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Diagramm 16-2006
 
Diagramm 16 – 2006
Schwarz am Zuge benötige hier nur noch zwei Züge, um den Anziehenden zur Aufgabe zu bewegen. Wie setzte er fort?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Nimzo 2000 - ein flexibles Schachprogramm!
besprochen von Peter Schreiner - März 1999 - Teil 2
 
 
Datenbank und Datenformate
Nimzo2000 unterstützt das Datenformat PGN und das schon vom Vorgänger bekannte hauseigene NDT-Format. In dieser Hinsicht ist die WB-Engine unter dem Chess Genius 6 eindeutig vorzuziehen, da Nimzo hier zusätzlich auf die wichtigen Standardformate CBF und EPD zugreifen kann. Bleiben wir zuerst bei den Ausstattungsmerkmalen des Standalone-Nimzo.
 
Im Lieferumfang befinden sich neben einer großen Datenbank mit ca. 100 000 Partien noch kleinere Partiesammlungen im hauseigenen NDT-Format. Die Partieverwaltung wurde gegenüber dem Vorgänger nicht geändert und bietet ein gutes Niveau. Man kann größere Partiesammlungen nach den üblichen Suchkriterien wie z.B. Spieler, Jahr oder Text durchforsten; gezieltere Abfragen nach den Kriterien Eröffnungen, Brettstellungen oder ECO sind leider nicht möglich.
 
Die Partienverwaltung von Nimzo2000 ist für die Speicherung von Partien sicherlich ausreichend, kann aber mit den ausgefeilten Datenbankfunktionen von Fritz 5.32, dem ChessBase-Pendant Nimzo99 oder auch dem Rebel10 nicht mithalten. Über die Funktion DB-STELLUNGEN ANALYSIEREN kann man komplette Datenbanken analysieren. Dies funktioniert aber nur mit Positionsdatenbanken, die Partiefragmente enthalten. Datenbanken mit kompletten Notationen werden nicht berücksichtigt.
 
Diese Option dürfte insbesondere für Computerschachfreaks, die gerne die gängigen Testserien vollautomatisch analysieren lassen, interessant sein. Wie bereits mehrfach erwähnt, wird diese an sich begrüßenswerte Funktion leider durch die fehlende Möglichkeit, die Ergebnisse direkt am Bildschirm einzusehen, stark entwertet. Nimzo2000 unterstützt zum Datenaustausch den Ex- und Import des PGN-Formates; dies funktioniert mit kompletten Partien auch einwandfrei. Das weit verbreitete EPD-Format, das zur Speicherung von Schachpositionen genutzt wird, wird leider nicht unterstützt.
 
Genau wie der Vorgänger hat das Programm nach wie vor Probleme, wenn innerhalb eines PGN-Files anstatt kompletter Partien nur Partiefragmente enthalten sind. In diesem Fall kann Nimzo2000 diese Dateien im Gegensatz zu anderen Programmen nicht korrekt importieren, was den Datenaustausch mit anderen Programmen natürlich nicht gerade erleichtert.
 
Die Dateiverwaltung des Standalone-Nimzo2000 beschränkt sich also auf das Minimum (Varianten, Untervarianten + Kommentare werden vom NDT-Format ebenfalls nicht unterstützt) und fällt im Vergleich zu Programmen wie Fritz 5.32, Rebel 10 oder Chess Genius 6 deutlich ab. Man kann zwar mit dem Programm problemlos Partien oder Stellungen speichern, die Schnittstelle zum Datenaustausch mit anderen Programmen ist aber ungenügend und eigentlich die einzigste echte Schwachstelle des ansonsten recht gelungenen Programms.
 
 
Analysefunktionen
Eines der Highlights des Programms ist die durchdachte Unterstützung des Anwenders bei der Analyse von Schachpartien oder Stellungen. Neben dem heutzutage üblichen Eingabemodus, bei dem das Schachprogramm seine Bewertungen zur aktuellen Brettstellung einblendet, kann man im Analysemodus mit der Funktion NÄCHSTBESTER ZUG alle Alternativen nach Gewichtung durch das Programm abrufen. Die Option PARTIE ANALYSIEREN ermöglicht die nachträgliche Analyse einer gespeicherten Partie, wobei man über ein Auswahlmenü im voraus festlegen kann, nach welchen Kriterien die Partie analysiert werden soll. Neben der Bedenkzeit pro Zug überprüft Nimzo2000 die Züge beider Seiten oder nur einer Farbe; alternativ kann man die Analyse einer Partie auch auf bestimmte Teilbereiche der Partie (Zug X - Zug Y) beschränken.
 
