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Diagramm 16-2006
 
Diagramm 16 – 2006
Schwarz am Zuge benötige hier nur noch zwei Züge, um den Anziehenden zur Aufgabe zu bewegen. Wie setzte er fort?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Bewährte Konzepte - Rebel 11.0 + Rebel Tiger
besprochen von Peter Schreiner - Februar 2001
 
RebelSchachsoftware der holländischen Firma Schröder B.V. mit der Internetadresse www.rebel.nl ist seit vielen Jahren ein Garant für hohe Produktqualität. Seit Ende November ist nun die neueste Version des Rebel-Programms von Ed Schröder mit der Versionsnummer 11 im Handel. Im Unterschied zu früheren Versionen wurde der Lieferumfang auf der CD bedeutend erweitert. Neben dem bewährten, anerkannt starken DOS-Programm Rebel Century von Ed Schröder bekommt der Kunde nun als "Dreingabe" das spielstarke Windows-Programm Chess Tiger 13.0 von Christophe Theron dazu. Darüber hinaus bietet die CD einen beachtlichen Lieferumfang, der auch anspruchsvolle Kunden rundum zufrieden stellen sollte.
 
 
Lieferumfang
Neben der Hauptengine gibt es noch als Zugabe eine zweite Engine von Christophe Theron mit der Bezeichnung Gambit Tiger 1.0, die aufgrund eines spektakulären Spielstils vor allem in den gängigen Computerschachforen für Aufsehen sorgte und aufgrund ihres eigenständigen, originellen Spielverhaltens als echte Bereicherung des Paketes angesehen werden kann. Als weitere Engine für das von Lokasoft entwickelte Windows-Interface steht noch eine ältere Century-Version (Version 2.0) zur Verfügung, die leider nur als Analyseengine und nicht als Spielprogramm eingesetzt werden kann.
 
Falls Sie Interesse an dem Programm haben sollten, können Sie sich vorab einen Eindruck von der Funktionalität des Windows-Programms verschaffen. Unter www.lokasoft.nl/uk steht eine auf 30 Tage begrenzte Testversion (allerdings ohne die Tiger-Engines) zum Download bereit, mit der man sich einen sehr guten Eindruck über die Möglichkeiten der Windows-Gui verschaffen kann. Bei beiden Programmen stammen die Eröffnungsbibliotheken von einem der führenden Experten, nämlich dem langjährigen Buchautoren der Rebel-Programme, Jeroen Noomen. Der Lieferumfang der CD-Rom wird mit einer großen Partiendatenbank von über 800 000 Partien, der CAP-Datenbank von Dan Corbit sowie der neuen CAT-Datenbank mit über 1 Millionen analysierter Positionen abgerundet, auf die Rebel während des Suchvorgangs zugreifen kann.
 
Im Grunde genommen bekommt der Kunde mit Rebel 11.0 zwei eigenständige Programme in die Hand. Im folgenden Text nehmen wir die Ausstattungsmerkmale des DOS-Programms Rebel-Century 3.0 etwas genauer unter die Lupe. Die Ausstattungsmerkmale des Windows-Programms werden dagegen in dem Extraartikel über Rebel-Tiger 2.0 beschrieben.
 
 
Rebel Century 3.0
Zu dem DOS-Programm Rebel von Ed Schröder habe ich eine ganz besondere Beziehung, da es vor einigen Jahren das erste von mir für die RE besprochene Schachprogramm war. In Punkto Spielstärke und Funktionsumfang braucht sich das über die Jahre gereifte Programm nicht zu verstecken, keine Frage. Mittlerweile schreiben wir aber das Jahr 2001 und Windows inkl. der entsprechenden Applikationen hat sich schon seit einigen Jahren fest etabliert. Insofern dürfte es für den Autoren schwierig werden, trotz der zahlreichen konzeptionellen Vorzüge von Rebel, die Anwender für das DOS-Programm mit den bekannten Nachteilen zu erwärmen.
 
Nach vielen Gesprächen und Diskussionen weiß ich, dass viele Schachfreunde das ähnlich beurteilen und DOS-Software kaum noch akzeptiert wird. Bevor ich auf die funktionellen Neuerungen des Programms eingehe, verweise ich die interessierten Leser zwecks Vermeidung von leidigen Wiederholungen auf meine Besprechung von Rebel 10.0. Dort finden Sie eine ausführliche Beschreibung über die komplexen Datenbankfunktionen und Ausstattungsmerkmale des Programms, die alle noch in der aktuellen Version implementiert sind.
 
Kommen wir zuerst einmal zu den Systemvoraussetzungen. Rebel Century 3.0 läuft einwandfrei unter den Windows-Versionen Win95/98/ME und Win2000. Unter dem Windows NT geht (wie bereits in der Vergangenheit) gar nichts. Sieht man einmal davon ab, dass typischer Windowskomfort (z.B. kein Support der Zwischenablage und die rudimentären Gestaltungsoptionen für den Bildschirm) nicht mit dem DOS-Programm zur Verfügung steht, muss man Ed Schröder bescheinigen, dass die Software von der Installationsroutine unter Windows problemlos eingebunden wird und zufriedenstellend läuft.
 
