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Diagramm 17-2006
 
Diagramm 17 – 2006
In dieser Stellung verspeiste Weiß ohne Argwohn den Bauern auf e5. Dieser war jedoch vergiftet. Was hatte Weiß übersehen?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Rebel 10.0 - Spitzenschach unter Dos
besprochen von Peter Schreiner - November 1998 - Teil 4
 
 
Höchstleistung gegen Menschen
In Verbindung mit den heutzutage üblichen schnellen Maschinen sind die meisten Programme auf Blitz- und Schnellschachstufen selbst für absolute Top-Spieler kaum noch zu besiegen. Der Gründe dafür sind bei näherer Betrachtung ziemlich offensichtlich: während die Fehlerquote von Menschen gerade bei kurzen Bedenkzeiten überproportional ansteigt, unterlaufen den Schachprogrammen - zumal auf superschnellen Maschinen - auch bei sehr kurzen Bedenkzeiten keine taktische Fehler. Insofern ist die Aussagekraft der von den diversen Herstellern besonders gern zitierten Ergebnisse hinsichtlich der spielerischen Qualitäten eines Programms zu relativieren.
 
Etwas anders sieht die Angelegenheit aus, wenn Titelträger bei längeren Bedenkzeiten gegen Computer verlieren, da hier die taktischen Einbrüche wesentlich seltener vorkommen und ein Schachprogramm auch eine gehörige Portion Position- und Endspielwissen mitbringen muss, um in einer solchen Auseinandersetzung erfolgreich zu bestehen. Wer sich intensiv mit Computerschach beschäftigt, weiß genau, dass im Spiel von Computern untereinander ganz andere Gesetzmäßigkeiten vorherrschen, als dies im Spiel gegen einen menschlichen Titelträger der Fall ist.
 
Betrachtet man einmal rückwirkend die Ergebnisse von Rebel in den letzten Jahren gegen Menschen, ist es ganz offensichtlich, dass die Software von Ed Schröder in dieser Disziplin eindeutig die besten Resultate von allen kommerziellen Programmen aufweist. Der Autor selbst unterstreicht immer wieder, dass es ihm wichtiger ist, gute Ergebnisse gegen Menschen als gegen die elektronische Konkurrenz zu erzielen. Bei den Aegon-Turnieren (Mensch - Computer) in Den Haag wurde immer mit längeren Bedenkzeiten gespielt und Rebel erreichte hier ausgezeichnete Resultate:
AEGON 94: ELO 2470 (Rebel 6)
AEGON 95: ELO 2473 (Rebel 7)
AEGON 96: ELO 2530 (Rebel 8)
AEGON 97: ELO 2619 (Rebel 9)
 
In 24 Partien gegen z.T. starke Titelträger wie GM Vaganjan, GM Christiansen, GM Timoshchenko oder IM S.Polgar erzielte das Programm eine TPR mit einem Score von über 70% deutlich über 2500 Elo - und das auf mittlerweile total veralteter Hardware! Im Juni 1997 spielte ein Prototyp von R9 ein Match mit verschiedenen Zeitkontrollen gegen GM Yusupov (Elo 2665) und gewann diese Auseinandersetzung ebenfalls deutlich mit 10,5 - 6,5 Punkten. Allerdings muss man anmerken, dass hier in erster Linie Blitz- und Schnellschach gespielt wurde; aber gegen einen erfahrenen GM mit 2665 Elo muss man schon über ein sehr gutes schachliches Niveau verfügen, um solche Resultate zu erringen.
 
Sein Meisterstück legte Rebel 10 im Juli diesen Jahres auf der italienischen Mittelmeerinsel Ischia ab. Dort traf Rebel mit GM Anand zum ersten Mal auf einen Spieler der absoluten Weltspitze, der zudem als einer der besten Blitz- und Schnellschachspieler gilt. Vor diesem Match wurde eigentlich nur darüber spekuliert, in welcher Höhe Rebel wohl von dem Inder abgefertigt werden würde, da dieser Computer seit Jahren zum Training einsetzt und daher über die typischen Stärken und Schwächen bestens im Bilde sein musste.
 
