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Diagramm 22-2006
 
Diagramm 22 – 2006
In dieser Stellung stellte Weiß seine Dame nach e5 und erwartete von Schwarz die Aufgabe. Dieser spielte aber weiter und zog …
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Auf ein Neues! - Nimzo 7.32
besprochen von Peter Schreiner - September 1999 - Teil 2
 
 
Perfektes Endspiel
Nimzo 7.32 demonstriert in anschaulicher Form, wie ein möglicher Ansatz für drastische zukünftige Spielstärkesteigerungen aussehen könnte. Mittlerweile kommen die modernen Schachprogramme, natürlich auch Nimzo 7.32, mit riesigen Eröffnungsbibliotheken (Positionsbäumen) daher, die relativ rasch unter Berücksichtigung aktueller Theorie erstellt werden. Die meisten Programme verfügen über mehr oder weniger effizient programmierte Lernfunktionen und können ihre Bücher basierend auf der Stellungsbewertung selbst modifizieren und anpassen. Hier hat sich also bereits einiges getan.
 
Eine der größten Schwachstellen der Schachprogramme lag bisher in der Behandlung des Endspiels. Oft genug haben wir innerhalb unserer Berichterstattung typische Beispiele vorgeführt, in denen selbst Spitzenprogramme bei der Behandlung elementarer Endspiele kläglich versagten. Aufgrund der enormen Hardwareverbesserungen ist es jetzt möglich, Endspieldatenbanken effizient zu nutzen.
 
Lange waren die von Ken Thompson entwickelten Endspiel-CDs das Nonplusultra in diesem Bereich. Auf den vier CD-Roms findet man eine ganze Reihe der wichtigsten Drei-, Vier- und Fünfsteiner erfasst. Viele Schachprogramme oder Datenbanken, wie z.B. ChessBase, TascBase, Shredder u.a. greifen während der Partie auf die in den Thompson-Datenbanken gespeicherten Informationen zu und behandeln das entsprechende Endspiel perfekt. Ein großer Nachteil der Thompson-Datenbanken besteht darin, dass der Zugriff auf die stark komprimierten Informationen für ein Schachprogramm recht zeitaufwendig ist und ein Zugriff nur dann möglich ist, wenn die entsprechende Stellung auf dem Brett erscheint. Während der Suche war also eine Berücksichtigung der Einträge innerhalb der Thompson Datenbank nicht möglich.
 
Der russische Programmierer Eugene Nalimov entwickelte ein neues Format für Endspieldatenbanken, die TableBases. Bei den TableBases sind zur Zeit alle Werte für bis maximal fünf Steinen fest gespeichert. Diese Tabellen benötigen deutlich mehr Speicherplatz auf der Festplatte, gestatten dafür aber bei Einsatz einer schnellen, großen Festplatte einen effizienten Zugriff auf die Informationen ohne dramatische Zeitverluste. Für Schachprogramme ist es dadurch jetzt möglich, auf diese Informationen bereits während der Suche zuzugreifen und die Einträge innerhalb der TableBases bei der Bewertung eines Zuges zu berücksichtigen.
 
Aufgrund der zahlreichen Anfragen von Lesern noch ein Wort zur Bezugsquelle der TableBases. Auf der Nimzo 7.32-CD befindet sich ein spezielles Programm, um die gewünschten Tabellen zu generieren. Dies mag nun für die Erzeugung bestimmter Endspieltypen ganz nützlich sein, hat aber auch einen Nachteil: die Generierung sämtlicher TableBases dauert auch auf einem HighEnd-Rechner Monate. Der Download aus dem Internet ist in Anbetracht der anfallenden Datenmengen und den hierzulande immer noch saftigen Onlinekosten ebenfalls nicht ratsam.
 
Die neue Computerschachzeitschrift ChessBits aus Wolnzach bietet unserer Ansicht nach ein besonders attraktives Paket mit allen Nalimov-TableBases auf 10 (!) CD-Roms für konkurrenzlos günstige 149.- DM an. Bei Interesse können Sie direkt unter der Emailadresse pk@paf.baynet.de weitere Details erfahren.
 
