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Diagramm 18-2006
 
Diagramm 18 – 2006
Hier wurde eine »Schachmaschine« demontiert. Wie zerlegte Weiß am Zuge die misslungene schwarze Partieanlage?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Hiarcs 8
besprochen von Peter Schreiner - Mai 2002
 
Mark UniackeDas Programm Hiarcs von dem Engländer Mark Uniacke gehört seit dem Gewinn des WM-Titels 1993 kontinuierlich zu den Spitzenprogrammen. Der Name Hiarcs ist eine Abkürzung für "Higher Intelligence Auto Response Chess System" und bringt die Arbeitsphilosophie des Programmierers auf den Punkt. Der Autor setzt seit Jahren bei der Entwicklung seines Programms erfolgreich auf die Implementierung von möglichst viel Schachwissen. Seit der Veröffentlichung der letzten Version sind fast drei Jahre vergangen, in der Zwischenzeit war Mark Uniacke nicht untätig und hat eine Vielzahl von Verbesserungen und Erweiterungen gefunden, die Hiarcs 8 deutlich gut getan haben.
 
   
Verbesserte Engine
Die Engine wurde in zwei sehr wichtigen Bereichen grundlegend überarbeitet, in der Suche und in der Implementierung von konkretem Schachwissen. Der Suchbaum des Vorgängers Hiarcs 7.32 war bei Suchtiefen von über 10 Halbzügen nicht sehr effizient. Die aktuelle Hardwaregeneration bietet ganz andere Möglichkeiten, deshalb wurde der Suchbaum des Programms beschnitten und das Programm agiert jetzt viel selektiver. Diese Optimierung der Suchfunktion wurde offensichtlich sehr effektiv umgesetzt und bringt in der Praxis wesentlich höhere Rechentiefen von bis zu drei Halbzügen bei vollem Brett im Mittelspiel. Im Schnitt erreicht die Engine auch bei kurzen Bedenkzeiten über 30 Halbzüge, die maximale Suchtiefe des Programms liegt jetzt bei 62 Halbzügen! Die tiefere Suche erforderte eine komplette Überarbeitung der Bereiche Taktik und Strategie. Im Endresultat erreicht das Programm gegenüber seinem Vorgänger eine deutlich höhere Rechentiefe gepaart mit gesteigerter taktischer Schlagkraft, ohne das der von den Anhängern des Programms so geschätzte, aktive positionelle Spielstil darunter gelitten hat. Ein taktisches Beispiel mit einer klassischen Stellung:
 
   
Beispieldiagramme
Ortueta - Sanz, 1934
 
1...Txb2!! 2.Sxb2 c3 3.Txb6 c4 4.Tb4 a5 5.Sa4 axb4 0-1
 
1...Txb2 ist für viele Programme eine harte Nuss. Hiarcs 7.32 hat mit der Lösung ebenfalls Schwierigkeiten und zeigt den Schlüsselzug auf einem Athlon 1 GHz "erst" nach 14:37 Minuten an. Hiarcs 8 profitiert hier von den höheren Rechentiefen und zeigt den Lösungszug bereits nach 76 Sekunden mit einem deutlichen Plus für Schwarz an.
 
Was Schachwissen anbetrifft, gehörte Hiarcs schon immer zu den besten Programmen. Die effizientere Suche ermöglichte es dem Autoren, neue positionelle Kriterien in die Bewertungsfunktion einfließen zu lassen, ohne dass die taktischen Fähigkeiten des Programms darunter gelitten haben. Sehr viel neues Wissen verfügt die neue Engine über typische Bauernstrukturen, Freibauern und die dynamische Bewertung des Zentrums. Hiarcs 8 bewertet Faktoren wie starke oder schwache Felder, Königssicherheit, Figurenabtausch, Initiative und Königsangriff wesentlich zuverlässiger als der Vorgänger.
 
