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Diagramm 21-2006
 
Diagramm 21 – 2006
Weiß fand hier einen eleganten Weg, das Problem mit seiner angegriffenen Dame zu lösen. Sie können es ihm sicher gleichtun?!
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Junior 6
besprochen von Peter Schreiner - Januar 2000
 
Im Unterschied zu den frühen Tagen des PC-Schachs ist zur Zeit die Auswahl an spielstarker Schachsoftware so groß wie noch nie zuvor. Der Anwender steht also vor der Qual der Wahl, da viele starke Schachprogramme im Wettbewerb um die Käufergunst konkurrieren. Erschwerend für eine mögliche Kaufentscheidung kommt hinzu, dass sich die aktuellen Top-Progs hinsichtlich der effektiven praktischen Sielstärke kaum etwas nehmen und alle in etwa auf einem gleichen Level anzusiedeln sind. Wesentliche Unterschiede gibt es vor allem Dingen beim individuellen Spielverhalten in taktisch oder positionell geprägten Stellungen, was für den Interessenten heutzutage vielleicht ein wichtigeres Kriterium beim Kauf darstellen dürfte.
 
Bevor wir uns im folgenden Text mit den Spieleigenschaften von Junior 6.0 beschäftigen, noch ein Wort zu der Programmausstattung und den Systemvoraussetzungen. Junior 6.0 wird von ChessBase ohne Einschränkungen hinsichtlich des Funktionsumfangs mit der identischen Oberfläche von Fritz 6 ausgeliefert. Man kann die Engine sowohl unter Fritz und eben auch als Standalone-Version einsetzen. Um Wiederholungen zu vermeiden, empfehlen wir, sich bei Interesse noch einmal in unserem ausführlichen Artikel über Fritz 6 über die Ausstattung des Programms zu informieren.
 
 
Der Autor
Amir BanDer Programmautor, Amir Ban (siehe Bild) aus Israel, erreichte in der Szene seinen Durchbruch mit dem Gewinn der Mikro-WM in Paris 1997. Amir Ban ist kein Fulltime-Profi und beschäftigt sich mit der Schachprogrammierung in seiner Freizeit. Im Unterschied zu anderen Autoren war sein Programm nie als Standalone-Programm mit eigener Oberfläche verfügbar, sondern es war von Anfang an ein Bestandteil des Enginekonzeptes von ChessBase. Wir hatten seinerzeit die Vorgänger-Versionen bereits gründlich unter die Lupe genommen. Unser damaliges Fazit: ein sehr schnelles Programm mit einer außerordentlich hohen praktischen Spielstärke.
 
Ich hatte bereits bei diversen WM-Turnieren die Möglichkeit, mich mit dem Autor über seine Vorgehensweise bei der Programmierung zu unterhalten. Das Credo von Amir Ban in diesen Gesprächen war unmissverständlich: alles was irgendwie nützt, wird eben gemacht. Ein echter Pragmatiker also, der in keinem Dogma (wissensbasiert oder nicht?) fest verhaftet ist.
 
Amir Ban selbst stuft sein Programm definitiv in die Gruppe der "Schnellrechner" ein, d.h. er setzt bei der Weiterentwicklung also eher auf die effektive Implementierung von Suchstrategien und Bewertungsfunktionen, damit die Ausführungsgeschwindigkeit möglichst hoch ist. Die Anzeige der Suchtiefe kann im übrigen leicht fehlinterpretiert werden. Tiefe 14 bedeutet z.B., dass die momentane Suchtiefe des Programms bei 14 Halbzügen und nicht bei 14 vollen Zügen (= 28 Halbzüge) liegt. Bei der Rechentiefe erreicht Junior 6.0 mit maximal 63 Halbzügen beeindruckende Werte (Fritz 6 = 47 Halbzüge).
 
 
Kritikfähig?
In unseren Tests mit den Vorgänger-Versionen entdeckten wir daher immer wieder auch Probleme, sowohl Junior 4.6 als auch Junior 5.0 hatten mit der Unterverwandlung in eine andere Figur als eine Dame die allergrössten Probleme. Der Standpunkt des Autoren und des Herstellers auf die von uns übermittelte Kritik: Das Motiv der Unterverwandlung in eine andere Figur als eine Dame komme nicht so häufig vor, dass es praxisrelevant sei. Wir haben schon immer die Auffassung vertreten, dass ein HighEnd-Programm zumindest alle Schachregeln auch mustergültig beherrschen soll. Wie sieht es nun mit der neuen Version von Junior 6.0 aus?
 
