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Diagramm 23-2006
 
Diagramm 23 – 2006
Schwarz hat zwei Bauern geopfert und steht nun vor der Frage, ob er sich auf e5 wieder einen zurück holen soll. Was meinen Sie?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Auf ein Neues! - Nimzo 7.32
besprochen von Peter Schreiner - September 1999 - Teil 1
 
Chrilly DonningerDr. Christian Donninger gehört zu den produktivsten Programmierern in der Szene. Erinnern wir uns: unmittelbar nach Nimzo99 im letzten Jahr kam Anfang diesen Jahres Nimzo2000 bei der Millennium2000 GmbH heraus. Gleichzeitig gab es auf der Nimzo2000-CD noch eine Fassung für das Winboard. Die jetzt vorliegende, neueste Fassung des Donninger-Programms erscheint unter der Ägide der Firma ChessBase und profitiert in nicht unerheblichem Ausmaß von der erstklassigen Arbeitsumgebung der Fritz-Oberfläche, deren Vorzüge wir an dieser Stelle bereits häufiger detailliert besprochen haben.
 
 
Allgemeines
Obwohl die diversen Nimzo-Versionen in den letzten Jahren immer wieder ausgezeichnete Resultate vorzuweisen hatten und ohne Zweifel zu den absoluten Spitzenprogrammen gehören, war der Autor immer ein wenig vom Pech verfolgt. Der ganz große und vor allem in kommerzieller Hinsicht wichtige Erfolg in Form eines Titels oder einer Topplatzierung innerhalb der SSDF blieb dem sympathischen Österreicher bisher verwehrt. Es bleibt abzuwarten, ob mit der nun vorliegenden Version des Nimzo-Programms die Spitzenposition innerhalb der SSDF errungen werden kann.
 
Das neue Programm hinterließ nach den ersten Tests nicht nur hinsichtlich der Spielstärke einen außerordentlich positiven Eindruck, sondern überzeugte im Test mit einer ganzen Reihe von wirklich innovativen Ausstattungsmerkmalen, die im weiteren Text noch ausführlich besprochen werden.
 
Nimzo 7.32 ist genau wie der Vorgänger und andere CB-Programme, z.B. Hiarcs 7.32 oder Junior 5.0, ein Bestandteil des Enginekonzeptes von ChessBase. Dies bedeutet, dass man z.B. bei der Arbeit mit dem hauseigenen Datenbanksystem auf die Dienste der Engine zur Analyse zurückgreifen kann. Gleichzeitig fungiert Nimzo 7.32 als eigenständiges Programmpaket mit exakt dem identischen Leistungsumfang des bekanntesten Vertreters aus dem Hause ChessBase, Fritz 5.32. Für den Einheitspreis von nur 98.-DM bekommt der potentielle Interessent etliche Zusatzprogramme geboten.
 
 
Engines
Außer der neuesten Nimzo-Version findet man nach der Installation des Programms folgende Engines (= Schachprogramme) im gleichnamigen Unterverzeichnis vor:
  1. COMET B05 - von Dr. Ulrich Türke, das zur Zeit als eines der spielstärksten Amateurprogramme angesehen werden kann.
  2. CRAFTY 16.15 - stammt von dem amerikanischen Computerschachveteran Robert Hyatt und gehört bereits seit längerer Zeit in speziell an das CB-Interface angepassten Versionen zum Lieferumfang des CB-Programme.
  3. Little Goliath2000 - von Michael Borgstädt, den zahlreiche Leser der RE noch durch die seinerzeit großformatig beworbenen Werbeanzeigen für das nie erschienene Schachprogramm Goliath in Erinnerung haben dürften.
  4. Doctor 3.0 - stammt von den deutschen Pionieren im Computerschach Kraas/Schrüfer und war 1994 in Version 1.0 die erste verfügbare Windows-Analyseengine für ChessBase.
  5. ExChess 2.51 - stammt von dem Amerikaner Dan Houwman und dürfte zu den spielschwächeren Engines gehören.
Sämtliche Engines profitieren ohne Einschränkungen von den vielfältigen nützlichen Funktionen der CB-Einheitsoberfläche, wie z.B. bei der Analyse oder den ausgereiften Datenbankfunktionen. Man kann also auf Anhieb mit sechs unterschiedlichen Programmen, spielen, analysieren oder in Verbindung mit den zahlreichen Testfunktionen des Interfaces experimentieren.
 