Beide weißen Läufer sind bedrohlich auf den schwarzen König gerichtet. Die weißen Türme nehmen eine ideale Position auf den zentralen Feldern ein und können schnell zum Königsflügel geführt werden. Weiß gewinnt mit dem doppelten Läuferopfer:
 
1.Lxh7+! Kxh7 2.Dh5+ Kg8 3.Lxg7 Kxg7 [3...f6 4.Dh8+ Kf7 5.Lxf8 Lxf8 (5...Txf8 6.Dh7+) 6.Dh5+ Ke7 7.Dh7+ Kd6 8.Txe6+; 3...f5 4.Dh8+ Kf7 5.Dh7 Dd7 6.Td3 f4 7.Txd5 Lxd5 8.Ld4 matt] 4.Dg5+ Kh7 [4...Kh8 5.Td4] 5.Td4 Lh2+ 6.Kh1 Df4 7.Txf4 Lxf4 8.Dxf4
 
Hiarcs 8 fackelt hier nicht lange und spielt das Läuferopfer bereits nach 3 Sekunden aus, während der Vorgänger 1:32 Minuten auf der gleichen Hardware benötigt.
 
In dieser Stellung gewinnt Weiß mit dem Springeropfer auf h7:
 
1.Sxh7!! Kxh7 2.Dh4+ Kg8 3.Lh6 Lg4 4.Lg7 Lh5 5.Dg5 Sg4 6.h3 Sxf6 7.Lxf6 1-0
 
Auch hier demonstriert die neue Engine im direkten Vergleich zum Vorgänger ihre taktischen Qualitäten. Während Hiarcs 7.32 auf einem PIII/800 MHZ 3:06 Minuten benötigt, zeigt Hiarcs 8 bereits nach 55 Sekunden das Opfer an.
 
   
Im Test gegen einen Großmeister
Im März konnte eine Beta-Version von Hiarcs 8 die spielerischen Qualitäten des Programms in der Praxis gegen einen starken Großmeister demonstrieren. Auf Kasparovchess und dem Fritz7-Server wurden live die Partien verschiedener Computerprogramme gegen GM Boris Gulko übertragen, der einzigste Spieler auf der Welt, der es geschafft hat, sowohl die sowjetische als auch die amerikanische Landesmeisterschaft zu gewinnen. Nachdem die erste Partie zwischen beiden Kontrahenten mit Remis endete, erzielte Hiarcs 8 in der zweiten Begegnung einen schönen Sieg.
 
Hiarcs - Gulko,B [A43]
60min + 10sec, 25.03.2002, Kommentare von Boris Gulko
1.e4 d6 2.d4 Sf6 2 3.Sc3 g6 2 4.Sf3 Lg7 5.Le2 0-0 6.0-0 c5 7.d5 Sa6 8.Te1 Sc7 9.Lf4 Im Vergleich zu unserer ersten Partie machte der Computer heute einen sehr gut vorbereiteten Eindruck. Ich glaube, Karpov spielte so gegen Korchnoj in Baguio. In diesem Moment war mir klar, dass meine Eröffnungswahl falsch war, aber um das beurteilen zu können, musste ich erst diese Partie spielen. 9...b6 Korchnojs Zug 9...Sh5 ist besser. 10.Dd2 Te8 Ein überflüssiger Zug. 11.a4 Lb7 12.Lc4 a6 Hier wäre 12...e6 13.dxe6 Sxe6 14.Dxd6 Sd4 interessant gewesen, aber ich hatte Angst, gegen einen Rechner einen Bauern zu opfern. 13.Ta3 Ein sehr starker Plan. 13...Tb8 Ein Fehler. Vielleicht musste ich hier besser 13...e6 14.dxe6 Sxe6 15.Dxd6 Sd4 16.Sg5 Dxd6 17.Lxd6 Sxc2 spielen, mit unklarer Stellung. Aber gegen einen Rechner wollte ich solche Art zu spielen vermeiden. 14.Tb3 La8 15.e5 Sh5 16.Lh6 f5 die übliche Reaktion in dieser Art Stellungen, aber hier ist es schlecht. 16...dxe5 17.Sxe5 Dd6 18.Sxf7 Kxf7 19.Se4 Dd7 20.d6+ sieht auch nicht besser aus. 17.Lxg7 Kxg7 18.Sg5 Hier habe ich keinen Weg mehr für Schwarz gesehen, wahrscheinlich ist die Stellung schon verloren. 18...h6 19.exd6 exd6 20.Txe8 Sehr stark gespielt. Ich hoffte auf 20.Se6+ Sxe6 21.dxe6 Sf6 22.Lxa6 d5 mit guter Kompensation. 20...Dxe8 21.Se6+ Sxe6 22.dxe6 Dd8 22...De7 23.Ld5 Lxd5 24.Sxd5 und Weiß gewinnt. 23.Lxa6 d5 Hier wäre 23...Sf6 besser gewesen, wonach der Kampf noch nicht zu Ende ist. 24.a5 Dd6 Nach 24...d4 25.Sa4 gibt es keinen guten Zug mehr: 25...Dd5 26.Lf1 b5 27.c4 25.Sa4 Sf6 25...Dxe6 26.Sxc5 bxc5 27.Txb8 Dxa6 28.De3 riecht nach Matt. 26.Txb6 Txb6 27.Sxb6 Dxe6 28.De2 Nun ist es vorbei. Ich hätte hier schon aufgeben können. 28...Dxe2 29.Lxe2 Lc6 30.Lf3 Lb7 31.c4 La6 32.Lxd5 Sxd5 33.cxd5 Lb5 34.Sa8 1-0 Hiarcs hat heute sehr stark gespielt.
 
