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Diagramm 19-2006
 
Diagramm 19 – 2006
Die schwarzen Figuren stehen äußerst aktiv. Nun gilt es loszuschlagen. Haben Sie eine Idee, wie Schwarz seinen Gegner zur Aufgabe zwang?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Junior 7.0 + Deep Junior 7
besprochen von Peter Schreiner - August 2001 - Teil 2
 
Diese Stellung stammt aus einer Partie von Michail Tschigorin. Wiederum ist die unterschiedliche Positionierung der Könige das Hauptkriterium. Hier steht Schwarz aufgrund der unsicheren Stellung seines Königs deutlich gefährdeter. Weiß muss aber energisch handeln um seinen Vorteil zu realisieren und griff zum klassischen Mittel in solchen Situationen: Linienöffnung um jeden Preis! 15.d5! cxd5 16.cxd5 0-0-0 17.Te1 Sc7 18.dxe6 fxe6 19.Lg4 The8 Die konkreten Drohungen gegen den König wurden von Schwarz zwar abgewehrt und er konnte sogar rochieren. Dafür ist jetzt der Sd2 vom Spiel abgeschnitten. 20.De2 Kb8 21.Tac1 Td5 22.De3 g6 23.Lc5 e5 24.a3 Sb5 25.Lb4 Dd8 26.Lxd2 1-0. Junior 7 benötigt für den Schlüsselzug 1:03 Minuten, Junior 6 gibt konsequent dem schlechteren Te1 den Vorzug.
 
Auch hier lässt sich der Unterschied in der Bewertungsfunktion zwischen den beiden Junior-Versionen nachweisen. 1.Sxg5! ist ein naheliegender Versuch, die geschwächte Königsstellung auszunutzen. 1...hxg5 2.Dg3 e5 Zwingend notwendig ist hier f6 mit der Rückgabe des Springers. Schwarz behält danach zwar die deutlich schlechtere Stellung, hat aber noch Verteidigungschancen. Junior 7 spielt den Schlüsselzug 1.Sxg5 bereits nach 7 Sekunden aus, während Vorgänger Junior 6 nicht von dem weniger energischen 1.h4 abzubringen ist.
 
Natürlich produziert auch die aktuelle Engine-Generation immer noch Züge, die beim Nachspielen doch einiges Schmunzeln hervorrufen.
 
Was würde ein Mensch in dieser Stellung ziehen? Natürlich sofort einen Damentausch und dann in aller Ruhe die Mehrfigur verwerten. Fast alle Computerprogramme, so auch Junior 7, beurteilen die Stellung offensichtlich ganz anders und bevorzugen 1.Lf5, was natürlich kein Verlustzug ist, aber die Gewinnführung doch deutlich erschwert.
 
Im praktischen Spiel gibt sich die neue Engine ebenfalls keine Blöße und kann einwandfrei mit den Topengines der Konkurrenz mithalten. Sowohl gegen Shredder 5.32, Chess Tiger 14 und Fritz 6 gab es durchweg ausgeglichene Resultate in den Enginematches. Charakteristisch für die neue Junior-Engine ist aufgrund der hohen Rechentiefe und Geschwindigkeit ein extrem sicheres Spiel, das einen erstaunlich positionellen Eindruck hinterlässt.
 
Brandgefährlich wird das Programm, wenn konkrete Angriffsmotive auftauchen oder ein dynamisches Angriffsspiel aufgezogen werden kann. Die neue konzipierte Bewertungsfunktion greift auch dann sehr gut, wenn es um typisches Anti-Computerschach geht. Es ist bei weitem nicht mehr so einfach, dass Programm mit typischem Anti-Computerschach hereinzulegen.
 