Überraschendes Fazit: Rebel 10 konnte sich gegen einen der weltbesten Schnellschachexperten mit 4,5-1,5 Punkten unerwartet überlegen durchsetzen! Welche Aussichten hat ein kommerzielles Programm auf einem Top-PC gegen einen GM mit 2795 Elo im Turnierschach? Zur Klärung dieser Frage können wir uns bis jetzt lediglich an den beiden in Ischia gespielten Turnierpartien orientieren. Die erste Partie ging Remis aus, die zweite Partie konnte Anand für sich entscheiden und damit zumindest in der Königsdisziplin des Schachspiels noch die Oberhand behalten.
 
Wer hätte das vor kurzem überhaupt für möglich gehalten, dass ein PC-Programm auf einem handelsüblichen PC gegen einen GM der absoluten Weltklasse ein Remis schaffen könnte? Für mich liegen die Gründe für die Erfolge von Rebel 10 einfach darin begründet, dass Ed Schröder die Software optimal ausbalanciert hat. Rebel versteht eine ganze Menge vom Schach und verfügt über effektiv implementiertes Positionswissen. Trotzdem kommt die Ausführungsgeschwindigkeit nicht zu kurz und Rebel 10 ist zu hervorragenden taktischen Leistungen im Blitz- oder Schnellschach fähig. Berücksichtigt man noch das ausgezeichnete Endspielverhalten des Programms, bildet die Summe der Eigenschaften ein Spitzenprogramm, das ein sehr gepflegtes, fast menschlich anzuschauendes Schach spielt.
 
 
Einige Impressionen
Generell merkt man Rebel 10 an, dass ein auf jahrelanger Erfahrung basierendes KnowHow in die Entwicklung eingeflossen ist. Besonders gut gefällt mir, dass das Programm sehr sauber programmiert ist und etliche in der Schachprogrammierung vorkommenden Fallstricke souverän umgeht. Rebel 10 beherrscht z.B. einwandfrei alle Formen der Unterverwandlung, besitzt Kenntnisse des zum Mattsetzen notwendigen Materials, kennt die Bedeutung des "falschen" Läufers im Endspiel, zeigt zuverlässige Mattanzeigen an und kennt sich insbesondere mit häufig vorkommenden Bauernformationen und deren Behandlung gut aus.
 
Elementare Endspiele, insbesondere Bauern- und Turmendspiele beherrscht das Programm sicher und kennt sich auch mit einigen seltener vorkommenden Sonderfällen sehr gut aus. So beherrscht Rebel 10 z.B. einwandfrei das Mattsetzen mit S+L gegen den König, kennt die gängigen Bauernquadratregeln usw. Wie die Erfahrung immer wieder zeigt, ist das längst keine Selbstverständlichkeit. Auch das Verhalten in Punkto Königssicherheit wurde verbessert und es behandelt insbesondere Stellungen mit entgegengesetzten Rochaden ganz ausgezeichnet und systemgerecht. Die maximale Rechentiefe des Programms beträgt stolze 60 Halbzüge, was nicht nur in der Theorie für ein Matt in 30 Zügen ausreicht.
 
Eine für Tester hochinteressante Funktion ist die neu implementierte Anti-GM-Option. Schon bisher konnte man die Parameter der Rebel-Engine in bestimmten Grenzen bei der Suche beeinflussen. Die Anti-GM-Funktion soll insbesondere im Spiel gegen Menschen für noch bessere Ergebnisse sorgen. Bei Aktivierung dieser Option geht Rebel davon aus, dass der Gegner ein GM ist und versucht daher, Komplikationen anzustreben, um die taktischen Stärke voll ausspielen zu können. Die Funktion kann in vier Schritten modifiziert werden:
  1. AUS = Rebel agiert in diesem Modus streng positionell.
  2. AKTIV = die Funktion ist in engen Grenzen aktiv und das Programm wird nur geringe Komplikationen anstreben.
  3. STARK = Rebel nutzt in diesem Modus jede Möglichkeit, die Situation zu verkomplizieren.
  4. SMART = entspricht der Grundeinstellung und wird von Ed Schröder empfohlen.
Diese Funktion scheint mir nur für experimentierfreudige Tüftler interessant zu sein, da sie sich unter Umständen in anderen Positionen negativ auswirken kann. Zusätzlich wurde eine spezielle taktische Suchfunktion speziell für die Lösung komplexer taktischer Aufgaben implementiert, die Schlüsselzüge deutlich schneller als die normale Suche aufspüren soll. Dieser Suchalgorithmus kann bei Bedarf zu Testzwecken unter dem Menüeintrag KOMBINATION = AUS abgeschaltet werden.
 
