger zuständig. Im Lieferumfang des Programms befinden sich einige repräsentative Partien von den bekanntesten Spieler der Schachgeschichte, die von Dr. Pfleger in diversen Videosequenzen kommentiert und mit Anekdoten und Hintergrundinformationen in bewährter Manier anschaulich präsentiert werden.
 
 
Installation und Systemausstattung
Der Schweinehund ist einfach und komfortabel zu installieren. Falls genügend Festplattenspeicher zur Verfügung steht, sollte unbedingt die Option wahrgenommen werden, die Animationen (ca. 80 MB) auf die Festplatte zu kopieren. Der Zugriff von der Platte aus ist bedeutend flüssiger und man muss nicht permanent die CD im Laufwerk liegen lassen. Ansonsten sind die Systemvoraussetzungen nicht weiter exotisch. Das Multimedia-Programm profitiert natürlich von einem schnellen Rechner, lief im Test auf einem mittlerweile veralteten P 200 / MMX mit 64 MB RAM aber ohne Probleme. Ich habe die mir vorliegende Betaversion des Programms unter den gängigsten Windows-Versionen Win95/98 getestet.
 
Fazit: unter Win 98 lief der Schweinhund einwandfrei, unter Win95 gab es eine minimale Einschränkung bei der Darstellung der Videosequenzen mit Dr. Pfleger, die nur verzerrt wiedergegeben wurden. Das Problem ist aber einfach zu lösen. Die Videosequenzen haben den Videocodec IR32, der zwar eine deutliche bessere Qualität bietet, in Win95 aber noch nicht enthalten war. Im Handbuch findet man eine präzise Anleitung, wie man den neuen Codec beziehen und über die Systemsteuerung von Windows nachinstallieren kann. Damit steht dann auch unter Win95 dem ungetrübten Genuss der Pfleger-Videos nichts mehr im Weg.
 
 
Der erste Eindruck
Der Schweinehund wird zwar von ChessBase vertrieben, aber er unterscheidet sich grundlegend von dem sonstigen Erscheinungsbild der CB-Programme. Das Bildschirmdesign ähnelt von der Aufteilung her den früheren Nimzo-Versionen, z.B. Nimzo 2000. Wie bei Nimzo2000 erkennt man deutlich die Handschrift der Nimzowerkstatt, z.B. wird nicht für jedes Element eine eigene Fensterdarstellung eingeblendet; auch die unter Windows üblichen Pull-down-Menüs sucht man vergeblich.
 
Das ist aber keineswegs nachteilig zu bewerten, ganz im Gegenteil. Der aufgeräumte, übersichtliche Bildschirm mit dem großen 2D-Brett und allen essentiell wichtigen Informationsanzeigen wie z.B. Schachuhr, Hauptvariante usw. hinterlässt einen außerordentlich positiven Eindruck. Neben dem Schachbrett findet man vier Buttons, über die man die wichtigsten Funktionen, z.B. eine neue Partie, abrufen kann. Natürlich verfügt das Programm über zahlreiche Optionen und Funktionen, die man bei anderen Programmen über Pull-down-Menüs abrufen kann.
 
Der Schweinehund hat keine Pull-down-Menüs, bietet dafür eine pfiffige Alternative an. Ein Rechtsklick auf das Interface ruft eine separate Dialogbox auf, die übersichtlich in sieben unterschiedliche Kategorien untergliedert ist und über die man auf sämtliche Funktionen des Programms zugreifen kann. Mit einem Klick auf den Reiter Brett hat man sofort Zugriff auf alle Funktionen, die sich auf die Einstellungen des Brettlayouts beziehen.
 
Highlight ist natürlich der Abschnitt mit dem dauernd eingeblendeten Schweinehund neben dem Schachbrett. Es ist einfach faszinierend, dass man schon an der Mimik des virtuellen Gegners genau erkennen kann, wie es um die Partie steht. Wer es präziser in Zahlenwerten wissen möchte, findet natürlich unter den Navigationsbuttons die klassische Anzeige der Hauptvariante (kann ausgeschaltet werden) mit Stellungsbewertung, bestem Zug, bewertete Stellungen pro Sekunde usw.
 
Bemerkenswert ist neben der ausgezeichneten Synchronisation von Animation und Sprache vor allem die detailgetreue Mimik des Schweinehundes. Wenn ihr Gegner z.B. dezent die Nase über ihren letzten Zug rümpft, wird dem Anwender kaum bewusst sein, mit welchem Aufwand das Modelling, bzw. die Konstruktion des Hundegesichts gestaltet wurde. Fakt ist, dass hier offensichtlich sehr fortgeschrittene Animationsalgorithmen verwandt wurden, die zu den besten gehören, die ich bisher gesehen habe. Kompliment an die Entwicklungsabteilung!
 
Alternativ gibt es natürlich die Option, den Schweinehund ganz aus der Partie herauszuhalten und stattdessen ein Notationsfenster einzublenden. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass diese Option nur von sehr humorlosen Zeitgenossen wahrgenommen wird ...
 
Ansonsten möchte ich noch hervorheben, dass man den Bildschirm flexibel einstellen kann. Man kann zwischen mehreren Figurensätzen, analoger oder digitaler Schachuhr wählen und vorgeben, welche Informationen zum Suchvorgang dargestellt werden sollen oder nicht. Es gibt einen weiteren Aspekt, der mir ebenfalls wichtig erscheint. Die Highend-Schachprogramme bieten mittlerweile sehr komplexe Features, mit denen der Gelegenheitsspieler häufig überfordert ist.
 
Der Schweinehund überzeugt vor allem durch intuitive Bedienung und sinnvolle Funktionen, die sich auf das wesentliche konzentrieren. Dieses Konzept dürfte mit Sicherheit nicht nur Hobbyspieler, sondern auch etliche Vereinsspieler, die sich weniger für Enginematches, EPD-Analysen usw. interessieren, ansprechen.
 
 
zum Seitenanfang zurück | Teil 2