Aus meiner subjektiven Sicht besteht das Hauptmanko darin, dass die Oberflächendarstellung von Rebel auf den mittlerweile weit verbreiteten, großformatigen Bildschirmen aufgrund der niedrigen Bildwiederholfrequenzen unter DOS alles andere als ergonomisch ist. Ist die Bildschirmgrafik auf einem 17-Zöller noch einigermaßen akzeptabel, hört bei einem 19-Zöller oder höher der Spaß einfach auf. Dies wird viele Anwender einfach davon abhalten, sich über einen längeren Zeitraum mit dem Programm zu beschäftigen.
 
Insofern muss sich der Autor einfach eine Lösung einfallen lassen, wie die Perspektive des Programms langfristig ausschauen soll. Ansonsten sehe ich die Gefahr, dass Rebel über kurz oder lang in der Computerschachszene keine Rolle mehr spielen wird, was aufgrund des unbestritten sehr hohen Potentials der Software ein Jammer wäre. Betrachten wir nun einmal einige der wichtigen Neuerungen des ohnehin schon sehr üppig ausgestatteten Programms.
 
 
CAP, CAT + EOC
Ein bewährtes Highlight von Rebel ist der Positionsbaum EOC, der auf der Basis einer sorgfältig editierten Partiendatenbank erstellt wurde und quasi als erweiterte Eröffnungsbibliothek eingesetzt werden kann. In der Eröffnungsphase zeigt das Programm zu jeder Stellung umfangreiche Statistiken an, die dem Anwender eine konkrete Vorstellung davon vermitteln, wie die Qualität einer bestimmten Fortsetzung einzuschätzen ist. Die Daten aus CAP basieren auf dem Computer Analysis Project von Dan Corbit, der über Jahre hinweg eine riesige Datenbank aufgebaut hat, die nur Bewertungen von Computerprogrammen zu bestimmten Stellungen enthält.
 
Die Bewertungen dieser Datenbank werden unterhalb des Brettes angezeigt und bieten eine weitere Orientierungshilfe. CAP ist beispielsweise auch ein Bestandteil von Chess Assistant 5.1, wo die Computeranalysen ebenfalls auf Wunsch angezeigt werden. Eine echte Neuerung ist das in der Rebel-Terminologie als CAT bezeichnete neue Datenformat. Diese Datenbank funktioniert prinzipiell analog zu EOC, enthält aber im Unterschied zu EOC nur Computeranalysen. Dies bedeutet, dass Rebel wie bei EOC direkt auf die in der Datenbank gespeicherten Analyseergebnisse zugreifen kann und dadurch wertvolle Rechenzeit spart. Der Anwender hat die Möglichkeit, eigene CAT-Datenbanken zu generieren. Die Anzeigen und Statistiken sind im wesentlichen analog zu EOC und bieten ein zusätzliche Orientierungshilfe, z.B. bei der Beurteilung eines konkurrierenden Schachprogramms.
 
Falls Sie der Aussagekraft von Computeranalysen skeptisch gegenüber stehen, werden Sie dem Wert dieses Features eventuell misstrauisch gegenüber stehen. Wir sind aber der Ansicht, dass die Vorzüge überwiegen. Zum einen ist das Feature optional und kann deaktiviert werden. Prinzipiell ist auch gegen eine zusätzliche Orientierungshilfe bei der Beurteilung von Schachpositionen nichts einzuwenden. CAT spielt seine Stärken vor allem im praktischen Spiel aus. Rebel Century kann die Informationen aus dieser Datenbank während der Suche verwenden und erreicht dadurch wesentlich höhere Suchtiefen!
 
Die CAT-Datenbanken sind leicht zu erweitern, z.B. durch den Import von EPD, und man kann sowohl Stellungen als auch komplette Partien inkl. Bewertung darin speichern. Wenn Sie nach einigen Partien einen Blick in das Rebel-Verzeichnis werfen, werden Sie neben den mitgelieferten CAT-Datenbanken noch eine von Rebel automatisch generierte CAT-Datenbank vorfinden. Rebel Century ist lernfähig und speichert jede berechnete Stellung in der Datei "reblearn.eoc" ab. Man kann diese Informationen ebenfalls in jede beliebige CAT-Datenbank übernehmen.
 
Leider bietet Rebel-Century 3.0 noch keine Schnittstelle zu den Nalimov-Datenbanken und fällt damit im wichtigen Endspielsektor in Punkto Informationsgehalt gegenüber Eröffnung und Mittelspiel deutlich ab. Wir wollen es an dieser Stelle nicht versäumen, auf die außerordentlich gelungene Datenbankschnittstelle des Programms inkl. der deutlich komplexeren Suchoptionen hinzuweisen. Im Lieferumfang des Programms findet man zusätzlich noch eine Partiendatenbank mit über 800 000 Partien, die nach vielfältigen Kriterien, z.B. Positionen, Materialkonstellationen usw. durchforstet werden kann.
 