Die zuvor beschriebene Einbindung der TableBases trägt nicht nur erheblich dazu bei, die Performance eines Schachprogramms im Endspiel drastisch zu steigern. Auch der Anwender profitiert natürlich enorm davon, z.B. beim Trainieren oder der Analyse eines Endspiels. Wie man bereits bei Hiarcs 7.32 sehen konnte, war der Zugriff auf die TableBases trotz zahlreicher Plattenzugriffe von ChessBase recht effektiv umgesetzt worden. Zumindest wurde das Schachprogramm nur relativ geringfügig in seiner Performance ausgebremst. Trotzdem kostet eine Stellungsbewertung via TableBases Zeit und bremst die Suche je nach Komplexität etwas aus.
 
Diese Tatsache hat Chrilly Donninger offensichtlich keine Ruhe gelassen und er implementierte eine brandneue Technik, die in ähnlicher Form vor kurzem im ICCA-Journal von einem der Entwickler (Ernst A. Heinz) des Dark-Thought-Teams der Universität Karlsruhe beschrieben und bei neueren Versionen des Universitäts-Programms auch eingesetzt wurde. Die Endspiel-Datenbanken liegen zusätzlich zu den TableBases noch in einem stark komprimierten Format vor und können daher direkt in den RAM geladen werden.
 
Die im komprimierten Nimzo-Format vorliegenden Drei- und Viersteiner beinhalten die Information, ob eine bestimmte Position gewonnen, remis oder verloren ist. Auf diese konstant im RAM gepufferten Informationen kann Nimzo 7.32 in der Ruhesuche wesentlich schneller als die übliche Bewertung zugreifen. Der nicht zu unterschätzende Effekt: das Programm entdeckt mit Hilfe dieser Technik besonders tief verborgene Abwicklungen im Endspiel und kann diese in der Suche dementsprechend berücksichtigen.
 
Nimzo 7.32 bietet eine zur Zeit bei kommerziellen Programmen einmalige, technisch sehr elegante Lösung für ein verbessertes Endspielverhalten an. Es zeichnet sich schon jetzt ab, dass bei zukünftigen Rechnersystemen mit erweiterten Speicherkapazitäten im Endspielbereich noch drastischere Verbesserungen entwickelt werden können.
 
 
Spielstil + Spielstärke
Zwischen der Eröffnungsbibliothek und den Endspieldatenbanken wirkt das eigentliche Schachprogramm, sprich Engine. Laut Angaben von Chrilly Donninger und ChessBase wurden eine ganze Reihe von Veränderungen vorgenommen, die sich in der Summe der einzelnen Faktoren (+ Bibliothek und Endspieldatenbank) mit einem praktischen Spielstärkezuwachs von ca. 50 Elopunkten bemerkbar machen sollen.
 
Aufgrund jahrelanger Erfahrungen ist bei solchen Werbeaussagen oder Selbsteinschätzungen natürlich immer ein gewisses Maß an Skepsis angebracht, da die meisten Autoren bei der Beurteilung ihrer neuesten Kreationen immer zu einer gewissen Euphorie tendieren. Die Aussage wiegt um so schwerer, da bereits die Vorgänger-Version Nimzo99 eine außerordentlich hohe Spielstärke vorweisen konnte und echte Fortschritte in dem angegebenen Bereich nur mühsam zu erzielen sind.
 