 
Endspieldatenbanken
Die TableBases (Endspieldatenbanken) wurden von Eugene Nalimov entwickelt und sind eine der bedeutendsten Neuerungen der letzten Jahre. Die Endspieldatenbanken für Drei-, Vier- und Fünfsteiner werden in komprimierter Form auf der CD-Rom mitgeliefert. Im Lieferumfang ist - wie bereits bei Hiarcs 7.32 - eine entsprechende Software vorhanden, mit deren Hilfe man die gewünschten Datenbanken selbst generieren kann. Im Unterschied zu Hiarcs 7.32 bietet das neue Nimzo-Programm mit der Option, auf die Endspieldatenbanken während der Ruhesuche zuzugreifen, eine brandneue Technik.
 
Während der Installation legt das Programm im Unterverzeichnis ENGINES einen zusätzlichen Ordner mit der Bezeichnung "NzEndGam" an. In diesen Ordner werden alle Drei- und Viersteiner sowie einige Viersteiner in einem komprimierten Format gespeichert. Diese Daten können komplett in den Arbeitsspeicher geladen werden und Nimzo greift während der Suche auf die direkt im RAM gepufferten Informationen dementsprechend effizient zu. Zu dieser innovativen, bei einem kommerziellen Schachprogramm bisher einmaligen Technik später noch mehr.
 
 
Spezialbibliothek
Das Eröffnungsbuch des Programms stammt - wie gehabt - von dem Eröffnungsspezialisten Alexander Kure, der bereits seit Jahren für das Spielverhalten der Donninger-Programme zu Partiebeginn zuständig ist. Die Bibliothek liegt als riesiger Positionsbaum (weit über 200 MB) vor und kann jederzeit ergänzt oder nach eigenen Vorgaben modifiziert werden.
 
Zu den Systemvoraussetzungen: als echtes 32Bit-Programm läuft Nimzo 7.32 einwandfrei unter Win95/98 oder Win NT. Ein schneller Prozessor ist mit Sicherheit kein Nachteil, wichtiger scheint mir für den flüssigen Programmablauf ausreichend RAM (mindestens 128 MB) und bei intensiver Nutzung der TableBases eine möglichst großzügig dimensionierte Festplatte zu sein.
 
 
Flexible Engine
Die neue Engine bietet für den experimentierfreudigen Schachfan eine Fülle von Parametern, mit deren Hilfe man das Spielverhalten des Programms nachhaltig verändern kann. Diese Option ergänzt sich wunderbar mit den zahlreichen Funktionen des Menüeintrages Engineforschung, wo man die vorgenommen Modifikationen vollautomatisch gegen die anderen Engines oder via Autoplayer 232 gegen externe Schachprogramme austesten kann. Anbei eine Übersicht über die Bedeutung der wichtigsten Parameter in der Dialogmaske:
 
:: Middlegame mobility
Eines der wichtigsten Bewertungskriterien für Schachprogramme ist die Mobilität von Figuren. Oft genug haben Schachprogramme im Unterschied zum Menschen Probleme damit, den realen Wert von eingesperrten oder in der Beweglichkeit eingeschränkten Figuren zu erkennen.
 
:: Endgame mobility
Über diesen Schalter kann man den Faktor Mobilität speziell für das figurenarme Endspiel einstellen.
 
:: Weight king safety
Hier wird die Bewertungsfunktion des Königs maßgeblich beeinflusst. Bei dem Wert = 0 vernachlässigt Nimzo 7.32 die Sicherheit des Königs. Drehen an diesem Parameter macht nur dann Sinn, wenn man das Programm schwächen will, z.B. als Handicap.
 
:: Weight pawn structure
Je nach Wert kümmert sich Nimzo 7.32 nicht mehr so recht um seine Bauernstruktur und lässt sich bereitwillig Schwächen anhängen.
 
:: Pawn, Knight, Bishop, Rook and Queen Value
Verändert die Werte für die einzelnen Figuren und wirkt sich dementsprechend je nach Wert drastisch auf das Spielverhalten aus.
 
:: Detect piece threat
Vertieft die Suche, falls bei Erreichen des Rechenhorizontes eine Figur bedroht wird.
 
