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Diagramm 17-2006
 
Diagramm 17 – 2006
In dieser Stellung verspeiste Weiß ohne Argwohn den Bauern auf e5. Dieser war jedoch vergiftet. Was hatte Weiß übersehen?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Nimzo 2000 - ein flexibles Schachprogramm!
besprochen von Peter Schreiner - März 1999 - Teil 1
 
Chrilly DonningerZu den innovativsten Vertretern unter den professionellen Schachprogrammierern gehört ohne Zweifel der Österreicher Dr. Christian (Chrilly) Donninger. Schon seit 1994 betreibt der Österreicher die Schachprogrammierung als Profi und konnte sich spätestens mit dem seinerzeit revolutionären Autoplayer, mit dessen Hilfe man zwei Schachprogramme auf verschiedenen Computern vollautomatisch ganze Wettkampfserien austragen lassen kann, und dem zeitgleich entwickelten PC-Schachbrett Chess 232 in der Szene etablieren.
 
 
Allgemeines
Das Lieblingsprojekt und Referenzprodukt ist natürlich das seit Anfang der Neunziger konstant weiter entwickelte Schachprogramm Nimzo. Anhand der Namensbezeichnung des Programms ist es für einen Kenner der Schachhistorie nicht schwer zu erraten, wer ganz offensichtlich zu den schachlichen Heroen des Autoren gehört: der streitbare Schachtheoretiker und Weltklassegroßmeister Aron Nimzowitsch.
 
Im Unterschied zu dem berühmten baltischen und späteren dänischen Großmeister überzeugt der elektronische Namensvetter weniger mit strategischen Feinheiten, sondern glänzt in erster Linie mit einer enormen taktischen Durchschlagskraft - dazu später noch mehr. Betrachtet man sich die schachliche Vita der diversen Nimzo-Versionen in den letzten 4 Jahren, so muss man anerkennend festhalten, dass das Programm durchweg über einen längeren Zeitraum mit konstant guten Resultaten überzeugte.
 
Eine weitere Gemeinsamkeit mit Aron Nimzowitsch sehe ich auch darin, dass das Programm mehrfach in wichtigen Turnieren Pech hatte und nur ganz knapp einige der unter kommerziellen Aspekten so eminent wichtigen Titel verpasste. Trotzdem ist die Erfolgsbilanz mit z.B. dem besten Ergebnis beim Aegon-Turnier 1996, guten Ergebnissen bei diversen Mikro-WMs oder dem Gewinn der Holländischen Computermeisterschaft 1997 beeindruckend. In den Kreisen der auf absolute Spielstärke fixierten Computerschachfreaks gelang Donninger mit seinem Windows-Programm Nimzo98 dann der endgültige Durchbruch.
 
Die auf Geschwindigkeit getrimmte Windows-Software gewann auf Anhieb die immer sehr stark besetzte Holländische Meisterschaft und konnte sich in den gängigen Computerranglisten dauerhaft in der Spitzengruppe platzieren. In kaum einem anderen Berufsfeld herrscht in Anbetracht der immer zahlreicher vorhandenen Konkurrenz ein derart knallharter Wettbewerb wie in der Schachprogrammierung. Hat man als Profi ein sehr hohes Niveau erreicht, wird es immer problematischer, spürbare Zuwächse im Bereich Spielstärke zu erzielen.
 
Eine weitere Folge des enormen Drucks: viele Profis verfügen gar nicht mehr über die notwendige Zeit, um mit radikal neuen Ansätzen und Konzepten zwecks Verbesserung ihrer Programme zu experimentieren. Geht dies nämlich schief und schneidet das eigene Programm in den gängigen Wertungslisten schlechter als eine Vorgänger-Version ab, wird es mit der Sicherung des eigenen Lebensunterhaltes kritisch.
 