Berücksichtigt man nur die zuvor beschriebenen Verbesserungen im Endspielbereich, könnte die Einschätzung des Autoren nach meinen Testergebnissen alleine durch diesen Faktor durchaus zutreffen. Natürlich ist das Bedürfnis eines Profis recht gering, die Konkurrenz über die implementierten Neuerungen genau zu informieren. Nach Angaben des Autoren sind noch folgende Änderungen gegenüber Nimzo99 vorgenommen worden:
  1. ein deutlich verbessertes Positionsspiel, z.B. durch spezielle Algorithmen zur Bewertung von Springer/Läufer im Endspiel,
  2. ein deutlich besseres Spielverhalten im taktischen Bereich, speziell Bauerndurchbrüche und neue Sucherweiterungen beim Aufstöbern forcierter Mattvarianten sollen für noch mehr taktische Schlagkraft sorgen,
  3. ein auf der Programmiersprache CHE basierendes Wissensmodul soll für einen besseren Übergang in der Phase von der Eröffnung zum Mittelspiel sorgen,
  4. zusätzlich zum Nullmove soll es eine brandneue, selektive Suchtechnik geben, usw.
Insbesondere der zuletzt genannte Punkt macht natürlich neugierig und man hätte es natürlich gerne etwas genauer gewusst, wie diese neue Technik funktionieren soll. Im Großen und Ganzen weist das neue Programm die bekannten Eigenschaften seines Vorgängers auf: enorme taktische Schlagkraft mit einem recht soliden Mittelspiel. Das Endspielverhalten ist durch die Implementierung der TableBases deutlich verbessert worden.
 
Um mir einen ersten Eindruck von dem Programm zu verschaffen, habe ich zuerst einmal einige Vergleichskämpfe gegen die hausinterne Konkurrenz gestartet. Die ersten Ergebnisse sind durchweg überzeugend: in einem Vergleichsmatch (Turnierpartien mit 40 Zügen in 2 Std.) via Autoplayer 232 - beide Programme liefen auf jeweils einem K6/333 Mhz mit 64 MB RAM für HashTables - konnte sich Nimzo 7.32 gegen die beiden anderen Schnellrechner Fritz 5.32 (12,5 - 7,5 Pkt.) und Junior 5.0 (11,5-8,5 Pkt.) durchsetzen. Gegen Hiarcs 7.32 tat sich das Programm etwas schwerer, hier gab es eine Niederlage mit 6,5 - 13,5 Pkt. Natürlich besitzen diese Ergebnisse statistisch relativ wenig Aussagekraft, bezeugen aber zumindest, dass auch die neueste Nimzo-Version gegen die hausinterne Top-Konkurrenz einwandfrei mithalten kann.
 
Nach wie vor ist die Schokoladenseite des Programms seine enormes taktisches Spielvermögen. Relativ auffällig war während der Partien die teilweise recht schwankende Bewertungsanzeige des Programms. Um einen Eindruck von den Verbesserungen zu bekommen, habe ich dem Programm diverse Teststellungen aus den Bereichen Taktik, Strategie und Endspiel vorgesetzt und lege mich auf der Grundlage dieser Ergebnisse auf folgende Einschätzung fest:
 
Nimzo 7.32 konnte in seiner Paradedisziplin, der Taktik, noch etwas zulegen. Dies belegen in diversen Testsets die im Schnitt leicht verbesserten Lösungszeiten. Nach wie vor schneidet das Programm bei strategisch geprägten Stellungen etwas schlechter als andere Spitzenprogramme ab, was man in Anbetracht der grundsätzlichen Schwäche aller Computerprogramme in diesem Bereich nicht überbewerten sollte. Von der Schnittstelle zu den TableBases und der innovativen Implementierung der internen Endspieldatenbanken profitiert das Endspielverhalten des Programms ganz erheblich.
 
 
Sonstige Ausstattung
An dieser Stelle möchten wir es nicht versäumen, auf die hervorragende Arbeitsumgebung und den beachtlichen Funktionsumfang des Programms hinzuweisen, der völlig identisch mit dem an dieser Stelle schon öfter besprochenen und sehr bekannten Fritz 5.32 ist. Jeder Anwender setzt unterschiedliche Prioritäten bei der Anwendung seines Schachprogramms. Aus unserer Sicht möchten wir vor allem auf folgende Komponenten des Nimzo 7.32 Paketes hinweisen:
 
1.  die mit Abstand gelungenste Datenbankschnittstelle aller mir bekannten reinen Schachprogramme. Man kann innerhalb großer Partiensammlungen nicht nur nach Spielern, Turnieren usw. suchen. Auch Abfragen nach bestimmten Brettpositionen, Manövern usw. sind ohne weiteres möglich. Man kann mit der Datenbank beliebig große Partiensammlungen verwalten; natürlich werden alle im Computerschach relevanten Dateiformate uneingeschränkt unterstützt.
 