Wie schon die Vorgänger-Versionen ist Rebel 10 also ein überaus starkes, sauber programmiertes Schachprogramm mit fundamentalem Positions- und Endspielwissen. Inwieweit die Annahme von Ed Schröder zutrifft, dass Rebel 10 ca.50 Elopunkte im Spiel gegen Menschen zugelegt hat, konnte in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht überprüft werden. Aufgrund meiner Tests und Eindrücke scheint die neue Version aber zugelegt zu haben und vor allem noch druckvoller zu spielen. Besonders gut gefällt mir das fast menschliche Spielverhalten des Programms, das aufgrund seines komplexen Wissens einen sehr gediegenen Spielstil pflegt.
 
 
Support und Produktpflege
An dieser Stelle möchte ich einmal den hervorragenden Support des Hauses Schröder B.V. hervorheben, der meiner Ansicht nach die Möglichkeiten des Internets optimal ausnutzt. Die Seiten vermitteln quasi Clubatmosphäre und der Kunde bekommt lfd. Erweiterungen und Ergänzungen kostenfrei nachgeliefert. Anbei einige Schmankerln, die auf der Seite verfügbar sind:
  • Als Ergänzung zur mitgelieferten Datenbank stehen die neuesten Turniere im MVS-Format zum Download bereit. Alternativ kann man sich die Daten auch im PGN-Format herunterziehen.
  • Die Datenbank des Monats enthält eine Zusammenstellung von besonders interessanten, hochwertigen Partien.
  • In Kürze wird es neue Versionen der Rebel-Analyseengine für die auf der CD-Rom mitgelieferten WIN-Tools EPD2DIAG und ECTOOL geben. Weitere Utilities zur Bearbeitung der Datenbanken stehen ebenfalls zum Download bereit.
  • Auf der Seite gibt es eine ganze Reihe von Spezialbibliotheken, die Rebel mit noch mehr Expertenwissen im Bereich der Eröffnungstheorie ausstatten.
  • Interessant dürfte die von Schröder für den kommenden Sommer angekündigte Vorabversion für Win95/98/NT sein, die dann ebenfalls zum Download verfügbar sein soll. 
 
Fazit
Die neueste Version von Rebel richtet sich ganz klar an ambitionierte Turnierspieler und Spielstärkefetischisten. Die Möglichkeiten und Optionen, die das Programm zur Verbesserung der eigenen Spielstärke anbietet, sind derart vielfältig und komplex, wie ich sie bisher bei keinem anderen Schachprogramm gesehen habe. Besonders viel Energie und Einfallsreichtum haben die Entwickler bei der Unterstützung des Eröffnungstrainings bewiesen; die Analyseunterstützung von Partien und Positionen ist auf einem sehr hohen Niveau und bis auf fehlende Endspieldatenbanken fast perfekt. Kritische Stimmen werden die Tatsache bemängeln, dass Rebel 10 im Windows-Zeitalter nach wie vor eine DOS-Applikation ist.
 
Diesem Einwand kann man entgegenhalten, dass Ed Schröder alles dafür getan hat, damit sein Programm ohne mühselige Konfigurationseinstellungen einwandfrei unter Windows läuft und sich prinzipiell wie ein Windows-Programm verhält: nämlich anklicken und loslegen. Insofern kommen auch Einsteiger mit der Software problemlos zurecht und letztendlich holt Rebel 10 aus den verfügbaren Ressourcen das Optimum heraus.
 
Falls Sie z.B. 64 MB RAM auf ihrem Rechner installiert haben, nutzt Rebel immerhin 60 MB davon für die HashTabellen; so effektiv schöpft kein Windows-Programm die Systemressourcen aus. Rebel 10 ist das ideale Schachprogramm für den Anwender, der in erster Linie Wert auf hohe Spielstärke und wertvolle Analyse- und Trainingsunterstützung legt.
 
Das integrierte Datenbanksystem rundet das Programm und die eigene kleine Schachwelt, die sich Schröder geschaffen hat, optimal ab. Meiner Ansicht nach ein Pflichtprogramm! Rebel 10 kommt - wie gehabt - in zwei Versionen:
1.  Die Voll-Version für den Erstnutzer, die 198.- DM kostet
2.  Die Upgrade-Version für Besitzer der Vorgänger-Versionen, die während des Installationsvorgangs die Original - CD oder Diskette von R9 oder R8 abfragt.
 
Peter Schreiner
 
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