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Diagramm 18-2006
 
Diagramm 18 – 2006
Hier wurde eine »Schachmaschine« demontiert. Wie zerlegte Weiß am Zuge die misslungene schwarze Partieanlage?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Rebel 10.0 - Spitzenschach unter Dos
besprochen von Peter Schreiner - November 1998 - Teil 3
 
 
Eröffnungstheorie
Fast alle mir bekannten Turnierspieler wenden den größten Teil ihrer Zeit für das Eröffnungstraining auf. Offensichtlich bedingt durch die dynamische Entwicklung der Eröffnungstheorie gibt das eigene Eröffnungsrepertoire immer Anlass zur Sorge, denn in keinem anderen Bereich des Schachspiels wird so viel Zeit für eine Neubewertung, Umstrukturierung und Neuorientierung aufgewandt. Diesem Fakt trägt Rebel 10 im Übermaß Rechnung und es gibt bis auf Fritz5/Junior kaum ein anderes Schachprogramm, das dem Anwender so viele praxisnahe und effektive Trainingsoptionen anbietet.
 
Innerhalb des Rebel-Teams ist Jeroen Noomen für die Erstellung der Bibliotheken zuständig. Jeroen Noomen gilt zusammen mit Sandro Necci vom MChess-Team als einer der führenden Experten für die Feinabstimmung von Eröffnungsbüchern und arbeitet bereits seit 1990 für Ed Schröder. Das Buch für Rebel 10 wurde von Jeroen Noomen erheblich erweitert und beinhaltet jetzt insgesamt 252 018 Züge (mit Zugumstellungen 1 703046 Positionen), was eine deutliche Steigerung gegenüber dem Buch des Vorgängers mit 188 299 Zügen (1 245 416 Positionen) darstellt.
 
Wie immer, wurden bei der Entwicklung die neuesten Trends der aktuellen Eröffnungstheorie berücksichtigt. Heutzutage geht der Trend immer mehr dahin, den Anwender mit möglichst umfangreichen Büchern zu beeindrucken und diese einfach aus Datenbanken zu generieren. Diese Möglichkeit gibt es bei Rebel auch, ich bin aber der Ansicht, dass ein qualifizierter Experte wie Noomen bei der Feinabstimmung der Bibliothek auf die Spielweise des Programms unverzichtbar ist. Das Buch spielt in der Eröffnung angenehm variantenreich und wird sicherlich - wie schon beim Vorgänger - die Stärken von Rebel 10 besonders unterstützen.
 
Im normalen Spielmodus wird die aktuelle Eröffnung mit dem gültigen ECO-Code und den vorhandenen Alternativen angezeigt. Praktisch finde ich, dass man die Züge direkt via Mausklick abrufen kann. Erwähnen möchte ich noch den bereits beim Vorgänger vorhandenen Bucheditor, mit dem man neue Bücher anlegen, bestehende Bücher verändern oder die Ausspielpräferenzen gezielt verändern kann. Im Lieferumfang von R10 befinden sich diverse nach Themen sortierte Eröffnungsbibliotheken, die man zu einem einzigen großen Buch verschweißen kann.
 
Besonders gut gefällt mir die Option, aus Datenbanken automatisch ein Eröffnungsbuch zu generieren. Damit kann man sich in Kombination mit der Datenbankfunktion von R10 blitzschnell Spezialbücher für das Training erstellen. Nehmen wir einmal an, Sie möchten gegen R10 gezielt eine bestimmte Eröffnungsvariante trainieren. Filtern Sie einfach die entsprechenden Partien wie z.B. die Najdorf-Variante im Sizilianer aus der Hauptdatenbank heraus, kopieren die Partien in eine neue Datenbank und konvertieren diese in ein neues Buch. Danach können Sie gegen R10 spielen und das Programm wird ausschließlich die Varianten oder Eröffnungen ausspielen, mit denen Sie sich momentan beschäftigen wollen.
 
Ed Schröder scheint ein Freund von Transparenz und Übersicht zu sein: selbstredend gibt es auf Wunsch zu jedem Buch umfangreiche Statistiken und Übersichten (Größe, Anzahl der enthaltenen Varianten, Präferenzen, durchschnittliche Variantenlänge, usw.), die man zusätzlich noch als Textdatei exportieren und ausdrucken kann.
 