Eine der Hauptstärken der neuen Junior-Engine sehe ich in einem Anwendungsbereich, zu dem Schachengines wohl am häufigsten eingesetzt werden: der Hintergrundanalyse beim Nachspielen oder Eingeben von Partien. Die meisten starken Schachspieler vertrauen den positionellen Bewertungen der Schachprogramme sowieso nicht und bevorzugen für dieses wichtige Anwendungsgebiet vor allem ein Werkzeug, das taktisch sicher ist und binnen kürzester Zeit abgesicherte Ergebnisse liefert. Dies ist eine der Hauptstärken von Junior 7, der für diese Aufgabe aufgrund seiner hohen Rechentiefen besonders gut geeignet ist.
 
 
Die Programm-Gui
Auf den ersten Blick ist die Benutzeroberfläche mit der von Fritz 6 identisch. Es gibt aber einige kleine Erweiterungen und konzeptionelle Unterschiede. Unter Extras/Optionen findet man unter dem Eintrag Version die Option "Tournament Features." Diese Funktion ist vor allem für den Einsatz des Programms in Turnieren gedacht und macht das Leben für den konzentrierten Operator etwas einfacher.
 
Nehmen wir an, Sie möchten das Programm in einem Turnier mit Beteiligung von Menschen mitspielen lassen. Wenn das Programm in solchen Turnieren nach jedem Zug ein Tonsignal ausgibt, dürfte dies sehr schnell ein gespanntes Verhältnis mit dem Gegner und den anderen Teilnehmern provozieren. Gerade bei längeren Bedenkzeiten kann es aber sehr anstrengend sein, wenn man die ganze Zeit den Monitor beobachten muss, um einen Zug des Computers mitzubekommen. Bei Aktivierung der obigen Funktion wird jetzt der Bretthintergrund nach jedem Zug des Computers mit einer weithin deutlich zu erkennenden roten Farbe unterlegt.
 
Ebenfalls für Turniere sehr sinnvoll ist die Option, dass das Programm nach jedem Zug die Partie in der Autosave-Datenbank ersetzt. Wenn während der Partie einmal der Strom ausfallen sollte (man sollte die Gefahr von unachtsamen Zuschauern, die bevorzugt über Stromkabel stolpern, nicht unterschätzen), kann man umgehend die Partien inkl. der Settings rekonstruieren und weitermachen.
 
Ein Blick in das Programm-Verzeichnis von Junior 7 offenbart dem ChessBase-Kenner eine weitere Neuerung. Bisher erfolgte der Aufruf für die Oberfläche über eine Exe-Datei, die je nach Programm-Version mit deren Namen gekennzeichnet war. Im Fall von Fritz 6 lautete die Bezeichnung der Exe-Datei z.B. Fritz6.exe. Seit Shredder 5.32 und jetzt auch mit Junior 7 wurde die Namensgebung, also der Start der Benutzerschnittstelle, vereinheitlicht. Die ausführende Startdatei hat jetzt die einheitliche Bezeichnung ChessProgram.exe. Gleichzeitig findet man unter dem Reiter Version den Eintrag GUI Version. Dort findet man einen Auflistung aller aktuellen ChessBase-Engines.
 
Welchen Sinn hat diese Option? Je nach Programmversion werden enginespezifische Optionen unter der Benutzerschnittstelle (= Gui) aktiviert. So kann man je nach Einstellung die enginespezifischen Benchmarks, z.B. den Fritzmark, berechnen lassen. Grundlegende Voraussetzung dafür ist natürlich, dass der Anwender auch im Besitz der jeweiligen Engine ist, bzw. diese gekauft hat. Dies hat für den Anwender den großen Vorteil, dass er das Interface zukünftig leichter pflegen und mit Updates ergänzen kann. Mit Junior 7 erhält der Anwender also die aktuellste Version der Fritz-Oberfläche, unter der natürlich nach wie vor auch alle älteren Engines eingebunden werden können.
 
Es ist daher durchaus sinnvoll, bei der Installation von Junior 7 eine aussagekräftige Bezeichnung für die Gui zu wählen. Wenn Sie z.B. das Programm unter dem Standardpfad C:\Programme\ChessBase installieren, könnten Sie z.B. die Bezeichnung Interface vergeben. Die Junior 7-Engine steht dann nach wie vor im Ordner Engines. Bei zukünftigen Updates oder neueren Versionen können Sie dann leicht das Interface updaten und Ihre Engines unter der aktuellsten Benutzeroberfläche betreiben.
 