Besonders überzeugend finde ich die direkte Verknüpfung zwischen einem Positionsbaum und einer Datenbank. Man kann sich z.B. jederzeit vom Positionsbaum (=Eröffnungsbibliothek) aus via Rechtsklick mit der Maus Partien abrufen, in denen die aktuelle Brettstellung vorkam. Suchabfragen nach Bauernstrukturen, Materialkonstellationen, Eröffnungen usw. sind alle möglich. Im Prinzip wird die Datenbankschnittstelle auch fortgeschrittene Anwender zufrieden stellen.
 
2.  mit kaum einem anderen Programm kann man so effizient Eröffnungen trainieren. Die Bibliothek liegt in Form eines Positionsbaums vor, der zu jeder aktuellen Stellung eine Vielzahl von statistischen Informationen - z.B. über die Erfolgsaussichten bestimmter Züge, usw. - liefert. Man kann jederzeit eigene Positionsbäume generieren oder bestehende Bäume modifizieren.
 
3.  ausgefeilte Analyseoptionen helfen bei der Verbesserung der eigenen Spielstärke. Man kann nicht nur komplette Partien, sondern auch komplette Datenbanken automatisch analysieren lassen. Im normalen Analysemodus beim Nachspielen einer Partie besteht die Möglichkeit, eine bestimmte Position zu "verriegeln". Dies bedeutet, dass die Engine an der markierten Position eifrig weiter rechnet, während der Anwender die Partienotation auf dem grafischen Schachbrett weiter nachspielt.
 
4.  unter der Fritz-Oberfläche ist der Ablauf der grafischen Oberfläche und der Schachengine strikt getrennt. Man kann also unter dem gleichen Interface verschiedene Schachprogramme mit der identischen Benutzerführung einsetzen. Davon kann man sich anhand der im Lieferumfang befindlichen Engines selbst leicht überzeugen. Wem das noch nicht genügt, kann mit Hilfe des kostenlosen Winboard-Konverters eine Vielzahl der im Internet angebotenen Winboard-Engines mehr oder weniger flüssig unter dem Interface einbinden.
 
 
Fazit
Nimzo 7.32 stellt auf jeden Fall eine hochinteressante Bereicherung des Enginekonzeptes von ChessBase dar. Für den günstigen Preis von 98.- DM bekommt man eine vielseitig einsetzbare 32Bit-Oberfläche mit der neuesten Version des Spitzenprogramms von Chrilly Donninger oder einfach noch eine Top-Engine für Fritz 5.32. Besonders gelungen finde ich neben der Anbindung der TableBases die innovative Implementierung der im RAM gepufferten Endspieldatenbanken. Sehr gut gefallen hat mir auch die Möglichkeit, mittels der Schachsprache CHE selbst einmal nachhaltig auf das Spielverhalten eines Schachprogramms Einfluss nehmen zu können.
 
Bleibt noch die Frage zu klären, ob sich ein Update lohnt. Die neuen Features richten sich natürlich ohne Zweifel in erster Linie an den Poweruser, der sich intensiv mit seinem Schachprogramm beschäftigt und möglichst viel experimentieren möchte. Andererseits bin ich der Ansicht, dass die Schnittstelle zu den TableBases dem Turnierspieler vielfältige Möglichkeiten in die Hand gibt, das eigene Training zu bereichern. Falls Sie über eine Neuanschaffung nachdenken, sollten Sie Nimzo 7.32 unbedingt in die engere Wahl mit einbeziehen. Weitere Informationen zu Nimzo 7.32 erhalten Sie im Fachhandel oder direkt bei ChessBase.
 
Peter Schreiner
 
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