Wie fast alle modernen Programme verfügt R10 über ein Booklearning und ist damit in der Lage, sein Eröffnungsverhalten selbst zu kontrollieren und erfolglose Linien selbständig auszuschließen. Zusätzlich kann R10 eine komplette Bibliothek auf Fehler untersuchen und die Bewertungen des Schachprogramms zu einzelnen Zügen abspeichern. Diese Funktionen waren bereits beim Vorgänger verfügbar und wurden in erster Linie für diejenigen Leser beschrieben, die Rebel noch nicht so gut kennen. Eine echte Neuerung und für das Eröffnungstraining enorm nützlich ist die mitgelieferte Schachenzyklopädie, mit deren Hilfe sich Rebel 10 zum ultimativen Theoriepapst gemausert hat.
 
 
Schachenzyklopädie und noch mehr Theorie
Von einem aus hochwertigen Partien generiertem Positionsbaum profitiert man für das Eröffnungstraining enorm. Dieses Feature war lange Zeit die Domäne der russischen Schachdatenbank Chess Assistant und wurde meines Wissens erstmals bei Fritz 5 in einem reinen Schachprogramm implementiert. Auch Rebel 10 kommt jetzt mit einem Positionsbaum, der dem Anwender einige innovative Trainingsoptionen ermöglicht. Innerhalb von Rebel 10 wird dieser Positionsbaum als EOC (Schachenzyklopädie) bezeichnet und dient in der Tat als Nachschlagewerk zu wichtigen Fragen der Theorie.
 
Zuerst einmal muss der Positionsbaum explizit geladen und das "Consultfenster" geöffnet werden, um diese Funktion zu nutzen. Falls Sie genügend Festplattenspeicher zur Verfügung haben, sollten Sie den aus der mitgelieferten Datenbank mit 300 000 Partien erzeugten Positionsbaum (ca. 85 MB) zwecks schnellerem Zugriff auf die Platte kopieren. Alternativ kann man EOC auch vom CD-Rom betreiben, wobei der Ladevorgang bei einem modernen Lesegerät sehr flott vonstatten geht. Untersuchen wir nun, was EOC bietet und was man eigentlich konkret damit anfangen kann. Die Informationen von EOC in nachstehendem Beispiel basieren auf der Grundstellung und das sieht wie folgt aus:
MOVE   +     =     -   PERC  TOTAL  ELO  PER SCORE ECO SHORT NAME
e2e4 47289 47159 36779(54.0%)131227 2375 2404 0.10 B00 KingsPawn
d2d4 40099 42980 27572(55.7%)110651 2396 2432 0.10 A40 QueensPawn
g1f3  9894 12610  6795(55.3%) 29299 2408 2444 0.10 A04 Reti
c2c4  9051 10375  6070(55.8%) 25496 2402 2438 0.04 A10 English
g2g3   964  1062   677(55.3%)  2703 2390 2426-0.05 A00 Benkö
f2f4   274   229   345(45.8%)   848 2307 2271-0.11 A02 Bird
b2b3   279   253   272(50.4%)   804 2371 2371-0.04 A01 Nimzovich
b1c3   132   103   176(44.6%)   411 2304 2261 0.06 A00 Dunst
b2b4    79    56    87(48.2%)   222 2309 2295-0.08 A00 Polish
d2d3    44    36    47(48.8%)   127 2316 2302 0.00 A00 Mieses
e2e3    29    30    60(37.0%)   119 2314 2212 0.05 A00 Kruijs
c2c3    18    12    30(40.0%)    60 2313 2241-0.05 A00 Saragossa

TOT 108214114943 78969(54.8%) 302126 2387 2416   |    |
Zu jedem Zug werden also umfangreiche Statistiken angezeigt:
  1. die Anzahl der gewonnenen, unentschiedenen und verlorenen Partien,
  2. die Performance in Prozent,
  3. der Eloschnitt und erzielte die Eloperformance,
  4. die Bewertung des Zuges durch Rebel 10,
  5. das ECO-Kürzel basierend auf der international anerkannten Enzyklopädie der Schacheröffnungen und
  6. die namentliche Bezeichnung des Zuges oder der Variante.
Mit diesen Information kann man sich schnell einen ersten Eindruck von der Qualität bestimmter Eröffnungszüge machen. Falls ein Zug mit mehr als 55% bei über 100 Partien gegen einen relativ hohen Eloschnitt aufgelistet wird, ist dies ein sicheres Indiz dafür, dass es sich hier um ein besonders erfolgversprechendes Abspiel handelt. Entscheidend und sehr wichtig bei dieser Form der Schachinformation ist das Niveau der ausgewerteten Datenbestände, aus denen der Baum generiert wurde.
 