Legt man bei der Beurteilung für die Qualität eines Programms als Maßstab den Verbreitungsgrad in Produktpaletten verschiedener Hersteller an, gehört Chrilly Donningers Nimzo zu den momentan erfolgreichsten Programmen. Nimzo findet man in modifizierten Versionen seit einiger Zeit in den Produktreihen von Mephisto, Hexaglott, Rossipaul, Tewi, Millennium und seit kurzem auch bei ChessBase; ein geradezu beeindruckender Verbreitungsgrad, der neben der Güte des Programms wohl auch Rückschlüsse auf ein gutes Verhandlungsgeschick des Autoren zulässt.
 
 
Lieferumfang und Installation
Das mir zur Besprechung vorliegende Musterexemplar kommt im wesentlichen mit zwei Komponenten daher: dem Standalone-Programm Nimzo2000 und einer für die Freeware-Oberfläche Winboard konzipierten Schachengine, die mit Hilfe des Winboard-Konverters von Stefan Meyer-Kahlen unter dem Millennium Chess System genutzt werden kann. Zusätzlich befindet sich im Lieferumfang der CD noch ein Handbuch im Winword-Format, in dem die wichtigsten Funktionen von Nimzo2000 kompakt und verständlich dargestellt sind.
 
Das Win95/98-Programm ist sehr einfach zu installieren: einfach die CD einlegen und die übliche Setup-Routine starten. Der Anwender kann selbst entscheiden, welche Komponenten auf der Platte installiert werden. Verzichten Sie auf die mitgelieferten und sehr umfangreichen Partiensammlungen, begnügt sich das Programm mit ca. 12 MB auf der Festplatte. Der Kopierschutz wurde gegenüber dem Vorgänger Nimzo98 nicht geändert und basiert auf einem Standardverfahren: gelegentlich fordert das Programm zwecks Überprüfung der Nutzungsberechtigung die Original-CD an. Das Windows-Programm stellt keine exotischen Anforderungen an den benutzten Rechner und sollte auf jedem Pentium mit 32 MB RAM, CD-Rom usw. und den Betriebssystemen Win95/98 gut laufen.
 
Nach der Installation sollte man unbedingt die Größe der HashTables verändern. Nimzo2000 begnügt sich "ab Werk" mit kümmerlichen 1 MB für HashTabellen; als Richtwert sollte man für die Größe der HashTabellen etwa die Hälfte des verfügbaren Arbeitsspeichers einstellen. Besitzen Sie beispielsweise ein System mit den heutzutage üblichen 64 MB RAM, stellen Sie die Größe der HashTabellen entsprechend der oben ausgesprochenen Empfehlung auf 32 MB ein.
 
 
Winboard-Engine Nimzo2000 und Genius 6
Neben der eigentlichen Standalone-Version wird noch eine für die Freewareoberfläche Winboard konzipierte Version von Nimzo2000 mitgeliefert. Im Hauptverzeichnis der mir vorliegenden Beta gibt es ein selbstextrahierendes Zip-Archiv mit der Bezeichnung "nimzoengine.exe", das alle zum Betrieb benötigten Dateien der Nimzo2000-Engine direkt unter der Oberfläche des Chess Genius 6 einbindet und dem Anwender aufwendige Konfigurationseinstellungen abnimmt. Zum besseren Verständnis führen wir die einzelnen Dateien und ihre Bedeutung unter dem MCS-System explizit auf.
 
1.  Im Unterverzeichnis Engines des Genius6 wird - wie für alle WB-Engines - ein weiterer Ordner mit der Bezeichnung "nimzo" angelegt. Dorthin kopiert das selbstentpackende Archiv die Dateien "WbEng2000.dll" und "WbNimzo2000.exe", die für die eigentlichen Schachalgorithmen zuständig sind.
 
2.  Zusätzlich wird in diesen Ordner eine Initialisierungsdatei mit der Bezeichnung "WbNimzo2000.ini" und der für den Betrieb aller WB-Engines notwendige Winboardkonverter mit der Bezeichnung "wbconv.dll" kopiert. Im Unterschied zu den reinen MCS-Engines (Genius, WChess, Shredder oder Zarkov) benötigen alle anderen zum Winboard kompatiblen Engines für das optimale Zusammenspiel mit der Oberfläche des Genius 6 die von Stefan Meyer-Kahlen entwickelte Winboardkonverter Software. Der Winboardkonverter für das MCS-System wird von Stefan Meyer-Kahlen kontinuierlich weiterentwickelt und steht mit einer ausführlichen Dokumentation und angepassten Eng-Files für die gängigen Winboard-Engines auf der Webseite von Millennium 2000 zum Download bereit.
 