 
Spielstärke
Seit Jahren geht Rebel der Nimbus voraus, besonders stark gegen Menschen zu spielen. Wie die überzeugenden Resultate der letzten Jahre beweisen, nicht zu Unrecht. Ed Schröder kann mit seinem Programm auf eine außerordentlich gute Bilanz im Spiel gegen menschliche Titelträger zurückschauen und sucht immer wieder die Auseinandersetzung mit starken menschlichen Schachspielern. Anfang Januar 2001 spielte Rebel Century 3.0 gegen den niederländischen GM John van der Wiel, der sich bereits bei den früheren Aegon-Turnieren einen Ruf als "Computerkiller" erworben hat. Die Bedenkzeitregelung mit 40 Zügen/2 Stunden + 60 Minuten für den Rest der Partie kam dem menschlichen Gegner entgegen. Trotzdem konnte sich Rebel Century 3.0 mit 3,5:2,5 Punkten gegen den Top-Spieler durchsetzen. Eine Partie aus diesem Match:
 
Van der Wiel (Elo 2558) - Century 3.0 Maastricht, 09.01.2001
1.c4 c5 2.g3 Sf6 3.Lg2 d5 4.cxd5 Sxd5 5.Sc3 Sc7 6.Da4+ Ld7 7.Db3 Lc6 8.Lxc6+ Sxc6 9.Dxb7 Sd4 10.Sf3 Tb8 11.De4 f5 12.Dd3 g6 In der 1996 gespielten Partie Banikas-Borgo folgte 12...Dd6 13.b3 e5 14.La3 Dc6. 13.0-0 Lg7 14.Dc4 Sxf3+ 15.exf3 Dd4 16.Da4+ Dxa4 17.Sxa4 Se6 18.Tb1 c4 19.b3 cxb3 20.Txb3 Txb3 21.axb3 Kf7 22.Lb2 Lxb2 23.Sxb2 Sd4 Trotz der zahlreichen Abtäusche und dem damit verbundenen reduzierten Material hat Rebel eine aktive Stellung behalten. 24.Ta1 Sxf3+ 25.Kg2 Sxd2 26.b4 Vorzuziehen war wahrscheinlich 26.Txa7 Sxb3 27.Sc4 wonach Schwarz es bedeutend schwerer hat, seinen materiellen Vorteil zu verwerten. 26...Tb8 27.Sd3 Tb7 28.Ta6 Sc4 29.h4 e5 30.Tc6 e4 31.Txc4 exd3 32.Td4 Ke6 Das folgende Endspiel wird von Rebel ganz konsequent verwertet. 33.Kf3 d2 34.Ke2 Td7 35.Txd7 Kxd7 36.Kxd2 Kd6 37.Kc3 Kd5 38.f3 h6 39.Kb3 Kd4 40.Ka4 Ke3 41.f4 Kf3 42.Ka5 Kxg3 43.Ka6 Kxh4 44.Kxa7 g5 45.fxg5 hxg5 46.b5 g4 0-1
 
Gegen andere Computer scheint es zumindest bei Partien, die via Autoplayer 232 ausgetragen werden, Probleme zu geben und daher sind die Ergebnisse mit großer Vorsicht zu interpretieren. Generell gab es bei Rebel schon immer Probleme diesem Tool, ein weiteres Indiz dafür, dass bei der Implementierung des Auto 232 in Rebel etwas schiefgelaufen ist, ist die Platzierung der neuen Version in der aktuellen SSDF-Liste vom Dezember 2000. Dort wird die Kombination Rebel Century 3.0/K2/2 450 MHz in Relation zu anderen Programmen auf Platz 11 mit "nur" 2520 Punkten geführt. Auch in unseren Tests konnten wir feststellen, dass sich via Autoplayer produzierte Fehlzüge im nachhinein nicht reproduzieren ließen. Deutlich positiver fallen die Resultate von Rebel Century 3.0 gegen andere Computer aus, wenn Sie ohne Autoplayer zustande gekommen sind. Es dürfte an dieser Stelle genügen, auf das gute Abschneiden des Programms bei der Mikro-WM 2000 in London hinzuweisen.
 
 
Fazit
Wenn man die beiden im Lieferumfang der CD enthaltenen Programme Rebel Century und Rebel Tiger gemeinsam betrachtet, kann man feststellen, dass sie sich gut ergänzen. Ich würde es aber vorziehen, wenn es bei der kommenden Version zu einer Verschmelzung der Vorzüge beider Programme kommen würde. Rebel Century 3.0 bietet einen wirklich exzellenten Funktionsumfang, der aber aufgrund der minderwertigen DOS-Grafik stark entwertet wird. Rebel Tiger bietet dagegen die augenschonende Grafik und fast alle Vorzüge eines Windows-Programms, fällt aber bei der Datenbankschnittstelle und im Funktionsumfang gegenüber Rebel Century 3.0 ab. Positiv beurteilen wir noch die Tatsache, dass das Produkt den Anwender nicht mit lästigen Kopierschutzverfahren traktiert. Die CD Rebel 11.0 kostet im Fachhandel 129,- DM, für das Update sind 89,- DM fällig. Dafür bekommt der Interessent in Punkto Spielstärke von beiden mitgelieferten Programmen einen absolut erstklassigen Gegenwert.
 
Peter Schreiner
 
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