   
Parameter einstellen
Bei Hiarcs 8 kann der Anwender viele Parameter benutzerdefiniert einstellen. Die Engineeinstellungen verändern das Spiel- und Analyseverhalten. Bei Experimenten mit dem Feature sollte man immer beachten, dass die Voreinstellungen von dem Autor sorgfältig getestet wurden. Es ist in einzelnen Fällen durchaus möglich, dass in bestimmten Positionen andere Werte bessere Resultate erzielen. Die Engine soll eine möglichst gute Performance in allen Stellungs- und Positionstypen leisten, dies ist in der Regel nur mit den Voreinstellungen möglich.
 
Interessant ist z.B. für Tester die Option Stellungslernen. In der Grundeinstellung greift Hiarcs 8 auf die Werte seiner Lerndatei zurück. Die Lerndatei "Hiarcs8.lrn" wird im Verzeichnis Engines gespeichert. Wenn man mit dem Programm zu Vergleichszwecken Testpositionen analysiert, macht es Sinn, diese Option abzuschalten.
 
Unter der Option Tablebase-Tiefe sind Werte von -3 bis 20 möglich. Die bewährte Voreinstellung ist 2. Je höher die Werte, um so geringer die Zugriffe des Programms auf, die Endspieldatenbanken von Eugene Nalimov, die Tablebases. Bei der Option Drohtiefe sind Werte von 0 bis 7 möglich. In der Voreinstellung beträgt der Wert 3. Je höher der Wert, umso mehr Drohungen werden erkannt. Das Programm berücksichtigt hier vor allem Drohungen des Gegners stärker als eigene aktive Möglichkeiten.
 
Nach meinen Beobachtungen profitiert das Programm erheblich von der Feinabstimmung des Eröffnungsbuches auf die Spielweise des Programms. Für diese Arbeit ist seit vielen Jahren der Herausgeber der englischen Fachzeitschrift Selective Search und Experte im Computerschach, Eric Hallsworth, zuständig. Eric Hallsworth arbeitet seit vielen Jahren eng mit Mark Uniacke zusammen und ist ein Garant für ein auf die Spielweise von Hiarcs angepasstes Buch, das in den Ausspielpräferenzen erfreulich abwechslungsreich konzipiert wurde. Als erstes Fazit kann man festhalten, dass Hiarcs 8 nach fast drei Jahren Weiterentwicklung mit einer ausbalancierten Engine überzeugt, die keine auffälligen Schwächen zeigt und sowohl in taktischer als auch in positioneller Hinsicht Topleistung bietet.
 