:: Single move extension
Vertieft die Suche des Programms, falls bei Erreichen des Suchhorizonts der letzte Zug die einzigste legale Möglichkeit war.
 
:: Futility cutoff 1ply
Die Suche wird maßgeblich beeinflusst, prüft beim Einsetzen der Ruhesuche zunächst, ob mit dem folgenden Zug das materielle Gleichgewicht wieder hergestellt werden kann. Falls nicht, sucht der Algorithmus nicht weiter. Durch dieses Verfahren wird das Programm unter Umständen taktisch etwas schwächer, kann aber dafür in gleicher Zeit mehr Varianten prüfen.
 
:: Futility cutoff 2ply
Funktioniert analog zu der zuvor beschriebenen Funktion. Falls die Seite am Zug zwei Halbzüge vor dem Suchhorizont materiell im Rückstand ist, werden nur mehr Schlagzüge untersucht.
 
:: Hashtable learning
Speichert alle von Nimzo 7.32 als relevant beurteilten Stellungen permanent in der Datei nimzo732.lrn. Vor jeder Berechnung werden diese Werte wieder in die Hashtabelle eingetragen und Nimzo 7.32 wird auf diese Weise in begrenztem Ausmaß lernfähig.
 
:: Bonus Bishop Pair
Über diesen Schalter kann man den Wert für das Läuferpaar einstellen.
 
:: Bonus nullmove
Vergibt einen Bonus für den Nullmove. Bei einem höheren Wert wird eine Variante eher abgeschnitten, falls alle anderen Züge noch negativer bewertet werden.
 
:: Critical legal moves
Dieser Parameter beeinflusst die Zeiteinteilung. Wenn es an der Wurzel des Suchbaums nach Ansicht des Programms mehrere "Critical legal moves" gibt, wird für jeden Bonuszug mehr Zeit vergeben. Bei hohen Werten spielt das Programm etwas schneller, niedrige Werte ergeben den umgekehrten Effekt.
 
:: TableBase depth
Von der Wurzel aus greift das Programm je nach Vorgabe mit der entsprechenden Tiefe in Halbzügen auf die TableBases zu. In entsprechen Positionen, die von der Wurzel des Suchbaums weiter entfernt sind, greift Nimzo 7.32 auf die im RAM gepufferten Datenbanken im NCD-Format zu.
 
 
Die Schachsprache CHE
Damit sind die Möglichkeiten des Anwenders, auf das Spielverhalten des Programms Einfluss zu nehmen, noch längst nicht erschöpft. Besonders tiefgreifende Modifikationen kann der User mit Hilfe des kostenlosen Editors CHE vornehmen. Die Schachsprache CHE war bereits bei der DOS-Version von Nimzo 3.0 Bestandteil des Programmpaketes. Mittlerweile fehlt zwar die seinerzeit vorhandene grafische Oberfläche zum Erfassen der einzelnen Parameter, dafür ist die Skriptsprache deutlich flexibler und ermöglicht aufgrund der interessanten Aufgabenstellung einen besonders angenehmen Einstieg in die Programmierung. Als Entwicklungsumgebung steht ein leicht modifiziertes Wordpad zur Verfügung.
 
Was kann man nun mit CHE alles machen? In erster Linie kann man selber einmal ausprobieren, was passiert, wenn man einem Schachprogramm verschiedene Regeln oder Begriffen einzutrichtern versucht. In der Regel hat es meistens immer den gleichen Effekt: meistens macht das Programm etwas ganz anderes, als man eigentlich geplant hatte ...
 
Theoretisch soll es sogar möglich sein, ein eigenes Programm mit Che entwickeln zu können. Die Sprache ist natürlich nicht ganz trivial, bietet aber noch den zusätzlichen Vorteil, dass nach eingehender Beschäftigung damit der Einstieg in komplexere Programmiersprachen aufgrund der gewonnenen Erfahrungen deutlich leichter vonstatten gehen sollte. Also im Unterschied zu dem ansonsten so zeitraubenden Hobby ein echter Nutzeffekt!
 
Hinweis: das hier beschriebene CHE gehört nicht zum Lieferumfang von Nimzo 7.32. Sie können das Tool mit einer ausführlichen Dokumentation und Beispieldateien direkt von der Homepage von Chrilly Donninger downloaden.
 
 
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