 
Lieferumfang
Die Junior 7-CD enthält neben der neuen Engine und dem neuesten Interface noch ein handoptimiertes Eröffnungsbuch von dem israelischen Großmeister Boris Alterman, der seit einigen Jahren für die Eröffnungsbibliothek des Programms zuständig ist. Wie bereits bei Junior 6 ist die Festlegung der Präferenzen in dem Positionsbaum ausgezeichnet auf die Spielweise des Programms abgestimmt. In den bisher vorliegenden Testpartien, die mit dem exzellenten Buch von GM Alterman gespielt wurden, erreichte das Programm fast immer Stellungen, die dem dynamischen Spielstil von Junior 7 besonders gut entgegenkommen.
 
Komplettiert wird der Lieferumfang mit einer Partiendatenbank (über 300 000 Partien) und den wichtigsten Nalimov-Endspieldatenbanken, u.a. alle Drei- und Viersteiner. Ebenfalls im Lieferumfang sind weitere alternative Engines, wie z.B. Crafty, Doctor, usw. enthalten, eine willkommene Abwechslung, wenn man auch eine Gewinnchance gegen den Computer haben will. Junior 7 kostet 99,90 DM, was in Anbetracht der überaus reichhaltigen Ausstattung und der hohen Spielstärke sicher eine lohnende Investition darstellt.
 
 
Deep Junior 7
Von Amir Ban wurde seinerzeit in Kooperation mit ChessBase die erste Parallel-Version eines kommerziellen Schachprogramms veröffentlicht. Wer ein Multi-Prozessor-System besitzt oder mit der Anschaffung solch eines Systems liebäugelt, sollte sich unbedingt Deep Junior zulegen, das in der aktuellen Version maximal acht Prozessoren unterstützt. Die schachlichen Algorithmen der Parallelengine sind im wesentlichen mit denen von Junior 7 identisch. Beim Einsatz von Deep Junior 7 auf einem Rechner mit einem Prozessor konnte ich bis auf eine geringfügig geringere Knotenzahl keine relevanten Unterschiede feststellen. Dank der sehr effizient implementierten Parallelität legt das Programm auf einem Dualrechner jedoch nochmals deutlich zu. Dazu ein Beispiel aus der Partie Kasparov - Pribly,S von 1980:
 
Mein Dualrechner ist mit je zwei PIII/700 MHz bestückt. Um den Parallelalgorithmus der Engine unter gleichen Rahmenbedingungen zu testen, gibt es eine einfache Methode: Unter den Engineoptionen von Deep Junior 7 kann man unter dem Schalter "Threads" die Anzahl der verfügbaren Prozessoren einstellen. Deep Junior 7 benötigt mit einem 700 MHz-Prozessor und 256 MB HashTables 2:04 Minuten, um den Lösungszug 1.Txb4! aufzuspüren. Schaltet man den zweiten Prozessor hinzu, ergibt sich generell bei allen Testpositionen eine deutliche Verbesserung der Lösungszeiten, im konkreten Beispiel benötigt die Engine mit zwei Prozessoren nur noch 58 Sekunden, um den Schlüsselzug zu finden.
 
Der Performancezuwachs differiert je nach Komplexität der Teststellung, generell kann man den Entwicklern bescheinigen, dass die Engine die Möglichkeiten eines Multi-Prozessor-Systems optimal ausreizt. Ansonsten ist die Ausstattung von Deep Junior 7, wie z.B. Eröffnungsbuch, Interface, Partie- und Endspieldatenbanken dieselbe wie bei Junior 7. Deep Junior 7 kostet 199 DM, ein preisgünstiges Update von der Vorgänger-Version wird ebenfalls abgeboten. Vertiefende Informationen bekommen Sie überall im qualifizierten Fachhandel oder direkt unter www.chessbase.com
 
Peter Schreiner
 
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