Die Analyseresultate blendet Nimzo2000 etwas unübersichtlich in einem Textfenster ein. Es besteht zwar die Möglichkeit, die Ergebnisse in einer Textdatei zu speichern und später auszudrucken; wesentlich nützlicher wäre es jedoch, wenn der Anwender diese Ergebnisse beim Nachspielen einer Partie direkt am Bildschirm einsehen könnte.
 
Das Fernschach dürfte durch den Einsatz von Computern deutlich an Niveau gewonnen haben. Sehr ärgerlich, wenn man durch einen groben taktischen Schnitzer eine seit Jahren lfd. Partie verliert. Ich gehe davon aus, dass jeder ambitionierte Fernschachspieler vor dem Versenden seinen Antwortzug von einem starken Schachprogramm auf eventuelle taktische Ungenauigkeiten untersuchen lässt.
 
Nimzo2000 wendet sich an diese Zielgruppe mit einem besonders ausgeklügelten Analysemodus, um diese Positionen tiefschürfend zu untersuchen. Über den Schalter AUSGANGSSTELLUNG:ZÜGE legt man die Anzahl der Züge fest, die aus der gegebenen Position überprüft werden sollen. Weitere Optionen: AUSGANGSSTELLUNG:ZEIT/ZUG gibt die Zeit pro Zug vor, während die Einstellung VARIANTE:TIEFE die Anzahl der Halbzüge festlegt, mit der Nimzo2000 die Variante im Autoplay zu Ende führt, bevor die Analyse beendet wird. Die Resultate werden in eine Textdatei geschrieben und damit kommen wir wieder zu der Schwachstelle des Programms: es fehlt einfach die Möglichkeit, die Ergebnisse direkt vom Programm aus am Monitor einzusehen.
 
 
Eröffnungstheorie
Die Eröffnungsbibliothek war schon immer eine der Stärken von Nimzo. Innerhalb des Nimzo-Teams ist der Eröffnungsexperte Alexander Kure seit Jahren für die Feinabstimmung des Eröffnungsbuches auf die Spielweise von Nimzo2000 zuständig. Nach meiner Ansicht wird die Arbeit in diesem Bereich häufig unterschätzt. Jeder Schachspieler kennt aus eigener Erfahrung das Problem, die richtigen, zu den eigenen Stärken und Schwächen passenden Abspiele der Eröffnungstheorie zu finden. Mit Hilfe eines Spezialisten kann die Erfolgsquote eines Programms alleine durch geschickte Vergabe der Präferenzen deutlich steigern, was natürlich bei den fast automatisch aus Datenbanken generierten Positionsbäumen nicht möglich ist.
 
Nimzo2000 verfügt über ein ausgezeichnetes, abwechslungsreiches Standardbuch mit vielen scharfen, taktisch geprägten Varianten. Die fünf verschiedenen, nach Stilen klassifizierten Eröffnungsbücher bieten je nach Gusto genügend Abwechslungsreichtum. Wahlweise kann zu jedem Buch die Einstellung Zufall - das Programm wechselt häufiger die Varianten - oder ein spezielleres Repertoire ausgewählt werden. Die Eröffnungszüge werden mit ihren Präferenzen auf dem Hauptschirm angezeigt und sind via Mausklick komfortabel direkt abrufbar.
 
So weit so gut: nachteilig beurteile ich die fehlende Option, die bestehenden Bibliotheken für eigene Trainingszwecke zu modifizieren oder neue Bibliotheken anzulegen. Für längere Wettkampfserien (z.B. in der SSDF) wichtig: Nimzo2000 verfügt über ein sehr effektives Booklearning und modifiziert eigenständig das Ausspielverhalten in der Eröffnungsphase. Falls das Programm mit einem bestimmten Zug dauerhaft negative Ergebnisse erzielt, sperrt es die betreffenden Varianten und wählt andere Alternativen. Vorteil für den Benutzer: das Programm lässt sich auf einen längeren Zeitraum hinweg nicht immer wieder mit der gleichen Variante aufs Kreuz legen.
 