3.  Für jede unter dem MCS-System laufende Engine gibt es eine spezielle Konfigurationsdatei mit der Dateiendung *.eng, die an das Interface wichtige Informationen (z.B. Pfadangaben) weitergibt und anwenderspezifisch mit jedem beliebigen Texteditor konfiguriert werden kann. Die für den reibungslosen Betrieb von Nimzo2000 zuständige Datei "Nimzo2000.eng" wird in das Hauptverzeichnis des Genius6 kopiert.
 
4.  Im Unterschied zu den anderen Engines kommt die Nimzo2000-Engine mit einem eigenen Eröffnungsbuch daher und greift nicht auf den im MCS-System implementierten Positionsbaum zu. Diese Eröffnungsbibliothek ist für den reinen Spielbetrieb zwingend notwendig und wird ebenfalls automatisch eingerichtet. Im Verzeichnis des Genius6 findet man im Unterverzeichnis "Engines\Nimzo\" einen weiteren Unterordner mit der Bezeichnung "Books". Die verschachtelte Verzeichnisstruktur sieht dann im Genius6-Verzeichnis so aus: "engines\nimzo\books". Dorthin wird eine speziell für Nimzo2000 angepasste Bibliothek mit der Bezeichnung "standard.nbk" hinkopiert, auf die das Programm während der Eröffnungsphase zugreift.
 
Gleichzeitig scheint diese Datei als eine Art versteckter Kopierschutz zu fungieren, denn löscht man das File weg, dann verweigerte die Engine auch prompt ihre Dienste unter Genius6. Sieht man einmal von der Einschränkung ab, dass die Engine unter dem MCS-System keinen Gebrauch von dem neuen Positionsbaum macht, hinterlässt die Einbindung im MCS-System einen guten Eindruck: nach meinen Erfahrungen und Tests funktionieren sämtliche Enginefunktionen (z.B. Engine-Engine; Multi-Engine-Analyse, Autoanalyse usw.) des Genius6-Interfaces einwandfrei.
 
 
Der erste Eindruck
Zuerst einmal zur Standalone-Version: Nimzo2000 bietet im Vergleich zum Vorgänger den gleichen aufgeräumten Bildschirm mit einem großen 2D-Brett (alternativ 3D) und allen wichtigen Anzeigen, z.B. detaillierte Informationen zum Rechenvorgang, Inhalt der Eröffnungsbibliothek, Zugvorschlag oder die Schachuhr. Die Grafik des 2D-Figurensatzes und das Bildschirmlayout wurde gegenüber dem Vorgänger leicht modifiziert; ansonsten ist die Oberfläche eher konventionell, aber übersichtlich strukturiert.
 
Wie bei so vielen aktuellen Schachprogrammen für Windows hält Nimzo2000 die gängigen Windows-Standards mit einem eigenen Fenster für das jeweilige Bildschirmelement (Schachuhr, Bewertungsanzeige, usw.) nicht ein. Dies stellt meiner Ansicht nach aber kein Problem dar, schließlich will man in erster Linie spielen und analysieren, was mit Nimzo2000 sehr gut zu bewerkstelligen ist. Alle Funktionen werden über die üblichen Pull-down-Menüs abgerufen; gut angestanden hätte dem Programm vielleicht noch eine Schnellstartleiste mit aussagekräftigen Buttons, um häufig genutzte Funktionen schnell ohne Umweg über die reichhaltig ausgestatteten Pull-down-Menüs abrufen zu können. Insgesamt ist die Grafik konventionell, man kann aber mit der Software auch als Einsteiger intuitiv arbeiten.
 
 
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