Ed Schröder weist ausdrücklich darauf hin, dass als Grundlage für diesen Positionsbaum die mitgelieferte Datenbank mit knapp über 300 000 Partien diente, die in erster Linie nur hochwertige Partien von Titelträgern enthält. Diese Form der Information war bereits von anderen Programmen bekannt, Rebel 10 geht aber noch einen Schritt weiter und liefert direkt in dem Informationsfenster noch weitere wertvolle Informationen mit. Anbei wieder ein Beispiel (diesmal nur ein Ausschnitt), das auf dem mitgelieferten Positionsbaum und der Grundstellung basiert:
e2e4  Kasparov(293) Karpov(413) Anand(532) Kramnik(63)
d2d4  Kasparov(412) Karpov(538) Anand(35)  Kramnik(90)
g1f3  Kasparov(57)  Karpov(90)  Anand(26)  Kramnik(226)
c2c4  Kasparov(112) Karpov(115) Anand(12)  Kramnik(14)
Gleichzeitig listet das Infofenster in EOC auf, welcher Großmeister in einer bestimmten Häufigkeit den angegebenen Zug in der Praxis angewandt hat. Sehr gut! Im Fall von Bobby Fischers Lieblingszug 1.e2-e4 erfahren wir also, dass Kasparov diesen Zug immerhin 293mal gespielt hat, während er 1.d2-d4 doch deutlich zu bevorzugen scheint. Anhand der zuerst abgebildeten Statistik und der großartigen Erfolge von Kasparov offensichtlich gute Entscheidung. Rebel 10 zeigt diese Informationen auch während einer Schachpartie an, man muss nicht extra in einen speziellen Informationsmodus - wie z.B. bei Fritz - wechseln.
 
Damit war aber der Einfallsreichtum von Ed Schröder und seinem Team noch längst nicht erschöpft, denn Rebel 10 kann bei Bedarf den Eröffnungsbaum als Ergänzung seiner ohnehin ausgezeichneten Bibliothek und als Erweiterung des Standardbuches nutzen! Auf einen Schlag haben Sie mit Aktivierung von EOC ein zusätzliches Eröffnungsbuch von 16 Millionen (!!!) Positionen, das ausschließlich auf einer qualitativ hochwertigen Datengrundlage basiert. Bei Aktivierung dieser Option gilt es allerdings, auf einige Feinheiten zu achten, da Rebel 10 die EOC-Daten je nach Vorgabe unterschiedlich nutzt:
 
1.  Einstellung BUCH
In diesem Modus durchforstet EOC nach der aktuellen Brettstellung und spielt sofort eine der Alternativen ohne Berücksichtigung der Erfolgsquote aus. Effekt : es werden in diesem Modus auch minderwertige Züge ausgespielt; daher macht dieser Modus in erster Linie dann Sinn, wenn R10 möglichst abwechslungsreich spielen soll oder Eröffnungen studiert werden sollen.
 
2.  Einstellung MEISTER oder MÄSSIG
In diesen Modi verhält sich Rebel 10 wesentlich kritischer bei der Wahl seiner Eröffnungszüge, berücksichtigt die Erfolgsaussichten der aufgeführten Züge und vermeidet das Ausspielen von minderwertigen Alternativen, die zwangsläufig in einer Bibliothek mit über 16 Millionen Positionen enthalten sind.
 
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels dürfte dann die spezielle EOC-CD-Rom erhältlich sein, die mit einem gigantischen Positionsbaum von über 50 Millionen daherkommt. REBEL-EOC soll auf einer Datenbank mit über 1 Millionen Partien basieren, die ebenfalls auf der CD mitgeliefert wird und im hauseigenen Rebel-Format (MVS) als auch im alten ChessBase-Format (CBF) gespeichert ist.
 
 
Zwischenfazit
Der mitgelieferte Positionsbaum ist genau das richtige Tool und Nachschlagewerk für ein effektives Eröffnungstraining. Zu jedem Zeitpunkt verfügt man über eine allumfassende Informationsquelle zu allen Belangen der Eröffnungstheorie. Technisch finde ich die Einbindung innerhalb von R10 ausgezeichnet umgesetzt, da der Anwender zu keinem Zeitpunkt in einen speziellen Informationsmodus wechseln muss und die Navigation innerhalb der Bäume verläuft via Mausklick auf die entsprechenden Züge flüssig ab.
 
Vermisst habe ich eine Option, die dem Anwender die Möglichkeit bietet, seine eigenen Positionsbäume zu erzeugen und sich die gewünschte Information durch gezielte Auswahl der Daten auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Hier liegt der Verdacht nahe, dass sich das Team um Ed Schröder noch einige Upgradeoptionen für Rebel 11 offen halten wollten ...
 
Ansonsten bietet Rebel 10 mit EOC die ultimative Ergänzung zu den schon vom Vorgänger her bekannten ausgezeichneten Möglichkeiten zum Eröffnungstraining und alleine wegen diesem Tool ist der Update-Preis von 99.- DM allemal gerechtfertigt.
 
 
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