   
Programmoberfläche
Das Programm wird mit der aktuellsten Fritz7-Gui inklusive Serverschnittstelle und dem Eröffnungsbuch von Eric Hallsworth ausgeliefert. In der aktuellen Gui wurde im Vergleich zur Erstauflage eine Fülle von Detailverbesserungen implementiert. Im klassischen Spielteil des Programms werden jetzt z.B. Bewertungen einer Engine im Analysemodus in der Notation gespeichert, große PGN-Datenbanken schneller geöffnet und die Toleranz gegenüber Abweichungen vom PGN-Standard erhöht. Weitere Verbesserungen gibt es in der UCI-Schnittstelle und dem Interface zum DGT-Brett.
 
Die zahlreiche "Zocker" auf dem Fritzserver werden vor allem mit einer neuen Option experimentieren, "Zugeingabe vorab". Was bedeutet diese Option, die in dem Optionendialog unter dem Reiter "Partie" zur Verfügung steht?
 
Während der Gegner am Zug ist und über seine Antwort nachdenkt, kann man bereits den geplanten Gegenzug auf dem Schachbrett eingeben. Dies macht insbesondere bei offensichtlichen Gegenzügen Sinn und spart bei Blitz- oder Bulletpartien wertvolle Sekunden Bedenkzeit. Der Gegenzug wird mit einem grünen Pfeil auf dem Schachbrett angezeigt. Es kann sinnvoll sein, im Endspiel mehrere Züge hintereinander einzugeben, z.B. im Endspiel einen Bauerndurchmarsch mit e3-e4-e5-e6-e7-e8.
 
Die Züge werden in diesem Fall automatisch abgearbeitet, sobald der Gegner gezogen hat. Dabei wird immer in eine Dame umgewandelt. Falls Ihr Gegner noch nicht geantwortet hat und Sie die Eingabe rückgängig machen wollen, können Sie mit einem Rechtsklick auf das grafische Schachbrett eine bereits angelegte Zugliste löschen! Die Einstellung Aus ist leicht verständlich. Normal = In dieser Einstellung wird immer der erste Zug aus der Liste ausgeführt. Ist der Zug nicht legal, wird die Liste gelöscht und man muss selber einen Gegenzug eingeben. Aggressiv = In dieser Einstellung wird ebenfalls versucht, den ersten Zug aus der Liste auszuführen. Ist der nicht legal, wird allerdings nur dieser Zug gelöscht und der nächste Zug aus der Liste ausgespielt.
 
Das Feature und die dahinter steckende Logik setzt einige Übung voraus. Scherzhaft könnte man auch sagen, dass man auf diese Weise sicher jede Partie verlieren kann, aber dafür unglaublich schnell. Bevor man das Feature in der Praxis auf dem Schachserver ausprobiert und wertvolle Ratingpunkte riskiert, sollte man die Funktion gegen eine Schachengine wie z.B. Hiarcs 8 ausprobieren. Die Option funktioniert nämlich auch im Spiel gegen Schachengines.
 
Hiarcs 8 kostet 49.99 Euro und kann im Fachhandel oder direkt bei ChessBase bezogen werden.
 
   
Turnierbuch für Hiarcs 8 - Juni 2002
Auf den Webseiten von ChessBase unter www.chessbase.com steht unter der Rubrik Download die Turnierbibliothek von Eric Hallsworth zum Download bereit. Das Buch liegt in einem speziellen komprimierten Format vor. Der Download dürfte mit mageren 800 KB den Geldbeutel von Besitzern älterer Modems nicht übermäßig strapazieren. Unter Hiarcs 8 muss man lediglich eine leeres Eröffnungsbuch anlegen und aus dem Menü Bearbeiten - Buch die Funktion Altes Buch importieren aufrufen. In dem Dateidialog wählt man die runtergeladene Datei "H8.hbk" aus und nach einigen Minuten Konvertierung wird aus den 800 KB ein Positionsbaum mit fast 40 MB.
 
Im Unterschied zum Buch auf der CD-ROM ist diese Bibliothek bedeutend schmaler in den Ausspielpräferenzen, dafür aber optimal auf die Spielweise des Programms abgestimmt. Das große Buch ist also eher geeignet für abwechslungsreiche Partien und das Training, bei ernsten Partien sollen Sie dem Turnierbuch den Vorzug geben.
 
Peter Schreiner
 
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