Junior 6.0 beherrscht jetzt auch die Unterverwandlung in andere Figuren als die Dame perfekt. Sämtliche Teststellungen mit diesem Motiv wurden von Junior 6.0 einwandfrei gelöst. Bei Mattansagen demonstrierte Junior 5.0 ebenfalls teilweise verblüffende Probleme, die bei Junior 6.0 mit Hilfe der vorinstallierten 4-Steiner (TableBases) ausgeräumt scheinen.
 
Damit lässt sich eine weiteres Merkmal lokalisieren, dass nicht unerheblich zur praktischen Steigerung der Spielstärke beitragen dürft, der uneingeschränkte Support der TableBases! Junior 6.0 kann auf diese Endspieldatenbanken uneingeschränkt zugreifen und berücksichtigt die Resultate ebenfalls in der Suche; als zusätzliche Feinheit werden jetzt die HashTabellen nicht unmittelbar gelöscht.
 
 
Spielstärke
Der Versuch, die Spielstärke des Programms mit Teststellungen oder Partien gegen andere Maschinen konkret zu bestimmen, gestaltet sich aufgrund der Komplexität moderner Schachsoftware schwierig und erinnert an das Lesen im Kaffeesatz. Junior 5.0 war in Verbindung mit einem schnellen PC trotz der kleinen Macken und Eigenarten bereits ein absolutes Top-Programm. Wie wir bereits gesehen haben, hat Amir Ban nachgelegt und eine korrekten Unterverwandlung implementiert. Die neue Version dürfte mit dem Zugriff auf die TableBases noch einmal deutlich profitieren.
 
Zum Thema TableBases ist mir noch ein verbesserungswürdiges Detail des ansonsten hinsichtlich Bedienungskomfort so vorbildlichen Programms aufgefallen. Warum muss die Schnittstelle zu den TableBases in der entsprechenden *.ini eingetragen werden? Besser und dem sonst vorherrschenden Bedienungskomfort angemessen wäre eine Lösung, wo der User z.B. mit der Maus den Pfad für die Endspieldatenbanken angeben kann. Ansonsten lassen die bis jetzt vorliegenden Ergebnisse nur begrenzt Rückschlüsse darauf zu, wie es mit der endgültigen Spielstärke des Programms bestellt ist.
 
In einigen Stellungen schneidet der Vorgänger, in anderen wiederum schneidet die aktuelle Version besser ab. Taktisch ist die neue Version etwas langsamer, gleicht dies aber unserer Ansicht mit deutlich besserem positionellen und Endspiel aus. Ausserdem ist das Programm mit der Beherrschung elementarer Mattführungen und korrekter Unterverwandlung deutlich brauchbarer für exakte Anakysen geworden.
 
 
Der Großmeister
Was viele nicht wissen: Amir Ban kann bei der Weiterentwicklung seines Programms mit GM Boris Alterman auf die Hilfe eines echten Großmeisters zurückgreifen. Junior 6.0 kommt mit einer echten Novität: erstmals wird mit einem kommerziellen Schachprogramm eine Bibliothek ausgeliefert, die von einem Großmeister erstellt wurde. Wie verhält sich nun Junior 6.0 in der Eröffnungsphase? Zumindest außerordentlich aktiv und gleichzeitig sehr abwechslungsreich. Wie die Vorstellungen des GM über Eröffnungstheorie mit der Praxis des Schachprogramms übereinstimmen, muss sich noch zeigen.
 
 
Fazit
Nach unseren ersten Testresultaten stellt Junior 6.0 aufgrund der vielen Verbesserungen der Schachalgorithmen eine bedeutend solidere und durchschlagskräftigere Alternative zu dem Vorgänger mit einigem Potential zur Nr.1 in der internen CB-Rangliste dar. Die Einbettung in die neue Arbeitsumgebung von Fritz 6 lässt auch in Hinsicht Interface und Features wenig Spielraum für Kritik. Der Preis von 98.- DM ist für ein Schachprogramm dieser Klasse und mit dieser Ausstattung mehr als angemessen und geht vorbehaltlos in Ordnung.
 
Peter Schreiner
 
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