In Anbetracht der Tatsache, dass die SSDF-Liste ein wichtiger Faktor bei der Kaufentscheidung vieler Anwender ist, kommt einem effektiven Booklearning natürlich auch eine sehr große Bedeutung zu. Gerade bei der SSDF spielt ein Schachprogramm in der Regel längere Wettkampfserien gegen andere elektronische Gegner und mit steigender Anzahl der Partien sinkt bei einem effektiven Booklearning die Gefahr, wertvolle Punkte durch die unvermeidlichen Löcher in jeder Bibliothek zu verlieren. Nimzo2000 zeigt die selbständig vorgenommenen Änderungen im Buch mit einem vorangestellten (*) in der Buchanzeige an.
 
 
Spielstil und Spielstärke
Eine finale Beurteilung der schachlichen Qualitäten von Nimzo2000 war in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit unmöglich. Rechte eindeutig kann man sich aber auf folgende Aussage festlegen: die beiden Engines zeigten in diversen Stellungstests ein völlig unterschiedliches Verhalten! Während die Standalone-Version von Nimzo2000 in diversen Partien einen aggressiven Eindruck hinterließ und Kombinationen viel eher aufspürte, agierte die mitgelieferte Winboard-Engine unter der Genius 6 Oberfläche viel ruhiger und zäumte das Spiel eher positionell auf.
 
Fakt ist, dass die auf der Nimzo2000-CD gelieferten Programme in identischen Situationen häufig andere Züge spielen und in den Bewertungsanzeigen sehr stark differieren.
 
Sowohl der Standalone-Nimzo2000 als auch die WB-Engine (unter Genius 6) laufen mit dem Autoplayer. Beide Versionen von Nimzo sind ausgesprochen schnelle Rechner, wobei die WB-Engine etwas langsamer in der Geschwindigkeitsausführung zu sein scheint. Nach meiner subjektiven Einschätzung und den ersten gespielten Partien gegen die WB-Engine unter Genius 6, Fritz 5.32 und Junior 5.0 scheint die Standalone-Version etwas stärker als die WB-Engine zu sein und an die bekannten Qualitäten von Nimzo98 anzuschließen.
 
Ein extrem schnelles Programm mit enormer taktischer Schlagkraft, aber Defiziten in ruhigen, eher von positionellen Aspekten geprägten Stellungen. Nach den bisher gespielten Partien gegen die anderen Top-Programme kann man durchaus davon ausgehen, dass Nimzo2000 in den gängigen Wertungslisten ganz oben mitspielen wird. Die mitgelieferte WB-Engine habe ich vorab ausschließlich unter der Oberfläche des Genius 6 getestet, mit der die Engine in allen wesentlichen Enginefunktionen (Multianalyse, usw.) dieses Systems einwandfrei harmonierte.
 
 
Fazit
Die neueste Kreation aus der "Nimzo-Werkstatt" deckt die Anforderungen mehrerer Zielgruppen ab. Die Standalone-Version scheint mir vor allem für den Schachspieler geeignet zu sein, der ein einfach zu bedienendes Windows-Programm sucht und vor eher Wert auf höchste Spielstärke legt. Die mitgelieferte Winboard-Engine unterscheidet sich recht deutlich im Spielverhalten und kann unter der im Internet als Freeware vertriebenen Benutzeroberfläche Winboard ohne weitere Kosten eingesetzt und getestet werden.
 
Attraktiv dürfte das Angebot der Firma Millennium2000 aus München natürlich auch für die Besitzer des hauseigenen Chess Genius 6 sein, unter dessen Oberfläche die WB-Engine mit allem Komfort (Datenbankzugriff, gleichzeitige Analyse verschiedener Engines, usw.) dieses Systems genutzt und getestet werden kann. Die CD kostet 99.- DM und ist überall im qualifizierten Fachhandel erhältlich.
 
Peter Schreiner
 
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